Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
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Cassandra .
cap . XVII . Philoftrat . in Cafländra . f ) Paufan . Libr . IL p . 147 . leipziger Ausgabe von 1696 . 2 ) Siehe die Anmerkung ( D ) . h ) Paufan . Libr . II . p . 147 . » ) Ebendas . Libr . III . p . 277 . * ) Aus dem Lykophron , 1128 u . f . V . lj Eine Stadt in Pcloponeö . m ) Plut . in Ägide et Cleom . p . 799 .
lichen Denkmäler davon in verschiedenen Städten , haben sie glaubwür - dig gemacht . Pausan . Libr . I . p . 14 . Libr . V . p . 167 . Libr . X . p . Z4Z . Man sehe den Artikel von diesem Ajax . Einige , als Servius , i» Aen . II . v . 404 . haben gesaget : daß Cassandra Priesterinn der Pallas gewe - sen , andre , daß sie Priesterinn des Apollo gewesen :
Tra & ata comis antiftita Phoebi ,
Non profeAuras tendebat ad aethera palmar .
Ouid . Metam . Libr . XIII . v . 411 . siehe auch den Euripides in Troadi ; bns , v . 2j3 . Unterdessen , wenn wir dem Virgil im III B . der Aenei« , v . Z41 glauben wollen , so ist sie mit dem Lorobus verlobt oder verspro - chen geweftn :
Imienisque Loroebuz Mygdonides . Uli» ad Troiam forte diebus Venerat , infanoCadändrae incenfus amore ;
Et gener auxilium PriamoPhrygibusque ferebat ,
Infelix qui non SPONSAE praecepta furentis Audierat . .
Homer gedenket eines Prinzen , der um die Cassandra angehalten , und die Aushebung der Belagerung von Troja zu verschaffen versprochen hat ; und uberdieß hat er auch keinen Brautschatz verlangt , und sich mit der Lassandra Schönheit begnügen wollen :
" htii Si 3vyarfäv tlici agil ) ) »
Xata & vöw / , utcuhov' Ivicxtro fitya tgy0»
'ek Tjoiif« ailU - jrat äxuetfxiv im ( 'A%xifiv .
Petebat autem Priami filiarum forma praeftantiflimara Calländram , line fponfalibus : pollicitus autem fuerat magnuin
Ex Troia quantumuts inuitos expulfurum fe filios Achiuorum .
Homer , lliad . Libr . XIII * v . z6 ; .
Priamus hat in diese Heirath gewilliaet . Homer giebt dem künftigen Schwiegersohne des Priamus den Namen Othryonäuö , und laßt ihn im Gefechte sterben . Virgil laßt den Corobus auch in der Nacht um - kommen . da Tro>a erobert worden . PausaniaS , im X B . auf der Z44 Seite , gedenket dieses Coröbus , als emes Menschen , der die Cassandra heirarhen sollen .
( E ) U ) ir wollen erwas von der Bestrafung dieser unflätigen ( Sottlosigfett sägen . J Plutarch , de fera Nuniinis Vindidta Z beob« achtet aus der 557 Seile , daß die Lokrier vor nicht allzu langer Zeit auf - gehört hätten , Mägdchen nach Troja zu schicken , un> die unkeusche That des A , ax auszusöhnen . Diese Magdchen haben daselbst mit Auskeh - rung des Tempels der Göttinn Minerva ihr Leben betrübt zugebracht . Zch will mich der ^Übersetzung AmyotS bedienen , ihre Verrichtungen und ihren Aufzug vorzustellen :
Oü les pieds nuds , fans aucune vefture ,
Sans voile aucun , ni honnefte coifture ,
Ne plus ne moins qu'efclaves , tout le jout Des le matin elles font fans fejour A ballier de Pallas la Deefle Le temple faint jusqucs en leur vicillefle .
Nach diesen Versen AmyotS will ich mich der Prosa des Vigenere be - dienen , uM die Strafe viel umständlicher zu erklären , welcl ) e des Ajax Ver - brechen den Lokriem zugezogen hat : Timäus , der Siciliancr unv ( Eallimocbus beschreibt» Dieses viel umständlicher , indem sie führen , daß «wait drey Jahre nach Oea A>ax Tode die Pest in dem / UnDc der JLotciet , rvegen der Sck> . ndthar ihres verskor ? denen Prinzen , heftig und bt ständig gcwüthrt , wobe ) ? das Volk vom Orakel ermahnet worden , dafi sie von nun an . hj . , über tausend ^ahre , die Minerva , die zu Troia wäre , versöhnen , und ihr lahrlich zwo tmberührrc Jungfern fcbicfc'en müßten , wel , che das JLoos rressen würde . Diese armseligen Creatnren wa - rcn gezwungen durch die allerverborgensteii emd abgelegensten Xvcge des Nachts , vcrstohlner weise , dahin zugchen , und in verstellten Rleidern , damit sie den Tempel der Göttinn in ge , heim erreichten : wenn sie sicker und gesund dahin kommen konnten , so blieben sie zum Dienste und zur Aufwartung dersel - den da . den Orr zu kehren , und anzufeuchten ; sie durfte ! » sich nidn unterstehen , aus demselben zu gehen , oder sich dem Bilde zu nähern , als des Nacht» ; und waren übrigens v , an ; gesclio - ren , mit einem liederlichen Rocke bekleidet und barfüfiig . Je , doch konnten sehr wenige unter ihnen zu diesem Zustande gelan - gen ; denn so bald die Trojaner von ihrer Abreise aus Ä . okr>s Nachricht bekamen , welche gemeiniglich zu einer gewisse» Jahrszeit geschah , <0 legten sie sich auf den v ? egen , n einen - Hinterhalt , um sie bey ihrer Reist zu erwarten , allwo sie die« seid . >1 ohne das geringste Erbarmen , wenn sie ungefähr in ihre Hände sielen , mir Steinen oder Degen niedermachten ; hierauf verbrannten sie sie auf der Stelle mit unfruchtbarem Holze , das keine Früchte trug , und streuten die Asche von dem Äcrge Tracon ( Es sollte heißen Traron , ) ins Meer . So strenge wufe ren sich die Götter der Heiden , wegen derer ihnen erwiesenen Beleidigungen zu rächen . Vigenere über den Ajax , den Lokrier , des Philostratus , I Th . p . »> . 711 .
Vigenere führet den Geschichtschreibcr Timäns und den Poeten Kal - limachus an , als wenn wir die Büel^er noch hätten , darinnen sie dieses erzählen : dieß heißt uns bekriegen . 'A ! an harre viel redlicher und richtiger gehandelt , wenn man den Scholiasten Lykophrons angeführt hatte ; denn derselbe machet diese Erzählung , und führet das Zeugniß dieser zweeneN Schriftsteller an . Er beobachtet ( Tzetzes in Lycophron , v . 1141 . ) daß Pe - riböe m , d Cleopatra die ztvev ersten Magdchen gewesen , welche die Lo , frier geschickt , und daß dabei ) in dem Verfahren eine kleine Verände - rung gewesen : anfänglich hat man zwey erwachsene Jungfern schickt , nach diesem aber Kinder von eitlem Jahre mit ihren Ammen .
wenn
ren Heiden . Hier haben wir einen Beweis davon : Es war eine Lehre des Heidenthums , daß die Priesterinn des delphischen ApolloJungfer seyn mußte , und anderergestalt erhielr sie keine Eingebung . S . Petit , de Sibylla , p . 114 . Also konnte man nach diesem nicht vorgeben , daß Apollo einem Mägdchen die Prophezeyung unter der Bedingung verbrochen hat , wenn fie sich ihrer Jungferschaft begeben würde . Einige finden hierinnen die Arglist des Teufels und die Tiefe seiner Bosheit ; ebendas . t«S . Allein dieß hieß voraussetzen , daß die Historie von der Versuchung der Lassan - dra wahr wäre , an statt , daß dieselbe nur eine poetische Erfindung ist . Der Schriftsteller , den ich meyne , begeht noch einen andern Fehler . Er setzet auf der 122 @ . voraus , daß die Sibylle von Cnma vom Apollo auf eben diese Art als Cassandra versucht worden , und führet einige Verse des Ovidius an , welche von der Prophezeyung nicht die geringste Meldung thun .
Eligc , aif , Virgo Cumaca , quid optes ,
Optatis potiere tuis . Ouid . Metam . Libr . XIV . v . 140 .
Eine vollkommene Gleichheit unter diesen zwoen Versuchungen zu fiiu den , so bätte er sagen müssen , daß Apollo der Ca»andra aiigebothen hät - te , überhaupt alles zu geben , was sie von ihm verlangen würde ; dieses hatte er der Sibylle versprochen . Ein Neuerer hat vorgegeben , daß sich das Versprechen des Apollo in der That auf nicht« gewisses bezogen , lind daß Cassandra die Gabe der Prophezevung gewählet hätte . Vigenere dans 1'Argument de la Caflandre de Phil oftrate T0111 . I . pag . m . 660 . Ausgabe in 4 . und Tom . II . pag . 77 . allein die Zeugnisse des Apollo - dorus und Servius erlauben uns nicht , diesem Vorgeben bey ; upflichten . Diese zween Schriftsteller sagen , der eine , daß Apollo der Lassandra vcr - sprechen , sie zur Propherinn zu machen ; Apollod . Libr . III . p . m . 2 - 7 . und der andere , daß er ihr nicht« versprochen ; daß aberLassandra , welche die Gabe der Prophezeyung , statt de« Preises ihrer letzten Gunst Verlan - get , bey dem Zöorte genommen worden . Seruius , in Aen . Libr . II . v . 247 . Die Sibylle , welche unter allen Gütern die fteye Wahl Halle , die sie verlangte , hat ein langes Leben verlangt , aber dazu zu sehen ver - gessen , daß sie allezeit jung bleiben möchte : so wäre es nur auf sie an - gekommen , auch dieses noch zu erhalten ; eö würde sie weiter nichts , als die Jungferschaft , gekostet haben .
Excidit , vt peteretn iuuenes quoque protinus annos ,
Hos tarnen ille mihi dabat , acternamque iuuentam ,
Si Venerem paterer . Ouid . Metam . Libr . XIV . v . 144 .
Allein sie hielt dafür , daß eine ewige Jugend um diesen Preis zu theuer wäre . Sie machet also groß Wesen aus ihrer Waare .
( B ) Servius erzahlet , auf was für Art , die Wahrsagungen der Cassandra unnünlich gemacht worden . ^ Der Speichel des Apollo hat diese Wirkung gehabt ; er hat so viel zuwege gebracht , daß der Lassandra Worte nirgends Glauben gefunden . Er war boje , daß ihm die Schöne dasjenige nicht geben wollen , was sie ihm versprochen hatte ; allem er verbarg seine Empfindlichkeit , und bath sie wenigstens nur um die Erlaubniß eines Kusses . Sein Verlangen wurde ihm ver - williget , uiid darbey reusperre er Lassaiidern in den Mund , und ver - liichtete dadurch die Gabe , die er verliehen hatte . Apoll» cum amaflet Caflandram , petit ab ea eius concubitus copiam : illa hac conditio , ne promifit , fi fibi ab eo futurorum feientia praeftaretur : quam cum Apollo tribuiflet , ab illa promirtus coitus denegatus eft ; led Apollo diffimulata paußfper ira , petiitabea , vt fibi ofciüum fal . tein praeftaret : quod cum illa feäfl ? t , Apollo os eius infpuit ; et quia eripereDeo fcmel tributum munus non conueniebat , efficit , vt illa quidein vera vaticinaretur , fed fides non haberetur . Seruicis ,
in Aen . Libr . II . v . 247 . Servius erzählet dieses in der Auslegung die - ser Worte Virgils im II B . der Aeneis , 246 V .
Tune etiam fatis aperit Cafländra futuris
Ora , Dei iußu non vnquam credita Teucris .
( C ) Andre erzählen ein anderesLNahrcken . ^ Nämlich , daßHe - lenus und Cassandra , zween Zwillinge , in ihrer Kindheit in den Tem - pel des Apollo getragen worden . Man hatte sie entweder aus Vcr - gessenheit oder aus Gewohnheit , eine ganze Nacht darinnen gelassen ; und als man sie den Tag darauf wieder holen wollte , fand man ihren Leib mit Schlangen umwickelt , die ihnen die Ohren leckren . Diese That der Schlangen hat allen beyden die Gabe zu prophezeien mitge - theilt . Tzetzes in Lycophron . Euftath . in lliad . VI . Scholiaftes E11 - ripidis in Hecub . beyM Meziriac in Epift . Oiud . p . 479 . Dieß nert mich desjenigen , was man vom Melampus erzählet . Es leckten ihm eines Tages , da er schlief , zwo Schlangen die Obren : als er er - wachte , geriet ! ) er in Erstannen , daß er die Sprache der Vogel verstund ; durch dieses Mittel har er viele Dinge vorher sagen können Apollod . Libr . II . Scholiaftes Homeri in OdyflC XI . Scholiaft . Apollonii in Libr . I . beym Meziriac , ebendas . 48ö S .
( D ) Sie fand in dem Temel der Minerva wohl eine Lrey - stadr für ihr . debm , nicht aber für ihre * £hrc . ] Virgilius liares nicht für dienlich gehalten , zu sagen , daß man sie geschändet ; ( . Bcne diflimulauit de ftupro Caflandrae . Seruius in Aen . Libr . II . v . 403 . ) er hat sich begnügt , de» Znstand vorzustellen , darinnen sie sich befunden , als sie aus dem Tempel gefchlepper worden :
Ecce trahebatur paflis priameu virgo
Crinibus , a temdo Calländra adytisque Mineruac ,
Ad coeluin tendens ardentia lumina fruftra ;
Lumina , nam teneras arcebant vineula pahnas .
Der Poet Ovintus Calaber ist nicht so gewissenhaft gewesen ; er hat im XIIIB . 42 > V . rund heraus gesaget : daß Ajax , der Sohn des len« die Cassandra in dem Tempel der Minerva selbst gesendet bar . Dieß ist die allgemeine Sage : ( siehe Servius in Aen . l . v . 4 . ) die offent -

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