Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12729

von Rom nach Viterbo gegangen , zu der Zeit , da sich ein französischer Ab - gesandter in dieser letzten Stadt aufhielt . Es entstund ein Streit , wo - bey Hutten von seinen Gefährten verlassen , fünf Franzosen allein vor sich hatte , die er , ungeachtet der Wunden , Mlche er von ihnen bekommen hat - te , in die Flucht trieb . Er hat ein Sinngedicht darauf gemacht , in quin , que Gallos a fe proriigatos , welches man >m Melchior Adam lesen kann .
( 0 ) Der Raiftr Maximilian - - - - ercheilte ihm den schen Äorbetfc'cany . ] Er hat diese Ehre PeutingcrS Bevhülfe zu dan - ken gehabt , und ihm deswegen seine Erkenntlichkeit in einem von seinen Büchern bezeuget . Praefatione aä Principes German , vt bellum Tur - cis inferant , beym Melchior Adam in Vit . Inrizconüilt . pag . 15 . Er saget auch , daß dieser Kranz in Peutingers Hause von seiner Tochter Eon - stantia gemacht worden , deren Tugend und Schönheit er ungemein her - ausstreicht . Illam aio coronam , illam lauream quam tu ante domi tuae , accurate contexente et adornante filia tua Conftantia , omnium quae iftie funt puellarum et forma et moribus praeftantilTinia , appa - raueras . Für einen Poeten , der das Frauenzimmer geliebt , wie Hutten gethan , ist hier Gelegenheit gewesen , neue Worte und viel Gedanken an - zubringen , und es müßte ein groß Unglück gewesen seyn , wenn die schöne Constantia Peutingerinn nicht mit vielen Sinngedichten beschenkt wor - den wäre .
( E ) bat wider die Unordnungen des - Hofe« ; u Rom schrieben . ^ Unter andern Werken hat er einen historischen Traetat in deutscher Sprache über den beständigen Ungehorsam der Päbste gegen die Kaiser gemachet . Man findet darinnen geqen das Ende , daß lian der I , da er von Leo dem X betrogen worden , qesaget : Dieser pabst hat mich febon wieder boshaft betrogen . und icli kann mit Xvahrheit sagen , daß kein einziger padst , so lange als ich auf der & >elt gelebt , mir XX>oct gehalten hat ; allein ick hoffe mit der Gnade Gottes , daß dieses der letzte fcyti soll . Cochläus , A6t . et Script . Luther , aufs i ; , y Jahr , saget , daß Ulrich von Hutten , ehe Luther berühmt geworden , verschiedene Dinge wider die Plackereyen herausge - geben , die Deutschland von Seiten der Päbste erlitten ; und daß er 1519 eine kleine Schrift , Trias Romana betitelt , von einer vollkommen artigen Erfindung verfertiget , welche den Hof zu Rom ungemein verhaßt gemacht .
( ? ) - Hutten hat sich an den - Hof des Churfkrsten von Main ; begeben . ] Ich finde nicht in feinem Leben , daß ihn der Churfürst von Mainz jemals hätte gefangen nehmen lassen , wie es Moreri versichert ; ich finde nur , daß er ihn von seinem Hofe entfernt , exclufus itaque aula et vrbe Moguntina ( Melch . Adam , in Vita IurisconC pag . 19 ) und daß er den Verkauf und das Lesen seiner Werke jedermann bey Strafe des Bannes , verbothen habe .
( G ) Er ist im Jenner >573 von Basel gereist . ] Dieses erhellet aus den Worten eines Briefes des Oekolampadius vom 21 Jenner > ; »z , miäSöafel , Libr . IV , Epift . pag . p68 , beym Melchior Adam pag . 21 - 8unt hic ex facerdotibus et theologis , qui de ine peflime loqui cupiant , nec defiftunt vbi clam conueniunt . Tantum machinati , vt Hutteno non fuerit diutius tutum hic agere , vnde et nudius tertius hinc difeeflit , quorfutn autem , nefeio .
( H ) Erasmus hat seinen Besuch abgeschlagen , aus Furcht einer Sache , die er seitdem bekannt hat . ] Wenn er an den Me - lanchthon im Herbstmonate 15 - 4 schreibt ( dieser Brief ist der uz des XIX B . pag - 949 ) fo saget er zu ihm , daß er seinen Besuch sehr gern angenom - men haben würde , ohne sich viel darum zu bekümmern , was mau davon sagen würde ; und daß , wenn er des Hutten seinen ausgeschlagen , sol - ches aus der bloßen Furcht geschehen , sich verhaßt zu machen : daß er aber auch eine andre Ursache darzu gehabt , daß er nämlich würde verbunden gewesen seyn , diesen mit Elend und Kratze beladenen Windbeutel in sei - nem Hause zu Herbergen , der nur ein Nest gesucht , wo er sich aufhalten könnte , lind der von der ganzen Welt borgte . Also hat bey dieser Gele - genheit der Beutel mehr bey dem Erasmus gewirkt , als der gute Name . Quod Hutteni colloquium deprecabar , non inuidiac metus tanturn in caufa fuit : erat aliud quiddam quod tarnen in Spongia non attigi . Ille egens et omnibus rebus deftitutus quaerebat nidum aliquetn , vbi moraretur . Erat mihi gloriofus ille miles cum fua feabie ( es ist sehr wahrscheinlich , daß er hier die Franzosen durch Scabies versteht ) in aedes reeipiendus , fimulque reeipiendus ille chorus titulo Euangclicvrum , fed titulo duntaxat . Sletftadii muldlauit omnes amicos fuos aliqua uecunia . A ZuingHo improbe petiit , quod ipfe Zuinglins mihi fuis Iitteris perferipfit . Iam amarulentiam et glorias hominis nemo quamuis patiens ferre poterat . Man sieht also , daß unser Hutten dem Erasmus nicht als ein guter Lutheraner Furcht gemacht , sondern als ein entblößter Offieier , der sein Winterquartier bey ihm nehmen wollte . Man darf nicht zweifeln , daß seine Besuche , die mit Geldborgen begleitet waren , nicht vielen miSsallen hätten , die öffentliche Evangelische waren .
( I ) Erasmus hat ihm geantwortet . ] Diese Antwort ist an den ZwingliuS gerichtet , und hat zum Titel : Spongia Erasmi aduerfus afpergines Hutteni . Erasmus bekennet darinnen offenherzig , daß er den Hutten ersuchen lassen , ihn nicht zu besuchet , , wenn ihn nicht eine wichti - ge Ursache darzu nöthigte : allein er zeiget , daß er diese Bitte mit so ler Freundlichkeit verbunden , und darauf diesem Freunde so viel andre Vorschläge thun lassen , mit welchen ein jeder vernünftiger Mensch ver - qnügt gewesen seyn würde . Das verdrüßlichste hierbey ist , daß er an den Marcus Laurinus , Dechanten zu Brügges , geschrieben , daß , wenn Hutten ihn besucht hätte , er sich nicht geweigert haben würde , mit ihm zu reden , fuit hic Huttenus paueorum dierum hofpes : interim nec ille me ad - jit nec ego illutn ; et tarnen Ii me conuenißet , non repuliflem homi - nem a colloquio . Erasm . Epift . VI , Libr . XXIII . Er sehet darzu , daß die Ursache , die sie verhindert , einander zu besuchen , diese gewesen , daß Hullen nicht außer einer geheizten Stube seyn können , und daß Erasmus darinnen nicht habe dauern können . Man sehe aus diesem Exempel , wie oft es den allerehrlichsten Leuten wiedersah« , in ihren Briefen die Sa - chen nicht allezeit so zu sagen , wie sie dieselben wissen . Hutten hat sich sehr wider den Erasmus erhitzt , und ein langes Register von unhöflichen Vorwürfen zusammen gehäuft . Erasmus hat sich deswegen gerechtfer - tiget , so qut al« er konnte . Nach Huttens Tode hat ein Arzt , Otto Drunfels genannt , dem Erasmus statt feiner geantwortet .
( K ) Er ist auf einer Jnfd des Zurchersees gestorben . Z Er ist auch daselbst begraben worden , und nach etlichen Jahrenchat man durch II Sand .
te» . 87 ;
die Fürsorge eines fränkischen Edelmanns dieses Distichon auf fein Grab - mahl graben lassen :
Hie eques auratus iacet , oratorque difertus ,
Huttenus , vates carmine et enfe potens .
Gesner . Biblioth . folio 342 . Das ärgste dabey ist , daß er an den Franzosen gestorben ist . Wenn Va - rillaS der erste gewesen wäre , der e« Hift . de l'Herelie , Liv . IV , gesagt hätte , so würde ich mich nicht darüber beunruhigen : allein ich sehe diese Geschieht in Gesners Bibliothek ; und wie sollte man nach diesem die Seltsamkeit der Menschen nicht beweinen ? Hutten , der von einem Orte zum andern , wegen der Religion herum irret , Hutten , der wegen seines Eifers verfolgt wird , trägt seine Franzosen überall mit sich herum , und stirbt endlich daran . Welch eine Ungereimtheit ! Er hatte 1519 ein nisches Buch von dem Holze Guaiac und der venerischen Krankheit her - ausgegeben . Er hat damals als ein Meister davon reden können ; denn nach allen Wahrscheinlichkeiten hatte er sich diese Krankheit nicht nach sei - ner Abschwörung des Pabstthums angefchafft . UebrizenS rechnet Va - rillas schlecht . Er saget , Hutten sey zu Luthers Partey fünf Jahre vor feinem Tode übergegangen , und zwey Jahre nach dem Reichstage zu Auqspurg , wo er sich dem Bunde widersetzet hatte , den der römische Hof wider den Türken zu Stande bringen wollte . Dieser Reichstag ist »5 , 8 gehalten ; also müßte Hutten > ; ? o lutherisch geworden seyn - nun hat er nur drey Jahre nach dieser Zeit gelebt . Die Anmerkung des Va - rillas , daß er zur Reuschheit verbunden gewesen , weil er die heil . Orden erhalten gehabt ; ist nicht ganz und gar falsch : denn man liest folgende Worte in Melanchthons Leben : Intercefierat Hutteno cum Croio Rutiano Angularis vfus a prima adolefcentia , quo autore vel certe adiutore reliquit ille contuberniiim Fuldanum , in quod pene puer magis difeiplinae quam religionis caufl'a datus eflet .
( L ) Er war ein wenig ju hiyig . Z Gesner , Bibl . fo ! 142 , ket , daß Hutten zu Anfange der GlaubenSverbesseruug viele Dinge kühn und frei ) wider die Römischkatholischen , und auch viele Dinge wider die Fürsten und Sladträthe gesagt habe , j Er hat Capnione Partey wider die Mönche mir solcher Heftigkeit genommen , daß er diese Rotte , nachdem er sie mir der Feder angegriffen , auch mit Schwerdtschlagen angefallen , Litiganles Monachos cum Capnione varie exagitauit , et illam faftio - nem tum quidem vehementiflfimis feriptis , fed aliquando poft armis quoque expeditis adortus eft . Camer . in VitaMelancht . Er hat chem von dem doppelten Kriege Nachricht gegeben , den er wider die Cle - risey führte . Hutten litteras ad me dedit ingenti fpiritu aeftuantes in Romanum Pontificem , feribens fe iam et Iitteris et armis in tyranni - dem facerdotalem ruere , motus quod pontifex ficas et venenum ei intentarit , ac Epifcopo Moguntino mandarit , captum ac vindhim main mittere . Luther . Tom . 1 , Epift , pag . 282 und 28 * . Weil Luther die Hitze dieses Mannes gemiSbilliget , ( Quid Huttenus petat , vides , nol - lem vi et caede pro Euangelio certari : ita feripfi ad hominem , eben - das . pag . 332 ) so darf man sich nicht verwundern , daß sie den Melanch - thon beunruhigte . Er hat Huttens Wissenschaft und Witz hoch gehalten ; allein er hat seinen Stolz , seine Heftigkeit , und seine Neuerungssucht ge - scheuet . Vt virum magni facere et admirari propter doflrinae eru - ditionem et praeftantiam ingenii , fic ab illius natura vehemente et excelfo animo , et voluntate ad nouas res propenfae . . . non nihil timere Philippum Melanchthonem lieuit animadMertere . Ca - merarius . der uns dieses in Melanchthons Leben belehret , setzet dazu , daß Hütte» , nichts leiden können , und daß man aus seiner Mine und aus sei - nen Reden seine Neigung zur Grausamkeit abnehmen können . Er deu - tet auf ihn , waö man vom DemostheneS saget ; denn er saget , Hutten würde ganz Europa umgekehret haben , wem , seine Kräfte seinen Absich - ten und Unternehmungen gleich gewesen wären . Man urtheile von sei - nem Gemüthe mi<5 folgender Probe . Nachdem er erfahren , daß die Car - theuser seinen Kupserstich zum Gebrauche de« heimlichen Gemachs an - gewendet hatten , so hat er sie zu einer Geldbuße von zweytausend Pisto - len verdammet . Huttenus Carthufianos , quia imagine fua pro ani - tergiis vfi Amt , in duobus millibus aureorum nummum multauif . Nicol . Gerbclius , Epift . ad lo . Schwebelium , beym Melchior Adam . Dieß hieß , die Verachtung theuer bezahlen lassen , die man gegen den Lor - ber gehabt , der dieses Bildniß krönte . VarillaS saget im IV B . der storie der Ketzerey , daß eS Luther auf den Titel feiner Bücher hat setzen lassen . Ich führe die Drohungen in dem Artikel Alcander ( Hierony , mus ) an , die er gegen den Nuntius ausgestoßen hat , worauf ich leicht glauben kann , daß er an den Churfürsten von Mainz geschrieben bat : Xvcnn ihr meine Sucher verbrennt , so will ich eure Städte verbrennen . Palauicin . Hift . Conc . Trident . Lib . I , c . 25 , nuni . 1 .
( M ) Man hat ihn für den Urheber verschiedene paftuiüc halten . ) Unter andern von diesen : Dialogus Philalethis ciuis Vtopi - enfis . Oratio ad Chriftum pro Iulio fecundo Ligure Pontificc ( chior . Adam , in Vit . Iurisconf ) Bullicida ( Epitome Gesneri ) : Prae - dones : Momus : Carolus : Pietatis et Superftitionis Pugna • Concilia - bulum Theologiftarum aduerfus bonarum litterarum ftudiofos . Apophthegmata Vadifci et Pafquilli de depratiato Ecclefiae ftatu . Huttenus Captiuus . Huttenus illuftris , authore S . Abydeno Corallo Germano . Gesner . in Biblioth : wo er diesen Abydenus Corallus für einen erdichteten Namen hält . Man hatte dem Erasmus eine kurzwei - lige Satire zugeschrieben , Nemo betitelt : allein es ist Hotten gewesen , der sie gemacht hatte , ( siehe des Erasmus Briefe pag . 543 und 575 ) et hat sich für ihren Vater erklärt , und sich geärgert , daß man ihm diese Geburt raubte . Einige versichern , daß er der Urheber der Epiftolarum obfeuro - rum virorum sey . ( Siehe die Anmerkung ( ? ) des Artikels - Hochstraß ) Dieft Erdichtung * würde viel erträglicher seyn . als eine andre , die man ihm beymißt : man giebt vor , er habe den Brief selbst geschmieder , den er unter dem Namen der Universitäten , Paris , Oxford und Prag geben har . Siehe denP . Labbe , de Scriptor . EccIeC Tom . I , pag . 922 . Wenn er noch einmal dreyßig Jahre gelebt hätte , mit wie vielen Büchern und Pasquillen würde er Europa nicht überschwemmet haben ? Melchior Adam und Moreri , die seine Geburt ins 1488 Jahr , und seinen Tod ins . zusetzen , sagen dennoch , daß er zS Jahre gelebt habe .
* Hier machet Herr Bayle e« so zweifelhast , ob Ulrich von Hurten der Urheber der Epiftolarum obfeurorum virorum sey ; daß man es fast für eine gänzliche Verneinung ansehen sollte . Schlägt man aber den Artikel Hochstraten und die Anmerk . ( F ) nach , so ist er ganz andrer Meyuung , indem er ausdrücklich saget , daß es sehr wahrscheinlich sey , daß sie Huttens Werk , und keine Geburt Sssss - Reuch -

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