Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12561

Hospital .
859
^Zhr führet , möchte jemand zu mir sagen , nur den Misbrauch des Rechts an , welches die Parlementer damals harten , die Befehle des Prinzen zu verwerfen . Allein ich werde ihm antworten : sind die Ty - ranney und die meisten ander»Unordnungen etwas anders , alsein übler Gebrauch des Guten ? Es ist , zur Widerlegung dieser Betrachtungen , genug , wenn man euch sagen kann , daß euer Damm , oder dieser Schlag - bäum , davon ihr redet , und welcher , eigentlich zu reden , den Widerspruch einschließt , daß ein Staat monarchisch ist , und es doch nicht ist , nicht für ein gutes Hülfsmitrel gelten könne , weil er vielmehr Böses , als Gutes ge - than hat . Was für eine Begleichung ist zwischen dem Vortheile , der alis der Verwerfung einiger fiseälischen Edicte gekommen ( * ) , und den deweinenswürdigen Verwüstungen , die das Königreich über dreyßigJah - re ausgestanden hat ? Man muß dem Hose diese Drangsalen weniger zuschreiben , als den Parlementern . Der Hof war durch die Einsichten eines weisen und tugendhaften Kanzlers klug geworden . Der Herr von Hospital hatte ihn vermocht , durch den Befehl vom Jenner , allen derwärtigkeiten zuvorzukommen , und die Wurzel der bürgerlichen Krie - ge abzuschneiden . Die Parlementer haben , anstatt , daß sie ihn unrer - stützen sollen , demselben Hindernisse in den Weg geleget , und das HülfS - mittel fruchtlos gemacht , das er gefunden hatte ; ein Hülssmittel , das nicht anders , als gut , feynkonnte , weil kein anderes dawar Optimum rcmcämm qnia vnicum . Der - 6of ist den Weg gegangen , den der Kanz - ler gebahnet hatte : er hat denselben aus keiner andern Ursache , als we - gen der Verwirrungen verlassen , worein das Königreich durch den Feh« ler derer verfiel , die dem Befehle ungehorsam waren : und dieß sind die Parlementer gewesen , die den breiten Weg zu diesem Ungehorsame eröff - «tten . Sie haben also so viele entheiligte , geplünderte , und zerstörte Kirchen zu verantworten , von denen man eil , Verzeichniß zu geben , be - liebet hat , um die Hugenotten verhaßt zu machen . Es hat nicht an ih - nen gelegen , die Trübsalen des Staats zu verewigen , auch da man die Ligue bereits gedämpfet hatte Sie haben sich dem Befehle von Nan - tes , dem einzigen Hülfsmittel , wider die innerlichen Unruhen , widerst - tzet : das Parlement von Paris würde denselben niemals bestätiget ha - den , wenn sich Heinrich der IV nichr aufs Bitten geleget hätte ; aber dergestalt , daß man Wohl sah , er wüßte sich schon Gehorsam zu verschaf - fen . Siehe Matthieu , Hift . de la Paix , Livr . IE Narrat . I . num . 7 . p . m . 2io u . f . Man merke , daß die hier oben angeführte Rede des Herrn von Hospital , an das Parlement zu Bourdeaux , zeiget , daß zu der Zeit , da man wenig aus den Verordnungen des Königes machte , die Verwaltung der Gerechtigkeit voller Verderben und abscheulicher Unord - nungen gewesen . Wir wollen damit beschließen , daß die Regierungen desVolkes eine so verwirrte Sache sind , daß die Hülfsmittel , welche die be - sten zu feyn scheinen , manchmal noch ärger , als das liebet selbst , und die Quelle der allergrößten Unordnungen sind . Ich habe hier ein großes Beyspiel davon gegeben .
( * ) Den 9 des Herbstmonats , 157S , hat das Parlement nur zween fiscälische Edicte von zwey und zwanzigen bestätiger , die ihm vorgeleget wurden . Siehe les Falles dnPcre dnLondel , p . 88 .
( L ) Xvenn er ungerechte Befehle besiegeln mußte , so gab er 5U ernennen , daß es wider seinen Willen geschähe . ] Ein Scaatsbe - dienter , und vornehmlich der Kanzler eines Monarchen , muß zweyDin - ge thun , wenn er seine Pflichten wohl erfüllen will . Das eine ist , er niuß den Unterthanen die Unterthänigkeit und den Gehorsam auf das allerstärk - ste anpreisen : er darf von nichts anders mit ihnen reden ; er lasse sich Iii keinen Wortwechsel mit ihnen ein , ob sie manchmal ein Recht ben , sich zu empören , oder den Verordnungen nicht gehorchen , die sie für ungerecht und beschwerlich halten : er muß es als eine unstreitige Sache , voraussetzen , daß sie kein Recht darzu haben . Die andere Sache , die er thun muß , ist , er muß dem Prinzen lebhaft und unaufhörlich vorstellen , daß ihn die königliche Gewalt nicht von einer durchgängigen Unterwürfigkeit , gegen die Gerechtigkeit , defreye , und daß er weder das geringste Recht , noch ei - «igen Vorzug habe , wider die Vernunft , die Billigkeit , sein Wort u d . m . zu handeln . Der Herr von Hospital hat diese Pflichten beyde genau erfüllet . Er hat die Partey des Königes bey den Unterthanen , und die Partey der Unterthanen bey dem Könige genommen . Er hat diejeni - gen mit einer großen Stärke im Zaume gekalten , die etwas wider die königliche Gewalt unternahmen . Man sehe in der vorhergehenden An» merkung die Verweise , die er gegeben , oder die der König den Parlcmen - tern auf seine Nachschlage gegeben hat . Man sehe auch in dem Artikel Degat , was er dem Abgeordneten des Parlements von Dijon geant - wortet hat . Allein man wird sehen , mit was für Redlichkeit , mit was für Sündhaftigkeit er den ungerechten Vorträgen widerstanden , die man den Prinzen einblies . Er hat sie durch seine Gründe bestritten , so viel , als er konnte : und wenn die Vorstellungen den Beschluß der Sache nichr verhinderten : so hat er sich die Hände gewaschen ; er hat bemerket , daß er nicht darein gewilliget hatte . - Ha , Sire , was hat dieser Befehl für einen garstigen und giftigen Schwan ; , wenn die Bestätigung mir Viesen Korten beschlossen wurde : auf ausdrückliches vielmals wiederholtes Geboch des Königes , Vie nichts , als eine Verwerfung wirken , welche die lveiftn und ehrliche Jltute wider die rechtigkeit desselben machen , die bloß durch die gerechten Aufia - gen unterstützet wird , welche die Ranzler öfters wider ihr Gut - achten ; u untersiegeln gezwungen sind , bey welchen diese ten und verwerflichen XVorte gesehen worden ; unaeachtet aller ge - machten und zu machenden Vorstellungen , welche wir für wohl gehöret und verstanden Hairen , und wegen welcher wir nichr aufgehalten seyn wollen . D»eß heißt , trotz der Vernunft , vermittelst eines bösin Rathes , eines ungerechten XDiüena , einer übereilten Ueberlegung , durch Verwerfung der Tugend , der Duldung des Bosen , des ^a , les qegen die Ehre und einer gelungenen Unwissenheit und Verachtung des Guten . Dieserwegen , und um nicht Theil an dieser Schande ; u haben , hat der ehrliche und höchst verdiente Ramler von - Hospital gemeiniglich auf die Gegenseite solcher Befehle , diese Worte mir se . ner Hand geschrieben : Me non con - fentiente , das heißt , ich habe es wider willen besiegen lassen : wie er bev den Briefen , wegen der Annehmnng der Vollmacht de« Cardinals von Lerrara gethan , der von dem pabste Pius dem IV . als SLcaat nach Frankreich geschickt war , ( La Pöpehnie - re , Libr . VII . ) Weher Großmuth des Ranjlers , der parle - mentshof , da er diese Worte auf der Gegenseite gesehen , be^ge - treten ist , und diese Vollmacht durch««« mchr hat bestätigen II Band .
wollen . Lc Grain , Decade de Henri le Grand , Livr . VIII . p . m . 898 . Der Präsident , de la Place , wird uns dieß letztere noch viel umständli - cher sagen : „ Da nun , unter andern , von den Ständen beschlossenen „ Artikeln , verordnet worden war . daß die Pfründen dieses Köngreich« „ von den ordentlichen Bijchöfen , eine jede in ihrem Kirchsprengel , und „ nicht mehr von dem Pabste vergeben , und keine Erlassungen mehr ange« „ nommen werden sollten : so hat es große Schwierigkeit gemacht , die . . Vollmacht des besagten Legaten anzunehmen : da der Kanzler vorgestel - „ let , daß er wider dasjenige nichts thun könne , welches von den Stän - „ den so redlich entschieden und beschlossen worden wäre . Allein , da die - „ sein ungeachtet , besagter Legat zu verstellen gegeben , daß ikm dieses , als „ einem Anverwandten des Hauses Frankreich , ein großer Vorwurf' und „ eine Schande seyn würde , daß er der erste Legat wäre , den man daselbst „ nicht annähme ; und sich erbothen , sich der gedachten Vollmacht nicht zu „ bedienen , und gleich nach derselben Bestätigung zurück zu reisen : so ist „ dem Kanzler besohlen worden , die Patente dazu zu siegeln : welche« „ er nach verschiedenen Worrwcchselungcn zwischen besagtem Legaten und „ ihm , gethan , und unter das Siegel derselben Patente mit seiner - fratid „ diese Worte gesetzet hat : nie non confentiente , das ist . ohne mein« „ Einwilligung : welche vom besagten Parlemente verworfen und gesa - „ get worden , daß es dieselben weder annehmen könne , noch solle . , , Com . mentaircs de l'eftat de la Religion et Repiiblique , Livr . VI . folio m . 214 versa , aufs 1561 Jahr . M«n sehe wegen dieses Legaten das Buch , l'Origine des Cardinaux , 26 ; u f . S Ausg . von 1670 . Eö sagen ei - nige Geschichtschreiber daß endlich der Legate , wider den Räch des Kanzlers von - Hospital , seine Vollmacht in dem Staarsrach« annehmen lassen . Key welchem ihm ein Sitz verwilliger worden . Le Grain , Decade de Henri le Grand , Livr . I . p . Jedermann weis die Allmacht der Herren von Guise , unter Franciseus dem II - gleichwohl hat sie den Kanzler nicht zum Nachgeben bringen können ; er ist der einzige gewesen , der sich geweigert , dasTodesurcheil des Prinzen von Conde zu unterzeichnen . Ebendas . 109 S .
Languet hat uns eine lebhafte Gegenantwort erhalten , die der Kan , - ler dem Legaten gegeben . Die , er hat sicherkühner , ihm vorzuwerfen , daß er nichr wisse , was fein Amt erfordere . Zum wenigsten , hat ihm der Kanzler geantwortet : habe ich mich bemühet , es zu lernen ; allein ihr , der ihr verschiedene Bilchofthümer besitzt , Haber niemals daran gedacht , euch von den Pflichten der bischöflichen Würde zu unterrichten . Solu , Cancellarius pertinaeiffime reftitit , et dixif , in ea re fieri funimam iniuriam Regi piiero , ac regni Gallici iura , et Maieftatem proftitui , nec fe pafliirum , , vt Regio figillo fibi concredito ad eam rem abu - terentur . Ad quac incandefcens Ferrarienfis , dixit , cum ignorare , quae efl'ent fui muneris et offieii . Egovero , inquic Cancellarius , hoc faltem egi , vt id intelligereiu' ; fed tu ne quidem cogitafti vn - quam , quod fit officium Epifcopi , cum tarnen aliquot Epifcopatus poflidcas . Tandem vitius alioruin imporfunitate tradidit eis Re - gium Sigillum , fed tarnen voluit inftrumento pertnillionis inferi , fe contradicente hoc esse permiffum . Epift . LXII . Libr . II . p . , 57 .
Hier ist eine Stelle Bodins ans seiner Republik , I B . VIII Cap . ' izi , iz - S . „ Es ist ganz gewiß , daß die Gesetze , Verordnungen , Pa - „ tente , Vorrechte und Besreyungen der Prinzen nicht die geringste „ Kraft , als bey ihrem Leben haben , wenn sie nicht durch ausdrückliche „ Einwilligung , oder wenigstens durch Nachsicht des Prinzen bestätiget „ sind , welcher Erkenntniß davon hat , und so gar von ertheiltenBorrech - „ ten - > - Dieß ist Ursache gewesen , daß der Herr von Hospital , „ Kanzler von Frankreich , die Bestätigung der Vorrechte und Steuer« „ besreyungen von Zt . Maur desFodes , zujsiegeln sich geweigert hat , so oft „ ihm auch dasselbe zu thun befohlen worden : weil sie eine ewige Be - „ freyung enthielten : welche wider die Narur der persönlichen Vorrechte „ streitet , die Macht der Nachfolger vermindert , und keinen Gemein - „ schasren und CollegiiS gegeben werden können , als so lange der Prinz „ lebet , der ihnen das Vorrecht giebt , ob gleich das Wort ewig dabey »steht . . ,
' Seine Wachsamkeit bat ihn vor den Runstgriffen eines Secretärs , eines ehrlosen Menschen , nicht bewahren können . ^ Ich will hier anführen , was ich in einem Buche , Ea Fortune de la Cour betitelt , p . 349 gelesen habe : Der Kanzler von Hospital „ ist „ deswegen getadelt worden , daß er , da sein Naturel bey denVerrichtun - „ gen der Gerechtigkeit sehr strenge , und gegen diejenigen widersinnig ge - „ wesen , die mir ihm zu sprechen zu ihm kamen , dennoch , in Ansekiing „ seiner Hausgenossen , und vornehmlich wegen feines Seeretärs Bou« „ vaut , nicht so gewesen ; der ihn so oft betrog , als er wollte , und so lange „ damit fortfuhr , bis deswegen Klage , bey Gelegenheit eines sehr unhöf - „ lichen Brieses , vor den Rath kam : dieser Kanzler hat die Scl ) ande „ gehabt , daß er übereilet worden , und ist gezwungen gewesen , einen Die - „ ner mit tausend Schimpfworten und Vorwürfen wegzujagen , den er „ zuvor gelieber hatte . „ Der Verfasser erzählet p . z ; o eine andere Sa - che , die keine Verwandtschaft mir meinem Texte hat ; nichts desto weni - ger will ich sie abschreiben : es ist eine ziemliche merkwürdige Geschichte : „ er ist gleichfalls von den Hern , von Montpensier deöivegen mit sehr „ harren Worten , in vollem Rache , angelassen worden , daß , da er fast „ unerbittlich gewesen , die Geschenke zu billigen , die der König von einer „ etwas ansehnlichen Summe machte , er gleichwohl einige Tage zuvor „ von dem Schatzmeister der Kammer , 50000 Pfund baar Geld erkalten „ hatte , und er hat ihm deswegen große Vorwürfe gethan , ob es gleich „ gewiß war , daß ihn der Konig aus eigener Bewegung , dieselben anzu , „ nehmen genöthiget hatte . , , Dieses Buch ist zu Paris , 1643 , in 8 . druckt worden . Siehe la Bibiioth . Franc , de Sorel , p . 414 , Ausgab« von 1667 .
( N ) Man hat beobachtet , daß er dem Aristoteles von Gesich - te ähnlich gewesen . ^ Theodor Beza , in Iconib . folio V iij . versicher» e« in sehr starken Ausdrückungen : Vt ex antiquiffimo numifmate ap . paruit , fummum illum oinnium Philofophorum prineipem Arifto - telem fic orc toto retulit , vt alterius ex altero iinago expressa videri posset . Tlievet , Floges , Tom . VII . p . 367 . widerleget dieses . Und Vie Aehnlickkeit betreffend , saget er , die Se , a zwischen dem Ari - stoteles mit unftrm Rainler erdichter , wenn er sie für Gesichts - juge und Lineamenten nimmt : so ist kein Mensch , welcher , wenn er das Äildniß , das ich hier oben , nach der Wahrheit , von dem Aristoteles gegeben habe , mit demjenigen vergleicht , das er von dirftm Auvergner nach dem Äeben hat zeichnen lassen , nicht bey Qqq qq - dem

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.