Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4725

Caßius .
dargebothen habe , «ach welchen ihn diese Versammlung verurtheilet ; daß der Vater hierauf den Verbrecher in sein Haus führen und hinrich - teil lassen . Dionysius von Halikarnaß widerstreit« diese« aus andern Ursachen darum ; daß man nämlich zu seiner Zeit bey dem Tempel der Erde den Ort gesehen , wo des CaßiuS Haus noch gestanden hat , welches nach seiner Todesstrafe niedergerissen worden . Er sehet darzu : daß man in den nachfolgenden Zeiten einen Theil des Grundes zur Erbauung des Tempels der Erde genommen , und den andern Theil leer und unbedeckt gelassen . Ich fähre diese Umstände darum an , um desto besser zu er - kennen zu geben , daß Moreri in denen Schriftstellern , die er uns zu sei - nen Burgen angiebt , sehr übel zweene Caßier gesehen hat , die mit dem Tode bestrafet worden .
Denn wenn er den Valerius Maximus , die vornehmste Ursache sei - nes JrrthumS , mit den zweenen von mir angeführten Schriftstellern , genau verglichen hätte , so würde ex gesehen haben , daß Valerius Marimus von keinem andern geredet hat , als von dem Spurius Caßius Viseellinus der zweenen andern Geschichtschreiber . Was saget aber Valerius Maximus imVIIIi£ap . deSVB ? daß Caßius , welcher dem Beyspiele des Brutus nachgeahmt , und erfahren , daß sein Sohn , der Tribun des Volkes , ein Gesetze eingeführt , das noch niemals vorgetragen worden war , ( nämlich das setze von Aeckern , ) und sich durch viel pöbelhaften Umgang verschiedet» Creatnren gemacht hatte , denselben in seinem Hause und in Gegen - wart seiner Anverwandten und Freunde verdammer ; weil er nach der königlichen Würde getrachtet , ihn geißeln und hinrichten lassen , und seine «igenthümlichen Guther der Ceres geweihet . Im III Cap . des V B . saget er uns von dem Widerwillen des Volke« gegell den Spurius Caßius , und meldet : daß man nicht so wohl auf seine zwey Siegsgepränge und sein drey' fache# Cviisulac , als auf den Verdacht von seiner Herrschsucht gesehen , und daß sich der Rath und das Volk nicht mit seinem Tode begnüget , sonder» sein Haus niederreißen , und an dessen Stelle den Tempel der Erde hätte bauen lassen .
Es ist handgreiflich , daß alles , was er in diesen zwoen Stellen saget , außer dem groben Schnitzer , daß er um diese Zeit einen Zunftmeister des Volkes in die Familie der Caßier gesetzt , ( er begeht auch einen dern Fehler , davon unten geredet werden soll , ) dem Spurius Caßius Viseellinus , nach denen verschiedenen Arten feines Proeesses zukommt , welche Titus LiviuS und Dionysius von Halikarnaß erzählen . Ich bekenne , daß er sich betrogen zu haben scheint ; und weil es ihm doch norhwendiger weise etwas kosten muß , daß man lieber zugiebt , er habe aus einer einzigen und elnerley Sache zwo gemacht ; als daß man saget , er habe die Um - stände eines Urtheils verfälscht , damit er es auf beyden Seiten rechts brauchen könne , bald in den Beyspielen der väterlichen Strenge , bald in den Beyspielen der Strenge des Volks . Allen , es hätte dem Moreri ange - standen , diesen Schriftsteller durch Me Geschichtschreiber zu verbessern .
( B ) f t e t Und begehr überdies ? vier Schnitzers I . Wür« de man ihn in eine große Verwirrung gesetzt haben , wenn man ihn ge - lwthiget hatte , zu belveisen , daß der Vater unsere Caßius den men , Spurius , gehabt . II . Har man diesen vorgegebenen Spurius Caßius nicht wohl in« - zoste Zahr Roms geseht ; denn wie man ihn durch nicht« , als die qegcn seinen Sohn gehabte Schärfe zu erkennen
; liebt , so müßte diese Schärfe sich ungefähr auf diese Zeit beziehen . Al - ein , wenn sie sich dahin bezöge , so mußte Caßius seinen Sohn , unter währender Regierung Tarquins , gestraft haben , und e« müßten Tribu - nen des Volks vor Verjagung Tarquins gewesen seyn , welche« falsch und abgeschmackt ist : also tauget diese Zeitrechnung de« 230 Jahre« Rom« nicht« . III . Wollen wir sagen , daß sie nur geschickt ist , denjeni - gen zu verwirren , der sie gebrauch« : denn wenn Spurius Caßius um diese Zeit geleber hat , so muß sein Sohn ungefähr n , n diese Zeit Zunft - meister de« Volks gewesen seyn , in welche Titus LiviuS und Dionysius von . Halikarnaß die Bestrafung de« Spurius CaßiuS Viseellinus setzen , da« heißt , im 269 Jahre Rom« . Dieß beweist , daß man nicht yveene Caßius erkennen darf , wie Moreri thiit , welche fast zu gleicher Zeit ge , straft worden : einer durch seinen eignen Vater , der andre durch da« Volk ; weil sie , unter dem Deckmantel de« Gesetze« von den Aeckernihre Ab - ficht auf den Thron gehabt . Denn wenn fast zu gleicher Zeit zwey Deyspiele der Todesstrafe , in zwoen Personen , von gleichem Namen , wegen glichen Staatsverbrechens , ^vorgegangen wären : so würde der größte Theil der ^X'schichlschrelber dieselben bemerkt haben , anstatt , daß niemand ein Wort davon saget . Wir wollen IV . dazn sehen , daß er nicht schlecht - weg harte sagen sollen : Caßius hat einen Sohn gchabr , ver 5unfr - meister gewesen . Er hätte sagen sollen , Zunftmeister des Volks , und diese erdichtete Würde widerlegen solleil , welche ihm Valerius Maximus beyleget . Der gelehrte Manutius har sich hierbey vom Valerius Ma - ximuS bekriegen lassen . Fuit in es familia ( Catfi» ) qui necari Kimm voluerit , qnod Agrariam legem Tribuiuis plebis tuliflet , qnafi de regno cogitaret . Paulus Mannt , in Cicer . Philipp . II .
( C ) Die Ausleger des Valerius Maximus entwickeln ihn nickt viel besser . 1 Valerius Maximus Variorum . Ex nona recen . fioiie A . Thyfii . Leiden , 1655 , in 8 . enthält nichts , welches zu glauben Anlaß gäbe , daß man die Fehltritte diese« Schriftsteller« gemerkt hätte : niemand fraget , ob sein Caßius im V B , mit dem im VI B . einerle» ist . Es nimmt e« niemand übel , daß dasTodesurtheil des Sohne« und dessen Vollstreckung im V B . ein häusliches Geschässte , und im VI B . ein Geschässte des Rath« und des Volks ist . Einer von den Auslegern verweist den Caßius des VI B . ins 668 Jahr Roms ; Nur 400 Jahre weiter hinaus , als es seyn soll . Der Pater Cantel , Scholiast des phins , begnüget sich nber die Stelle des V B . zu beobachten , daß der Verfasser weder mir dem Titus Livius , noch mit dem Dionysius von Halikarnaß einig ist ; allein er hatte entweder hier , oder über das VI B . beobachteil sollen , daß er mit sich selbst nicht einig ist . Mall verweist uns wegen dieser letzten Stelle an solche Oerler , wo man nichts von dem saget , was man uns verspricht . Man sollte auf die Ziffern in sol - chen Werken , die für die fugend bestimmet sind , besser Acht haben .
ein
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Jrrthum des Valerius Maximus , wegen des Tempels der Erde .
Dieselben Ausleger sind fo gütig gewesen , ihrem Schriftsteller nicht vorzurücken , daß er allzu nachläßig von diesem Tempel der Erde chen har . Er hat dasjenige so eingerichtet , was er davon saget , daß man sehr wohl sieht : er habe uns zu wissen thun wollen , es sey die Erbauung dieses Tempels ein Artikel des wider den Caßius gesprochenen Urlheils und einer von den Hauptartikeln seiner Bestrafung gewesen . Senatu« populusque Romanus , sager er im VI B . III Cap . non contentuö ca - pitali euin fnpplicio afficerc , intererato domum fuperiecit , vt pc - natium quoque ftrage pnniretur , in folo autem aedem Telluris fe - cit . Itaque quod prius domicilinm imponentis viri fuerat , nunc religiofae severitatis raonumentum eft . Er nimmt die bauung dieses Tempels ossenbarlich für ein Theil der Strafe , welche dem Caßius von dcn Richtern auferlegt worden . Nun hätte hierbey ein Ausle , ger solches wohl auseinander wickeln sollen ; weil man bey dieser Materie auf der 534 S . de« Valerius Maximus ( Variorum des Thysius ) beobachtet hat , daß der Tempel der Erden , welcher von dem T . Sempronius geweihet worden , nach derMeynung des Servius , in dem Vierth ? , U der StadtRom , gelegen , welche« man Carinas genennt ; denn es erhellet aus dem nysius von Halikarnaß , daß der Tempel der Erde , der auf einem Theile des Orts erbauet gewesen , wo des Caßius Haus zuvor gestanden , gegen dieses Viertheil sich befunden hat . Also ist dieser Tempel mehr , als 200 Jahre nach der Todesstrafe des Caßius erbauet worden ; denn Sempronius hat ihn in währendem Kriege , wider die Picenriner , im 4« ; Jahre Roms zu bauen angelobet : also ist solches nicht in der Absicht gesche - hen , die Strafe des CaßiuS zu vergrößern ; und die Wahrheit zu sagen , so würde man auch zimlich späte auf diesen Einfall gerathen seyn . Man ficht auch nicht , daß Dionysius von Halikarnaß die geringste Verbin« dung zwischen der Strafe dieses Missethäters und dein Tempel der Er - de machet , und er giebt sattsam zu erkennen , daß diese zwo Sachen nicht fo nahe auf einander gefolgt sind .
Der Tempcl der Erde , von welchem Pliniu« im VI Cap . des XXXIV B . reder , müßte in Rom lange vor demjenigen gewesen seyn , der vom T . Sempronius angelobet worden . Allein dieses dienet nicht« zur Rechtfertigung des Valerius Maximu« , weil man , wenn man nach der Entscheidung dieser Stelle gehen wollte , auch bekennen mußte , daß dieser Tempel der Erde älter , als die Todesstrafe des Caßius gewesen wäre . In der That enthalten die Worte des Plinius . daß die Sitten - richtet im Jabre 596 viele Bildseulen wegnehmen , und auch diejenige ein * schmelzen lassen , welche Spurius Caßius , der nach der konigl . Wurde ge - trachtet , sich in dem Tempel der Erde aufgerichtet hätte . Vielleicht hätte er , anstatt des Tempels der Erde , den Tempel der Ceres sagen len ; denn wie dieser Spuriu« CaßiuS , nach dem Dionysius Halikarnaß , im VI B . unter seinem zweyten Consulate , den Tempel der Ceres sge - weihet hat , welchen der Diktator Posthumius drcy Jahre zuvor ange'lo - bet hatte : so wäre es ziemlich wahrscheinlich , daß er seine Bildseule lieber dahinein , als an einen aildern Ort , setzen wollen . Ich unterstehe mich aber nicht , hierinnen etwas zu bejahen . Ich will nur dazu sehen , daß weder da« Wörterbuch Carl Stephans , noch Calepins , noch Lloyds , noch Hofmanns , welche die Worte des Valerius Maximu« anführen , seine« Fehler« gedenken .
Im Vorbengehen , wollen wir bemerken , daß Pliniu« im IV Cap . des XXXIV B . welchem auch Florus im XXVI Cap . de« I B . folget , die Erzählung angenommen hat , welche dem Vater zueignet , daß er feinen Sohn in seinem Hause verurtheilt und gestrafet habe : und es scheint , es habe der P . Hardouin an diesem Orte die Ehre von der Einsicht de« Plinius schonen wollen ; denn nachdem er die Worte des T . LiviuS an - geführet , welche bemerken , daß e« Leute gegeben , welche die Sache also er - klarer haben ; so sehet er darzu : daß Valerius Maximus und auch Div< nysius von Halikarnaß solche« gleichfalls auch bejahet hätten ; und daß andre wollteil : es fty CaßiuS von einer Höhe gestürzt worden . mand sollte wohl die^vahrhafte Meynung des T . LiviuS und des Dionysius von halikarnaß hieraus errathen , welche keinesweges mit den Gedanken des Plinius übereinkommt . Wenn sich hier nicht alle ersinnliche Auf - merksamkeir findet , so muß man es wohl einem Urheber verzeihen , des - sen gelehrte Auslegung die Wirkung einer sehr seltenen Wachsamkeit und eine« sehr besondern Fleiße« ist .
( v ) Hofmann ist Mm wenigsten so fehlerhaft , alz Moreri . 1 V auf einer Seite weniger , als Moreri in dem - zoster ,
^ahre Roms lst , als der Zelt , wo der Vater des Spurius Caßius ge , blühet hat , so hat er an der andern Seite dieses Vorgeben voraus , daß Valerius Maximu« gesager hätte : jman habe , nachdem der Sohn , auf Befehl feine« Vater« , gegeißelt und hingerichtet worden , die Beute zur Erbauung eines Tempels für die Ceres angewendet . Templo dein Cereris ex praeda exftruäo . Wir haben bereits oben gesaget : daß Caßius diesen Tempel geweihet hat : also hat ma» ihn nicht nach sei« nem Tode gebauet . Ueberdieß nennet man die eingezogene» Güter ei - nes aufrührischen Unterthans keine Bente . Wenn man auch endlich eine Zänkeren , lvegen der vielen Tempel der Cere« , anfangen wollte , sollte man nicht zum wenigsten die Worte de« alten Schriftstellers in Ehren halten , den man anführet : verbcribu , affcctuin necari iuflit , ae peculÜSm eins Cereri confecrauk ? Val . Maxiin . Libr . V . cap . VIII . Bedeutet dieses , der Ceres einen Tempel bauen ? Und wenn man den Gebrauch angeben wollen , worzu das dieser Gottinn gewidmete Eigen - thum angewendet worden : warum hat man denn nicht den T . LiviuS im II B . den Dionysius von Halikaruaß , im VIII B . der römischen Alterthümer . und den Pliniu« im IV Cap . de« XXXIV B . zu Rache gezogen , welche alle drcy versichern , daß man eine metallene Bildseule davon gemacht har ?
£0n$ttUl2> ( Lucius ) hat im VII Jahrhunderte Roms gelebet . Er ist , wegen seiner unbeweglichen Strenge , «>» so fürchterlicher Richter gewesen , daß man seinen Richterstuhl die Klippe der Angeklagten genennet ( / V ) . ^ch glaube , daß er von dem Luciuö Caßius unterschieden werden muß , von welchem Cicero in den : Tractäte , von den berühmten Rednern , und im III B von den Gesetzen redet sk ) ; allein nicht von demjenigen , welcher den berufenen Grundsaß , evi b 0 n o ? in Ansehen aebracht ( C ) , noch von demjenigem , welcher nach dem Sallustiue , im 642 Jahre Roms , Prätor gewesen ( D ) . Weaen der richterlichen Strenge dieses Caßius sind die sehr strengen Richter Caßianer genennet worden ( E ) .
II Band . K 2
Der dent

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