Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12917

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Jmwcentius der VIII .
ques für la Reponfe au Myftere d'Iniquite' , II Part . p . 626 . 627 . Was er aus dem Guieciardin anführet , das steht zu Anfange des IB . Dieje - „ igen , welche auf die Einschließung Acht haben , werden begreifen , daß ich Rivers Worte deswegen lieber genommen habe , als Guicciardins Origi - nal . weil sie mir zum Beweise dienen . Wollte Gott , daß man keine andern Fehler begienge , als die zur gemeinen Ruhe beytragen !
( v ) < & c iff der erste pabst gewesen , der sich einen Ruhm dar - aus gemacht , Bastarte ZU haben , und sie mit Gütern ZU häufen^ Volaterran redet im XXIIB . p . 821 . davon : Pontificum etiam primus , qui nouum et ipfe exemplum introduceret palatn übe - ros nothos iadtandi , ac foluta omni antiqua difciplina diuitiis eos omnibus cumulandi . Er redet nur von einem Sohne und einer Toch - ter dieses Pabstes , und saget , daß der eine von seinem Vater , etliche Städ - te in der Nachbarschaft Roms , und den Vortheil erhalten , des Lauren - tius von Medieis Eidam zu werden ; und daß die Tochter , Namens Theodorine , einem Genueser , mit großem Reichthume , zur Ehe gege - den worden . Gerardo Vfumari Genuenfi nuptam opibus per quam magnis ornauit . Ebend . Moreri hat hier gestrauchelt ; er giebt vor , daß Jnnocentius der VIII zween Sohne reich hinterlassen , die er vor sei - nem Pabstrhume gehabt . Dieß ist aber ein Jrrrhum , so wohl in An - sehung des Geschlechtes , als der Anzahl dieser Bastarte . Es sind de - ren >6 gewesen ; 8 Söhne und 8 Töchter : daher kömmt diese« Sinngedicht :
Quid quaeris teftes , fit mas an foeminaCibo ?
Refpice natorum , pignora certa , gregem .
0<äo nocens pueros genuit , totidemque puellas ,
Hunc merito poterit dicere Roma patrem .
Nach dem Da pleßi« , Myft . Iniq . p . 559 . sind diese Verse eine Grab - schrift Jnnocenrius des VIII , durch den Marullus aufgesetzt ; allein ich finde sie in der speyerischen Ausgabe , von 1595 , von den Werken dieses Poeten nicht , und ich glaube nicht , daß man sie aus Hochachtung gegen den römischen Hof , darinnen unterdruckt haben sollte ; denn man hat doch diese darinnen gelassen :
Epitaph . Innocentii Odtaui .
Spurcities , gula , auaritia , atque ignauia defes ,
Hoc , Oäaue , iacent quo tegeris txnnulo .
Epigramm . Libr . IV . p . m . 84 . Man findet auch daselbst folgendes :
ve Xyfto et haerede Exhauiit Xyftus bellis et caedibus vrbera ;
Tercentena haeres reftituit fobole .
Ebendas . Libr . III . pag . 60 . Du plefiis versichert , daß das erste von diesen zweyen Sinngedichten , der Beschluß der Grabschrift , oder der vier Verse sey , die ich zuerst auae - führet habe . Ich weis nicht , ob er sich einer Ausgabe des Marullus ve , dienet hat , die von der meinigen unterschieden ist , oder ob er einem un - achtsamen Abschreiber gefolget ist ; allein ich zweifle nicht , daß der Ver - fasser der Vorurtheile , wider das Pabstthum , im I Th . - 47 S - nicht oh - „ e die gerinste Untersuchung vorgegeben hätte , daß Jnnocentius des VIII Lob , nach seinem Tode , in 6 lateinischen Versen verfaßt worden , die er anführet . Dieß ist ein Sinngedicht , davon das letzte Distichon die Grab - schrift ist , die man wirklich in den Gedichten des Marullus findet : die - wey ersten Disticha sind diejenigen , die man in meiner Ausgabe weder vor der Grabschrift , noch an einem andern Orte , findet . Johann Zuin - «er , Professor zu Basel , de Fefto Corporis Chrifti , p . 135 . scket auf daß diese 6 Verse zw5y Sinngedichte des Marullus sind ; allenfalls ist er scharfsinniger , als der Verfasser der Vcrnrcheile ; er hat dasjenige nicht verbunden , was er hätte trennen sollen . Was dieses Sinngedicht Sannazars betrifft :
Innocuo prifcos aequum eft debere Quirites Progenie exhauftam reftituit patriam , so hat er Ursache , solches anzuführen ; es findet sich wirklich unter den Gedichten dieses Poeten . Es ist das XXXVIII des I B . 124 S . amst . Ausgabe , von 1680 . Coeffeteau hat sich bey dieser Stelle seiner Ant - worr an den Du PleßiS , in großer Verwirrung befunden . Man wird es sehen : „ Du PleßiS . da er den JnnocentinS , wegen seines rechtmäßi - „ gen Ehstandes . nicht anareifen können , ( denn er war verheirarhet , ehe „ erPabst geworden , ) führet einen Schriftsteller ohne Namen auf , cher saaet , daß er der erste gewesen , der sich einen Ruhm Sarau» „ gemacht , Bai karte zu haben . Und diese« zu bestätigen , führet er ei - „ ne Grabschrift des Marullus an , in welcher er doch nur von denen Kin - , , dern redet . die JnnocentinS im Ehstande gezeuget hat . Nun verdienen „ alle diese Schriftsteller nicht dm geringsten Glauben , und die Ungebun - „ denkeit ihrer Feder verdient eine lehr scharfe Züchtigung , da sie sich unter - 'standen , das Haupt der Kirche so verleumderisch zu verlästern . Gewiß , 'die guten Schriftsteller beschuldigen Jnnocenrius den VIII , nicht der 'geringsten von denen Unreinigkeiten , die ihm der unflatige Dichter ' . Marullus beymißr . Jedoch wir wollen ihm gerne erlauben , daß er „ die Vorrechte seiner Profeßionsverwandten genießt . Rep . au Myft . . d'Iniq . p . 1209 . Rivets Antwort wird uns die Alberkeit dieser Ant - wort des Coeffeteau klärlich zeigen : Die Wollüste dieses pabstes sind nickt allezeit müßig gewesen , denn er hat eine große Anzahl Rinder gehabt . Xvenn dieses in der rechtmäßigen Ehe hen wäre , ehe er ein Geistlicher geworden , so würde es niemand tadeln können : und wenn Coeffeteau deswegen tüchtige Zeugen angeführet hätte , ss würde er etwas zu seinem Nachrühme ge - than haben . Allein ich finde keine darunter , die da sagten , daß er verheiratbet gewesen . Den Schriftsteller betreffend , welcher versichert , daß dieß der erste Pabst gewesen , der das neue Erempel einge - führet , sich seiner Hurkinder öffentlich zu rühmen ; so ist dieß kein un - bekannter Scribent , wie der Gegner gerne wollte , sondern der - selbe Volarcrran , den er nicht lange zuvor , den großen Mann , und rechtgläubigen Seribenren , genennet . - - - Coeffeteau hat die« sin Autor wissen müssen , allein er hat , hn verheelet , un , sich an den armen Poeten Marullus 5» halten , als wenn er diese Zei - tung erfunden hatte , indem er ihn einen unflätigen Poeten nennet . Er sehe doch in seinen possevin , der wird ihn belehren , daß die -
sev Marullus , ( Marcus Marullus Spalatinus ) bey der romischen Kirche , in dem Ruhme der Gottesfurcht ist , und seine 5V«rke oft zu Antwerpen , Cölln und anderwartig gedruckt worden sind . Remarq . iur la Rep . au Myft . d'Iniq . . p . 627 . Ich finde in sen Worten Rivets eine Bollbringungsfunde , und eine UnterlassungSsun - de . Diese besteht darinnen , daß er die Kühnheit des Coeffeteau , wegen der Verse des Marullus , nicht bestrafet hat ; ( nämlich die Verse , die er für des MarulluS feine ausgegeben , ) er bejahet , daß dieser Poete nur von den Rindern rede , die Innocentius im Ehstande gezeuger har . Was will denn das Wort nocens des dritten Verses sagen ? Ve - deutet es nicht eine strafbare Vaterschaft ? Die Vollbringunssünde be - steht in dem Vorgeben , daß Marullus von Spalato , der vom Possevin aelobet wird , der Marullus ist , dessen Verse , so bekannt sind . Dieß sind aber zwo sehr unterschiedene Personen .
( E ) Er war ein schöner Mann , hoflich bis zur fung , aber geizig , unwissend , und von wenigem Verstandes Wir wollen einen katholischen Scribenten anführen ; denn ein protestantischer würde verdächtig seyn : Fuit Innocentius corpore excelfo , ac candi - do , decoroque : ingenio tardo , ac litteris procul . Volaterran . Libr . XXII . p . 821 . Pag . 820 hatte er qesaget : Pauper olim puer , ma tarnen praeftanti Liter Alfonfi regis Siciliae miniftros ( * ) inde Romam veniens in contubernio Philipp ! Cardinalis Bononienfis fuit . . . - Quum Xyßo plurimum düeftus eilet , ob dulces mores et hu - manitatem qua omnes vsque ad vitium fuperauit . Nam et infimae conditionis homines faepe exofeulabatur , ampledlabaturque . Vertun quum omnibus blandus eilet , nemini tarnen benignus , innatamque auaritiam iocis atque dicteriis tranfigebat . Du Pleßis Mornai hat geglaubet , daß Volaterran hier die Schändlichkeit des Privatlebens In - nocentius des VIII , unter ehrbaren Worten ausdrückt , p . 558 . teau erzürnet sich darüber , und es ist eine seltsame Sache , saget er p . 1208 . in seiner Antwort : daß er ihm seine natürliche Schönheit zum Laster anrechnet , und ihn dadurch des von dem - Himmel verfluchten Lasters verdächtig machen will , welches er widec alle christliche Liebe und auch wider alle bürgerliche Ehrbar - kcit zu bekräftigen suchet ; weil dieser pralac so liebreich gewe - sen , daß er auch Personen von niedrigem Stande umarmer Hm - Mein Leser , muß man nicht eine , durch die Retzerey verdorbe - ne , Seele haben , um dergleichen verhaßte Nrtheile von einein pabste zu fällen , der wegen einer vortrefflichen Unschuld zu rüh - men ist ?
( * ) Rocolleö saget p . i - z . in dem Leben des Sultan Gerne« , daß ee bey einem Hofbedienten des Alphonsus gedienet ; und auf der folgenden S . daß er in seiner Jugend ein Knecht gewesen . Man sehe dieAnm . ( A ) .
( F ) Er bekam von dem Sultan - - - das Eisen von der Lanze , womit der Rorper unsirs - Heilandes durchstochen wor Sen . ] Bajazet der II , der sich vor seinem Bruder fürchtete , auch da er ihn schon gezwungen hatte , nach RhodiS zu flüchten , hat nichts verges« sen , den Großmeister , Peter von Aubusson zu vermögen , daß er ihm den - selben ausliefern , oder wenigstens verhindern sollte , einiges Verständniß mit den Türken zu halten . Der Großmeister hat sich , unter sehr ein - traglichen Bedingungen verbindlich gemacht , ihn wohl verwahren sen . Dieser Vertrag ist den 8 des Christmonats , 1482» unterzeichnet worden . Siehe Rocolles , Vie du Sultan Gemes , p . 91 . Er hat ihn einige Zeit hernach nach Frankreich gehen lassen , und endlich darein ge - williger , daß ihn Jnnocenrius der VIII in seiner Gewalt Härte , und die Summen genösse , die Bajazet bezablte . Bajazet ließ den» Großmeister alle Jahre 40000 Ducaten und überdieß 35000 zum Unterhalte seine« Bruders auszahlen . Er hat zur Belohnung den Cardinalshul erhalten , und hatte die Vorsicht gehabt , sich der Gewalt des Königes von Frank - reich zu bedienen ; denn der französische Hof hat den türkischen Prinzen den Abgesandten des Pabstes , 1488 , überliefert . Bajazet hatte dem Könige von Frankreich große Anerbiethungen thun lassen ; „ Lediglich , um ihnj» „ vermögen , denselben in seinem Königreiche , unter einer sichern Wache ,
. „ zu halten , damit er nicht wieder in sein Land entfliehen , und daselbst ei - „ nen neuen Krieg anfangen könnte . Diese Anerbiethungen >varen alle „ Ueberbleibsel Gottes , unsers Schopfers , der Apostel , der - Heili - „ gen beyderley Geschlechts , auszuantworren , die sein ner Varer , Mahomer , in Cons ? antinopel , da er diese Stadt ein - „ genommen , und in andern Sradten gefunden hatte , die er von „ ver Christenheit erobert : er hat eben dieselben Anerbiethungen , „ die er bereits gegen den Großmeister von Rhodis gerhan , wie - „ verholet , nämlich seine Rräfte zur Eroberung des heil . Lan - „ des anzuwenden , und es in die - Hände des Roniges zu überge - „ ben , und auch ein großes Fahrgeld zu seiner Unterhaltung dar - „ gebochen . . , Ba>azets Brief aber kam zu langsam ; denn man hatte bereits versprochen , seinen Bruder unter die Verwahrung Jnnocentius des VIII zu geben . So bald er nun dieses erfahren , hat er an diesen Pabst geschrieben , und ihn durch Geschenke zu gewinnen gesucht , unter andern durch das Eisen von der Lanze , welche die Seite unsers - Heilandes geöffnet hatte , die er bereits dem Großmei - ster angebothen , und denselben versichert hatte , ihm alle Jahre 40000 Ducaten auf das richtigste , doch unter der Bedingung zu zahlen , vaß er seine Person , wegen keiner einzigen Ursache entgehen lasten wollte . Ebendaselbst 142 Seire . Volaterran re - det davon : es ist dienlich , die ganze Stelle anzuführen , denn man wird darinnen noch andere Geschichte sehen ; nämlich , daß Inno - eentius der VIII nahe bey dem Reliquienbasten begraben worden , worin - nen das Eisen von der Lanze liegt , das in Antiochia , zur Zeit der fahrten gefunden worden . Man sehe hierüber Mamburgs Historie der Kreuzzüge . II B . 175 u . f . S . holländ . AuSg . aufs 1098 Jahr . ' Se - pultus inBafilicaPetri , aereo monumento iuxra arcam ab eo defigna . tarn , in qua ferrmn haftae conditur , quod latus dominicum perfodit . Hoc liquidem olim apud aedem fanöi Andreae Antiochiae repertum , capta iatn ciuitate , Boeinundus in praelio corripiens , arcem quae ex - pugnari non poterat illico cepit , fimul et hoftium L . millia prodigio - fe trucidauit . Inde Conftantinopolim dono irnperatori aduedtum . PoÜreuio Turca illi fuccedens , Innocentio vt cum t'ratris captiui caufa leniret , pro munere miferat . Volaterran . I - ibr . XXII . p . S21 . 82» . Sieht den Artikel V'geritts , in der Anmerkimg ( A ) .
Inno -

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