Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12814

Zarrige .
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Iid ) und mit Vergstügen auf Dem holländische» Boden vollendet . Er hat auf der 69 S . bekannt , daß er durcl , eine übermäßige heit , viele Unschuldige verleumdet , um sich an zween zu rächen , die er für strafbar gehalten ; daß ihn bey Lesung des Urtheils , vermöge dessen er ( ^ ) , wegen einer Religion , die er im - Herfen verfluchte , zum Tode verdammet worden - - - daß ihn der Zorn der Vernunft beraubet , und daß er , ohne zu wissen , was er gethan , es wie die rasenden - Hunde gemacht , die ihre - Herren selbst beis - sen , ohne sie zu kennen . Also habe ich , der Vernunft beraubet , saget er 7z S . und von einem Rachgeiste eingenommen , ein gifti , gcs und grausames Buch wider die Provinz Guienne gesckrie - den , daraus ich entsprossen war - - - Jcb habe alle listigen Streiche meines Eitzes angewendet , ihren guten Namen zu zer - lästern . Die Redekunst hat die Eigenschaften derjenigen Fern , gläser , welche kleine Dinge groß machen , und einen Frosch so groß , als einen Ochsen vorstellen . Es ist mir genug gewesen , einen leichten Grund zu haben . um ein großes Verbrechen dar - auf ? » bauen ; ich habe mich nicht darum bekümmert , die heit zu sagen , wen» ich nur eine sinnreiche Ausflucht hätte , » „ ner . 'lagen ein Färbchen anzustreichen . Ich habe ein kleine« Feld sehr fleißig gebauer , lind durch die Umstände , die ich dazu setzte , aus einer kleinen Fliege , einen großen Elephanten gemackt . Diejenigen , welche die kleinen Zufälle , und die wenige - Hockach - rung wissen , die sich in dieser heil , Provinz eräuget haben , sehen viel klärer , als andre , daß mir die Rachbegierde viel listige Streiche , kleine Dinge zu vergrößern , undallzuviele Erfindung dargebochen , um sie wahrscheinlich zu machen . Der ehrwürdige p . ponthe - lier , hat mir diese Verstellung mit Nachdrucke , und gleichwohl mir Bescheidenheit vorgeworfen , als ich in dem größten Feuer meines Zorns war . und hat keine andre Antwort von mir erhalten , als daß , weil P . Rousseau und P . Beaufais rausenderley Betrügereyen und Erfindungen gebraucht hätten , mich zum Feuer verdammen zu las - sen , es ganz billig gewesen , daß ich auch Erfindungen gesucht , mich zu rächen ; und auf einen kleinen Grund harte Beschwehrimgen gebauet hät - te , wie sie die ihrigen auf Wahrscheinlichkeiten gebanet gehabt . Ich habe dazu geselzet , daß sie nicht bloß wider mich geschrieben , wie ich gethan , sondern daß sie mich wirklich im Bildnisse Härten aufhenken , und dann verbrennen lassen - - > 77 <0 . Jdi habe als ein riger Mensch die bösen Stellen ergriffen , um meinen Gift nach - drücklich darüber auszuschütten - - - wenn ich eine leichte Gelegenheit angetroffen ; » gloßiren , so habe ich nicht ermangelt , meine Muthmaßungen für Beweise gelten 5» lassen : und wenn es sich zugetragen , Saß einige , entweder wahr oder falsch , von Hausgenossen oder Fremden , in Verdacht gebracht worden : so habe ich diese Verdachte für " Wahrheiten angenommen , und micti gemeiniglich bemühet , ehrliche Leute für Sie größten Mis - serhäter auszuschreien , welche bey einer ernsthaften Untersuchung nur einiger Einfalt , oder aufs hochffe eines leickten Fehlers schuldig feyn würden . Wer meine Schrift ernstlich , und mit nem uneigennützigen Gemüthe überlegen will , wird finden , daß ich zugleich scheinbare und arglistige Eingänge gemacht , um meine Sckelmereyen auf eine angenebme Art , und mir vieler Wahrscheinlichkeit einzuschieben . Ich habe allzuviel gesagt , um Glauben zu verdienen , und die Aeizer selbst , ob sie gleich in Zukunft meine Verleumdungen zu einem Schilde brauchen wer - den , haben sie in dem Synodo von Middelburg gemisbilliget : und man muß einen so parteyischen Geis ? haben , als icb gehabt , d» ich dieses Buch geschrieben , wenn man meinen gen Beyfall und Glauben geben soll . Gewist wenn cr , vas vor - gegangen ist , so sind Sie Strafbaren aus der Gcsillsckafr wegge - geschickt worven ; welche , Sa sie Sie Eigenschaften Sc» großen Weltmeers hat , keine rodtcn Rorpcr leiden kann : meine Be - schuldigungen sind also ungerecht , da ich einen berühmten Orden mit den Fehlern dcrsenigen beleget habe , die er , weil sie unwür - dig waren , unter den - Heiligen zu leben , und eine» teuflischen Sinn unrer den Engeln zu nähren , ausgespieen hat . Meine Wuth hat mich das Böse sagen , und die Hülfsmirrel verheelen lassen . Ich habe wohl an einigen Stellen gesaget , was einige verbro - chen haben ; allein ich habe nicht dazu gefüger , daß sie eiligst , und ohne Aufschub , als Verpestete wegge , aget worden . Ich machte eine Satire , um mich zu rächen , und keine Lobfckrift , sie heraus zu streichen . Wer die Jesuiten kennet , der wirv urcheilen , daß Sie Verbrechen Oes Ronigsmords , des Rindcrmords , der Sodomirerey , und andre dergleichen abscheuliche Missethaten erdichtet sind - - - 79 Seite , Wie vielmal habe ick mich nicht wider den Grundsatz aller gesunden Vernunft cher Betrachtungen bedienet , um von dem besonder» auf das all - gemeine zu schließen , und der ganzen Gesellschaft dasjenige bey« zumessen , was ich nickt von einem einzigen Härte wahr macken tonnen , wenn man mick ZU einem juristischen Beweise gebracht hatte . was für - Historien habe ich nicht ersonnen , verändert und auf rausenderley Art verfälscht . um desto empfindlicher zu stechen , und viel tiefere und gefährlichere Wunden zu machend Wenn ick hier sede Sacke umständlick erzählen , lind ins dere widerlegen wollte , oder von meinen Besckuldigringen Grund angeben sollte : so würde ick dick , mein Leser , mit tausenderley Umständen überladen , die meine wiederrufung beißend , und nickt sehr gottesfürcktig macken würden . Es sey demnack ge - mig , daß ick dieses gefahrlicke Buck so wohl überhaupt , als in seinen Theilen widern , fe . ohne die Dinge darunter zu begreifen , die ick von dem P . Rousseau und dem p . Beaufais , u meiner Recktfertigung und Verrheidigung gesagt habe . Ick bitte den billigkeitliebenden - Leser an Sie Stelle meiner Erklärung dieses Duck zu setzen , und beschwöre ihn bey der Liebe Jesu Christi , sene nickt mehr zu leftn , weil sie ketzerisch ist . und dieses niemals mir einem Blicke anzusehen , weil e« eine Misgeburt ist , welcke das böse Gewissen empfangen , die Melanckolie gebildet , und die Racke gebohren hat .
( * ) Der Provineial der Jesuiten , hat von dem Sbergerichte zu Ro - chelle ein Urtheil erhalten , welches den Jarrige verdammte , gehangen und dann verbrannt zu werde» . Er hat mich , saget Jarrige , 72 S .
seiner Widerrufung , an den Galgen , und von dem Galge» auf den Scheiterhaufen gebrackt , er hat das Urtheil des Obergerickts drucken , es ausbreiten , die Ursacken meiner Todesstrafe erklaren , und in alle Landschafren herum tragen lassen , und würde dasje« »ige an meinem Rorper haben vollstrecken lassen , was er anmei - nem Bildnisse gethan , wenn mick Gott nicht in einem Staate beschützet hatte , wo ich damals aus keiner andern Ursache war , als um ihn zu beleidigen .
Ich überlasse meinem Leser zu urtheilen , ob die Herrn von Portroial wohl mit gutem Grunde behaupten können , daß Peter Jarrige eine unzureichende Widerrufung herausgegeben habe , und daß er sich zwar selbst beschul - dige , in seinem Buche allzuviel - Hitze gegen die Jesuiten gehabt zu haben , aber ins besondere keine von den ärgerlichen - Historie» leugne , die er angeführet hätte . Diejenigen , die auf Maimburgs Calvinismus geantwortet , haben nicht ermangelt , sich dieser Anmerkung der Herren von Portroial zu Nutze zu machen . Siehe die Apologie poiir les Reformateurs , Liv . I . chap . IX . p . 154 . Ausgabe in qto , und die Lritique Generale , Lettr . IX . p . 147 . III Ausgabe .
( C } Viele Leute glauben , daß ihn die Jesuiten in vier Mau - - ern eingeschlossen , Z Weil er voraus gesehen hatte , daß man dieses , oder wohl noch etwas ärgers sagen würde ; so hat er sich gezwungen , be - kannt zu machen , daß ihn die Jesuiten sehr wohl aufgenommen hatten , und daß diejenigen , die es nicht glauben wollten , nur kommen dürften , es selbst anzusehen . Hier ist dasjenige , was er an einen Kaufmann ben hat . „ Ich weis wohl , daß die reformirten Prediger , und die Her - „ ren , die ich verlassen habe , sagen werden , daß ich todt oder gefangen „ sey ; allein seyd so gütig , und saget denen , die nach Antwerpen komnien „ werden , sie sollten mich in dem Collegio besuchen ; und ich verspreche „ euch , daß ich nicht allein ftey , und nach meinem Gefallen mit ihnen re , „ den , sondern auch , wenn sie wollen , sie in die Stadt begleiten , und mit „ ihnen in den katholischen Landern reisen will , „ Ein Brief des Jarrige an den Herrn G . M Kaufmann zu Leiden , unter dem 8 May 1650 . Er ist dasselbe Jahr zu Leiden , mit einer Antwort gedruckt worden , davon ich in der Anmerkung F ) reden werde . Man fuge diesem folgende Stelle aus seiner Widerrufting , 4 S . bey . „ Ich weis wohl , daß dieKet - „ zer , welche die Thaten andrer nach dem Maße der ihrigen einrichten , „ falsche Gerüchte ausstreuen werden , daß ein zubereitetes Gift mich au§ „ der Welt geschickt , oder daß ich in ein unterirdisches Gefängniß gesteckt „ sey , wo ich das Tageslicht nur durch ein Loch sehen kann , daß der ehrwür - „ dige P . Johann Ponrhelier , der das vornehmste Werkzeug gewesen , „ dessen sich Gort bedienet hat , mich aus dem Abgrunde zu reissen , mich „ verführet , und listiger weise aus dem Schooße der vereinigte« , Provin - „ zen , und aus einer sichern Freystadt heraus gerissen hat , um mich den „ Händen meiner Feinde , oder dem Tode zu überliefern . Allein es 6 * « „ trifft die Bekehrung aller Abtrünnigen von verschiedenen Orden , die noch „ in den , Jrrthume stecken , und nur durch die Furcht der Strafen zurück „ gehalten werden , zu wissen , daß diese Gerüchte falsch sind , und daß ich , . den Klauen der Wölfe entgangen bin , um mich in den Schooß eines „ barmherzigen Hirten zu begeben , der sich eine Ehre daraus machet , sein „ verirrtes Schaf auf die Schultern zu nehmen . Gewiß , wenn ich ge - „ straft werden sollte , wie es meine Verbrechen verdienet , so würde ein „ zehnjähriges Gefängniß nicht zureichend seyn , dieselben zu verbüßen . „ Weil ich mich aber freywillig und ohne Zwang in den Schooß meines „ Vaters gerettet habe , da wo die Gnade eine zweyjahrige herrschende „ Sünde übertrifft . „ Er zwingt sich , alle Sicherheiten bekannt zu nia - che» , die ihm verwilliget waren . Ich habe von Sr . Majestät , saget er in dem Briefe an den leidnischen Kaufmann , einen von de» schone sten Begnadigung» - und L . ossprcckungsbriefcn erhalten , die je« mal» gemackr worden ; so Saß ick mich weder vor Bouröeaur , wegen des Buckes , noch vor Röchelte , wegen des Unheils , mehr fürchte . Ich habe , zum andern , Versicherungsbriefe , ja Versiche« rnngsbriefe von unstrm h . Vaterpabst , mir derGewalt erhalten , mich in eine katholische Stadt zu begeben , die ich wollte : und es ist , kraft derselben , allen weltlichen und geistliche» Gbrig - keite» anbefohlen worden , mich zu beschützen , und er ist zufrie - den , daß ich nur im Priesterhabite bin . Ich habe , zum dritten , von dem Erzherzoge Leopold , Pässe durch alle seine Länder be - kommen . Viertens , Har mir der General von der Gesellschaft Jesu , Franciscus Piccolomini , Freyheitsbriefe geschickt , um wie - der unter die Jesuiten zu gehen , wo ich mich mit einer vollkom« menen Vergebung meines Fehlers befinde ; ohne daß mir die ge - rmgste Buße oder Gnugchuung ausgeleget worden , als diesem - ge , die ich mir selbst in« besondere auflegen wollen : ebendersel - be har mir andre Freyheitsbriefe errheiler , in ein Ronigreick , oder eine Landsckafr der Welt zu gehen , wohin ick wollte ; so daß ick die Wahl unter allen Collegiis Oer Gesellschaft gehabt : alles dieses ist mir den großen Siegeln seines Amts bekräftiget , und es ist nickts glaubwürdiger« , als dieses . Und zum groß - ten Glücke , hat der P . Ponthelier , welcker Oer Verfasser und förderer aller dieser Begnadigungen und Wunderdinge gewesen , Urlaub erhalten , mir mir zu leben , wie es ihm gefallen wird ; und dieser wird mich nickt verlassen , bis ick völlig vergnügt bin , , ck versickere es euck : und außer diesem . ( welches eine Sacke ist , die man niemand giebr , ) habe ich sie Wahl , ein weltlicher Priester 5 " seyn , oder in der Gesellsckaft der Jesuiten zu blei - den ; und ich erwarte von Rom die endliche Entscheidung .
. ( D ) * ' < Man kann andre Ursachen angeben , warumein solcher Mensch gänzlich unsichtbar geworden iß . ] Seine derrufung überzeuget ihn . daß er der allergrößte Betrüger auf dem boden gewesen ; denn er har darinnen bekannt , daß er , um sich an zweei , Jesuiten zu rächen , die ganze Gesellschaft durch falsche Beschuldigungen des Ronigsmordes , des Rindermordeg , der Sodomilerey , und anderer dergleichen abscheulichen Misserhaten beschuldiget bat . p . 79 . Wenn man sich , in Ansehung solcher Verbrechen , für einen öffentlichen Verleumder erkennt , so kann man keine bessere Partey ergreifen , als daß man sich auf seine übrige Lebenszeit verstecker . Wenn man ein Gewisse» hat , so muß man sich den Nest seines Lebens in einen Bußorr verban - nen : hat man keines , und kein Ueberbleibsel der Ehre mehr , so muß man nach dem Beyspiele Bellerophons , alle Gesellschaft , auch die Spur von Menschen fliehen .

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