Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12975

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Jodelte .
und die andern Heiligen des alten Testaments den Dienst verdienen , den des VI und VII Bandes e>m Dissertation Hieruber . Man sehe auch das man den Canonisirten erweist , und ob man ihnen Altäre erbauen soll . Journal des Savans , vom 5 Märj 1703 , in dem Auszuge eines Buche« Man sehe hierüber die Atta Sanüorum Maii . Es ist in dem Anhange vom Baillet .
Jodelte ( Stephan ) , ein französischer und lateinischer Dichter im XVI Jahrhunderte , war von Paris » . Er war einer aus dem Siebengestirne , das Ronsard erfunden K Einige eignen ihm die Erfindung der französischen Verse zu , die nach der lateinischen Versart nach dem Sylbenmaaße gemacht sind ; allein andre wollen , daß Baif der erste gewesen , der diese Gattung von französischen Versen hervorgebracht hat f . Es ist ihrem Ruhme wenig daran gelegen , daß man die Wahrheit dieser Sache feste sehet ; denn diese Erfindung ist gar bald in Verachtung gefallen . * Man hat mehr Ursache , vorzugeben , daß Jodelte der erste unter allen Franzosen gewesen , der in seiner Sprache die Tragödie und die Comödie in ihre alte Form gebracht d . Er hatte eine unglaubliche Fertigkeit im Versmachen ( A ) ; und verstund noch viel andere Wissenschaften . Er war ein Redner : er verstund die Baukunst , die Malerey , und Bildschntzerey , und konnte gut fechten e . Er war ein Soldat / : Seme Geburt berechtigte ihn dazu ( B ) . Er ist im Heumonate , 157z , ein und vierzig Jahre abgestorben . Man sehe unten s . Seine de haben das folgende Jahr eine Sammlung von seinen Werken Herausgegeben K Man hat keinen Grund gehabt , zu sagen , daß er zur Strafe seiner Gottlosigkeiten vor Hunger gestorben sey ( C ) ; und ihn wegen des Heidenthums zu verschreyen , unter dem Vor - wände einer Carnevalslustbarkeit , wobey ihm seine Freunde einen Bock gewidmet ( D ) ( « ) . Ich getraue mich nicht , demjenigen Glauben beyzumessen , was ich in dem Leben Theodors Beza gelesen habe ( E ) . Man wird in der Stelle , die ich aus dem Ste - phan Pasqvier angeführt habe , viele Dinge , diesen Poeten betreffend , finden .
a ) La Croix du Maine et du Verdier Bibl . Francoife . ff ) Baillet , Jugement für les Poetes , Art . 1342 . Menage , chap . IX . de l'Anti - Baillet . c ) Siehe des Anti - Baillet , III Cap . d~ ) Du Verdier , Bibl . Franc , p . 28 ; . Siehe auch den PaSauier , >Recherches , Liv . VII . chap . V . e ) Du Verdier , ebendas . f ) Ebendaselbst , g ) Barillaö bekriegt sich , wenn er voraussetzet , ttittoire de ttenri III . Liv . IV . pag . m . 267 . daß Jodelle unter der Regierung Heinrichs des III . gelebet hätte . Er saget , daß die sieben französischen Poeten , Sie man das Siebengestirn geneimt , da sie sieb auf Unkosten diefes^Prinzen , einen ganzen Monat in einem Xvirthshause , bey dem Thore Nesse , lustig gemacht , singend Hergus gegangen waren : Es lebe die Tyranney ! wir haben sechs lausend Franken verschmauset . / , ) Du Verdier , Bibl . Fran^ . p . - 84 . 285 .
* Diese Verachtung , darein die ordentlich scandirten Verse bey den Franzosen gerathen sind , gereicht dieser Nation und ihrem Ge - schmacke zu keiner Ehre . Bais und Jodelle müssen gewiß ein zär - tereS Gehör gehabt haben , als alle ihre Nachfolger , die andern zösische» Dichter . Sie haben nämlich nicht nur den vortrefflichen Wohlklang der griechischen und lateinischen Poeten wahrgenom - mm , Indern auch in ihrer Muttersprache den Unterblieb langer und kurzer Sylben empfunden , welche unzählige neuere sche Poeten und Kunstrichter nicht zu chun im Stande gewesen . Es ist fast erstaunlich , wenn man liest , daß der große Fenelon , der scharfsinnige P . Rapin , der gelehrte Lami , der angenehme Rollen , endlich auch Deaumarckais u . a . m . einhällig dafür gehalten : daß die ftanzösische Sprache von langen und kurzen Sylben nichts wisse , und also in ihrer Poesie keinen , aus einem richtigen Sylbenmaaße entstehenden Wohlklang , zu wege bringen könne . Ich will zum Beweise nur eine kleine Stelle Fenelons , aus seinen Rcöexions für la Rhetorique , et für la Poetique , MC1717511 Amsterdam in 12 ausgekommen , von der 30 S , anführen . Nous n'avons point dans notre Langue , cette diverfite' des breves et des longues , qui fai - foit dans le Grec et dans le Latin la regle des pieds et la mefurc des vers . d . i . XDic babm in unsrer Gpracke den Unterscheid kurzer und langer Sylben nickt , der imGricckiscken und L . areiniscken dieRickrscknur der Füße und dasSylbenmaaß der Verse ausmackte . Man sehe die Stellen der übrigen in mei - nerDichtk III Aufl . Z ? u . f . Sin der Anmerkung . Ist es nun die« sen unsern stolzen Nachbarn nicht eine Schande , daß auch ihre fein - sten Köpfe , die sich eines so zarten Geschmackes rühmen , kein Gehör haben , etwas wahrzunehmen , was doch Auslander hören können ? Wenn z . E - Boiteau , seine Ode auf die Eroberung Namurs so anfängt : Quelle docle et fainte yvrelTe etc . höret da nicht ein jeder , daß diese Zeile denselben trochäischen Wohlklang hat , al« Anakreons III Öde : to9' oder bev uns Canitzens
Ode : Soll ick meine Doris missen 1 haben sie aber in ihrer Sprache lange und kurze Sylben , so könnten sie auch alle andre ten der griechischen und lateinischen Füße machen , wenn sie nur wollten . S . meiner «it . Dichtk . XII Cap . § 4 , s , 6 . Eben dadurch aber , daß ihre Poesie so faul ist , wie ein Deutscher , in dem Tractat« Des defauts de la Verfification francoife erwiesen hat , wird sie ganz ungeschickt zum Singen ; als wozu in Liedern und Oden Haupt - sachlich der Rhythmus oder Wohlklang der Alten gehöret , der in allen Strophen einerley seyn muß , wenn nicht oft kurze Sylben auf lange Noten , oder umgekehrt , treffen sollen , wie in allen sranzösischen dern geschieht . Man sehe hiervon was Js . Voßius in dem Tracrate de Poematum Cantu et viribus rhythmi auf der 37 , 38 S bey ner ftanzösischen Uebersetzung aus dem Horaz erwiesen hat ; Audi - uereLyce , Dii mea vota ; Diictc . Mcs voeux font Contents belle etc . Uebrigens ist Jodelle nicht eben der allererste tragische Dichter in Frankreich gewesen , weil schon vor ihm Übersetzungen der Jphigenia , dcrHekuba , der Elektra u . a . m . herausgekommen . S . Riccoboui Reäexioiis hift . et crit . für les differ . Theatre de I'Europe , p . 84 - G
( A ) Er hatte eine unglaubliche Fertigkeit im Vecsmadjen . ] Du Verdier Vau PrivaS , Bibl . Fran^ . pag . 286 , lehret mich dieses mit aus - - drücklichen Worten . Er war in einer gleichsam unglaublichen Sache „ unvergleichlich , daß nämlich alles dasjenige , was man vom Jodelle ver - „ fertiget finden wird , allezeit in der Geschwindigkeit , ohneStudieren und „ Arbeit gemacht worden : und wir können mit vielen Personen dersel - „ ben Zeit bezeugen , daß ihn die allerlängste und schwerste Tragödie oder „ Comodie niemals mehr als zehn Vormittage auszusetzen und zu schrei - „ ben besckäfftiget hat : auch so gar die Comödie Eugenius , die in vier Ab - „ Handlungen gemacht worden . Man hat ihn , in seiner ersten Jugend , „ wegen einer Wette , in einer Nacht fünfhundert gute lateinische Verse „ über eine Materie machen sehen , die man ihm in der Eile aufgegeben „ hatte . Alle Sonnete , auch so gar die zufälligen , hat er berm Spazie - „ rengehen , und bey anderm Zeitvertreibe so geschwind gemacht , daß , wenn er „ sie schon hergesagt , man gedacht , daß er sie noch nicht angefangen hätte . „ Man darf sich also nicht verwundern , wenn er eine so große Anzahl zuwege - gebracht hat . Man saget , daß er ungefähr zehntausend Verse von dem Ue - bergange über den Rubicon gemacht habe . I a Croix du Maine , Bibl . pae . 78 . Wenn seine Freunde alle seine Stucke herausgegeben hätten , auf wie viel tausend Verse würden sie nicht angewachsen seyn ? Er hat sich in alle« gemischt ; er hat Elegien , Oden , Sennette , Lieder , Ausschrif ,
ten und Gesänge gemacht . Du Verdier Van - Privas , Bibl . pag . 286 . Er machte ein Poeme contre l'ariiere - Venus 011 peehe de Sodomie . La Croix du Maine , Bibl . p . 78 .
( B ) Seine Geburt hat ihn dazu berechtiget . ] Er ist ein Edel - - mann gewesen , der ein Gut hatte ; denn er hat den Titel des - Herrn von Ä^modin angenommen . Du Verdier Vau - Privas , Bibl . p . 285 . Siehe auch La Croix du Maine , Bibl . p . 78 . Ich glaube , daß dieses ein erbli - ches Landgut gewesen .
( C ) Man hat keinen Grund gehabt , n» sagen , daß er zur Straft seiner Gottlosigkeiten vor - Hunger gestorben . ] Voetius , Difput . Tom . I , p . 137 , erzählet , daß , da er in - Honsdorfs Sckauplaye gelesen , daß Stephan Jodelle , der ftanzösische Poet , ein Epikuräer und Gottes - leugner , alle sein Vermögen verthan hätte , und vor Hunger gestorben wäre ( * ) , er fleißig «achgesucht , ob die Sache wahr wäre ? daß ihm aber seine Bibliothek nicht das geringste Licht gegeben , welches ihn vermocht , den RivetuS zu Rothe zu ziehen . Er hat durch dieses Mittel erfahren , daß man in den Werken des Jodelle nicht die geringste Spur der Gottes» leugnung fände , und daß man hingegen viele Merkmaale der Rechrgläu« bigkeir anträfe , und daß vielleicht die wider ihn angestellte Anklage der Gottlosigkeit , keinen andern Grund habe , als das Opfer eines Bocke« , ( siehe die folgende Anmerkung ) der dem Jodelle , als dem Haupte der tra - gischen Dichter , geopfert worden ; welches bloß ein lustiger Einfall sen , wenn man dem Urheber von Ronsards Leben glauben will . Gleich - wohl hat sich Rivet nicht zu entscheiden getraut , ob Jodelle nicht wegen dieser einzigen That verdiene , sür einen Gottesleugner gehalten zu wer« den . VoetiuS läßt sich dieses Unheil gefallen z er will , wie feilt Freund , daß , wenn man keinen glaubwürdiger» Beweis von der Gottesleugnung des Jodelle habe , man denselben nicht für überzeugt erkläre ; unterdessen hütet er sich wohl , ihn loszusprechen , er giebr zu , daß man eö in Zweifel ziehen möge . In inedio relinquit ( RiuetKs , ' ) an ob idem faöutn Athem fit dicendus , nifi aliunde alia authentica teftirtionia fuppetant . In cuius fententia et nos aequiefeimus . Voetius , Difputat . Toni I p 137 . Es ist nicht wahrscheinlich , daß der Sammler Honsdorf , sichauf das vorgegebene Opfer gegründet haben sollte : er giebt dem Jodelle den Titel eines Lüderlichen , der sein ganzes Vermögen verthan hat ; also gründet er sich auf eine Gewohnheirsfünde , und nicht auf die Mumme - rey eines erdichteten Opfers : eine That , wozu man sich nur einmal brin - gen laßt , und die gleichwohl verschiedenen andern ausgeweckten Köpfen zur Last fällt , von welchen Honsdorf kein Wort saget , als bloß dem Jodelle zur Last . Wir wollen also sagen , daß dieser ehrliche Sammler von den Beyspielen der göttlichen Gerechtigkeit , sich schändlich vergangen hat : und gleichwohl sind bier zweene berühmte Gottesgelehrte , die ihm die Ehre erweisen , seine Beschuldigung , der es an allen Arten des Beweises fehlet , den Zeugnissen der Rechtgläubigst gleich zu schätzen , die in den Büchern deS Angeschuldigten erscheinen : sie halten sich für billig genug , wenn sie weder für noch wider ihn den Ausspruch thun . Heißt dieses sich nach den Grundsätzen aufführen , Quilibet praefumitur bonus , donec probetur malus : Aöore non probante abfoluitur reus ? Man muß wohl Acht geben , daß Honsdorfs Abschreiber , oder diejenigen , die er abqe - schrieben hat , so viel ihrer auch seyn mögen , alle zusammen nicht so viel gelten , als das Zeugniß eines einzigen Zeugen , so lange sie niemand an - führen , oder so lange nur einer den andern anführet . I» Königs thek findet man unter dem Worte Iodellius folgendes : Georgius Rieh - terusGorlicenfis in Axiom . Ecclef . numero 108 feqq . habet : Memoria noflra Iodellius^ tragoediarurn feriptor t tragicum exitum inuenif , nam luxu , ganea , Jtupris , ex Epicureorum äifciplina , Patrimonium cum cotu fumßjjet , miferrimo genere mortis fame periit . Uebrigens verlange ich nicht , zu leugnen , daß Jodelle nicht arm gestorben sey . Siehe den Arti , kel Lme in der Anmerkung ( D ) zu Ende . Ich weis nicht , ob nicht Gen - tilet die erste Quelle aller der Sammler gewesen , die vom Jodelle , als von einem Beylpiele der bestraften Gottlosen geredet haben . " Man konnte , saget er , Difcours für les moiens de bien gouverner contre Nicolas Machiavel , IIP . pag . 179 , Ausgabe von 1576 , unjäblige Bevspiele der ausgeübten Strafe und Racke Gottes rvider die Gottesleugner , rvider die Verackrer Gottes und aller Religion , auck jtt unfern Seiten anführen , als des tragisckm Poeten Jodelle , der ein rvahr haftlg tragiscke» Snde genommen : denn , da er , als ein räer , fein gan ; es vaterlickes Lkrbe verfresien und verprasiet hatte , so ist er elendiglick vor Hunger gestorben . Ich habe einen Theil von diesen Worten in einem Buche gefunden , welches , $Si zu Morges druckt und betitelt ist : Strafen und Gerickte Gottes u . s . w . und in einem Buche , das 15S6 gedruckt und durch Johann Chassanion von Mo
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