Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12537

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Hospital .
len w ! t diesen Tadlern sagen , wie ti sehr natürlich ist , daß diejenigen , welche fast vierzig Jahre unter einer so harten und grausamen Unterdru - ckung geseufzet haben , sich der Freyheir ganz nach ihrem Gefallen bedient , und sich wie das Wasser , bey der Eröffnung der Schleusen , ausgebreitet ha - ben . Es waren auch Gründe der Klugheit , die ihnen diese Aufführung eingeben konnten . Sie haben sich vernünftiger Weise einbilden können , daß man sich verbunden halten würde , eine Partey zu schonen , deren Macht als vermögend bekannt seyn konnte , sich furchtbar zu machen . Endlich sage ich , daß weder die Prediger , noch Privatpersonen verhindern können , daß Andelot und andere beherzte Vornehme nicht unter ihren Religionseifer die Soldatewund Cavalierssitten gemischet hätten , welche man von der Herzhaftigkeit und der Gewohnheit annimmt . Dem sey , wie ihm wolle , die andere Kirche ist gut davon gekommen ; denn , da ungeachtet des Ueberganqes des Königes von Navarra , die Protestanten den ersten Krieg sehr wohl ausgehalten , was würden sie nicht unter dem Schutze des Generalverwesers des Königreichs qethan haben : der vermuth - lich der königlichen Frau Mutter ihren nach sich gezogen haben würde ? Languet berichtet uns die gute Meynung , die man von ihren Kräften ge - habt . Rc patefadla plerique noftrorum venerum annati ad Concio - nem , et iam idem quotidie faciunt , et inter reliquos ftudiofi magno nuinero . Iis praebent fe Duces Dandelotus Frater Amiralii , Princej« de Rohan , et Frater nothus Reginae Scotiae , ac alii Illuftribus fatni - liis »ad , quod , meo iudicio , non faciunt fine confenfu Reginae : ali - ter enim grauiter peccarent in leges regni . Monmorantio vrbisprae - fefto mandatum eft , vt huc inducat , praefidii caufa , duas alas equi - tum , et certum numerum peditum , quibus praeerit Dandelotus . In - terea autem , dum ifti milites praefidiarii exfpeöantur , nobilitas et diofi fungiintur eorum officio , et tota vrbs arniis perftrepit . Ponti - ficii defperant fere de reliquis vrbibus Galliae , fed cxiftimant fum - mam renim in hoc confiftere , vt hanc fibi addiciam retineant . rum ita crefcunt hic ftudia faftionum , vt verear , ne eain omnium primain amittant . Quamuis enim a partibus eorum fint plures dinales , Epifcopi , Abbates , Praefides , Afleffores , et alii , qui opibus et au & oritate valeant ; noftri tarnen viribus et ferocia videntur eile po - tiores , et fi ad vim deueniatur , totius ipforum fapientiae nullus erit vfus . Mihi venit in mentern facctum dictum Ludouici XII Regis Galliae , cui fufcepturo bellum aduerfus Venetos cum quidam dice - rent fore periculofum illud bellum propter exiiniam Venetorum fa - pientiam : ego , inquit , multitudine ftultorum ipforum fapientiam obruam . - - - Heri hic celebrarunt Iubilaeum , ex mandato gati Pontificii : noftri vero conuenerunt , ( vt exiftiino ) ad quadra - ginta millia , et praecipuas plateas vrbis armatis compleuerunt . Tres concionatores tantae multitudini vix fufficiebant . Hub . Languetus , Epift . LXX . Libr . II , p . 207 , 208 . Der Brief ist zu Paris im Marzmonate 1562 unterschrieben . Siehe auch den LXVII Br . desselben Buches .
( G ) Er hatte es sehr nothig . daß er die Stärke seines XVitzes , , , sehen ließ , die Anstöße und das widriggesinnte parle - ment ZU überwinden . 1 DiesesParlement hat es abgeschlagen denBe - fehl vomZenner zu bestätigen , und einen Präsidenten und Rath an den König abgeordnet , um seine Vorstellungen zu rhun . , »Nachdem diese „ zween Abgeordnete dem Könige alles besonders vorgetragen , was das „ Parlement bewog , diesen Besch ! nicht anzunehmen ; so hat der Kanzler „ wegen der Würde seines Standes , und der Zugend »nsers Königes da« „ Wort ausgenommen und zu ihnen gesaget : er zweifle nicht , daß nicht „ alle von ihnen vorgestellte Ursache« von großer Kraft wären ; er bäthe „ sie aber , zu bedenken , daß sie in demjenigen großen Consistorio zu S . Ger , „ main nicht vergessen worden waren ; daß die gegenwärtige Frage von „ der Zahl derer sey , dabey man zu bedenken hätte , auf was für Arc man „ sein Gemüthe drehen wolle : und die Wahrheit zu jagen , daß man in der „ Entscheidung desselben Ursache fände , das Parlemenr wegen seines Fehlers zu entschuldigen , da es entweder die eine , oder die andere Partey unter - „ stützet . Er gebe zu , daß der Grund einer Republik sey , nicht mehr als „ eine Religion darinnen zu haben : allein wenn die Sachen schon so weit „ gekommen waren , als sie itzo in Frankreich sind , so müsse der , der diesen Befehl nicht billigen wollte , eines von beyden thun : Entweder alle „ Anhänger der neuen Religion über die Klinge springen zu lassen , oder „ sie , mit ertheilter Erlaubniß , ihre Güter los zu schlagen , gänzlich zu „ verbannen . Der erste Punct könne nickt ausgesührer werden , weil „ diese Partey so wohl an Häuptern als Anhängern allzustark wäre : und „ gesetzt , es könnte seyn , daß man die Jugend des Königes mit dem Blute so „ vieler seiner Unterthanen besudelte ; so würde er doch , wenn er künftig zu „ eigner Einsicht käme , deswegen von seinen Führern Rechenschaft sor - „ dern . Und den andern betreffend , so wäre er gleichfalls nicht sehr thun - „ lich : und wenn er auch gleich nach unserer Absicht ausschlüge ; so würde „ man sich durch diesen Rath so viel verzweifelte Feinde machen , als Verbann - „ tt . Und den Befehl vom Heumonate betreffend , gesetzt daß er auch ei - „ iwn schönen Vorwand hätte , so hieße dieses die Leute zu einer Gottes - „ leugnung verleiten , indem man ihnen erlaubte , die katholischen Kir -
- - t r . j . «IA« co - i ;
„ uns Gott wieder in einem Willen vereiniget hätte ; und daß ehmals „ GaleriuS Maximilian und Constantin , die Kaiser , also verfahren wä - „ ren , die Spaltungen zu vergleichen , die unter den Christen und Heiden „ waren , indem sie vorstellten und Kathen , vor der gegenwärtigen Roth - „ wendiykeit die Segel zu streichen ; kurz , dieß Aergcrniß zu erdulden , um „ ein größeres zu vermeiden . Und daß , wenn man ja darinnen fehlte , fol - „ cheS nach dem Beyspiele der benachbarten Nationen geschähe , welche in „ gleicherNotwendigkeit gezwungen gewesen , dergleichen zu thun . Nach - „ dem diese Antwort dem Parlemente hinterbracht worden , und die Kam - - „ mern von neuem sich versammlet hatten , so har man dennoch dieMey - „ nung nicht geändert . , . Pafquier , Lettr . Livr . IV , Tom . I , 21z u . f . S - Diese Widersetzlichkeit de« ParlementeS hat den Hof beunruhiget , und man hat daselbst mit einigen Abgeordneten von Part« untersucht , >vas zu thun wäre , pag . 214 . Die meisten Stimmen haben die Oberhand be - halten , daß der Befehl gehandhaber werden solle , und es ist dem Prinzen de la Roche - sur yon aufgetragen worden , ihn im parle - mente kund machen Jtt lasten , mit dem ausdrücklichen Befthle : daß er daselbst , wenn man dieses ; » thun abschlagen oder ben wollte , ohne gerichtliche Forme , nur in Gegenwart etlicher besondern Räthe , die er envahlen kannte , kund gemacht werden
sollte» Biese Vollmacht ist gewaltsam gewesen ; allein dieser weise Prinz hat sie sehr gelinde ausgeführet , indem er vorgestch ler , daß die Absicht des Königes auf Sie Norhwettdigkeir der Zeit gegründet wäre ; daß das Parlement zwar erkennen konnte , was vor seinen Augen in einer Stadt Paris vorgienge , aber von den Rlagen nicht unterrichtet wäre , die aus allen Theilen desRonig - reiches taglich vor die Vhren desAoniges und seines Ratheska - mm ; mir dem Ersuchen , ihm summarisch und ohne eine lange Un - tersuchung mit Ja oder Nein zu melden , was er zu antworten hatte . - Hierauf ist ihm mir gemeinem Beyfalle gemeldet worden , daß alle die , welche dem Rache zu S . Germain beygewohnc , bey dieser Sache so wohl , als die andern , eine berarhschlagende Srim , me hatten : so daß zulegt verordnet worden , der Befehl sollte gelten . Allein bey der Ausführung haben sie deutlich gezeigt , daß es eine gezwungene Einwilligung gewesen , deswegen Frey - tags den 2 , 6 Marz , an einem außerordentlichen Gerichtstage , er mir allen Bezeugungen des Zwanges gut geheißen worden ; so daß mir dem Befehle auch alle Anforderunzen desRöniges kund gemacht worden . Dieses hat man bey dergleichen Rundmacdun - gen nicht erfahren . Ueberdieß hat der Generalprocurator nichts oft fentlich gesucht , da ihm erkläret worden , daß er seine Beschlüsse schriftlich aufgeseyer hätte . Vermittelst dessen ist durch den - Hof verordnet worden , es solle auf die Gegenseite des Befehls gesetzt werden , daß er gelesen , kund gemacht und in die Gerichrsbücher eingetragen , von Sem Generalprocurator des Roniges gebort worden ; jedoch ohne Billigung Oer neuen Religion , nur unrerdest sin , und bis auf weitere Verordnungen des Roniges . Also ist dieser Befehl ; u Paris durchgegangen . Dieses hat einige wandtschaft mit der Historie des Herrn von Hospital und enthält so be , sondere Umstände , die man mit diesen Weitläuftiqkeiten nicht in der all - gemeinen Historie findet , so daß man mir wegen derselben Anführung schon Dank wissen wird .
( H ) Seine Reden - - - haben ihn bey den Ratholiken dächtig und bey dem - Hofe zu Rom sehr verhaßt gemacht . ^ Wir haben oben in der Anmerkung ( D ) in einer Stelle des Varillas gesehen , was man in Frankreich von der Messe des Kanzlers spottweise gesaget . Belearius von Peguillon , wenn er im XXIX B . Num> zo . p . 964 . von der Versammlung zu S . Germain , i ; 6i gehalten , redet , und dabey den Inhalt der Rede anführet , die der Kanzler von Hospital daselbst ge - halten , beobachtet , daß diese oberste Gerichtsperson den Richtern zum Beyspiele gedient , die den Sectirern gewogen gewesen , und nur die Cal« virilsten geliebt haben . Deinde Regios miniftros , qui iuri dicundo praefunt et Regia edidta non fatis accurate exfequuti funt , cxcufat : inter quos ille merito accufatus eft , qui illis exemplo erat , et nullos , nifiCaluinianos , in oculis habebat : quique praeclara hac oratione , et multis aliis peruerfis machinis ad condenduin fatis ceiebratum poftea fuum , Ianuarii fequentis edidVuin , viam praeparauit . Ebendaselbst . Dieser Geschichtschreiber hat die Kühnheit , diesen großen Mann einen Gottesleugner zu nennen . Wenn er bemerket , daß ihm der Cardinal von Lothringen die Kanzlerwürde verschafft hat , so saget er : Interim Oli - uario Cancellario vita fun & o Cardinalis Lotharingus , praeter dorne - fticorum fuorum omniuin ac familiarium fententiam , vt Michael Hofpitalis , homo quidem dodtus , fed nullius Religion» , aut vt verc dicam «5k° ; , in eius locum furrogaretur , effecit . Eimd , Libr . XXVIII , num . 57 . p . 937 . Man hat in den verschiedenen Gedanken von de» Come - ten aus der ? Z9 S . und der Critiqiie generale du Calvinifmedu Maim - bourg im XVI Br . Num . 2 . der z Ausgabe , etwas von dieser Veschuldi - gung gesaget . Odorich Raynaldns hat diesen grausamen Vorwurf erneu - err , und sich eben derselben Worte bedienet , wie BeleariuS . ES ist an dem Orte , wo er von einer gewissen Unternehmung de« Präsidenten Du Ferrier redet , von welcher ich oben in der Anmerkung ( C ) des Artikel« Ferner ( Arnold ) Erwähnung gethan . Cousin hat sich , wie billig , über diese Ungerechtigkeit und Hitze Raynalds geärgert , und eine schöne'Stelle de« Briefes angeführet , den der Kanzler von Hospital an Pius den IV den 29 des Herbstmonat« 156» geschrieben . Siehe das Tagebuch der Ge , lehrten vom 28 Hornung 1689 pag . 118 , 119 . Holl . Ausgabe , Fra Paolo Hift . du Concile de Trente , Livr . V , pag . 438 . nach Amelot« tzung , belehret uns , baß dieser Pabst die Rede in etlichen Pnneten für kenerisch gehalten - - - die dieser Kanzler bey dem Gespräche zu Pöißi gehalten hat . Er setzet dazu , daß eben dieser Pabst auch gedroht habe , ihn vor das Renergericktc fordern zu lassen , und daß der - Hof zu Rom , allwo Abschriften von dieser Rede ausgestreuet worden , sehr übel von diesem Manne geredet und gemurhinaßet , daß alle Sraatsbediente des Ronigreichs dieselbe LNeynung gegey ihn hätten : und der Abgesandte von Frankreich hat viel zu thun gehabt , sich zu vertheidigen . Man merke , daß Pius der I V . da er beschlossen hatte , dem Könige von Frankreich hundert tausend Thaler zum Geschenke zu geben , und ihm eben so viel zu leihen , unter andern auch bedingen wollen , daß der Ranzler , der Bischof von Valence und etliche andere , die er nennen würde , gefangen gesettt werden soll , ttn . Ebenda , . VI B . 487 S . aufs 1562 Jahr . Wir wollen hier eine Stelle des Brieses anfuhren , den der Cardinallegat HippolvtuS von Este , den 14 des Brachmonats , 562 geschrieben hat . Er ist zu Bois de Vin - cenne« unterschrieben . „ Unter andern Schwierigkeiten ist es keine von „ den geringsten , den Kanzler und viele andere genannte Personen vom „ Hofe zu entfernen ; wie Eure Heiligkeit verlangen . Denn sie setzen in „ dieselbe Zahl so wohl die Ketzer , als diejenige» , die der Ketzerey verdäch - „ tig sind . ^ Allein , wenn man diese letztern alle vom Hofe verjagen soll - „ te , so wurde er ohne Zweifel öde seyn ; da diese neuen Meynuiigen be - „ reikS eine» solchen Eindruck in die Gemüther der Hofleute aemacht , daß „ sich wenige darunter finden , die nicht zum wenigsten einen leichten Be - „ griff davon hätten . - - - Allein wieder auf die Unruhigsten de« „ Hofes zu kommen , so ist Eurer Heiligkeit nicht unbekannt , wie schiver „ es gewesen ist , die Chastillons davon zu entfernen . - - - Allein die „ verlangte Entfernung des Kanzlers betreffend ( * ) , so ist dieß eine ganz „ andere Sache : denn außer , daß er in einer Würde steht , die ihm nickt „ erlaubt , sich ohne höchstwichtige Ursache vom Hofe zu entfernen , so kann „ man ihn noch zur Zeit weder seines Amts , als auf ausdrücklichen Be , „ fehl des Königes , oder wegen eine« großen beganaenen Fehlers , entsetzen ; »noch vielweniger mit Grunde sagen , daß er den Tod verdient habe , wenn „ man e« nicht durch unzweifelhafte Proben beweist . Nun ist der Ge -
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