Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12648

Hottinger .
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morgenländischen Sprachen vollkommen zu machen , nöthigte ihn , nach Verlauf eines Jahres sich nach Leiden zu begeben um daselbst bey den Kindern des Professors GoliuS Lehrmeister zu seyn ; denn dieser Mann hatte die meiste Erkenntniß von diesen Sprachen . Er nahm durch dessen Hülfe , und durch die Vorlesungen eines Türken in dem Arabischen sehr zu . Er würde 1641 , dem Abgesandten * der Staaten , als Prediger , nach Constantinopel gefolgt seyn , wenn die Herren von Zürch darein hatten wil - Ilgen wollen : allein sie riefen ihn lieber zurück , damit er ihren schulen nützen und selbige berühmt machen sollte . Sie erlaub - ten ihm , vor seiner Rückreise in die Schweiz , England zu besehen : und so bald als er zurück gekommen war , machten c sie ihn zum Professor der Kirchenhistorie ; und ein Jahr darauf gaben sie ihm noch zwo andere Profeßionen , nämlich die catechetische Theologie , und die morgenländischen Sprachen . Er verheiratbere sich im zwey und zwanzigsten Jahrerf ; und fing im vier
Verrichtungen überhäuft , und durch so viele Besuche und einen so starken Briefwechsel zerstreut gewesen ( C ) , so viele Bände bat verfertigen können . Man gab ihm 165z noch mehr Aemter« , und setzte ihn in das Collegium der Domherren . Zwey Jahre hernach wurde er dem Churfürsten von der Pfalz auf drey Jahre geliehen , der sich seiner bedienen wollte , die Universität Heidelberg in Ansehen zu bringen . Ehe er aber dahin gieng , ward er in Basel zum Doctor der Gottesgelahrtheir gemacht f . Er kam im Augustmonate 1655 zu Heidelberg an , und ward daselbst sehr gut empfangen . Außer der Profeßion der Gorresge - lahrtheit des alten Testaments und der morgenländischen Sprachen , gab man ihm die Aufsicht über das Collegium der U ? eis - heit und machte ihn zum Kirchenrathe . Er wurde das folgende JahrRector der Akademie , und schrieb etwab wegen der Ver - einigung der Lutheraner lind Reformirten . Dieß that er aber dem Churfürsten zu gefallen , der ein wenig von dieser Sache ein - genommen war , wobey er indessen eben die Hindernisse antraf , welche so oftmals eben dieses Vorhaben aufgehalten hatten ( D ) . Hottinger begleitete diesen Prinzen 1658 , aufden Churfürstentag in Frankfurt , und unterredete sich daselbst mir dein Ludolphus über wichtige Materien ( E ) . Er wurde erstlich 1661 wieder nach Zürch zurück gerufen ; denn man war so gütig gewesen , die Frist zu verlängern , in welcher man ihn dem Churfürsten von der Pfalz verwilliget hatte . Er wurde so gleich zum Präsidenren der Bevollmächtigten erkiest , welche die deutsche Dolmerschung der Bibel übersehen sollten . Der bürgerliche Krieg , der 1664 in der Schweiz entstund , war Ursache , daß er wegen Staatsverrichtungen nach Holland geschickt wurde . Die Akademie zu Leiden schickte ihm 1667 einen Beruf , als Professor der Gottesgelahrtheit : allein er schlug ihn aus , weil er keinen Urlaub von seinen Obern erhalten konnte . Man ließ sich indessen durch diese Weigerung nicht abschrecken ; man hielt ferner an , lim ihn zunl wenigsten Leihungsweise zu haben : und da man von Seiten der Herren von Zurch für die Staaten von Holland , in dieser 'Sache , der sie sich angenommen hatten , willfährig war , so nahm er diese Partey an . Indem er aber alles zu seiner Reise fer - rig machte , so kam er den 5 des Brachmonats 1667 unglücklicher Weise auf dem Flusse um , der bey Zürch vorbey geht s ( F ) . Er hat die Profeßionen oft ausgeschlagen , die man ihm anboth ( < ? ) . Die allerhihigsten Gegner , die wider ihn geschrieben ha - ben , sind , Leo Marius , Abraham EcchellensiS , und P . Labbe ( H ) . Der Stich , den ihm Arnauld gegeben , ist ihm vom Claude vergolten worden ( I ) .
« ) Im >6 ? 9 Jahre . S ) Wilhelm Boswel . 0 Im 164 - Jahre , <0 Siehe die Anmerkung ( F ) . < ) Artium Rhetorologicamm Ordinarius , et TheologiaeVet . Teft . atque Controuerfiarum extra ordijiem Profellor defignatui . Heidegger . S . unten , die Anführung / ) Er ist es den 26 des Heumonals 1655 geworden , g ) Aus seinem Leben durch Johann Heinrich Heidegger , , verfertiget ; in dem IX Band« von Hottingerö Kirchenhistorie gedruckt .
( A ) ( Ht bar im vier und zwanzigsten Jahre angefangen , Bucher zu schreiben . ] Und dieß ist keine Kleinigkeit gewesen , sondern er griff einen von den gelehrtesten Männern , die damals in Europa waren , über eine sehr stachlichte Materie an . Denn er unternahm es . die tionen deö P . Morin über die samaritanischen fünf Bücher Mösls zuwi - verlegen . ( Sie sind 1631 , und nicht 1651 gedruckt worden , wie man in dem Leben P . Morins 22 S . saget , ftanks . Ausgabe . ) Man kann also diese Verse des Boileau über den Chapelain auf ihn deuten :
Wer mir an Muthe gleicht , ist werth mit dir zuschlagen .
Denn deren Probe sucht nur Heinriche zu Gegnern .
Dieses Werk , welches er Exercitationes Anti - Morinianas nennet , hat Hey den Protestanten viel Bevsall qefunden , theils wegen des Verfassers Gelehrsamkeit , theils wegen der Materie , die nicht vortheilhafter seyn konnte , weil Hottinger für den hebräischen Text der Bibel socht , dessen Ansehen P . Morin so viel , als er nur konnte , entkräftet hatte . P . Simon urtheilet , daß dieses Werk eines von den besten ist , die Hottinger heraus - gegeben ha : : und also würde man sagen können , daß seine erste Probe ein Meisterstück gewesen . Wir wollen Simons ganze Stelle anfuhren : sie ist Hottinge , s Nachruhme nicht sehr vortheilhaft . „ Wenn Hottin - „ ger einige Mafligunq in seinen Werk ? » beobachtet , und sich nicht so sehr „ bey Kleiniqkeiten aufgehalten hätte , so würde nian darinnen zum buch - „ stäblichen Verstände der heil . Schrift etwas nützliches finden können . „ Weil er aber allezeit parteyisch gewesen , und seine Bücher mit allzu - „ großer Uebereilnng geschrieben hat , so betrüget er sich oft . Eines von „ feinen besten Werken über diese Materie ist , sein Buch wider diesama - „ riranistben Lxercitarionen d ? 6 P . Morin ; gleichwohl ist er auch in „ diesem Werke nicht «an , und gar richtig . . , Hift . Critique du vieux Teft . Livr . III , chap . XIX , pag . m . 474 - Simon hat in einem andern Buche Hottingers Werk getadelt ; allein nur obenhin , und ohne den ei - gentlichen Vorsatz , ihm zu schaden . Hier sind seine Worte : ln Vita lo . Morini , pag . 36 , 37 . Ioaruics Henricus Hottingerus , qui ftatim a Li - bri fui limine , cuius haec eft infcriptio : Exercitationes Anti . Morima . nae de Pentateucho Sarnau tano eiusque vdentica autbentica ; Morinum appcllat Monachum , qui comniunem Monachorum fortem fuperet . Ille de Saniaritanis et eoruin codicibus dillerit , putatque Samantanos a Iudaeis Pentateuchi fui cxemplar haufifle ; fed conieäuris tan tum , non autem firmiflimis rationibus , vt ita fentiret adduci potuit : iftud minus accuratum efle probat exemplis aliquot pleonafmorum , vocum vel mutatarum in alias vel omiflärum , fimilibusque erroribus , quos profert , et ex quibus confici pofle arbritratur , non magis eredendum efle Samaritanis , Pentateuchum fiium iadlantibus , quam Ebionitis rum et folum Matthaei Euangelium Hebraeum venditantibus ; qua in rc profe & o grauiflime hallucinatus eft Hottingerus , qui tarn veneran - dae antiquitatis Pentateuchum Samaritanum cum adulterato Ebioni - tarum Euangelio comparare audeat . Morinum etiam iniperitiae ar - cuit Hottingerus , quafi Rabbinoruin quorundam , quos laudauerat meutern band aflecutus fuiflet . Heidegger hat Recht , MorinS Still - schweiaen , als eine für unfern Hottinger rühmliche Sache zu bemerken , allem ich zweifle , daß er den Gedanken des P . Mersenns , in Hetlingers Leben im »M Jahre ergründet hat . Liber toti erudito orbi charus , «ce5tusque ft . it . Conftat Morinum du . adhuc fuperft . tem hbrum •Kcepitle et legifie , neque contra mutire aufum . ( Hieraus beziehen sich Hottingerö Worte : Non difplicuerant hae pnmitiae vira erudi - tis , qui hinc inde nouo Morim conatm finem impofitum pubhcis c - ftabantur feript« . In Biblioth . Tigunn . pag . . aO Et Merfenm s , cui Hottingerus libnim adiunöis Iittens nufit . id folum refpondit , nec fibi Hottingeri iuueniletn ardorem fatis probari , nee Hottinge - II Band .
rum Morinum penitus nofle . Quafi videlicet iuueni integrum non fuerit fenum deliria taxare , et ipfeMorinus inferiorem animi fui no - tarn in vulgus edito libro non patefecerit . Mersennus hat , nach wei» nem Bedünken nichts anders sagen wollen , als daß Hoktinger den P . Morin nicht wohl gekannt habe . Ich zweifle nicht , daß der Sinn von seiner Antwort , nicht dieser seyn sollte : das Feuer der Jugend dar euch allzuweit gerrieben , und wenn ihr das Verdienst des p . tllo * rin im Grunde gekannt hattet , so würdet ihr nicht arg mit ihm verfahren seyn . Will man dieses damit widerlegen , daß man saget es habe P . Morin in seinem Werke sein Herz ausgeschütter so gebe ich zu . daß er zu erkennen gegeben , er fey Willens gewesen , die Vulgata zu erheben , und die Stärke der Original Texte zu schwächen : denn ist die - ses nicht der Borthen und die allgemeine Absicht der römischen NeWons - kämpfet ? Hetlinger hat indessen denP . Morin nicht sonderlich gekannt , weil er ihn für einen Mönch hält .
( B ) Er hat nicht aufgehört . Bücher über Dücher hervor xu brin - gen , ] Wenn man ein richtiges Verzeichniß von allem sehen will , was er seit ><>44 , bis 1664 herausgegeben , so darf man nnr seine Bibiiothecam Tigurinam 121 u . f . 0 - lesen . Man wird daselbst die Historie und das chronologische Verzeichnis seiner Arbeite» , und noch ein anderes Verzeich - niß finden , darinnen er sie nach der Ordnung der Materien sehet . Man hat auch in seinem Leben alles , was er herausgegeben hat , bemerket' : Es ist eine erstaunliche Menge darinnen .
<9 . lLr ist wegen der vielen Besuche , und eines sehr großen Br»cswccksel»zerikreur gewesen . ^ Folgende Worte , werden diese - umständlich erklären , Kon publicis tantum bis , quibus diftrichis fuit curationibus vigilantiffimc vacauit , et quotidie calamum in exaran . dis , quos in publicum mitteret , libris exereuit : Verum etiam amico - rum , peregrinorum et hofpitum , qui ipfius videndi et audiendigratia huc commearunt , defiderns fetisfecit . Erat eniin ipfius doinus plena femper et frequens concurfu fplendidiflimorum hominum . Qyoties aliquid abditum quaerebatur , ille thefaurus , ille delubrum adibatur . Ex omnibus , quae ei obuenerunt , negotiis miro vigore et induftria fe explicauit . Ncque etiam deficiebat ad fubita extemporali facultate . Veniebant onmium Ordinum , omnium aetatum viri : percontabantur de arduis , de dubiis quaeftionibus , quarum illepondus praefenti per auimo cxcepit . Qiiid moleftiam epiftolarum etferibendi ad ami - cos hic recenfcam ; quo nonnunquam folo perire fibi diem faepe querebatur ? Qi . iotidie aut Galli , aut Germani , aut Belgae , aut Aneli aut Dani > aut Itali ad ipfuni Epiftolas inifitauere de litteris de cafi - bus Ecclefiae , de Ciuilium reruin momentis . dc aliis , quibus'ille gna - uiter et promtiflline refpondit . Heidegger , in Vita Hottine Einige Seiten hernach , theilet man ein Verzeichniß von allen denen mir , die mit Holtingern Briese gewechselt haben : ihre Namen machen über zwo Seiten voll . Unter denen Fremden , die ihn besuchet haben , muß man die Abge . ordneten der Iansemsten bemerken ; denn er hat verschiedene Unlerredun - gen mit ihnen gehabt : als sie - 6 ; z bey ihrer Rückreise von Rom nach ris durch Zurch giengen . Man hat »nter seine» Schriften die Erzäh , lung von demjenigen gesunden , was sie mit einander gereder , und selbige kurz darauf herausgegeben . ( Zu Ende der Historie des Jansenismus , durch Leydeckern , Utrecht >695 . )
( I> ) Er hat die - Hindernisse der Vereinigung angetroffen , die so viel andrem« ! dergleichen Vorhaben aufgehalten harn » , J Wie Heidegger sager , so sind diese Hindernisse , die Feindseligkeit derPartcyen , und ein gewisser Kützel der Gelehrten , der sich von Streitigkeiten nähret , wie der Chamäleon vom Winde . Confiliis de pace Reforinatos intcr et Lutheranos farcienda , a Serqniflirno Principe , tum tetwporisfaxuni Rrr rr - ilhid

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