Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12523

Hospital .
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. »wissen nicht zur römischen Religion gebracht werden konnten , so ist dar - „ bey eine großeAbgeschmacktheit gewesen , die einer Unmöglichkeit gleich war . „ Der Admiral und einige andere Herren haben deswegen nicht schweigen „ können Der Herr vonGuise hingegen , ob gleich die Zeit wider seine Ab , „ ficht JU streiten schien , hat öffentlich und deutlich gesaget , daß , weil es einmal „ so beschlossen wäre , es auch dabey bleiben müsse , und daß sein Degen nie - „ male in der Scheide bleiben sollre , wenn es nöthig wäre , diesen Schluß „ zur Wirkung zu bringen . Die Sachen sind bey diesem Zanke ohne „ Beschluß geblieben - - - ( p . 197 ) seit dem hat man , um beyde „ Theile unter dem Scheine der Unparteilichkeit zu vergnügen , in letzterm „ Heumonate 1561 einen Befehl kund machen lassen . - - Die freycn tholiken beklagen sich über diesen Befehl und sagen , daß , da diejenigen „ von der neuen oder so genannten reformirten Religion nicht in ihren „ Hausern aufgesucht werden können , dieses den ersten Artikel des Be , „ fehls vernichten und sie nichts destoweniger von der Macht der Obrig - „ feit befreym heißt : welches ihnen bald darauf Gelegenheit geben wird , „ das Joch gänzlich von ihren Schultern zu schütteln . , ,
( ? ) Die romische Rirche ist nicht so viel Gefahr gelaufen - - - als Qu er den Befehl von Jenner machen lassen . ] Es hat nur an etwas wenigem gefehlt , daß die Reformirten unter der Regierung Carls des IX , nicht die Oberhand gewannen , und wenn sie solche gewonnen hätten , Gott weiß ! wie es der Religion ergangen seyn würde , die unter deN drey vorhergehenden Regierungen ihre Versolgerinn gewesen war . Wenn der König von Navarra , der sich öffentlich für sie erklärt hatte , die Stärke gehabt , die Fallstricke zu erkennen , die ihm die andere Parte» leg - te , so würde er standhaft in ihrer Gemeinschaft geblieben seyn . Es hatte weiter nichts gebraucht , ihnen den Sieg zu verschaffen ; denn er war Ge - neralverweser de« Königreichs , und es wäre damals nicht schwer gewesen , die Catharina von MediciS zu bewegen , daß sie das Glaubenöbekenntniß der reformirten Kirche angenommen hatte . Siehe die Anmerkung ( B ) bey dem Artikel Goubise ( Johann u . s . w . ) . Allein er hat sich durch erdichtete Hoffnungen bekriegen lassen ; er hat nicht Verstand genug ge - habt , die groben Netze zu erkennen : er hat die Insel Sardinien genom - - men , ein Land der Verbannung , ein unglückliches und ungeschlachtes Land ; ( Siehe oben die Anmerk . ( G ) des ArtikelsLhatel ( Tannegui du ) und Tacit . Annal . Libr . II , cap . LXXXV . ) Er hat sie , sage ich , für eine von denjenigen glücklichen Inseln gehalten , davon die Fabeln reden ; so schön hat er die Landkarte verstanden . Durch diese Kunstgriffe der Spa - nier und des Cardinallegaten , die ihn so gröblich betrogen , hat er dieRe - formirten verlassen ; ( Siehe die Anmerkung iJL ) des Artikels - Heinrich des IV . ) und hieran ist es gelegen gewesen , folglich an etwas sehr wem» gem , daß sie nicht Meister geworden Ich will deswegen eine Stelle anführen , die une das Ansehen , das sie seinetwegen in den Staaten von Orleans gehabt , und die Freyheit belehret , die sie unter seinem Schutze genossen . Sie haben sich in der Hauptstadt des Königreichs selbst vor denen Befehlen öffentlich versammlet , die es ihnen erlaubten . Allein man muß merken , daß die Reqentinn , Catharina von Medicis , hierinnen mit dem Könige von Navarra einig gewesen . Siehe Beze , Hift . des Eglifes , Livr . IV , p . 670 . et Beaucaire , Libr . XXIX , n . 34 . p . 966 . „ Die Hugo - Kotten - - - hatten ihr ganzes Vertrauen auf diesen König ( nämlich „ von Navarra , ) als welchen sie auf den Schultern getragen hatten , und „ in dessen Hände sie die Regierung von Frankreich durch ihre Rotten „ und heimlichen Streiche in der Versammlung der dreyen Stände ge - „ bracht hatten . Er hatte auch in der Thal zur Erkenntlichkeit aus einer „ sehr großen Nachsicht erlaubt , daß die Predigten bey offenem Hause , „ nicht allein in Paris , sondern an dem Hofe des Königes selbst , zu „ S . Germain en Laye , gehalten wurden . Auch war es lehr schwer , „ ohne sich der Hülfe derer bey seiner Hoheit zu erhalten , welche wiederum , . zu ihrer Erhaltung seiner Unterstützung und Gewogenheit nöthig hat - „ ten . Bey seiner beständigen Veränderung des Vorsatzes ist er das erste „ Werkzeug gewesen , mit welchem sich die Kathollken wider die andern „ gewaffner haben . Weil aber dieses für viele eine verschlossene Schrift „ ist , und ihr vielleicht nicht gehört habet , wie diese Streiche gespielt wor , „ den , so wisset , daß der Pabst , als er die verwirrte Handthierung unter „ uns gesehen , den Cardinal von Ferrara , der Frau von Swise Oheim , als „ Legaten , mit sehr weitläuftigen Vollmachten nach Frankreich geschickt .
- - Auch haben wir außer dem den Herrn von Ckarantonneau , „ des Kanzlers Granvelle Sohn . Dieser Abgesandte des Königes von „ Spanien ist , so wie man saget , von etlichen großen Prinzen der unsri - „ gen gewonnen worden , welchen der Unterschied der Religionen nicht ge - „ fallen hat . Dieser ist , nach der unter ihnen gemalten Verbindung , „ drey oder viermal in verstellter Kleidung zu dem Könige von Navarra „ gegangen : denselben im Namen seines Herrn zu versichern , daß , wenn „ er die Beschützung der römischen Kirche übernehmen würde , er ihm sein „ Königreich Navarra , oder auch statt dessen so viele reiche und ftuchtbare „ unabhängliche Länder geben wollte . Da dieser Handel einmal ange - „ spönnen war , so trat der Legat auch zur Partei ) , und versprach ihm von „ Seiten des heil . Stuhls die Grafschaft Denisse , und auch noch bey dem „ katholischen Könige die Insel Sardinien zu vermitteln , welche der „ Pabst alsdann , und im Falle , wenn er ihm das Navarrnche wieder zu „ geben weigerte , zun , Königreiche machen wollte . Man saget , daß der „ Connestabel und Marschall von S - Andreas zu allen diesen Bersprechun - „ gen die Hand gebothen , um ihm dieselben angenehm zu machen . Ob „ dieses so wahr , als das Evangelium ist , das getraue ich mir nicht , euch „ zu melden . Allein so viel ist gewiß , daß es ein allgemeines Gerüchte „ gewesen , ( dieses gemeine Gerüchte ist wahr gewesen ; die richtigsten „ Geschichtschreiber bekennen eS . ) Ich kann euch wohl sagen , daß man in einem Augenblicke so wohl sein Gesicht , als seinen Willen gegen dieRe - formirten verändert gesehen . Denn er hat den Predigern verbothen , " weiter ans dem Schlosse zu predigen , wie fünf oder sechs Monate zuvor 'Geseke und Freyheiten gegeben worden waren , solches zu thun . Auch " in der Versammlung zu S . Germain , wo die zwo Kirchen beschlossen I' , worden , hat er sich fr sehr widersetzt , als er konnte : allein der Prinz von Conde der Admiral und andere , welche damals Nicht die unterste Stelle »bey dem Könige hatten , haben ihm Hindernisse gemacht , und in Anse - . Lng ? r Kundmachung des Befehls vom Ienner . , 6 * d . e Oberhand . behalten Pnfauier Lettre Livr . IV , Tom . I , pag . 218 . feq . sÄ & St »W uns den Wohlstand berichten , den die Re , formirten vor demselben Befehle von Jenner und , n währender Zeit genossen , da ihnen Anton König von Navarra günstig war . »Den „ 29 des Herbstmonats hat die Königinn von Navarra in Gegen - „ wart des ganzen Volks , die Ehe zwischen dem jungen Rohan und der
„ Brabanzon , der Nichte der Frau von Estampes , auf dem Schlosse Argen« . . teuil , durch den Beza senerlich einsegnen lassen . Hierbey haben sich der „ Prinz Conde und der Admiral befunden . Da diese Wandlung , die also „ fast vor den Thoren zu Paris und S . Germain en Lay ? ! geschehen , wo „ der König Hof hielt , nicht hintertrieben worden , so ist den reformirten „ Predigern das Herz ziemlich gewachsen . Und in der That haben sie den „ darauf folgenden Weininonat außer den Mauern der Stadt Paris bey „ dem Kloster S - Anron des Champö in Gegenwart von acht bis neun „ tausend Personen geprediger . Bey ihrer Zurückkunst ist ein Ausstand „ vom Pöbel entstanden , welcher gar leicht unter dem Ansehen des Kö - „ niges von Navarra gedämpft worden . Sie sind nach diesem viel wei , „ ter gegangen . Des Abends vor aller Heiligen ist vor aller Welt Augen „ eine Versammlung in dem Hause der Gräfin« von Seniqan gehalten „ worden , die von der Gegenwart des Marschallamts und ihrer Gerichts - „ diener beschützt worden , um alle Bewegung des Volk« zu verhindern . „ Wenig Tage hernach haben sie , ohne sich der Befehle de« Königes zu „ erinnern , und wider den Befehl vom Heumonate , unternommen , zwo „ Predigten hinter einander zu halten , die eine in der Vorstadt Mar - „ cel an dem Orte der Patriarch genannt , die andere vor dem Thore „ S . Anton an dem Orte Popincourt genannt . Es würde unglaublich „ seyn , zu sagen , was sich für ein Zulauf von Volke bey diesen neuen An , „ dachten eingefunden hat : welchen Gabaston , Hauptmann über die rei - „ tende Nachtwache , und seine Wache zur Bedeckung gedienet . Zu Po - „ pineourt predigen Aulnay und Estang : zum Patriarchen Malo und „ Viret . Da die katholische , , Herren gesehen , daß ihnen die Noll , wen - „ digkeit riech , dem Sturme nachzugeben , >0 hat sich der Herr von Guise „ ganz erzürnt in sein Haus Nantneil , der Cardinal von Lothringen in „ sein Erzbischofthum Reims , der Herr von Nemur nach Savoyen , der „ Connestabel »ach Chantilly u . s . w . begeben . „ Pafquier , Lettre» , Livr . IV , Tom . I , pag . aoo , aoi . Man sehe in andern Briefen phan PasquierS , 202 , 205 u . f . 0 . den' Zufluß dieser Versammlungen und den Schutz , den ihm der weltliche Arm geleistet . Man kann auch Hubert LanguetS Briefe Libr . II , pag . 14 j , iyo , hallischer Ausgabe i6l , 8 , zu Räche ziehen ; wo man unter andern Dingen pag . 155 . findet , daß die bey Pari« gehaltenen Versammlungen manchmals aus fünfzehn tausend Personen bestanden , die Frauenspersonen in der Mitten von den Mannspersonen zu Fuße umgeben , und diese von den Reitenden umringt , und daß unter währender Predigt der Statthalter von Pari« die Zuaän - ge von Soldaten besehen lassen , welche alle diejenigen geschlagen , gesan - gen genommen , oder auf andere Art zurückgetrieben , die sich die Andacht der Gesellschaft zu stören unterfangen . In einem vom 2z Ienner >56» geschriebenen Briefe ( der Befehl war bereits gegeben , aber noch nicht be - stätiget ) versichert er , daß in Paris Versammlungen von dreyßig bi«vier - zig tausend Personen gehalten worden , und daß zween oder drey ger an einem Orte und zu gleicher Zeit predigen müssen Ebend . 196 S .
Verschiedene Personen , welche die Sachen nur nach dem Ausgange beur - theilen , werden ganz vermögend seyn , zu sagen , daß die Reformirten viel klüger würden gehandelt haben , wenn sie zur selbigen Zeit weniger Hoch - muth gezeigt hätten ; denn diese Prahlerey mit ihrer Menge wurde sür einen stolzen Trotz gehalten , der ihre Feinde erbitterte und sie bewog , zu den allerdringendsten HülsSmitteln Zuflucht zu nehmen . Wir sehen aus einem Briefe des Cardinallegaten , daß er von diesen hockmüthigen Handlungen eine glückliche Folge hoffe . Sein Brief ist von S . Germain , den - 7 Hör . nung 1 , 62 geschrieben : hier ist ein Stück daraus . „ Es ist nicht allzu „ lange unter den beyderley Religionsverwandten ein Streit entstanden , „ dabey einige auf dem Platze todt geblieben'sind : und gleichwohl hat „ man die Gefahr größer , als den Schaden , gefunden . Die Katholiken „ sind ohne Anstand hierher gekommen , um sich über den Hochmmh der „ Hugenotten zu beklagen . Sie haben vorgestellet , daß sie für sich ms beson , „ dere , nach dem ausdrücklichen Befehle seiner Majestät , die Waffen nie - „ der geleget ; daß aber ihre Feinde gleich das Gegentheil gethan hätten . „ Dielerwegen haben sie inständig geberhen , daß ei ihnen erlaubt werden „ möchte , sie wieder zu ergreift» , um sich vor ihren Nachstellungen zu ver - „ wahren , die ihnen mit RechtFnrcht erregten , sie möchten durch diejenigen „ vorrheilhaften Hansen von Kriegsleuten , künftig hin so wohl ihren Gü - „ lern als Personen Gewalt anthun . Allein sie selbst haben ihrer „ Seits nicht ermangelt , sich zu entschuldigen , noch zu Ursachen anzu - „ fuhren : daß das Mistrauen , worein sie die Ratboliken wegen »il>rer großen Anzahl taglich sitzten , Ursache wäre , daß sie die „ rvaffen nickt niederlegten . Die Antwort der Königinn und des „ Koniges von Navarra ist für die von unserer Parten sehr vortbeill aft ge - „ wesen : denn sie haben sie ermahnt , Muth zufassen , und ihnen auch ver , „ sproche» , daß sie zugleich für ihre besondere Sicherheit , »nd für „ die gemeine Rnhe ihrcrStadt absonderliche Sorge tragen wür , „ den . So daß sie nach diesen so höflichen Wate» aus dein Munde ih« „ rer Majestät , wodurch sie ihnen mehr Zärtlichkeit bezeugt hatten , als sie „ sich bis hieher eingebildet hätten , so vergnügt als möglich zurückgekehrt „ sind . Dahingegen sich die Hugenotte» ziemlich entsetzten , als man ih - „ nen in sehr Härten Worten sagte , daß man sie die - Höflichkeit lehren „ würde , wenn sie nicht eingezogner seyn , und fielt dergleichen Ge - „ waltthärigkeiten enthalten wollten . Der König von Navarra ist „ wohl noch weiter geganan : denn er hat auch in ihre ? Gegenwart zur „ Königinn gesaget : daß JhroMa , . nur befehlen dorften , und daß „ er , wenn es ihr gefiele , wohl Mittel finden wolle , den JLauf ih» „ res ^ochmuths , n Hammen . Ich setze diesen Umstand dazu , der keiner „ von den geringsten ist : daß nicht allein ^hre Majestäten , sondern alle an - „ dere überhaupt sehr dadurch geärgert worden , daß Beza in Paris nicht an - „ der« , als in Begleitung de« von Andelot , und vieler Edelleute herum geht , „ die ihnen folgen . Obgleich bey allem diesem die Unordnungen »nd Aer - „ gerniffe fast allezeit schädlich sind , außer daß man zuweilen Fruckt daraus „ zieht . indem man die Geduld der Großen reizet , fb bringen sie dieselben „ gleichwohl öfters zu großmüthjgen Unternehmungen . Diese« bewegt „ mich , um so vielmehr zu glauben , daß nian sich um so viel weniger über „ diese bekümmern darf , da es wahrscheinlich ist , daß in dem Znstande , „ darinnen sich itzo die Gemüther der Allermächtigsten befinden . derglei - , »«hen Unordnungen auf einmal über die Köpfe derer fallen werden , die „ sie verursachen . Negotiations , 011 Lettre« d' Affaires eferites au Pape , Pie IV , et au Cardinal Borrome'e , par Hippolite d' Eft ; nal de Ferrare , Legat en France , pag . 93 , 94 - Nichts destoweniger wol -
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