Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12737


8 ? 6
Hutterus .


Reuchlins wären . Er führet auch dabey Schriftsteller an , die sÄ - che« für eine ausgemachte Wahrheit gehalten , als Jacob Thomasen und Majum . Man sehe auch Stollen« Hist . der Gelahrth . Ausg . von 1724 die S . Hier kann man also bey dem Herrn Bayle eben dieselbe , Anmerkung machen , die er so oft bey andern großen Männern ge - macht , daß nämlich dasGedächtniß durch seine Schwäche oft die rühmtesten Leute in Versehen und Widersprüche gestürzet . Hernach könnte Man auch fragen , warum diese Epiftolae obfc . vir . eben ter die Pasquille zu zählen wären ? Wenn alles ein Pasauill ist , wo - rinnen das Böse , welches jemand an sich hat , enthalten ist , so ist der Ar - tikel Hochstraten , nebst unzähligen andern in diesem Wörterbuche , auch ein Pasquill zu nennen . Mehr Böses aber , als hier vom straten gesagt worden , steht in den Epiftolis obfc . viror auch nicht . Ist aber auch der bekehrte Jude Pfefferkorn , nebst vielen andern Fra - tribus ignorantiae , und die ganze Unwissenheit und Bosheit damali - ger Zeiten , darinnen auch nicht geschonet : so sind sie vielmehr eine Sa - rire auf die Verderbniß der hohen Schulen und Klöster zu nennen . Nun ist aber schwerlich jemals eine anmuthigere Satire geschrieben worden , als diese . Ich will zur Probe etwas , au« einem Dr . Vol . II , pag . 48i , feq . den Ioannes Helferich , Iatine Iupiter , an den M . Ortuin geschrieben hat , anführen : Sciatis , quod quando fteti Vi -
ennae , timc audiui lefliones in Poetria , et fuit ibi quidam'iutie - nis Poeta , qui fuit difcipulus Conradi Celtis , et vocatur Georgius Sibutus , ipfe fuit Socius mens , et femper fuimus viia . Et dixit mihi , tu debes vocari Iupiter , quia Iupiter Iatine eft idem , quod Helfericb teutonice . Et ( ic vocant nie nunc Iupiter - - - Scribitis , quod videtur vobis , quod ftatim erit extremiun iudi - cium , quia mundus ita nunc eft peioratus , quod non eft poflibi - Je , quod poteft amplius pciorari , et homines habent fic malos geftus , quod eft mirabilc ; quia itiuenes volunt fe aeqniparare fe - nibus , et difcipuli magiftris , et Iuriftae Theologis , et eft magna confufio . Hierauf folget nun ein ganzes Verzeichuiß derer gelchr - ten Männer , die damals die schönen Wissenschaften wieder lt , die den Mönchen und Handwerksgelehrten ein Dorn im Auge waren . Et furgunt multi haeretici et pfeudochriftiani , Ioannes keuchlin , Erafmus Roterodamus , Bilibaldus , nefcio quis , et Vlri - cus Huttenus , Herinannus Bufchius , Iacobus Wimphelingus , qui feripfit contra Auguftinuni , et Sebaftianus Brant , qui feripfit tra Praedicatores , ( quod fit Deo conqueftum ) et temerarie vitu - perateos , etc . Nach dieser Art dachte man damals und schrieb auch nicht viel besser . Wenn nun eine solche Einfalt lächerlich ge' macht wird , ist . das ein Pasquill zu nennen ? G .
Hutterus ( Leonhard ) Professor der Gottesgelahrtheit zu Wittenberg , war 1562 zu Ulm gebohren , wo sein Vater Pre» diger gewesen . Er ward mit solcher Sorgfalt zu den Wissenschaften erzogen , und nahm dermaßen darinnen zu , daß man ihm in einem Alter von zz Jahren , eine Profeßion der Gottesgelahrtheit , auf einer von den allerberühmtesten Universitäten gab a . Er verwaltete alle Verrichtungen dergestalt , daß man ihn für einen sehr arbeitsamen Mann , und geschickten Lehrer hielt h . Er bezeugte einen feurigen Eifer für die Handhabung der Orthodoxie , nach der richtigsten Weise der hißigsten Lutheraner . Seine Schriften zeigen diesen Eifer durchgängig ( A ) , und wenn man nur ein wenig betrachtet , was er von den Märtyrern des genfischen Glaubensbekenntnisses gesagt hat ( B ) , so wird man zugestehen , daß er die Sachen zu hochgetrieben . Diese Ge - müthsart hat ihn vielen verdrießlichen Streitigkeiten auögeseßet , wo er die Pfeile der Lästerung aussteheil müssen ( C ) . Er ist 1616 gestorben . Man muß ihn nicht mit demjenigen vermengen , der die Biblia Dolyglotta herausgegeben hat ( D ) .
<0 Die zu Wittenberg . b ) Aus dem Spizelius , in Templo Honoris referato p . 32 u . f .
( A ) Seine Schriften zeigen Siefen Wfer durchgängig . ^ Man sehe vornehmlich das Werk , da« er betitelt hat : Concordia concors , fiue de origine et progreflu forrnulae Concordiae Ecclefiarum Auguftanae Confelfionis liber vnus , Rudolpho Hoipiniano oppolitus . Dieß ist ein Folioband , der zu Wittenberg 1^14 gedruckt worden . Siehe den Ar - tikel - Holpinian in der Anmerkung ( E ) . Man sehe auch seine Disputa - tion , de Eormula Concordiae , JU Wittenberg 160 ; gedruckt : sein Colle - giiun theologicum de articulis confeffionis Auguftanae , et libro Chri - ftianae concordiae , ebend . 1610 gedruckt : sein lrenicum vere Chriftia - num , fiue de fynodo et vnione Euangelicorum non fucata concilian - da Traäatus Theologicus : sein Sadeel Elenchomenus , hoc eft , Tra - öatio pro maieftate humanae naturae Chrifti . Er schrieb wider das Pabstthum mit vielem Nachdrucke . Man sehe seine Disputationen deSa - crificio Romanenfium Miflatico , eiusque horrenda abominatione : de Transfubftantiatione et Proceffionibus Pontiticiis pro aflerendo inte - gro Sacramento Coenae Dominicae contra Iefuitas . Man sehe auch die Refutationen ! duorum libromm Rob . Bellarniini deMifiä : Trium - phus de regno Pontificio : Ilias malorum regni Pontificio - Roniani , fiue Hiftorica Diflertatio de iniuftiflimo Pontificis Romani in Ecclefia Dei dominatu : Adlio in Iacobum Gretferum de Imperatorum , Re . gum , et Principum Chriftianorum in federn Apoftolico - Romanam niu - nificentia pro Nicoiao Clemangis . Aus dem Spizelius , in Templo honoris referato , pag . 37 , 38 . Ich übergehe die Titel vieler andernWer - ke , die nian sowohl deutsch als lateinisch von ihm hat . Sein Caluinifta Aulico - Politicus . zu Wlttenb . >615 gedruckt , wird in der folgenden An« merkung angeführt werden . .
( B ) U ? as er von den Märtyrern de . - ; genfischen kenntnisses gesagt hat . Z Der Churfürst von Brandenburg hatte in seinem Duldungsbefehle unter andern Dingen , die Drangsalen und die Todesstrafen angeführt , welche die Calvinisten von Seiten des gemeinen Feindes ausgestanden haben ; allein unser Hutterus hat ihm entgegen geseht , daß sich die Arianer , die Wiedertäufer und die Antitrinicarier auch eines gleichen Grundsatze« bedienen könnten , die Duldung zu erhal - ten . Er behauptet , daß die Calvinisten den Tod nicht darum erlitten , weil sie geglaubt , es mache sie das Blut Christi selig ; sondern weil sie sich geweigert hatten , dem Pabste zu gehorchen , den sie den Antichrist genennt . Serif [ erat quondam in Edifio Serenijfimus Eleflor Brandenburg^ icus , non excludendos efle aChriftiana communione Reformatos , qui idemfenti - unt in fundamento fidei , in Euangelio cum Lutheranis laborant , cer - tant , Iuftantur , eoque nomine a communi holte innumeros cruciatus fuftinuerunt , fuftinentque , quique etiam fanguinem pro confeflione illa largiflime profuderunt . Cornua Uli obuertere aufus Hutterus in Aulico - Politico cap . II , pag . 176 etc . vbi regerit , a Papiftis etiam Anaba - ptiftas , Arianos , Antitrinitarios , aliosque fupplicio affe & os efle ; cau - 6m fupplicii noftrorum non fuifle , quod crediderint , fe perChriftum feruatum iri , fed quod Romanum Pontificem non agnoucrint Pafto - rem vniuerfalem , fed Antichriftum , eiusque iiigum detreäauerint fer - re . Heidegger . Dinert . Sele6t . Tom . il , pag . ssa . Heidegger bemerket gar scharfsinnig , daß eben diese Art , das Marryrthum der Calvinisten zu vergringern , mit gleichem Fortgange wider die lutherischen Märtyrer angewendet werden kann . Er saget dieses , nachdeni er beobachtet hatte , daß ein Gottesgelehrter von Straßburg dieselbe Spitzfindigkeit als Hut - teru« gebraucht hätte . Gemella his effutiuit Dannenhawerus , Argen - tinenfis Theologus , Coüeg . Decalog . pag . 394 , vbi Reformatorum tyrium laruatum vocare , et cum Iudaeorum , Ethnicorum , Arianortim fub AthalarichoGothorum Principe religionis caufa oeeiforum Marty - rio comparare non erubuit . Certe fuSoStix talis etiam Lutheranae Ecclcfiae Martyrii veri palmas laudeBique praecideret . Ebendaselbst .
Kann man wohl die Wirkungen des Eigensinnes genugsam bewundern ? Und ist es nicht eine beweinenswürdige Sache , daß ein Bckehrer denRe , sormirten vorrücken kann , es sey das 'Märlyrthum ihrer Brüder , von ei - niqen lutherischen Lel ) rern als ein falsches Märtyrthum angesehen wor - den ? Man sehe die Anmerkung ( H ) des Artikels rvcsiphaln« ( Iva - chim ) und merke , daß Pappus diejenigen Lästerer nennet , die den Luthera - nern Schuld geben , d aß sie die calvinistischen Märtyrer , als Märtyrer des Teufels ansehen . Nullomodo eos habeinus pro martyribus Diaboli , queinadmodum acciifairur . Io . Pappus Epit . Hiftor . Ecclef . p . m . 49 .
( C ) Diese Gemkchsarr hat ihn vielen Streitigkeiten attsgeftttt , rvo er die Pfeile d« ? r Lästerung ausstehen muffen . J Mai» hat ihn in seinem Lebenslauf , . 'mir den Propheten und Aposteln verglichen , die wegen der Wahrheit verfolgt worden ; und man setzet darzu , daß er der Verleumdung nichts als Stillschweigen und Verachtung entgegen gesetzt habe . Ich will über dergleichen Sachen nicht disputiren , sie sind mir nicht bekannt genug : allein ich will überhaupt sagen , daß e« so hitzige , so eigensinnige und so unerträgliche Lehrer giebt , die sich Feinde machen , nicht darum , weil sie die Orthodoxie behaupten , sondern ivegen der unehr - lichen Mittel , damit sie dieselben behaupten . Man rächet sich an ihnen durch persönliche Bort vürfe : man machet ihre allerverdrießlichsten Wahr - heilen bekannt : man überzeuget sie vieler schimpflichen Dinge : sie kön - nen sich deswegen nicht rechtfertigen . Was thun sie alsdann ? Sie ma - chen sich ein großes Verdienst aus ihrer Geduld ; sie vergleichen sich mit den Propheten und den Aposteln , ja mit Jesu Christo selbst : XVic den , wie sie , wegen See U ? ahrheir verfolgt , sagen sie ? wir wollen den tNnnd nickr austhun , wenn uns die Leinde der U ? ahrheit lä - stern . Moliere hätte dieses etwan in einem Auftritte des Tartuffe an - führen sollen : denn man muß wohl bemerken , daß dergleichen Herren nicht schweigen , wenn sie Lästerungen gegen ihren Nächsten auszustreuen haben , oder wenn sie scheinbare Dinge zu ihrer Rechtfertigung anführen können . Dem sey , wie ihm wolle , so krönet der Lobredner unser« rus , denselben mit diesem schönen Lobe . 5icuti vero fummis quibus - que Viris non omnia amnino ex animi fluxere fententia , fed cruces , calumniae , et perfecutiones variae illos exercuerunt , ita Hutterus cer - tilfimo hoc fidelium Dei feruorum charaöerc neutiquam caruit , quippe quo ab omnipotente Deo , Prophetac , Apoftoli , et finceri Ec - clefiae Doöores olim funt fignati - - - Idem prorfus noftro fa - tum : quod aequo et patienti pertulit aninio , magisque de abftergen - dis calumniis , fuis antecefloribus impaclis , quam famae et exiftima - tionis propriae vindicatione fuit follicitus , haud ignorans , omnes in . iurias obliuione melius , quam commemoratione fanari , et inimico - ruin calumnias contemtu potius quam lingua efle vindicandas . Spi - zeJ . in Templo Honoris referato p . 55 .
( D ) tffan muß ihn nicht mir demjenigen vermengen , der die Siblia polyglott« herausgegeben . ^ Er hat Elias Hutten»« heißen . Erstlich hat er eineBibel in vier Sprachen , hebräisch , griechisch , lateinisch und deutsch , zu Hamburg 1597 herausgegeben : nach diesem hat er die italienische , ftanzösische , selavonische und sachsische dazu gefügt . Sein neue« Testament ist 1600 in zwölf Sprachen gedruckt worden , wel , che« die syrisch« , die hebräische , die griechische , die lateinische , die deutsch , die böhmische , die italienische , die spanische , die ftanzösische , die englische , die dänische und die pohlnische sind . Er hat sie in der Ausgabe de« 1603 Jahres auf viere gesetzt , nämlich die hebräische , die griechiftl ) ? , die lateini - fche und deutsche . Diese Polyglott« ist sehr ftlten zu finden . Es ist in einer Sammlung von Briefen enthalten , was gelehrte Männer von die , fem Werke geurtheilet haben . Au« Hottingers , Biblioth . Quadriparti - ta , Lib . c . j , p . 141 , 142 .
Iaccetius

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.