Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12922

Jnnocentius der XI .
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3im«Ct1t ! »^ der Xl wurde den 21 des HerbstmonakS , 1676 , zuni Pabstö gemacht : er war von Como m der jomdar - dey , und nennte sich Benedictas Odescalchi , wie man eö in dem Moeerl , nebst vielen andern Dingen sehen kann , die ich dieser - wegeinnit Stillschweigen ubergehe . ^>eine erste Profeßiott ist der Krieg gewesen ( A ) . Er verließ ihn , um sich dem chen Stande zu widmen , und gieng nach Neapolis , daselbst zu studieren , wo er die Doctonvürde erhielt ; nach diesem begab er sich unter dem Pabstthume Urbans des VIII , nach Rom , der ihn zum ersten apostolischen Secretär machte . Er verwaltete dieses Amt so wohl , daß er zum Kammerpräsidenten , und dann zum apostolischen Commissär und Statthalter der Mark von Roin erhoben wurde . Er erhielt den Cardinalshut den 6 März , 1644 , und die Legation von Ferrara einige Zeit daraus , und dann das Bischofthum von Novara " . Die Franzosen geben vor , daß ihm seine Freygebigkeicen und seine Hofstreiche den dinalshut , durch das Ansehen der Donna Olympia , verschafft haben ( ö ) . Allein sie können nicht leugnen , daß er nicht eine große Entfernung von dem wollüstigen Leben blicken lassen . Seine Sittenlehre war strenge , und er ist für andächtig gehalten worden Er ist den Ianfenisten viel günstiger gewesen , als seine Vorfahren ; dieß ist auch Ursache gewesen , daß die Iansenij^n sich der Sache der Päbste mit Mehrerin Eifer annahmen , als sie gethan hatten ( C ) . Er hat unzahlige Leute durch die Unterdrückung eines Amts der unbefleckten Empfängniß und verschiedener Ablasse geärgert . Die einzigen Ianjenisten in Frankreich sind da - durch erbauet worden . Sie haben diese zween Entschlüsse ausgebreitet , und einige Noten dazu gesüger ( D ) . Ich glaube nicht , daß alle Welt mir der Scharfe vergnügt gewesen , mir welcher er den Namen und die Gebeine des Antonius Cala zu verehren verbothen hat ( E ) . Er hat eine so unbewegliche Härte bey den Irrungen mit Frankreich bezeuget , daß er die ganze Welt über - Mget , daß , wenn es auf die Rache ankömmt ( F ) , die Personen , die sich der strengen bitten rühmen , unvergleichlich sind . Man giebt vor , daß ein wollüstiger Pabst , der aber seine Privarleidenschasten den politischen Absichten besser ausopfern können , als er , der katholischen Kirche weit nützlicher gewesen seyn würde ( G ) . Die Franzosen sind sehr erzürnet wider ihn , und man saget , daß dieses viel zu seiner Heiligmachung helfen wird ( hl ) . Er ist nicht gelehrt gewesen ( I ) . Er ist den 12 August , 1689 , gestorben . Der Brief des Königes von Frankreich , an das Conclave , bedeutet in wenig Worten sehr viel , gegen den Nachruhm des Verstorbenen ( K ) .
Ich finde in den Valesianen eine Stelle , die mir werth zu seyn scheint , hier so lang , als sie ist , hergeseßet zu werden ( L ) . - Jch werde auch etliche Verse des de l« Fontaine anführen , welche bezeugen , daß man in der Stadt Paris , wider InnocenriuS den XI , sehr frey geschrieben hat . Man wird ein schönes Lob dieses PabsteS in der VII Rede des Malagonnelli finden b . Das Latein darinnen ist unvergleichlich , und kommt dem alten Rom gleich .
a ) Aus einer Schrift von 16 @ . in 4 . betitelt : La Vie d'Innocent XI Pape de Rome , c'crite par D . G . B . P . a l'illuftre Seknciir le Baron Giovanelli , Confin de fa Saincletc . b ) Man sehe die Reden dieses Redners betreffend , das leipziger Tagebuch , im III Bat , de der Zusätze , 43 u . f . S .
( A ) Seme erste proscsiion ist der Rrieg gewesen . ^ Hier ist das - jenige , was man in der Schrift von >6 S - findet , siehe im Texte die An - führung ä ) . „ BenedictuS bekam also in seinen jungen Jahren Lust , sich „ in dem Kriegshandwerke zu üben , indem er viel großer von Herzhaftig - „ keit und Muthe war , als von Leibe ; und weil er die Kriege von wei - „ tem voraus sah , die er in seinem Alter würde führen müssen , und Haupt - „ sächlich wünschte , eine Kennt ! , iß von den Waffen zu haben , um sie mit „ Vortheile in der streitenden Kirche einzuführen . Und weil er die Fol - „ gen des Krieges wohl wußte , und das ; die Kriegserkenntniß bloß durch » . eine beständige Uebung erhalten werden kann : so ist er nach Pohlen ge - „ gangen , um daselbst in dem Kriege zu dienen , den dieses Reich wider die „ Türken führte , und dabey die Proben seiner Tapferkeit zu zeigen . , » DerVernunftschlnß in diesen Worten ist nicht viel besser , als die Redens - arten ; allein hiervon ist die Rede nicht : Wir wollen nur sagen , daß uns dieser Schriftsteller zu erkennen giebt ; es habe'sein BenedictuS die Waf - fen allein in Pohlen getragen . Unterdessen versichert der Mercurc lant vom August , 1689 , daß er sie auch in Flandern , im Dienste der Spanier , wider Frankreich getragen , und daß er einen Musquetenschuß in die rechte Schult« bekommen , davon er seine ganze Lebenszeit Be - schwerung empfunden . Ich habe , ich weis nicht in was für einem Nou - vellisten gelesen : es sey Jnnocentius des XI Haß gegen Frankreich von einer Beschimpfung gekommen , die ihm ein Franzose im Kriege erwiesen batte ; eine Beschimpfung , die BenedictuS Odescalchi unbestraft gelas - ftn , und weswegen er sich erstlich an der ganzen Nation gerächer , da er Pabst gewesen .
( B ) Seme Freigebigkeiten unv seine listigen Streiche bey - Hofe haben ihm öucdb das Ansehen Oer 2>onna't ! ) lympia den Cardi - nalshut verschafft . Z Man sehe den Mercure Galant ; man wird dar - innen finden , daß unser BenedictuS Odescalchi , der Sohn eines reichen Wechslers zu Como , mit der Donna Olympia gespielet , und sein Geld mit Fleiß , aus Gefälligkeit gegen diese Frau , verlohren habe . Bey Ge - lcgeuheit des Wechslers erinnere ich mich dieser Stelle der Menagianen , p . i8> . erste Holland . Ausg . . . Der Pabst Jnnocentius der XI ist der „ Sohn eines Wechslers gewesen . Er ist am S . Matthäuslage erwählet „ worden , und an demselben Tage hat Pasquin gesager , inuenerunr ho - „ miiiem fedentem in telonio . „
Folgendes findet man in einem kleinen Buche , das zu Avignon , bey Jol>nm Bramereau , 16 * 2 , gedruckt worden . und zum Titel hat : La jufte Balance des Cardinaux vivans . . , Nact ) dem Tode Urbans des „ VIII hat Odescalchi angefangen , der Donna Olympia seine Aufwar - , . tunq zu machen , einer Richtet ( er sollte sagen Schwägerin , , ; das Wort „ Cognata in den , italienischen Originale bedeutet dieses , ) des PabsteS „ Jnnocentius des X , und sie hat , nachdem er sieverschiedenemal zu Ga - , , ste gehabt , angefangen , seine Absichten mit Eifer zu unterstütze» , und „ vornehmlich wegen einer Sache , die dieser Prälat gethan , und welche „ bemerkt zu werden verdienet . Da er sie zu Anfange des Pabstthums „ Jnnocentius des X , ihres Vetters , besucht , ( er sollte sagen , ihre« „ Schwaqers , » so trug es sich zu , daß ein Goldschmied zu ihr kam , um ihr „ einen schonen und reichen Schrank von Silber zuni Verkaufe zu zeigen , „ und Donna Olympia , nachdem sie denselben , in Gegenwart des Odes< calchi und vieler Herren , genau betrachtet , welche mid>c die Antwort " gehöret , die sie gegeben : vasi dieses Silberwerk schon wäre , sie " aber , als eine arme Vvitwe . nicht so viel Saraus wenden ( otu nc so bald sie dieses gesaget , sich in ihr Zimmer begeben Odesealchl " bat den Goldschmied unverzüglich gerufen , ihn nach dem Presse dieses " Stücks aefraget , und sich mit ihm um 8000 Thal« verglichen : worauf . ''«es , ohne etwas anders zu sagen , der Donna Olympia in , einem Na - >men überreichen lassen , welche bey Erblickunq eines solches Geschenkes ga erstaunt über eine so außerordentliche Sache war . sich unverzüg - llch um Dabste begab , und ihn um das Amt eines Kamm - rschreiberS I SS te '' Prälaten , und dann hernach um den Card . - nalsbuttath Ä fe auch , durch Vermitteluna des Card . nals Pa - . ' , 'lotta , erhalten „ führe diese Worte nach der Abschrift an , die mir durch den Pallardy d^von mitgetheilet worden , von welchem vbm m der Anführung - - des Artikels Gleiten geredet worden Jchi habe dasselbe Buch italienisch : es ist betitelt , LaguiftaStatera de Porpoiati . Li I
zu Genf , >6 ; c> , gedruckt worden . Ich habe es zu Raths gezogen , und nicht allein das Original von dem bisherigen , sondern auch dieß gefunden , daß unser Benedict Odescalchi seine Aufwartung beym Don Barberint gemad , t , um das Amt eines KammersckreiberS zu erhalten ; daß er die geforderten Summen bezahlet , und dennoch seinen Zweck nicht erhalten hätte ; daß er eine 'Person von mittelmäßiger Fähigkeit , e foggetto di inediocre intelligenza , und ob er gleich sehr viel verthan . dennoch ein reicher und prächtiger Cardinal gewesen ; daß er zur Zeit K'ineS Prala - tenstandes die Spatzierlusten , Comödien und Gastgebothe sehr geliebt , seit seiner Cardinalsmürde aber sehr eingezogen gelebet .
( L ) Die 3«nftntfJm nahmen sich der Sache der päbffc mit mehr Eiftr an , als sie gethan hatten . ] Dieses wirft ihnen Talon in der berühmten gerichtlichen Rede vor , die er den 23 Jeinier , i6»8 , der Jnnocentius den XI gehalten hat . Eine seltsame Sachesaget er 42 S . Holland . Ausg , daß Ver Pabst , dessen vornehmjre Sorge feyn soll , die Reinigkeir des Glauben» 5» erhalten . und den gang der neuen Me / nungen zu verhindern , seit der Zeit , da er auf dem Stuhle des heil . Petrus siyt , nicht aufqehoret hat . Um - gang nur allen denjenigen 5« unterhalten , die sich öffentlich für Schüler des Janscmus erklarer haben , dessen L . ehrc seine Vor , fahren verdammet haben : er hat sie mir GnadenbczciViunqcn uberhauser ; er hat sie gelobet ; er hat sich für ihren 25cschüncr erkläret : und diese gefahrliche Rone , welche innerhalb drcvßiz Jahren nichts vergessen hat , das Ansehen aller geijilichcn und weltlichen ! V>achtt , i zu vergrinaern , die ibv nicht gewogen ren , richtet itzo dem pablfe Altäre aus ; weil er ihre Anftiläge untcrjiüner uiio nähret , die den Frieden der Rirche von neuem verunruhiger haben würden , wenn die Vorsehung und die uner> müderen Sorgen eines Prinzen , den der - Himmel zum Schilde und ^»ejchützer des Glaubens hat lassen gebohren werden , der - selben L . auf nicht aufgehalten hätten . Ich glaube nicht , das ; es sich ein einziqer Janseniste hat in den Sinn kommen lassen , zun , Vorteile der vier Sähe zu schreiben , welche die französische Clerisey 168 - enr , chie - den hat ; wider welche die Verfechter der jenseit gebirgischen Lehren so viel geschrieben , und so viele Bücher herausgegeben haben . ' Wenn sich eben dieselbe Sad ) e unter dem Pabstthume Jnnocentius des X , oder Aleran« ders des VI I , eräuget hätte , so ist es gewiß , daß die Janseniste , , hundert Bände geschrieben haben würden , die Entscheidungen der Clerisey zu haupten , und die Schriften der jenseit gebirgischen zu widerlegen . Der Mensch zeiget sich überall : die Richtschnur unserer Aufführung verändert sich nach den Zeiten , und nach der Neigung , die wir qeqen die Personen haben . Aus Erkenntlichkeit gegen einen Wohlthäter , verschonet man eben dieselben Lehren , die man aus Widerwillen , gegen einen Unterdrücker , verfluchet hat .
( v ) Sie haben seine zween Beschlüsse ausgeffrcuer . und einige Noten dazu gefüger . ] Die eine ist zu Rom den 17 des Horum , qS , 1678 , gegeben , und enthält die Verdammnnq des Buches , Officio dell' immacolata concettione della Saiiftiflima Vcrgine noftra Signora , ap - provato dal foinino Pontefke Paolo V , il quäle a chi devotamen'te lo recitar . a concede indulgenza di cento giorni , come aparifee nel fno breve dato in Roma Ii x . Inglio M . DC . XV . in Milano per Fran - cefco Vigone . Der andere ist zu Rom den 17 März . 167s , geqeben worden . und unterdrücket eine große Anzahl Ablasse . Die ^ansenisten haben diese zween Beschlüsse heimlich in Frankreich drucken " lassen , und Regeln dazu gesetzet . durch welche man den Nutzen erkennen kau» . Sie bestehen in vielen Stellen . ^ Es wird nicht unnützlich se»n , hier die Be - trad ) tung eines Jesuiten , über die Aemsigkeit der Janseniste» , in Anse - hunq dieser Beschlüsse , zu sehen , und die weniqe Hodiachtung , die sie ge - gen die Verordnungen der Päbste , wider den JanseniuS habeir . . Man „ hat vor einigen Jahren zu Rom ein zu Mavland gedrucktes Buch in „ das Verzeichi'iß der verbothenen Bücher gesetzet . in welchem sich das „ Amt der unbefleckten Empfängniß der Murrer Gottes befundeir Das „ Verboth hat das Amt der Empfängniß nicht selbst betroffen , welche ? i» „ der Kirche , vor langer Zeit , erkannt und bestätiget , und auch noch vor „ kurzem durd ) Jnnocentius den XI gebilliget worden . Sondern dieser „ Beschluß betrifft andere falsche , oder verwegene Dinge , die in demselben
„ Buche

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