Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12515

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Hospital .
( * ) Man merke , daß man sich wegen der Zeit in des Moreri Wörter - buche bekriegt , wo man versichert , daß er >5 - 4 Parlementsrath zu Paris gnvesen , und daß das Kanzleramt bey der Prinzeßinn Margarethen auf alle andere , außer dem Kanzleramte von Frankreich gefolget ist .
( B ) Man hat geglaubt , Saß ihm die Guisen die Bedienung ver - schafft - - - rveil sie sich eingebildet , daß er ihnen Verbünd , jichkeit habe . ] Ludwig Regnier Herr de la Planche erzählet , p . m . 228 . der Historie FranciscuS des II , daß sie nach dem Tode des Kanzlers Oli - vier , die Bedienung dem Morvilliers , geheimen Rache und Bischöfe von Orleans , andiethen lassen ; - « - einem sehr ergebenen Diener ihres Hauses , und daß sie sich seiner Weigerung sehr listig bedient . „ Denn „ da sie den Michael von Hospital besser zu gebrauchen gedacht , der von „ ihrer Hand ernährt , befördert und gemacht war : so haben sie den Mor - „ villierS bey dem Worte genommen , und den andern von Nizza holen las - „ sei , . wo er Kanzler bey der Herzoginn von Savoyen war . Man hat „ also dieser Herzoginn zu verstehen gegeben , daß der König , aus Gewo - „ qenheit gegen sie , ihren Kanzler für sich nähme . „ Allein andere Hi - storienschreiber sagen , daß die königliche Frau Mutter die wahre UrHebe - rinn dieser Wahl gewesen , die von der Herzoginn von Montpensier an - getrieben worden ; welche sich vorgesetzt , der Herrschsucht der Guisen ein Hinderniß entgegen zusetzen . Man sehe den Artikel Longuic in der Anmerkung ( I ) . Thuanus , Libr . XXIV , zu Ende , sehet dazu , daß , da sie bey dieser Wahl beruhet , die Sache bereits ganz geschlossen gewesen , und daß Catharina von Medicis , dem Herrn von Hospital zu wissen ge - than , daß ihn der König nicht auf ihren Fürspruch , sondern allein auf den ihrigen , mit diesem Amte beehrt hätte ; und daß sie also hoffe , ihn dem Nutzen ihres Prinzen und der königlichen Frau Mütter ergebener zu se - hen , als dieser Familie ihrem , deren Herrschsucht von aller Welt verflucht würde . Derselbe Historienschreiber bemerker , daß es der königlichen Frau Mutter um so viel leichter gewesen , ihren Endzweck zu erhalten , da der Herr von Hospital bey dem Cardinale von Lothringen sehr wohl gestan - den hätte . Man merke , daß sich Teißier bekriegt , wenn er unter der An - führung des XXIV Buchs des Thuanus jaget , daß Katharina vonMe - dicis Heinrichen den II vermocht , den Michael von - Hospital zum Ranzler von Frankreich zu machen . Er hatte lägen sollen , Frauciscus den II .
( C ) Lr war gezwungen , sich der Umwege zu bedienen . ] Wir wollen uns noch einmal des de la Planche 359 , 360 S . zum Ausleger dieses Textes bedienen : »Den Kanzler Hospital betreffend , so haben „ sich anfänglich wenig Leute erfreuet , als er zu dieser Würde erhoben wor - „ den , da er mit dem Cardinale so vertraut gewesen ( * ) : so daß man da , „ für gehalten , er würde demselben in nichts widersprechen dörsen ; da er „ so viel Gnadenbezeigungen und Beförderungen von dieser Seite erhal - „ ten hatte . Wie er aber das Narurel derer von Guise kannte , weil er „ lange Zeit um sie gewesen war ; so Haler auch diese Klugheit gehabt , ih - „ ren Nachstellungen richtig zuvor zukommen , wo nicht , wie er sollte , doch „ wenigstens , wie er konnte , nach der Bosheit der Zeit : indem er ihre al - „ lerwütendsten Streiche mit einer sonderbaren Geschicklichkeit gemildert . „ Denn da er sich , so bald er in sein Amt eingeführet war , vorgesetzt hatte , „ als ein Staatsmann den geraden Weg zu gehen , weder den einen , noch „ den andern zu helfen , und also dem Könige und dem Vaterlande zu die« „ nen : so hat er wunderbare Listen brauchen müssen , die Lothringer in ih - „ ren Schranken zu halten ; welches er allezeit auf eine solche Art ins „ Werk richten wollen , damit sie nicht gewahr werden könnten , daß er ih - „ nen weder in etwas widersprechen , noch misfallen wolle ; weil er wohl „ wußte , daß , wenn sie einmal diese Meynung von ihm faßten , er nichts „ taugliches würde thun können . Auf diese Art sind viele Dinge mit ei , „ ner großen Verstellung durch seine Hände gegangen , die man für sehr „ gefährlich hielt . Unterdessen hat es doch unter vielen bösen Dingenein „ gutes gegeben , indem er denen , die das gemeine Wesen liebten , Hoffnung „ gemacht , daß sich endlich alles zum Besten kehren würde , wenn man „ ihm nur fteye Hand ließe . Wenig Leute haben seine Absicht verstan , „ den : allein die Zeit hat zu erkennen gegeben , daß er sich des Dienstes «seines Königes , und des Heils des Volkes ganz anders angenommen , „ als man es eingefädelt hatte . Und die Wahrheit zu sagen , so kann man „ die Klugheit nicht zur Gnüqe beschreiben , die er gebraucht hat . Denn „ es ist gewiß , daß , wenn er gleich einen viel kürzern Weg genommen hat - „ te , sich dem Uebel männlich zu widersetzen , er mehr zu loben seyn würde , „ und Gott würde vielleicht seine Standhaftigkeit gesegnet haben : nun ist „ er , so viel man urtheilen kann , allein durch seine gemäßigten Bezeigun - , , qen das Werkzeug gewesen , dessen sich Gott bedient hat , viel reißende „ Fluthen zurück zu halten , worinnen alle Franzosen ersoffen wären . Und „ nichts destoweniger hat der äußerliche Schein das Gegentheil gezeigt . „ Kurz wenn man ihm ein bevorstehendes Unglück vorgestellet , so hatte er „ beständig dieses Wort im Munde : Geduld , Geduld ! es wird alles „ gut werden . „
( * ) Thuan . Libr . XIII , zu Ende . p . IN . 378 . beobachtet , daß Michael von Hospital , Präsident der Rechnungskammer 1554 , der Absicht des Car - dinals von Lothringen , das Parlement zu Paris auf halbe Jahre zu setzen , Vorschub gethan habe .
( v ) Er hat - , - Vie Einführung des Retzergerichts ver , hindert , indem er in einen Befehl gewilliget , Oer viel scharfer wi - der die Protestanten war , als er ihn haben wollte . ] Hier ist die Folge der Erzählung des de la Planche p . 361 . Um es kurz zu ma - che ii . als man den Befehl des spanischen Reyergerichtv anfertigen wollte , und er wußte , daß der geheime Rath und die par - lementer ihn gebilligt * hatten , so hat er gleichwohl alles durch einen ausdrücklichen Befehl gemaßiget , und so kräftige Ursachen davon gegeben ; daß die Guisen selbst , die ihn durchgetrieben hat - ten , seiner Meynung waren , und die Genehmhaltung des Spa , niers , u wege brachten , der Frankreich gern nach seinem Sinne eingerichtet haben wollte . Dieß geschah im Maymonate in der Stadt Romorantin . Dieser Befehl ist auch allezeit der Befehl von Romorantin genennet worden . Varillas , Hift . de l'Herefie , pag 170 . beobachtet , daß eine so gemäßigte Aufführung den Calvi - nisten misfallen , und den Ratholiken kein Genügen gethan habe . Die Calvinisten beklagten sich darüber , daß man ihnen ihre Ge , genpart und ihre unversöhnlichen Feinde zu Richtern gegeben ( * ) , lind vie Ratholiken hielten den Ranzler von der Zeit an im Ver - dachte , daß er von der neuen Religion ware . - - - Sie haben
ihm vorgeworfen , daß er nicht mehr in vie Messe gienge , als eh .
renhalber ; und haben die Messe des Kanzlers zu einem Spruch - worre gemacht , um diejenige zu bemerken , da man nur , dem Ro - nige zu gehorchen , hineingicng . Das - Haus von Guise hatte kei , ne bessere Neigung gegen diese Rathsperson , und es reute ihm , daß es nebst der - Herzogin» von Savoyen ihn dazu gemacher , rvas er war . Ts hat sich eingebildet , daß dieser geschickte Staatsmann sich aus der Abhanglichkeit zu ziehen suchte , indem er bey - Hofe nebst der königlichen Frau Mutter eine dritte parte / machte , welche die andern zwo in einem solchen Gleichgewichte hielt , daß die eine die andere nicht ausstechen konnte . Dieß «in« nert mich dieser Stelle des Brantome : Eloge du Connet . de Mommo - rencijTom . II , Memoires , pag . 89 . Man hat ihn für einen - Hugo - nottm gehalten , ob er gleich in die Meffe gieng ; allein bey - Hofe hat man gesaget , Gott bewahre uns vor der Messe des - Herrn von - Hospital .
( * ) Dieser Befehl hat den Bischöfen allein die Erkenntniß über da« Verbrechen der Ketzerey zugeeignet , und solche allen königlichen Rich« tern entzogen .
Betrachtung , daß die Vermittelungen bey zwo widrigen Parteyei» gemeiniglich Misvergnügen erwecken .
Dieß ist da« gewöhnliche Schicksal derer , die eine Mäßigung unter den Ansprüchen der zwoen widrigen Parteyen suchen : sie vergnügen keine von beyden . Allein diese Verdrüßlichkeit ist manchmal ein geringers Uebel , als es seyn würde , wenn man sich nach der Leidenschaft einer von den Parteyen richtete , und es giebt viel Umstände , wo das Beste , was man thun kann , ist , den Schaden zu theilen , damit ein jeder seinen Theil davon bekomme . Unser Kanzler würde alles verderbet haben , wenn er gleich anfänglich unternommen hätte , die Feinde der Guisen völlig zu ver - gnügen . Dieß hätte geheißen wider einen Felsen zu scheitern . Die Klug - heit erforderte , daß er diese Partei ) nur durch Umwege angriff ; sie hatte das Glück auf ihrer Seite , er dorfte also nicht wider den Strom schwim - men . Ich glaube , daß viel Calvinisten , die mehr Eifer al« Kenntniß der Welt hatten , die Aufführung dieses Kanzlers beständig verdammt ha - ben . Sie wollten , daß er sich öffentlich und mit Nachdrucke , zum Beschü - her ihrer Sache erklären sollte ; allein hätte er wohl sein Amt drey Monate hinter einander behalten können , wenn er nicht behutsam gewesen wäre ? Er hat auf eine geschickte Art begriffen , daß die beste Weise , sich dem Sturme zu widersetzen , diejenige sey , deren Plutarch gedenkt , wenn er von der Regierung der Republiken redet . „ Eben wie die Mathematik« „ kundigen sagen , daß die Sonne dem Laufe des Firmaments wedergänz - „ lich folget , noch auch ihre Bewegung demselben ganz entgegen gesetzt , „ und zuwider hat , sondern indem sie ein wenig krumm und durch einen schra« „ gen Weg geht , eine gewundene Linie machet , die nicht allzuschnell fortgeht , „ und sich ganz sachte dreht und durch ihren schiefen Gang die Urjache „ der Erhaltung aller Dinge ist , indem sie die Welt in einer sehr guten „ Mäßigung erhält : Also ist auch bey der Regierung eines gemeinen „ Wesens die allzuscharfe Strenge , bey allen Gelegenheiten und in allen „ Dingen dem Willen des Volks zuwider zu handeln , allzuhart und all» „ zustrenge : wie auch die Leichtigkeit , sich zu dem Jrrthume derer ziehen „ zu lassen , die da fehlen , weil sie das Volk dieser Partey geneigt und „ qnnstig sehen , ein sehr schlüpftiger und höchst gefährlicher Abgrund ist . „ Allein die Mittelstraße , daß man zuweilen dem Willen des Volks nach - „ giebt , um es ein andermal zum Gehorsame zu bringen , und ihm eine kurz - „ weilige Sache zu verwilligen , um eine nützliche von ihm zu fordern , ist „ ein heilsames Mittel , die Menschen wohl zu leiten und wohl zu regie - „ ren , welche sich endlich gelinde und nützlich zur Anssühruna vieler gu - „ ren Dinge führen lassen , wenn man sie nicht in allem und überall durch „ eine gewaltsame und herrische Macht in beständiger Furcht halten will . „ ( Plutarch . in Phocione zu Anfange . ) Unser Kanzler hat wohl ge - wüßt , was Cicero beobachtet , daß die Staatsmänner denjenigen nachah - men müssen , die das Schiff regieren . An , cum videam na'uem fecun - dis ventis curfimi tenentem fuum , fi non ea eum petat partum , quem ego aliquando probaui , fedalium non minus tutum atque tranquil - liim , cum tempeftate pugnem periculofe potius , quam illi ( älutc prae - fertim propofita obtemperem et paream ? neque enim inconftanti» puto fententiamtanquamaliquod nauigium , atque curfuni exReipubl . tempeftate moderari . Cicero pro Plancio , c . XXXIX , p . m . 619 . Siehe auch , Epift . IX , Libri I , ad Familiär , pag . in . 56 . Ob er gleich nicht das Glück desjenigen Lepidus gehabt , der sich in Tibers Gnade erhalten hat , indem er eine richtige Mittelstraße unter den niederträchtigen cheleien und einer ailzugroßen Härte gehalten , so ist er doch des Lobes würdig , welches Tacitus , Annal . Libr . IV , cap . XX . auf diese Art ausge - druckt hat : Hunc ego Lepidum , temporibus illis , grauem et fapien - tem virum fiiilTe comperio . Nain pleraque ab faeuis adulationibus aliorum , in melius flexit : neque tarnen temperamenti egebat , cum aequabili auftoritate et gratia apud Tiberium viguerit . Vndc du - bitare cogor , fato et forte nafeendi , vt cetera , ita prineipum inclina - tio in hos , oifenfio in illos : an fit aliquid in noftris confiliis , liceat - que inter abruptam contumaciam , et deforme obfequium , pergerc iter ambitione ac periculis vadium .
( E ) iL« sind fast so viel Stimmen für die Reformirten als wi - der sie in dem Rathe gewesen , der die Bittschrift untersuchte , die sie dem Ronige überreichten . ] Dieser besondere Umstand scheint mir merkwürdig zu >eyn , und ich bilde mir ein , baß es nicht verdrüßlich seyn wird , alle Umstände hier davon zu finden . Ich bediene mich einer Aus - legung , die mir ein katholischer Scribent darbiethet . Pasquier , Lettr . Li vr . IV , Tom . I , pag . 196 . „ Die Hugenotten haben dem Könige eine „ Bittschrift überreicht , daß es ihnen erlaubt seyn möchte , eine von der „ unsrigen unterschiedene Kirche zu machen . Der König hat diese Bitt , „ schrist an das Parlement zurück geschickt , um mit seinen Rüthen dar« „ über zu rathschlagen . Daselbst sind die Gutachten von beyden Theilen „ sehr ftey gesaget worden : die einen waren für die katholische Partey , „ die andern für die Reformirten . Die katholische hat mit drey Stirn« „ men die Oberhand behalten , indem ihr Entschluß gewesen , daß man „ entweder der römischen Kirche , wie unsere Vorfahren folgen , oder das „ Königreich mit erlaubter Verkaufung seiner Güter räumen müsse . Als „ es zur Sammlung der Stimmen gekommen , ist das Murren nicht „ klein gewesen : weil die andern behauptet , es sey bey einer so wichtigen „ Materie nicht recht , daß ganz Frankreich nach dem Willen dreyer Stim - „ men in Aufruhr geriekhe . Wie diese Verbannung unmöglich auszu - „ führen war . und überdieß die in Frankreich wohnenden wider ihr Ge -
. . wissen

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