Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12868

Jllyricus .
889
Wesen : also betriegt sich Vechelde» , in Effigiebus pag . 157 , wenn er saget , daß Jllyricus die Reise nach Basel in seinem siebenzehnren Zahre gethan habe . Teißier , Addit . aux Eloges Tom . I , pag . 471 , ist dem VerHeiden gefolgt .
( C ) Er bat sich mit Sem Victorin Strigelius , seinem Amtsge - - nofstn , nicht vergleichen können . Z Sie sind »ber die Bekehrung de« Menschen , lind die Kräfte des freyen Millens streilig gewesen . Sie ha - den in Gegenwart der Herzoge von Sachsen zu Weimar darüber tiert , im istfo Zahre , nach dem Micrälius , Syntagm . Ecclef . Hillor . pag . in . 827 / 828 ; allein nach dem Melchior Adam , i» Vitis Theolog . Germ . pag . 420 , ist es 1557 gewesen . Sie sind auf zwo Ausschweifungen verfallen : Strigelius neigte sich nach der Seite derer , die man Adiapho - risten oder Synergisten nennte , welche dem fteyen Willen viel zuschrie - ben und vorgaben , daß die Erbsünde die Seele nur von außen berühre . Spondanus , aufs 1560 Jahr , Num . 32 . Flaciu« hingegen hat behau - ptet , daß die Erbsünde die Substanz der Seele selbst sey . Die Disputation hat dreyzehn Sitzrage gedauert : man hat die Acten davon einer Vorrede des Musäus herausgegeben , der einer von des FlaciuS Anhän - gern gewesen . Siehe des Micrälius , Syntagm . Hift . Ecclef . pag . 111 . 817 , 828 . Wir haben hier eine sichtbare Wirkung der Begierde zu rviderspre - chen : dieß ist eine Leidenschast , welche gemeiniglich die Leute , die einen hi - tzigen Geist haben , über die Schranken führet . Flaciu« , der sich mit keiner mittelmäßigen Widersetzung begnügen konnte , hat sich von seinem Mitbuh - ler so weit entfernt , als er gekonnt : und , als er denselben behaupten sah , daß die Seele von der Erbsünde nur in Ansehung ihrer zufälligen Kräfte verwundet würde , so hat er die Partey ergrissen , zu behaupten : daß die Substanz der Seele selbst verderbet wäre , woraus floß , daß die Sünde die Substanz der Seele selbst war . Flacius würde nimmermehr an diese Lehre Macht haben , wenn sein Amtsgenosse nicht das Gegentheil gelehrt Härte . Wenn aber der Streit , der sich unter diesen zween Professoren erhoben , zeiget , was der Widersprechungsgeist , und die ävuTgtx rije thun
kann ; so beweist er uns auch , wie geschickt die peripatetifche Weltweis - heit ist , die Spaltungen der GotteSgelehrten zu nähren : denn die Lehre des Zllyricns würde niemand in den Harnisch gebracht haben , wenn man mit den neuen Weltweisen geglaubt hätte , daß keine Zufälligkeiten von den Substanzen unterschieden sind ; sondern daß , z . E . der Schmerz nicht« anders , als die Seele selbst ist , die auf eine gewisse Art modisicirt wird . Dieses vorausgesetzt , so ist es offenbar , daß des Jllyricus Lehre sehr wahr - hast ist . Die Sünde ist kein von der sündigen Seele unterschiedenes Wesen , und die Tugend ist kein unterschiedene« Wesen von der tilgend - haften Seele . Ich begreife nicht , wie die Gottesgelehrten , die einen we - sentlichen Unterschied unter der Seele , und unter den Modifieationen der Seele voraussetzen , sagen können , daß eine Veränderung in dem Men - schen vorgeht , wenn er von dem Stande der Unschuld in den Stand der Sünde , und von diesem in den Stand der Gnade übergeht . Nach diesen Gottesgelehrten zeiget sich , wenn der Mensch sündiget , eine von der Seele unterschiedene Entität , und machet mit ihr ein Ganzes au« , welches zwey wesentlich von einander unterschiedene Wesen enthält , da - von das eine Qubßany , und das andre Zufälligkeit genennet wird . Ich behaupte , daß diese Vereinigung die Seele nicht verändert , und daß die Seele fortfährt , dasjenige auf da« genauste zu feyn , was sie vor der Vereinigung gewesen ist . Man verniische Roggen - und Gerstenkörner , so sehr als man will , so wird man dadurch nicht zu wege bringen , daß sie aufhören , Roggen zu feyn , und in allen natürlichen und künstlichen mischungen bleibt es wahr , wenn man saget , daß die Zusammeisselmngen zwar einer neuen Wirkung fähig werden : allein ein jeder Theil dieser Zusam - menseftungen , in fo fern er von allen andern unterschieden ist , behält eben dieselbe Nakur ausdrücklich , die er zuvor gehabt hat . Eben so wol - len auch wir sagen , daß , wenn die Seele wesentlich von ihrer Sünde un - terschieden wäre , da« heißt , von der Sünde , mit welcher sie vereiniget wäre , so würde sie nicht in einen andern Zustand übergehen . Eine einmal unschuldige Seele würde es immer seyn . Man sehe , was die Nominalisti'» wider diejenigen sagen , welche lehren , daß die Beschaffen - heiten wirklich von den Substanzen unterschieden sind . Cafiinirus , Tholofas , in Ätomis Peripat . Tom . III , 249 u . f . 0 . *
* Bey dieser Anmerkung de« Herrn Bayle habe ich verschiedene« zu erinnern . Fürs I ) getraute ich mir aus den Zeugnissen der be , sten GotteSgelehrten zu behaupten , daß sie eben nicht dafür gehal - ten , daß eine ganz besondre und von der Seele unterschiedene Enti« tät von außen in den ersten Menschen gefahren . als er gesündiget ; vielweniger daß diese hinzugekommene Entität sich mit der Seele so genau vereiniget habe , daß itzo beyde zusammen nur ein Ganzes ausmachen . Wenigstens haben sich unsre evangelischen Gotteege - lehrten so grob und wunderlich niemal« au«gedrücket . II ) Ist es auch nicht einmal philosophisch wahr , daß eine Substanz und eine Modalität , oder zufällige Beschaffenheit , so gar wesentlich von ein - ander unterschieden sind . Z . E - die Figur eine« Keile« ist ein Modus , welcher der Substanz des Eisen« gegeben werden kann , und dadurch dieses fähig wird , da« Holz zu spalten . Wäre nun das Eisen an sich nicht ein fester und harter Körper , so würde gewiß die Figur ei< ne« Keile« dasselbe zum spalten nicht geschickt machen ; so wenig man ein Stück Wach« dazu brauchen kann , wenn man ihm gleich die beste Figur i - ines . Teiles giebt . Ich will hier nicht einmal erin - nern . daß nach der Scholastiker Meynung die Formen , darunter bey dem Keile auch die Figur selbst gehört , aus der Materie herauSge - bracht , nicht aber hineingebracht werden . ( ediicitur , non inducitur ) denn da« möchte sich vielleicht auf die Sünde nicht deuten lassen . Ill ) Ist e« auch nicht möglich , daß eine Substanz , die einen neuen Zvloduin , oder eine neue Zufälligkeit bekömmt , ganz und gar unver , Ändert bleibe . Z . E . die Gelehrsamkeit ist wohl in Ansehung der menschlichen Seele nur etwas zufälliges : gleichwohl , wenn selbige von jemanden erlanget wird , so bleibt seine Seele nicht unverändert , wie sie vorhin war : sondern sie besikt nunmehr etwa« , was sie vor - hin nicht hatte , nqmlich die Wissenschaft . Eben so ist es mit den moralischen Fertigkeiten , sie mögen nun gut oder böse seyn . Eine Seele also die ein gewisses Laster , oder eine Tugend annimmt , ist zwar nachdem noch dieselbe Seele , ( eaäem numero ) allem doch mit einer ziemlichen Veränderung , die einen großenEinfluß in ihre Handlungen , und folglich auch in ihre Glückseligkeit und Unglücks« -
^'^Mit^nem Worte , des Herrn Bayle Anmerkung ist sehr geschickt , II Band .
den flacianischen Streit von dem Wesen der Sünde mehr zu ver - wirren , als zu entscheiden . Weit besser treffen es diejenigen , welche das Wesen der Sünde zwar in einer von der Seele selbst denen , aber doch durch ihre eigenen Kräfte möglichen Entität suchen , die aber mehr in einer Priuation , als in einer Realität besteht ; da - bey aber FlaciuS seine Rechnung gar nicht findet . Die Scholastiker haben schon gesagt : Malum non indigere cauflä efficiente , fed de - ficientc . Besiehe meine Dissertation , die ich fub tit . Hamartige - nia , f . de fönte vitiorum 1724 hier in Leipzig gehalten habe ; iniglei - chen Kings Traftat de origine mali , lind die Anmerkungen , die Herr von Leibnitz im Anhange seiner Theodicee darüber gemacht hat . G .
( V ) e« „ igen an , was er den Lutheranern Schuld giebt , als die Seltenheit d'ese« Meßbuche« . Ich bekenne es , er führet eine Stelle des Wicelin« an , worin - nen man dem Jllyricus vorwirft , daß er ziemlich unbesonnen gewesen , durch den Druck dieser Messe den Katholiken Waffen wider seine Seele darzubiethen : allein dieses ist dem Vorgeben des du peyrat mehr z , iwi - der , als vorrheilhaft . In der That wirft Wicelius den Lutheranern nicht vor , daß sie ihren Fehler durch die Unterdrückung der Exemplarien ersetzt hätten : und gleichwohl , wenn du Peyrat Recht hätte , so müßten sie die - selben schon unterdrückt gehabt haben , daWiceliu« , 564 sein Werk heran« gab . Nun ist der Beweis de« du Peyrat daher genommen , daßCassan - der und pameliu» , der mit ihm w gleicher Seit gelebt , der Messe des Jllyrien« in ihren liturgischen Bückern mit keinem Worte gedenken . Nickt« destoweniger saget er pag . 6 , 8 , sie haben alles neugierig unter - sucht , wa« sich auf diese Materie bezogen , und sie hatten großes hen in Deutjihland - - - alle Bücher ausfündig 5» machen , die ihnen nothig seyn konnten . Dieß ist also seine Schlußrede : Wenn die Lutheraner nicht die Exemplarien von dem Meßbuche ausge - rottet hätten , das Jllyricu« herausgegeben hat ; so würde Cassander diese« Meßbuches gedacht haben : denn er würde ohne Zweifel ein Exemplar davon gesehen haben . Nun hat er desselben nicht gedacht ; also ist es wiß , daß die Lutheraner es unterdruckt hatten . Man merke , daß Cassan - der« Buch über die Liturgien 15 , » etliche Jahre vor des Wiceliu« seinem gedruckt worden ist . Siebe des Valerius Andreas Bibl . Belg . pag . 261 . Wir wollen hier unten sehen , daß Cassanders Stillschweigen ein sehr schled ) ter Beweis von der Seltenheit der Eremplarien ist , und daß es kein Zeichen ist , als wenn diese Messe ihm unbekannt gewesen wäre . wärtig will ich nur beobachten , daß de« Wicelius Vorwurf ein Beweis wider den du Peyrat ist . Allein wir wollen sehen , was er pag . 617 vorbringt .
„ Flaviu« ( so nennet er ihn beständig ) Jllyricu« , der e« 1557 zu Straß - „ bürg aus Versehen drucken lassen , indem er nicht bedacht , was er tbat ; „ und die Lutheraner und andre Ketzer von Deutschland , da sie den Nach , „ theil erkannt , den dieses alte Meßbuch ihren neuen Meynungen brach - „ te . haben alle Exemplarien hin und wieder zusammen gebracht , die sie „ finden konnten , und selbige unterdruckt : damit e« nicht zur Erkenntniß „ der Katholiken käme , und man sich desselben nicht wider sie bediente , „ weil es Luthers und Calvins Seeten gänzlich zuwider war . George „ WicelliuS ( in Defenfione Liturgiae Kcclefiafticae ) ein alter Schüler „ von Luthern . der sich endlich von ihm losgerissen , und sich in den Schoost „ der Kirche geworfen , greift , wenn er vom Flavius Jllyricus in feiner „ Vertheidigung der Kirchenlituraie redet , die >^4 , sieben Jahre hernach „ gedruckt worden , da diese gallische Messe das Licht gesehen hatte , den Fla - „ viuS Jllyricu« wegen dieser lateinischen Messe hart an , und saget : es sä - „ hen auch die Blinden kläglich , daß er . da er dieselbe drucken lassen , au« „ Unwissenheit und Unverstände wider Luthers und Calvine Seeten ge - „ handelt , und die Katholiken sehr veranüget habe . Seine Worte lauten „ so : Matthias Flauius Illvricus edidit repertam Mifläm Latinam , non „ triumphans tarnen de Thefauro tanto aduerfus Catholicos , quura „ vel caecutienti homini appareat , totum illud , quod edidit , contra „ Luthe , " i Caluinique fe & as edidifl'e , fed et Catholicis nobis rem lon - „ ec gratilTimam feeifle ; quid enim ibi nifi Mifläm Latinam , quae „ hodie in vfu generali eft , infeiens , imprudensque defendit ? Tantum „ abeft , vt fuö , " feäaequc more oppugnet ; locupletior eft illa quidem , „ plusque prccuni continet , fed omnino tarnen eadem cumvfitata , „ cuius etiam didta , faftaque omnia paflim fequitur , vt diuerfam esse „ confirmare nemo audeat . Dieses ist unfehlbar Ursache gewesen , daß „ Flavius Jllyricu« und feine Anhänger in Deutschland , da sie den von „ ihnen begangenen Fehler erkannt , diese lateinische eder gallische Messe „ aus Furcht verbrannt , oder auf andere Art unterdrückt haben . weil sie „ der ganzen bewohnten Welt zum Gelächter dienen möchte . Was mich „ in dieser Meynung noch mehr befestiget , ist , daß , ob sie gleich , 557 zu
. ^Straßburg gedruckt worden , dennoch George Cassander , der erstlich im " IIun un H»t»

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.