Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12667

Huarte . Hugenius .
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derliche Einbildung , vornehmlich , wenn er die nothwendigen Formalien lehren will , wie man Kinder zeugen soll , die einen guten Verstand haben . Es finden sich an diesem Orte seines Buches viele Dinge wider die Schamhaftigkeir , welche durch den Ga - briet Chappuis allzuplump übersetztt worden sind . Er ist nicht zu entschuldigen , daß er einen erdichteten Brief des Proconsuls LentuluS , an den römischen Rath zu Jerusalem für ein glaubwürdiges ^vtück ausgegeben hat , in welchem sich die Abschilderung Jesu Christi , die Beschreibung seiner Leibesgestalt , die Farbe seiner Haare , die Beschaffenheit seines Bartes u . d . m . findet . Man bat eine Critik über diesen Schriftsteller gemacht ( B ) . Er wird für einen Spanier gehalten ; gleichwohl ist er in einer Stadt des französischen Navarra gebohren gewesen K
b ) Zu St . Jean de Pied de Port . Siehe den du Verdier , Bibliotheqne Fran -
a ) Siehe die Schutzschrist Costars , pag . 213 , «4 .
$oife , pag . 432 .
( A ) Er hat sieb durch ein N ? erk berühmt gemacht , da« er in spanischer Sprache heraus gab , und welches in verschiedene Sprachen übersetzet und etlichemal wieder gedruckt worden . Z Es ist ins Italienische durch den Eamillo Camilli übersetzet worden . Die - se llebersetzung ist vom Nieolo Manaßi dem Friedrich Pendasius , Pro - sessor der Philosophie zu Bononien , ehmaligen Professor zu Padua zuge - schrieben worden . Die Zuschrift ist zu Venedig , unter dem > Marz , >582 , ausgestellt : die Ausgabe , deren ich mich bediene , ist von Venedig , prefio - Aldo , 1590 , in x . Dasselbe Buch ist durch Gabriel Tkappuis , , ; 8o , französisch übersetzt worden . Hier ist der Titel von dieser Übersetzung : Anacrife 011 parfait Jugement et Examen des Efprits propres et naiz aux Sciences : oii par merveilleux et ntiles fecrets , tirez taut de la vraye Philofophie naturelle qiie divine , eft demontre la difterence des graces et habilitez qui fe trouvent aux hommcs , et a quel genre de Lettres eft convenable l'Efprit de chacun : de nianiere que qui - conque lira icy attentivement aefcouvrira la propriete de fon Esprit , et f^aura eslire la Science en laquelle il doit profiter le plus . Siehe Du Verdier VauprivaS , kibl . Eran ; . p . 432 . Dieser Titel ist in der rouennischen Ausgabe , von i ; 8» , in>2 . deren ich mich bediene , ein wenig ver - ändert . Man hat eine bessere französische Übersetzung , als diese . Es ist die , die . 672 zu Amsterdam , bey Johann von Ravestem gedruckt den , und davon der Urheber Franciscus Savinien von Alquie geheißen . Er hat die Zusähe dazugesüget , die Johann Huarte der letzten Ausgabe seines Buches eingeschaltet hatte ; sie sind wichtig , so wohl in Ansehung des Inhalts , als der Menge : allein der neue Uebersetzer hat nicht jeden an seinen Platz bringen können ; er hat einige zu Anfange des Buches , und die andern ans Ende desselben bringen müssen . Die lateinische Uebersetzung , die 1622 , in 8 gedruckt , und durch Aefch . Major macht worden , ist mir nur aus dem Bücherverzeichnisse von Oxford be -
( B ) man hat eine Critik über diesen Schriftsteller gemacht . ^ Sie ist betitelt : l'Examen de PExamen des Esprit» . Der Verfasser nennet sich Jourdain Guibelet . Wir wollen diese Stelle Sorels , de la Perfektion de PHomtne , p . 327 . 328 . anführen : Der spanische Verfas - ser von Oer Untersuchung der Geister , ist von einigen gebilli - get ( ^ ) , und von andern verdammet worden . Ich übergehe , was man ihm vorgeworfen har , daß er den körperlichen »Ligen - schaften 3» viel beileget , daß es scheint , als wenn die Seele davon abhienge , und daß dieses hindert , sie für unmarerialisch und unsterblich zu halten , wie sie ist . iBc hat sich deswegen zu - reichend vertbeidiger , indem er bewiesen , daß die Seele nicht an - Vers in den Menschen wirket , als nach der «Einrichtung der ZVerkzeuge , die sie findet ; nichts destoweniger glauber man , daß er diese geistige Substanz ? dennoch den groben und körperlichen , Theilen allzudienstbar machet , und daß die Vergleichungen , die er von den unvernünftigen Thieren , und auch von den unvollkommenen Thieren , als den ziefern , hernimmt , einem so vortrefflichen Thiere , f als der Mensch ist , Schande machen ; und daß es auch lacherlich fey , die Trockenheit den Ameisen und einigen andern Thier - chen zuzueignen , weil sie klug sind , und die Folgerung dar - aus zu ziehen , daß sich die Rlugbeir bey trockenen ten finden müsse : denn vermittelst welclier Runs ? har er erken - nen können , ob weniger Feuchtigkeit , als Trockenheit in dem Gehirne der Fliegen siy , die sehr feucht zu feyti scheinen i XVie hat er überdieß den Unterschied von dem Gehirne der Äicnen und der gemeinen Fliegen bemerket , davon die einen für klug , und die andern für sehr dumm gehalten worden i Man wird ihr Gehirne in der Zerschneidung nicht sehr unterschieden fin - den , und wenn er gesaget hat , daß der einen Gehirne trocken , und der andern ihres feuchte ist , so bat er gesehen , daß die einen klug und die andern dumm find ; nicht daß er von ihrer Rlug beit und von ihrer Dummheit , durch ihre Trockenheit , oder durch ihre Feuchtigkeit geurtheilet hatte < - - Ueberdieß werfen einige dem Urheber der Untersuchung vor , daß er die peramente für jede Rraft der Seele nicht wobl eingerichtet har , und daß er der Trockenheit den Verstand nicht allein , sondern auch das Gedacbrniß zueignen sollen , lind daß diese zwo kungen sehr wohl bey einander stehen können . Man findet also in verschiedenen seiner Säye etwas auszusetzen , welches einem französischen Arzte Anlaß gegeben , eine Untersuchung seiner Un - lersückung zu schreiben , wo er das meiste von seiner Ä . ehre nach - drücklick widerleget . untersuchet , die natürlichen Kräfte in einen guten Stand zu sehen . Um " desto besser von demselben zu urtheilen , so beobachten sie die Menschen " nicht allein an sich selbst , durch ihre äußerlichen Zeichen ; sie nehmen
'auch Zuflucht zur Untersuchung der Ursachen , nämlich der Zeit und des ' OrteS ihrer Geburt , und vornehmlich der Aeltern , die sie gezeuget ha - 7 , ben weiche die wahren Quellen des Temperaments sind . welche sehr «große Gewalt haben , ihnen diese oder jene Gemüthsarr zugeben . Nach - „ dem sie dieses angenommen , um ihre Lehre desto gültiger zu machen , jo „ habe» sie zu gleicher Zeit den Entschluß gefaßt , Hl'lfsmittel gegen die „ Krankheiten vorzuschreiben , die sie anzeigen , oder zur Ersirlluug des Gu - „ ten helfen sollen Um nun die Vollkommenheit der Menschen in ih -
„ rem verborgensten Ursprünge zu suchen , haben sie für eine gute Geburt „ sorgen und machen wollen , daß diejenigen , die sie zur Welt bringen , „ allerhand Behutsamkeiten brauchen sollen , um sie mit denen Eigenschaf - „ ten zu zeugen , die man an ihnen wünschet . Einige Naturkundiger ha - „ ben untersuchet , von was für einem Temperamente eine Manns - und „ eine Frauensperson seyn müssen , die sich heirathen »vollen , und wie sie „ sich nähren und verhalten sollen , Kinder von einer guten LeibeSbeschaf - „ fenheit zu erhalten . Der Urheber von der Prüfung der Köpfe hat „ die Mittel beygefüget , sie mit einem Temperamente zu zeugen , welches „ sie geschickt machet , in den guten Wissenschaften unterrichtet zu werden . „ Beyde wollen , man solle so aufmerksam bey dem Heirathen seyn , daß „ man beobachte , ob ein Mann , der viel Feuer hat , mit einer Frau ver , „ Kunden wird , die dessen weniger , und hergegen die Feuchtigkeit : habe , „ die er nicht hat , um daraus eine vollkomnu'iie Temperatur zu machen ! „ Allein es würde schwer seyn , dergleichen Untersuchungen anzustellend „ um so vielmehr , da viel andere Dinge bey einer guten Partie seyn müs - „ sen , worauf man vornehmlich Acht hat : es scheint gemeiniglich , daß es , „ in Ansehung der körperlichen Eigenschaften , genug ist , wenn nur dieje - „ nigen . die sich verheirathen , keinen kränklichen und ««gestalten Körper „ haben . Was die Lebensart der »erheiratbeten Personen , die Zeit der „ Zeugung und andere Beobachtungen betrifft , die man vorschreibt , um „ Söhne oder Töchter zu bekommen , und sie auch mit einer solchen Con^ - „ plexion zur Welt zu bringen . die zu gewissen Profeßionen geschickt ist , „ ob gleich dieses nicht allemal so richtig eintrifft , als man sich vorsehet , „ so konnte daraus nichts , als Gutes entsprießen . Einige Menschen , „ die weniger vorsichtig , als andere sind , genießen dergleichen Glück , oh - „ ne diese Behutsamkeiten gebraucht zu l , aben ; allein dieß kömmt „ daher , daß sich ihre Körper bey vollen Kräften befinden . , , Ebendas . p - 33s . 356 .
( * ) Anton Zara , ( der ein Buch von der Zergliederung der Geister und Wissenschaften gemacht . ) Peter Charron und andere , nehmen die Lehre dieses Spaniers fast ohne Widerspruch an . Ebeud . p . 335 S
Man kann nicht zweifeln , daß Johann Huart nicht allgemeine Grund - sähe sehet , die sehr wahr sind ; daß es , z . E . nicht vortheilhaft fey . eine« jeden zu denjenigen Verrichtungen zu bestimmen , wozu sie die Natur ge - schickt machet ; daß es nicht Leute gäbe , die eS in dem Studio der Rechts - gelehrsamkeit sehr weit gebracht hatten , wenn man sie nicht der Arzney - kunst gewidmet hätte ; und daß nicht große Beschwerlichkeiten daraus entstehen sollten , wenn man dasjenige so wenig erkiest , welches man we - gen der natürlichen Neigungen vorziehen sollte : allein es ist sehr schwer , dieser Unordnung zuvorzukommen . Da« Mittel , welches der Verfasser dem Könige von Spanien , Philippus dem II , vorgeschlagen , würde in der Uebung nicht allen Nutzen haben , den man wohl vermuthete Xvie ick bemerke , saget er in der Zuschrift , daß Oer Geist des Mensche« so kurz und so eingeschränkt ist , daß er Mühe qenug hat , einer einzigen Sache gewachsen zu seyn , ohne daß er sich in r>erschie , dene einlasse : so habe ich beständig geglauber , daß man niemals zwoRünste vollkommen wiesen könne , und daß man nothwen - diger XDeise in einer von beyden unwissend seyn müsse , weswe - gen den plato in seinem Buche von den Gesetzen gesaget hat : Nemo acrarius fimul et lignarius faber fit ; duas ennn artes , auf fhi - dia duo , diligenter excrcere humana natura non poteft . Also deucht mich , daß man weise und gelehrte Manner verordnen müsse , Sie von demXVitze der Rinder , von ihrer Jugend an , urtheilen . und sie nothigen , sich auf diejenige N ? ijsinschaft zu legen , die sich am besten für sie schicker , ohne ihnen darinnen den willen zu lassen ; damit ihncn ihre N ? ahl nicht nachtheilig werde , wenn sie eine er , greifen , die ihnen nicht so vortheilhaft oder nützlich ist . - durch würde es geschehen , Sire , daß ihr die besten Arbeiter , und die vollkommensten XVerke von der XVelt , und die Personen in euren Königreichen haben würdet , welche Natur und Runsk aufs beste mit einander verbinden würden . Ich wollte auch , daß die Akademien in euren Staaten also verführen , und daß sie , weil sie den Schülern nicht erlauben , von einer Facnlrar zur andern zu gehen , wenn sie da» Latein nicht gut verstehen , auch Untersucher einführten , um zu erfahren : ob derjenige , der die Vernunftlehre , dic^philosophie , die Ar , neykunst , die Gottcsge - lahrtheit und die Rechte studieren will , den Ropf habe , den jede von diesen XVissenschafren erfordert , um gur darinnen fortzukom - men : denn außer , daß dieses der Republik einen großen Nach - cheil bringt , wenn man eine übel begriffene Runst treibt , so ist e» eine große - Hoffart bey einem Menschen , zu arbeiten , und sich den Ropf zu zerbrechen , um eine Sache zu thun . darbey er keine Eh - re einlegen kann . Was er an einem andern Orte saget , würde in der Ausübung noch viel . schwerer und zwcifelbafter seyn : „ <^n einer wohl« „ eingerichteten Republik sollten Heirathöstifter seyn , welche , vermittelst „ einer Kunst , die Eigenschaften der Personen zn erkennen wüßten , die sich „ verheirathen sollen , um beyde Patteyen wohl zu paaren . In dieser „ Materie haben HippokrateS und Galenus zu arbeiten angefangen , und „ einige Regeft , gegeben , eine fruchtbare Frau von einer unftuchtbaren „ zu unterscheiden , und welcher Mann ungeschickt zum Kinderzengen . und „ welcher vermögend dazu ist . Allein von allen diesen haben sie wenig „ gesaget , und haben nicht mit solcher Unterscheidung davon geredet , die „ man wenigstens bey gegenwärtiger Materie machen müßte . „ Huarte , Examen des Efprits , chap . XV . folio ni . - 07 , verfo . Ich bediene mich der Uebersetzung des Chappuis .
HugMius , ( Constantin ) oder Hungens . Siehe Zuylichem . II Band .
Rrr rr 9
Hugm» ,

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