Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12822

Jarrige .
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A & . ' bti 3i mxm7i / o { axviX^iTo xSti Stoitty Htoi o KcarneSlov ro Krim ou> ; aKaro ,
Ov Ovnoj xxriSav , x & to * ItjDfcixuv letemm .
Scd quando iam et ille inuifus fuit omnibus diis ,
IUe quidem per campum Aleium «olus errabat ,
Sumn animum exedens , veftigia hoininum vitans .
Horner . Iliad . Libr . VL verf . 200 . Alsdann muß man ausüben , was Balzac gesaget , baß er es um einer viel geringer , , Ursache willen thun würde . Ich wollte , saget er in dem XXXIV Briese , an den Chapelain V B . mein eigen Herze in den thebaischen Wüsteneyen verzehren . Ipfe meum cor edens , hominum veftigia tans . Siehe Cicer . TufcuL Qiiaeft . Lib . III . fol . 263 . D .
( E ) Der Gesckicktsckreiber , den ick angeführet habe , wird es nickt übel nehmen , daß ick seine Erzählungen ein wenig sere^ „ Jarrige ist ein unruhiger und ehrgeiziger Kopf gewesen ; es „ hat sich vielleicht in seine Bekehrung mehr Verdruß , daß er seine Ab - „ ficht , sich zu den Würden seines Ordens zu erheben , hintertrieben aese - „ hen , als ein wahrer Eifer für die Wahrheit gemischt : er hat die rotnu „ ( che Religion in dem Kirchenrathe zu Rochelle abgeschworen , worauf er „ sich nach Holland gerettet . Dieß ist die erste Einbuße gewesen , welche „ diese Gesellschaft erlitten , von welcher man noch keinen vor ihm die katho - „ lische Religion hatte verlassen sehen . Wenigstens , wenn sie andre ver - „ lassen hatten , hatte man kein Lärmen davon gemacht : entweder , weil eS „ die Klugheit der Jesuiten nicht gut befunden , es auszubreiten , oder weil „ es die Personen nicht verdient , daß man sich darüber beklagte - - - - Hift . de I'Edit de Nantes , Tom . III . pag . 93 . „ Einige Zeit darauf , da „ jein Buch das Licht gesehen hatte , ist Jarrige unsichtbar geworden ; „ und die Jesuiten haben sich gerühmet , daß , da er ihren Orden bloß aus „ Verdruß verlassen , er aus Reue wieder in denselben zurück gekommen ; „ und daß er sich in eines von ihren Häuser» verschlossen , um sich von „ dem Umfange der Welt abzusondern , und seine ganze Lebenszeit Buße „ zu thun . Wie man ihn aber seit dem niemaln wieder zum Vorscheine „ kommen gesehen , so hat man vielmehr geglaubet , daß ihn die Jesuiten „ aufheben lassen , und sich in geheim , wegen des Verdrusses , an ihm ge - „ rächet haben , den er ihnen durch seine Veränderung gemacht hatte . „ In der That kann man sich nicht einbilden , daß , nachdem sie so viel „ Wesens über seinen Verlust gemacht , sie nicht einigen Vortheil aus seiner „ Zurückkunft hätten ziehen , und ihn wenigstens manchmal in den Pro - „ vinzen zeigen tollen , wo seine Ueberlausung bekannt war . um die Freu - „ de darnieder zu schlagen , welche die Resormirten über diese Eroberung „ hatten . Außerdem hat nian seit diesem viel andre Erfahrungen da - „ von gehabt , was sie wider diejenigen thun können , die sie verlassen ; und „ es ist auch nickt unbekannt , daß sie sie in den allersichersten Oertern „ auszuheben wissen ; und daß sie dieselben darauf das Verbrechen , wegen „ der Brechung ihrer Gelübde , durch langwierige Todesstrafen verbüßen „ lassen . Ebendaf . 94 Seite . Ich habe bey dieser Erzählung nur drey Noten zu machen .
Die I wird kurz seyn : daß man sich nämlich wegen der Bewegungsur - 'fachen der Glaubensänderung des Jarrige , keines vielleickr hätte bedie - nen sollen . Es ist augenscheinlich , daß er sie aus bloßem Verdrusse vorge - nommen . Spanheim ist in der erste» Unterredung davon überzeuget ge - worden , die er mit ihm gehabt , und alles giebt diese» in des Jarrige Wi - derrnfung zu erkennen , p . 7 .
Meine II Beobachtung ist , daß dieses nickt die erste Einbuße ge , wesen , welche die Gesellschaft erlitten hat , und deren Folgen viel hens gemacht . Iii dem XVI Jahrhnnderte , hat ein Jesuit . Namens Elias Hasenmüller , den Orden verlassen , um ein Lutheraner zu wer - den . Dieß ist ein Mann gewesen , der die Stärke und Schwäche dieser Gesellschaft auf das sorgfältigste beobachtet hatte ; so daß die Jesui - ten aus Furcht , er möchte eine Historie davon herausgeben , alles mög - liche tharen , sich seiner Person zu bemächtigen . Er hatte das Glück , ren Fallstricken zu entgehen , indem er sich bald an einem , bald an einem andern Orte versteckte ; allein endlich , um desto besser vor allen Gewalt - thätigkeiten sicher zu seyn , hat er sich 1587 nach Wittenberg begeben , wo er sich beschäftiget , die letzte Hand an eine Historie der Jesuiten zu legen , die er ans Licht zu geben willens war . ( Aus der Vorrede , die Polycarpns Lyserus , vor HasenmüllerS Werke gesetzet hat . ) Er ist aber eher gestorben , als er es gethan hat : sein Manuseript ist einige Zeit nach durch Polykarp Lysern , zu Frankfurt , 159z , >» 4 herausgegeben wor - den . Es ist ein sehr starkes Stück wider die Jesuiten ( * ) , und haupt viel beißender , als des Jarrige Bücher , ob man gleich darinnen vielleicht nicht so viel Privathändel sieht . Dieses Werk ist mit dem größten Beysalle ausgenommen worden . Die Jesuiten ließen es durch Jacob Greifern widerlegen , welches zu verschiedenen Schriften von bey - den Theilen Anlaß gegeben hat .
( * ) Hafenraiillerus , qui fiiit Iefiüta , et fcripfit Triumphum Papa - leiti , habet multa bona . In Scaligeranis pofterioribus , p . m . 105 . Es ist nicht wahr , daß er Urheber beSl>iumphu5 Papalis ist , der vor seinerHi - storie des Jesuiter Ordens gedruckt worden : Maximilian Philo , istVer - fasser davon . In dem Bücherverzeichnisse von Oxford , hat man Scali - gerö Fehler begangen .
Ich habe gefaget , daß vielleicht Hasenmüller nicht so viel Abentheuer vorbringt , als Jarrige ; allein es ist gewiß , daß er in dem Capitel von dem Gelübde der Keuschheit , sehr schändliche Sachen vorbringt ; und ohne Zweifel hat er , um die Unreinigkeiten um desto verdammlicher zu ma - che , , , die er den Jesuiten Schuld giebt , so viele Behutsamkeiten aus - gekramt , womit sich dieselben , saget er . wider diese Sünde verwahren . Er saget , daß sie sich solcher Speisen bedienen , die das Fleisch züchtigen lind schwachen , und daß sie das Wachen , Fasten , die Ruthenstreiche , und härenen Hemde denjenigen verordnen , die ihre Versuchungen beichten . In cibis et potu vai iis vtuntur herbis et pharmacis , quibus naturae vim eneruant , et fobolem , vt ita dicam , intra vifcera propria occi - dunt utfavW«' , et a Deo ordinatae humanae propagationis hoftes . Si aiii fratres in confeflionibus conqueruntur de carnis mfirmitate , flamm« atque vftione , eam vt extinguant , ordinant illis vigilias , ic - iunia cilirii et flaeella , qmbus carnem fuam doment , caftigent , et in
S , Ä1o " m . nmr ! fpirta i « * « . H . r™ , * , , , , H , »o - ria Ordinis Iefuitici , P . ' - 7 - ftankf . Ausg . von 160$ . ^letzedarM
daß sich einige darunter befleißigen . IN ihrer Seele einen Haß wider das
weibliche Geschlechte zu erregen und zu nähren , hfonmiUos vidi qmm . hil voluerunt edere , quod a muliere coflum fciebant . Alio» dicen .
tes audiiii , qiioties de foemina cogito , toties ftoinachus mein et bilis commouentur et conturbantur . Alius dicebat , taedct pudetque nie , quod a muliere Ann in hanc lucem editus : digniis certe ciii vacca fu - ifiet genitrix . Alii nihil prorlus boni in tota mulieris fnbftantia eile dicunt , ficque ex illis quidam caeteros in harum calumniarum pa - laeftra vincere conantur , illi ad mentionem mulieris exfpimnt , et in tabula maledicot , et in fextim foemineum contumeliofos Mantuani verfus ( quos tarnen is non nifi de malis cecinit , ) defcriptos ob ocu - Ios ponunt , vt fic in feipfis maius in mulieres odimn excitent . Eben , das . izi S . Man sieht hieraus , daß sich alle Arten der Ausschweifun - gen in die Seele , unter einer falschen Andacht , einschleichen können : denn was kann ma» abgeschmackters sehen , und das sich besser für einen Mondsüchtigen schicket , als die Reden solcher Leute ? iL» ivird mir übel , sagen sie , und die Galle geht mir über , so oft ick an eine Frau denke ; es verdriest mick , und ick schäme mich , daß ick von einer Frau gebohren worden ; ick lpe> e aris , wenn ick von eis ner Frau reden höre . Ich habe die Stelle im Hasenmüller nicht ge - funden , die ein neuerer Schriftsteller , der Urheber der Polygamia tri . umpjiatrix angeführt . Auf der izo Seite findet nian : Hafenm . Hift . Ief . cap . VI . p . 99 . vbi ioeofam , fed tarnen veram liiftoriain narrat , de opißce quodam , qui apud Iefuitas laborans , comedens , et bibeiis , vxori bentuolentiam debitam non potuit reddere , fed apud alios vel aquam bibens viruin fe valtiit praeftare , eamque ob caufam non voluit , vt amplius Iefuitis inferuiret , vti et poftea Landsbergenfes prohibuerint in La . uaria , ne amplius cereutßam apud Iefuitas emerent . Er giebt vor , dar / innen gelesen zu haben , daß ein Handwerksmann , der bey den Jesuiten gearbeitet , ob man ihm gleich gut zu essen und zu trinken gegeben , den - noch seine Frau nicht habe lieb haben können : und gleichwohl hat er , wen» er bey andern Leuten gearbeitet , seine nächtliche Pflicht sehr wohl verrichtet , wenn er gleich nur Wasser getrunken ; weswegen ihn seine Frau nicht mehr bey den Jesuiten hat wollen arbeiten lassen : und darauf hat der Rath zu Landsberg , einer Stadt in Bayern , nicht mehr erlaubet , Bier bey ihnen zu kaufen . Wenn es diese bösen Eigenschaften gehabt , so ist der Rath zu loben gewesen , der es den weltlichen untersaget : denn die ehliche Pflicht ist ein so privilegirter Fall , daß es viele Gewissensprü - fer giebt , welche die Kirchengesetze demselben unterwerfen . Sie geben vor , daß , wenn das Fasten einem Manne hinderlich ist . seiner Ehsrair dasjenige zu leisten , was er ihr schuldig ist , er ipfo fafto , des Fastens entübriget ist . Diejenigen sind nickt verbunden zu fasten , welcke - c - - wenn sie fasten , ihren Ehfrauen die Pflicht nickt leiste» können . Emanuel Sa , Aphorism . Verbo Ieiunium , mim . j . Tolet . Inftrudl . Sacerdot . Libr . VI . cap . IV . Thomas 2 fecundae Quaeftion . CXLVII . Art . IV . Du Moulin , in dem Buche von den Traditionen , p . m . 34 ; .
Wenn die Bekehrung des Jesuiten Hasenmüller« viel Aufsehens ge . macht , so hat des Jesuiten Reihings seine noch mehr gemacht . Er ist ungefähr 1621 lutherisch geworden . Dieß ist derjenige , der dafür gehal - ten wird , daß er den Herzog von Neuburg zur römischen Gemeinschaft zu treten bewogen habe . Siehe den Artikel Reihing . Hier sind also zwo Bekehrungen der Jesuiten , die Aufsehens gemacht , und vor des Pe - ter Jarrige seiner hergegangen sind . Ich will nichts vom Daniel Pei - rol , Pastow bey der Kirche zu Montauban . und Professorn auf der Akade - mie derselben Stadt sagen . Er war mich ein Jesuit gewesen , und hat etwas wider den P . Coton geschrieben . Ich habe diese Sache pag . 21 . der Confratemitatis Marianae des Gisbert Voetius gefunden .
Meine III Beobachtung ist , daß Jarrige nicht entführet worden : er ist freywillig weggegangen , und durch die Einblasungen des P . Ponthe - lier zu dieser Zurückkehr verleitet worden . Dieses erhellet durch die glaubwürdigen Stücke , die gedruckt worden sind . Dergleichen ist der Brief , den er an den Kaufmann zu Leiden geschrieben , nnd noch mehr fein Widerruf . Siehe die in der Anmerkung ( C ) angeführten Stellen .
( F ) Seine Sitten sind nickt erhaulick gewesen . ) Ich habe zwo Antworten auf seine Widerrufung gesehen : die eine durch den chiel Dannois , von Compiegne , Dienern des Evangelii , und die andre durch Johann Nicolai , einen Luxemburger , ein Mitglied der französischen Kirche zu Amsterdam , gemacht . In der Vorrede dieser andern Antwort habe ich gelesen , daß Peter Jarrige vergeblich gearbeitet , in« Predigtamt ausgenommen zu werden , ehe die vier Probejahre verflossen waren , welche die Synoden für diejenigen eingeführt hatten , welche die Abgötterey ver - ließen . Dieser Stoß , saget man zu ihm , hat ctick nach eurer weisung bey dem Gynodo zu - Harlem großen Verdruß ge - gemackt , wo ihr auck , euer Gewissen weis es , ob ee mit Unvc'cbt gesckeben , einer^ so ehrlosen That , beschuldiget worden feyö , als diejenigen Unflatereycn sind , die ibr den Jesuiten eurer provinr Sckuld geder , um sie auf das Blutgerüste «1 stellen . iencr Gottes , sondern auck alle übrigen de« Sckisses aufgeweckt wclche , nackdem sie diese Frauenspersonen gehöret , Lärmen mackten , und von nicl ? ts an , der« redeten , als cuck ins Xvafler zu werfen , wenn sie dieser ehr , liebe Mann nickt besänftiget hätte , dock Saß der Gckiffcr be - theuern mußte , an dem Grre Verickr davon zu erstatten , wo ihr Abgereist wäret . ^
Ttt tt 3 Javersac ,

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