Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12843

Johannes .
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( A ) Zur ? eit des h . Augusti'ns hat man eine erbärmliche ge von dem Zustande ausgebreitet , darinnen der h . Johann sen ) „ Es ist niemals ein Volk in Ansehung der Traditionen so lcid>t - „ gläubig gewesen , als die Asiater , und insonderheit die Ephesier . Der h . „ Augustin erzahlet hiervon eine sehr seltsam' Cache , welche die ausschwei - „ sende Leichtgläubigkeit dieser Volker , und dieThorheit ihrer Traditionen „ deutlich zeiget . Er saget , ( Augtift . Comment . inloan . in haec verba , „ Difclpulus HU non moritur , ) ba% die Ephesier , oder Leute , die nach Ephe „ snS kamen , und viel Geist und Verdienst hatten , und nicht so schlecht - . . weg glaubten , ( non leuibus homimbus , ) ihn versichert hätten , daß der h . „ Johannes nicht gestorben , und daß er zwar in der That zu Ephesus be - „ graben wäre , aber in seinem Grabe als ein Mensch in seinem Bette „ schlieft ; und wie man die Tücher und die Decke na ' dem Maaße sich „ heben und fallen sähe , wie ein schlafender Mensch Arhem holet , so sehe „ man auch die Erde auf dem Grabe des h . Johannes sich wechselsweise . . erheben und fallen . Kann wohl etwas abgcschmackters seyn , als ein sol - „ cheS Mährchen ? „ S . Abt Faydit , Auszug einer am Tage des H . Poly - karpus gehaltenen Predigt , p . 30 . Ich habe aus der Historie von den Wer - ken der Gelehrten , im Maymonate 1695 , pag . 427 , erfahren , daß Tille - monts Tadler ihn wegen der Anführung dieses Mährchens und vieler andern von dieser Art getadelt . Man würde Ursache haben , ihn zu tadeln , wenn er es als eine wahrhafte Sache anführte ; allein dieses hat er an angezogenem Orte pag . 947 nicht gethan , also hat man ohne Grund ihn ge - tadelt ; denn die Zusammentragung der Imhümer ist ein der Historie höchstnützlicher Theil . Ich bekenne , daß er das Mährchen von dem Manna des Grabes unserö Apostels pag . 945 zu glauben scheint .
( L ) lLs ist nickts abgeschmacktere , als die Spitzfindigkeit , die man wider den Urheber der Uebersttzung von Möns gebraucht hat . ] Anfänglich wollen wir den griechischen Text anführen : « * •' ixelvtit TtJ ? tAottfv ät / Ttjn i / xxätiriit tu " iiut , Joh . XIX , 27 . Dieß heißt nach der Ueberfetzung von Möns : und von ver Stunde an nahm sie der Jünger zu sich . Diese Uebersetzung tadelt man so : „ ES ist gewiß , daß der h . Johannes , der den Stand der evangelischen Ar - „ muth angenommen hatte , kein Haus gehabt , die Mutter Gottes darin - „ nen aufzunehmen , und daß , »venn er auch eines gehabt hätte , man viele „ Ursachen des Wohlstandes und der Ehrbarkeit habe , die uns leichtlich „ überzeugen , daß es die Jungfrau nicht für rathsam befunden haben . . würde , sich dahin zu begeben . Diese Aufführung würde auch in den fol , „ genden Zeiten böse Folgerungen gehabt haben ; denn die ärgerlich leben - „ den Geistlichen würden sehr erstellet sepn , sich durch ein so erlauchtes „ Veyspiel zu rechtfertigen , da der allerjungste und allerkeuscheste von al - „ len Aposteln , bey der allertlüqsten und allerunlchuldigsten von allen „ Jungfern gewohnt hat . Und diese Besorgniß ist nicht ohne Grund ; „ denn der H . EpiphaniuS , der den Gedanken der Uebersetzer von Möns zu „ billigen scheint , hat gleiche Furcht gehabt , und versichert uns , daß einige „ Ruchlose ihre ärgerliche Aufführung bereits mit der Wohnung der „ Jungfrau Maria bey dem h . Johannes hätten bescheinigen wollen , ve - „ reor , saget er in der LXXVIII Ketzere» , wo er von der Wohnung der „ Jungfrau Maria bc ? m Apostel Johannes redet , ne hoc ipfum , „ quod dicimus , fraudi fit aliquibus , vt ad contubernales et „ dilc & as , quas vocant foeminas , retinendas , qiiod genus peflimo „ tibi crrore animi , machinati sunt , fuciim inde aliquem , et colorem „ arceflifie vidcantur . „ Mallet , Examen de quelques Paliages , p . Iii , der dritten Ausgabe .
Mftllet nicht gesehen hat , was von den Auslegern der heil . Schrift über eine Materie bemerket worden , welche viel ärgerlicher hätte scheinen sollen : Stämli'cb Oer Apostel ihre , Vir überall eine ckristlicbe Frau mit sich herum führet haben , die für ihren Unterhalt gesorgt . Und gleichwohl saget ver Apostel Paulus - Cor . XV , 5 , ( es ist im iV . des IX Cap . der 1 Cor . uud nicht im XV Cap . wie Arnauld anführet ) daß sie die Macht dar ; » Hätten , und daß sie es tbaten : - Hierüber machet Lsnus viese sebr scharfsinnige Betrachtung , 'wclcke die wahren Grund - satte zeiget' , nach welcher man dergleichen Dinge beurtheilen muß ; welches Mallet hatte wissen sollen , ehe er vie Jungfrau Maria den falschen Regeln de« ^Wohlstandes zu unterwerfen , sich unterstanden hatte . „ Wenn man fraget , saget dieser gelehrte „ TheologuS , wie die Apostel ohne Aergernifi rveiber mir sich ha - „ ben herum führen können , die nicht ihre Khfrauen gewesen : so „ antworte ich , Saß diese Gewohnheit unter den Jüden dermas - „ sen angenommen gewesen , daß es der iland selbst nicht für „ übel genommen hat . daß dieses auch gegen ihn geschehen . Auch „ ist diese» mir keinen andern Frauen geschehen , als deren Reusch - „ heit und Gottesfurcht solchergestalt bekannt und bewahrer wa - „ ren , daß sie nicht die geringste Ursache zu einigem bösen Ver - „ dachte ließen . Diesem kann man beifügen , daß die Apostel ein „ so erbauliches Heben geführt , lind sich einen solchen Ruhm der „ . Heiligkeit erworben hatten , daß sich niemand , ob gleich dieft „ Frauen sie begleiteten , erkübnt , ein bosts Urrheil von ihnen zu len ; wie die Juden niemals etwas dergleichen von Christo ge - ' arctwohner haben , so geneigt sie auch gewesen , böses von ibm zu " reden , und ihn zu lästern . , , Nichts kann vernünftiger seyn , und in der That muß man hierdurch urtheilen , daß eine Sache , die „ vnict erbauen konnte , wenn sie nicht mir vortbeilhaften den bealeitct ist , die alle Ursacke zu bösem Versackte wegneh - „ - cht anders als erbaulich seyn kann , wenn sie mit diesen Um - JttnCt bealeitct ist . rvemi es NUN an dem ist , daß die Betrachtung ^ner bewahrten Heiligkeit vermögend ist . der Lästerung das Maul zu stopft» , und auch zu verhindern , daß kein Verdacht »n den aUcÄeichtsinniqstenGemülbern entstehe , die am geneigtesten senaeringsten Wahrscheinlichkeiten einnehmen zu
fehlen bey einander gewohnt haben , die sie von dem sterbenden Heilande am Rreuze erhallen harren . - - - Mallet ( * ) ist der erste und der einzige gewesen , der einen so niedrige» Vcgrisf von der Heiligkeit der Jungfrau Maria und der Meynung gehabt , die man in der Rircke hatte , um sich einzubilden , daß sie in ei - nem Alter über 50 Jahre nicht ohne Nachtheil ihres guten Na - mens bey einem Apostel hatte leben können , und daß solches ein Veyspiel von gefährlicher Folgerung , und vermögend gewesen , die verdachtigen und von venCanonen verbothenen XVohnungen der Geistlichen bey den Frauen zu bekräftigen . Denn so weit treibt er seine ausgelassenen Einbildungen wider die Ehre der Jungfrau Maria . Allein wenn die Urheber dieser Canonen auch so ausschweifend in ihrem Argwohne gewesen wären , als dieser Splirrerrichter der Jungfrau und des h . Johannes , warum hat - ren sie denn von ihren Verdorben gewisse Personen ausgenom - men , als die Mutter , die Schwestern , die Geschwisterkinder ? Jsi es darum geschehen , daß sie die Blutschanden ausdrücklich für unmöglich gehalten^ Nein , gewißlich nicbt . Sondern es ist da - rum geschehen , weil sie von dem heil . Geiste geführt worden , und gewußt haben , daß man bey den allgemeinen Gesetzen die Ueber - maaße vermeiden , und eine weise Mäßigung beobachten müsse» welche auf dasjenige nicht acht zu haben verbindet , was fast nie - mals geschieht , sie haben eines tkeils geurrheilt , daß es nur we - nig Tugend brauche , von dem Anblicke solcher Personen nicht versucht zu werden , weil die natürliche Schamhafrigkeit niglich zureichend ist , in Ansehung ihrer die Regungen einer uiu tcinen Zuneigung zu ersticken Und andern theils , daß die Nei« gung der Menschen , Dosts von dem Nächsten zu urtheilen . ge< meiniqlich nicht so weit geht , daß sie ihm so schändliche JLamc ohne sehr klare Beweise schuld giebr ; so daß man nicht geglau - bet bar , bey dergleichen Vorfallen Ursache zu haben , weder eil» wirkliches Uebel zu scheuen , noch Verdacht davon zu befürchten .
( * ) Man sehe den Abt Faydit , Extrait d'un Sermon preche' le jour de S . Polycarpe pag . 37 . Er beweist pag . 36 , daß die Jungfer Ma» ria mit dem h . Johannes nicht nach Ephesu« gegangen ; er beweist es , sage ich , weil CelsuS , der so viel Uebels von ihr geredet , über diese Reise gloßirt haben würde , worüber er doch keinen Spott getrieben .
( v ) Die Manier , wie er die Liebkosungen gerechtfertiget - - » die er einem Rebhuhne erwiesen , ist sehr einfältig^ Ein Jäger hat sehr erstaunt geschienen , als er sah , daß sich dieser , wegen Alter - ! und Tugend so ehrwürdige Apostel , zu diesem Zeitvertreibe erniedrigte . Der Zlpostel hat ihn gefragt , ob er den Dogeu immer gespannt hätte , den er führte ? Man hat geantwortet , daß dieses das Mittel seyn würde , ihn gänzlich zu verderben . U ? enn ihr ibm Ruhe lasset , erwieverte der h . Jo - Hannes , damit diese» nicbt geschehe ; so mache ick es in Ansehung mei« nes Verstandes , aus gleicher Ursacke eben also . Ich Halte diese Historie nicht für gar zu gewiß ; allein mir deucht , daß diejenigen , die nicht davon haben reden hören , nicht ungern hören werden , wie man sie erzählt . Der Urheber des Traetats de hidicra Di & ione , hat sie seinem Werke eingeschaltet . Seine Redensarten , die fthr nachdrücklich sind , werden Kennern nicht missallen : man muß sie also darmit beschenken . Nee malus , vt opinoi - ; interpres Chrifti confiliorum et voluntatutn Ioannes difcipulus , qni ad leues Iufus atqtic obleöamenta puerorum defeendit ipfe iam fenior , atqiie exemplo praeiuit , quatenus interiun . gere , et ex qnotidianis occupationibus reficere ac recreare mentera licet . Hunc manfuefaftae perdici blande . et fuauiter alludentem , quidam cum arcu et fagittis venator oflendit . Qiiod cum facere cum vehementer miraretur , hominem id aetatis , fpe & atum et cogni - tum diuturna virtute : fenfit Ioannes , et interrogauit , an llhim ipfum , quem gereret , arcum haberet femper intentum ? Cuiille , Nequa - quani vero , inquit : flaccefcat enim arcus , et niolliatur intentionc perpetna , iiiiitilisque fiat . Tum Ioannes , Tu , mi hoino , arcum rc - mittis ac relaxas , ne inutilis fit : ego animum , nc fit inutilis . Vauat for . de ludicra Dictione , p . ag$ .
( k ) iL« wollen einige , daß die Hockzeit zu Tana - - - die seinige gewesen . ] Der neugierige und gelehrte Thomasius wird mir die ganze Materie zu dieser Anmerkung darbiethen . Ich möchte gern die Disputation haben , die er den za Jenner>675von dem Glase des h Jo - Hannes gehalten hat : allein ich habe nur die Vorrede dazu . die mit ver« fchiedencn andern Stücken >68> zu Leipzig gedruckt worden , ( siehe das Ta - gebuch von Leipzig , 58 ? , pag . ; i ) woraus ich eine Gewohnheit erfahre , die mir unbekannt gewesen : daß man nämlich bey guten Mahlzeiten die Gäste ein Glas Wein ausleeren lassen . welche« man das Glas oder den Becher des h . Johannes nennet . Dieß ist nicht ohne Einmischung eini - ges Aberglaubens aeschehen , der seinen Ursprung aus einer Legende nommen , wo man findet , daß der H . Johannes , da er auf Befehl desAri« stodemus Gift getrunken , nicht die geringste Beschwerlichkeit davon pfunden habe . Dieß ist ohne Zweifel die Ursache , warum ihn die Maler nnt einem Becher in der Hand vorstellen . Wir wollen auf die Hochzeit zu Cana kommen . ^
Die Legendenschreiber geben vor , daß der Evangelist Johannes , der Bräutigam , und Maria Magdalena die Braut , gewesen . Molanus , Lib . IV , de Hift . Sacrar . Imagin . c . XX , pag . 428 , beym ThomasiuS , ? r - >e . fationeLXX^VIII , pag . su . II . Daß beiderseits einig geworden , dieEhe nicht zu vollziehen , sondern sich zu einer ewigen Jungferschast zu verbin« den . III . Daß der h . Johannes , so bald , als er das Wunderwerk des in Wein verwandelten Wassers gesehen , sich dem Dienste Jesu Christi ge - widmet , und feine Verlobte verlassen habe . Haymo , Part , hyemal . Ho - mil . pag . 207 . Karon . Tom . I , Annal . aufs 31 ^ - ahr , N»M . z» , beym Thomasius ebendaf . pag . 512 . I V . Daß Jesus Christus ausdrücklich zu dieser Hochzeit gegangen , damit er die Vollziehung der Ehe verhindern wollen . Meffret de Sanftis , Sermon . XXX , fol . 5 ? bey ebendemselben . Eine Sache verwirret sie , daß die Jungferschast des heil . Johannes nicht auf den höchsten Grad der Vollkommenheit gelanget wäre , winn er wil - lens gewesen ist , sich zu verheirathen ; denn die vollkommene Jungfer - schaft erfordert , daß man beständig entschlossen sey , sich zu enthalten . Videbatur eins ( yirginitatis~ ) lavidem haec fabula non tollere quidem , labefa & are tarnen , aut in gradum inferiorem detrudere ; cum ea de - nnim numeris omnibus abfoliita perhibeatur virginitas , quam per - petua incorniptwnis nunquwi corrupta meditatio pariat . Thomaf .

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