Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12939

896 Jnnocenti
„ Buche gedruckt sind : und überdieß ist diese« nur für Italien , und nicht „ für die übrige Welt gewesen , wo dieses Buch nicht erscheinen dorfte . „ Unterdessen hat man diesen Beschluß ohne Anstand , Lateinisch und „ Französisch , durch Fürsorge einiger von der Partey , mit einer Zusam - „ menstoppelung von unnühlichen Stellen , gedruckt gesehen , um eine „ wichtige Lästerschrift daraus zu machen ; man hat ihn , sage ich , durch „ ganz Frankreich und die Niederlande / mit so vieler Aemsigkeit ausge - „ streuet gesehen , als wenn er die Satzung einiger allgemeinen Kirchenver - „ sammlung , über einen Hauptpunct der Religion , gewesen wäre ; und „ man weis , zu was für Ausschweifungen der unbescheidene Eifer einiger „ von ihren Gewissensräthen geschritten ist . Man sehe , wie weit diese „ Herren , wenn es ihnen gefällt , die Unterthänigkeit gegen die Verord , „ nungen der Kirche zu treiben wissen . Sollte man nach diesem nicht „ glauben , daß der Pabst ( ♦ ) die Übersetzung von Möns nur verbie - „ then dürfe , um sie abzuhalten , dieselbe zu verkaufen , oder in der Welt zu „ rühmen ? Und hatte man nicht Ursache , zu erwarten , daß sie nicht zum „ wenigsten für seinen neuen Beschluß zum Vortheile des Festes der „ Empf . ingmß , ebendasselbe thun würden , was sie für denjenigen gethan „ haben , davon ich itzo geredet habe ? Allein man würde sich sehr betrogen „ haben , solches zu hoffen : sie haben andre Grundsätze für ihre Auffuh - „ rung bey demjenigen , was sie berühret . , , Tellier , Obfervations für la noiivelle Defenie de la Verfion de Möns , p . 422 .
( * ) Er redet vom Jnnoeentius dem XI , welcher die Uebersetzung von Möns verdammet hatte . Siehe die Nouvelles de la Republ des Let - res , im May 1685 , p . 495 -
( E ) Er hat verkochen , den Namen und die Gebeine des An - tonius Cala ju verehren . ) Man hatte vor langer Zeit in dem nigreiche Neapolis diese Person , als einen heiligen Einsiedler verehret : allein Jnnoeentius der XI , hat 1680 befohlen , daß dieser ganze Dienst abgeschafft , und die Gebeine des Antonius Cala auf den ordentlichen Gottesacker gebracht werden sollten , um daselbst mit den andern vermen - get , und niemals wiedergeholt ! zu werden . Er hat auch dazu gefüget , daß alle seine Bildnisse , seine Kleider , und alle andern Ueberbleibsel , aus allen geheiligten Oettern weggenommen werden sollten . Siehe den P . pebroch , in Refponfione ad Exhibition . Error , p . 18 . 19 . P . Papebroch rechtfertiget durch dieses Beyspiel die Freyheit , die er sich genommen hat , etliche Heiligen zu unterdrücken .
( ? ) U ? enn es auf die Rache ankommt . 1 Der französische Hof unter Ludwigen dem XIV , und der römische Hof , unter JnnocentiuS dem XI , sind von einerley Hochmuth und Unbiegsamkeir gereizt gewesen , und hierdurch haben sie ganz Europa ein langes Schauspiel derAusforderung dargebothen , wer es in Ansehung dieses Geistes am besten machen kenn - te . Es kam darauf an , wer sich am nachdrücklichsten rächen würde ; al - lein endlich hat die Welt der Kirche weichen müssen : der Pabst hat sehen lassen , baß er sich nicht ohne Ursache den Statthalter Gottes aus Erden nennet ; Gottes , sage ich , der sich die Rache vorbehalten und erkläret hat , daß sie ihm zugehöre , und daß er sie ausüben wolle . V B Mose« XXXII , 3 ? . Der Pabst , als der Statthalter des Gottes der Rache , hat die Rechre dieser schönen Statthalterschaft unvergleichlich wohl behauptet . Ich nehme die Gedanken derjenigen Spottgeister nicht an , welche vorgeben , daß in dem Puncte der Rache , die Weltleute in Vergleichung der Geistlichen , nur A B C Schützen sind ; allein man hat nicht viel Streitigkeiten der Welt mit der Kirche gesehen , wo die Päbste nicht endlich die Oberhand behalten hätten , und wobey ihnen der Vortheil , sich besser zu rächen , nicht geblieben wäre . Sie sind die Statthalter und Anwälte Gottes , der sich die Rache vorbehalten hat : dieß heißt alles gesagt . Wenn ich mich recht erinnere , so ist der Schub , der einigen französischen Bischöfen durch Jnnoeentius den XI , verwilliget worden , die deswegen verfolget wur - den . weil sie nicht in die Ausdehnung des Regale willigen wollen , der erste Handel gewesen , der den französischen Hof erzürnet ( * ) , weil die Breven Jnnoeentius des XI , an den König von Frankreich , 1678 und 1679 , zum Besten dieser Bischöfe , in sehr starken und nachdrücklichen Ausdrückungen abgefasset waren . Als man diesen Hochmuth gesehen , so hat man die allerwirksamsten Mittel gesuchet , ihn zu kränken . Die sran - zösische Clerisey hat 163 - , ihre Meynungen über die Gewalt der Kirche erklaret , und darüber vier Sätze festgestellt , welche der Macht des Pab - steS Grenzen gesetzet , die dem Hose zu Rom höchst verhaßt waren . Die - ses ist im Grunde keine neue Lehre gewesen : die Geistlichkeit hat nichts entschieden , was den Grundlehren der gallicanischen Kirche nicht gemäß war , und was die Sorbonne nicht hundert und hundertmal gelehret hat - te . Also hätte man glauben können , daß sich ein anderer Pabst nicht darüber aufgehalten haben würde , und daß vielleicht Jnnoeentius der XI , seinen Verdruß verstellet hätte : damit man ihn aber , zu dem Bekennt - nisse zwingen möchte , daß er eine sehr große Beschimpfung erhalten hätte , so sind die Entscheidungen der Clerisey , durch die königliche Gewalt , als eine Lehre vorgetragen worden , die niemand zu bestreiten erlaubet seyn sollte , und daß sie von allen denen behauptet werden müsse , welche Licen - tiaten in der GotteSgelahrtheit , und den päbsrlichen Rechten werden , und zum Doctorat erhoben seyn wollten . Man hat alle Formalitäten aus - studiert , welche den Erklärungen des Königs , über diese Sache , das meiste Ansehen geben konnten . Diese Lehren sind durch den Rector der Uni - versität zu Paris , in einer Disputation behauptet worden , wobey der Erzbischof von Paris präsidirte , und wobey der Refpondente mit allen Merkzeichen seines Rectorats bekleidet war , um zu zeigen , daß der ganze Körper der Akademie , durch sein Haupt vorgestellt , diese Entscheidungen behaupte . Diese Disputation wurde an die Thüre der Wohnung des Nuntius angeschlagen , trotz der Widersetzungen , die er darwider machen zu wollen bezeigte : der Pabst hat seine Empfindlichkeit wider die Cleri - sey ausbrechen lassen ; er hat auf den Brief , den er von ihr erhielt , sehr hart geantwortet , und denjenigen niemals Bullen ertheilen wollen , wel - che der Versammlung des >s« - Jahres beygewohnet hatten . Er hat die Freyheiten des französischen Abgesandten abgeschafft , eben so wie der an - dern ihre , und den Marquis von Lavardin niemals erkennen wollen , den man 1688 in Gesandtschaft an ihn abschickte . Frankreich hat damals etwas gethan , das groß Aufsehen gemacht . Dieser Gesandte hielt fast mit gewaffneter Hand , in Rom feinen Einzug , und hat , da er Besitz von sei , nem befteyten Quartiere genommen , dasselbe al« eine Kriegsstadt bewa , chen lassen . Siehe Leti , Monarchie universelle , Part . II . p . 346 . Der Pabst hat ohne sich zu einsehen , sich auf eine erstaunende An gerächet : Er hat der Kirche des h . Ludwigs , die geistlichen Verrichtungen imtersa , get , weil sie den Marquis von Lavardin aufgenommen hatte ; er hat die»
is der XI .
sen Abgesandten in den Bann erkläret , und ihn durchaus nicht dafür er - kennen wollen .
( * ) Man sehe das Verzeichniß vieler andern Beschwerungen von Frankreich , die dieser gefolget sind , in der Antwort auf die Protestatio» des Marquis von Lavardin , 97 » . f - S .
So weit waren die Sachen gekommen , als feine allerchristlichste jestät , wahrgenommen , daß die Fortsetzung dieser Streitigkeiten ihm nachtl , eilig seyn würde , und ins geheim einen vertrauten Menschen ab - geschicket , welchem sie einen BeglaubigungSbries von ihrer Hand , an Se . Heiligkeit gegeben hatten . Der Brief des Königs von Frank - reich , an den Cardinal von Estree , vom 6 des HcrbstmonatS 1688 , ist in des Leti Monarchie univerfelle , II Part . 447 u . f . S . Dieser Mensch sollte dem Pabste die allergeheimsten Absichten des Königs erklären : lein man hat weder seinen Brief annehmen , noch ihm einiges Gehör er , theilen wollen . Hierauf hat der König einen Brief an den Cardinal von Estree geschrieben , welcher den Cardinälen mitgetheilet wurde . Er hat sich darinnen über diese Aufführung des Pabstes beklaget , und ins beson - dere den Nachtheil bemerket , den Europa und die Kirche aus demjenigen erleiden könnten , was der Pabst bereits wider den Cardinal von Fürsten - berg gethan hatte . Er hat dieser Parteylichkeit die Bewegungen zuge , schrieben , die sich wider den König Jaeob , zum Besten der protestanti - schen Religion , ansponnen , u . s . w . Dieser in Rom ausgestreuete Brief , ist vielleicht ein neuer Bewegungsgrund gewesen , der den Pabst mocht , dem Prinzen Clemens von Bayern , zum Nachtheile des Cardinals von Fürstenberg , immer mehr und mehr Vorschub zu thun . Nun hat et sich durch die Aueschließung dieser Eminenz hundertfaltig , wegen aller Beleidigung , gerächet , die er erhalten haben konnte . Er hat dem Köni - ge von Frankreich den Vorlheil entzogen , der Schiedsrichter des Krieges und Friedens zu seyn , und ihn auf eine unumgängliche Art , fast mit ganj Europa in Krieg verwickelt . Er hat gar bald die Wirkung dieser Auf - führung gesehen , und wenn er nicht lange genug nach einer so entsetzli , chen Rache gelebt : so hat er doch genug gelebt , die Freude zu haben , Frankreich von so vielen Feinden angegriffen zu sehen , daß es nach den allgemeinen Vermuthungen unterliegen , nnd bey dem ersten Feldzuge , als ein Abgrund einstürzen mußte . Nun sage man , daß die Kirche nicht den Sieg über die Welt erhalten hat , in einem langen Streite , darin - nen man stritt , wer sich am besten rächen könnte . Wenn Alexander der große , ein Katholik ? gewesen wäre , so würde er viel Mühe gehabt haben , wenn er mit dem Pabste gestritten , ehe dieser dasjenige gesaget hätte , was er aus dem Munde der Priestermn zu Delphos heraus lockte : Mein Sohn , du bist unüberwindlich . Delphos inuifit , Apollinem de euentu belli , quod moliebatur , confulturus . Sed virgo fatidica nega - bat per eos dies adiri deum fas eile ; donec ipfe co profedhis , vi con . ripuit virginem , et ad templum traxit . Sed quum inter eundum illa patrium morem pertinacia regis vidhim reputans , exclamafiet : inui - ßus es tili ! accipere omen dixit : nec alio oraculo fibi opus efle . Freinshemius , Supplem . in Q^Curtium , Libr . I . Cap . XI . num . 16 . ex Plutarcho .
( 6 ) Man giebt vor , daß ein wollüstiger pabst - - , der katholischen Rirche viel nützlicher gewesen seyn würde . ) nigen , welche diesem Pabste nicht gewogen sind , sagen , daß er von den allgemeinen Geschafften zur Gnüge unterrichtet gewesen , um zu wissen , in was für einem Zustande sie waren , als der Cardinal von Fürstenberz um das Churfürstenthum von Cöln angehalten : es hätte nur an ihm legen , den König von England zu retten , und Frankreich die Mittel zu verschaffen , alles auszufuhren , was es unternehmen würde ; denn es würde mit der Hülfe eines solchen Cardinalö , der die ganze Erbschaft sei« nes Vorgängers erhalten hatte , die Armee aller deutschen Fürsten matt gemachet haben , die wider dasselbe übelgesinnt waren : man hatte 1684 die Probe davon gemachet , als es um einen Waffenstillstand angehalten . Nun ist wohl gewiß , daß die Siege dieser Krone , die römische Religion erweitert , und die protestantische auf eine seltsame Art geschwächet hatte . Woher kömmt es also , daß der Pabst diesem Cardinale so zuwider gewe , sen ist ? daher , saget man , weil er den König von Frankreich gehasset , und lieber den Voriheilen der römischen Religion , als dem Veranügen , seinem Feinde hinderlich zu seyn , und der Annehmlichkeit der Rache ab - sagen wollen . Eben diese Personen sagen , er habe sehr wohl gewußt , daß ein Bund gemacher würde , davon die Protestanten die vornehmsten Aufseher wären , und welcher vermögend werden könnte , zu seiner Zeit fast durch ganz Europa die katholische Religion zu unterdrücken ; und daß das allerkräftigste Mittel , das man aussinnen konnte , diesem Bunde zu - vor zu kommen , war , die ganze Erbschaft des Churfürsten von Cöln . in die Hände eines Cardinals zu geben , der sich niemals mit den ketzerischen Fürsten verbinden würde . Woher kömmt es denn , daß sich JnnocentiuS der XI , den Absichten dieses Cardinals so widersetzet hat ? Daher , saget man , weil er eine Freude gehabt , Frankreich den größten Gefahren cmS - zusetzen , und sich wenig um die Einbußen des Pabstthums bekümmert , wenn er sich nur an dem französischen Hose rächen könnte . So reden seine Feinde : allein man darf sich nicht allzusehr darauf verlassen ; ihre Leidenschaft muß ihre Muthmaßungen verdachtig machen . Vielleicht ist es viel vernünftiger , zu sagen , daß , da er sich sehr auf die Verbesserung der Sitten , und die Uebungen der Gottesfurcht gelegt , er nicht ver - mögend gewesen , weder dasjenige wohl zu erkennen , was seiner Religion nützlich war , noch das nutzbare dem ehrbaren vorzuziehen . Nun hat er geglaubet , es erfordere die Gerechtigkeit , daß er den Bruder des Herzog« von Bayern , dem postulirenden Cardinale vorzöge . Einige wenden das - jenige auf Jnnoeentius den XI an , was man vom Hadrian dem VI ge - saget hat : er war ein ehrlicher Mann , aber er verstund das Handwerk der Sraatskunst nicht . Siehe die Anmerkung ( QJ zu dem Artikel , - Ha - drian der VI . Da« gute Glück der Protestanten hat gewollt , daß der Stuhl zu Rom >688 von einem Pabste besessen worden , der entweder sei» nenÄortheil nicht verstanden , oder allzuhart war , sich die Umstände zun» Nachtheile seiner Privatleidenschaft zu Nutze zu machen .
Allein wer kann uns übrigens versichern , daß Jnnoeentius der Xl nicht in gewissen Stücken ein guter Staatsmann gewesen ist ? Hatte der Hof zu Rom nicht« von der allzugroßen Macht der Prinzen zu befürch - ten , die den Seelen am allergehäßigstcn waren , welche sich von seiner Ge - meinschaft abgesondert hatten ? Hat Sixtus der V , dessen politische Ein« ficht so groß gewesen , nicht lieber Heinrichen dem I V , und der Königina Elisabeth Vorschub gethan , als den König von Spanien eine allzuqroße Gewalt erwerben lassen wollen ? Siehe die Anmerkung ( R ) de« Arn«

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