Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4680

Unrecht begehen ; und sie können eben so gut , als die weltlichen Soldaten , die Guter der Feinde wegnehmen und besitzen . Beyde Arten von Schrift - stellern , die Spanier an der einen Seite mit ihren Klagen über die Bündnisse von Frankreich , und die Franzosen an der andern , mit ihren Schutzschriften , dachten wenig auf das Zukünftige , m«d daß noch vor Verlauf des Jahrhunderts sich die Deweise auf beyden Theilen in würfe würden verwandelt haben . Heutiges Tages könnten sie auf jeder Seite sagen ,
Muteimis clipeos , Danaumque infignianobis
Aptemus , Virgil . Aen . Libr . II , vcrf . 389 .
in währender Zeit ein unparteiischer Zuschauer die Betrachtung ma - chen wird .
Nefcia mens homimim fati fortisque fiiturae !
Ebendas . XB . 501V .
( C ) Tr hat einige ausschweifende Meinungen von den Gna - denbe5eigungen Gottes geqen einige - Heilige gehegt . ] Er hat gegeben , daß der heil . Zoseph und verschiedene andere vor ihrer Geburt heilig gemacht worden . Claudius Dausqueius oder Dausquiu« , Dom - Herr zu Tournai , hat wider diese Fabel geschrieben und unter andern Dingen gesaget , daß Carthagena die Schrift mit vieler Verwegenheit verdrehe . Palam in oculis Ecdefiae Romanae praedpiti temeritate in facras litteras innolauit , easque obtorto collo in affectatae nouitatis patrociniiun interpretando contra Concilii Tridentini edifta depra - uauit . Besiehe den Tractat des vausqllius , 8 . Jofephi Sanöificatio extra vterum , pag . 82 . Ein flamandischer Francifcaner ist darüber in den Harnisch gerathen , und hat ein Buch wider den Domherrn heraus - gegeben : dieser hat wieder geantwortet , und ist nicht viel sanstmüthiger als sein Widersacher gewesen . Man findet diese Lehre de« Carthagena in seinen Homiliis Sacris , cum Catholicis tum Moralibus de Religionis Chri - ftianac arcanis . Auf die Art , wie Dausquius von diesem Werke gere - det hat , so ist es ein Wortplunder , der mit vieler Nuhmräthigkeit wu gebracht wird . In illa voluminiim Carthagenae immanitate verboiif - firoa ( cui Ioquacitate cedit vnicus fcriptor ab omni aeuo ) Cenfo - res etc . Dausquius , in 8 . Iofephi Sanft , extra vterum , p . 109 . Ifta incuriofa curiofitate viflus Carthagena volumina ifta , quibus orbis cymbalum audire meruit ( an etiam voluit ) inferibit de Religitnis ChrißUna * arcanis . Quia fcilicet »renne quodeunqut Mofes mine claufit , et de arcanis Catholicat vtritatis , quaecunque Galatl - nus compilauit veritate , diligentia , immanitate fuperauit Carthagena . Ebendas . 116 S . Es steht ein Buch in diesen Bänden , welches denTi - tel hat : Arcana Deiparae , et Iofephi Myfteria . Der Verfasser glebt darinnen eine sehr unehrbare Ungereimtheit vor ; Dausquius ebend . «9 S . umnet sie Blafphemiam propudiofam ; nämlich , daß der heil . Joseph «inen Rang unter den Märtyrern wegen der Eifersucht haben könne , die ihm das Herz abgefressen , da er von Tage zu Tage die Schwanger - fchaft seiner Braut gewahr worden , welches eine unerträgliche Marter gewesen , ( a ) Cum ergo B . Iofeph immani nelotypiae dolore ange - retur , neque leuamen hoc , quod ei adfumere licebat , quaeritaret , Euangelifta dicente , cum elftt iuftus , noluit eam traducere , confe - quens eft , cor eius grauiflimo doloris vulnere finde exuleeratum . - Profeöo huiusmodi perplexitas et plusquam ciuile bellum inter fen - fum et rationem , non poterat nonimmaniter vifeeraIofephi difrum - pere et excarnificare . . . cogitatio illa non potuit non efle illi graue martyrii genus . Tom . II . Libr . IV . Homil . III . pag . 123 . num . caetcrum , apud Dausquium . Ebendas . Er bestätiget semen Gedanken durch das Zeugniß Salomons . Cum - elotypicu , amor fit , vt ait Salo - mon , dura ficut infernus aemulatio , non poterat non vehementer et absque vlla interruptione Iofephi cor transuerfari , ficut et infernus fummopere torquet , et nec per momentum excruciare ceflät . BeyM
Cassandra .
Dausquius 121S - In was für Gefahr setzet man nicht unsere Geheim - nisie ? Was für eine Thüre eröffnet man nicht den gottlosen Spöttereyen , wenn man sich Märtyrer von dieser Art zu machen untersteht ? Der Domherr von Tournai ist lobens Werth , daß er dergleichen Erdichtungen als Gotteslästerungen aufniutzet . Scnfus virgineüm vterum intumef - centem videns adulteram iudicabat . Dieß sind die Worte des Car - thagena , und folgende des Domherrn : lofephu« Chryfoftomi teftift . catione cauebat vel minimam Virgini afferre moleftiam , et tu dicis Iofephum tarn adulteram iudicajfe . Impie ! ac fi dicat , Manifeflaqu * crimina pleno Fert utero .
( - ) Das Lest der lLmpfangniß , mit Personen , ein Sittenstück , wel - ches lange Zeit in Frankreich vorgestellet , und in den ersten Jahren de« XVI Jahrhunderts in 4 . mit gothischer Schrift bey Alain Lotrian zu Paris gedruckt worden , läßt auf derGegenftite des 48Bl . de» Joseph als» reden :
Mein Kummer läßt sich nicht vertreiben .
Daß sich Maria , mein Gemahl In solchem schwangern Stande findt ;
Wem ist die Schuld wohl zu zuschreiben ?
Von mir ist solches nicht gekommen ,
Sie hat ihr Wort zunick genommen ,
Sie ists , sie hat die Eh verletzt ,
Und ich befinde mich nicht so «setzt ,
Zu glauben , daß bey dieser Thar ,
Sie nicht die meisten Schulden hat .
Sie gehet schwer , wes ist die Frucht ?
Wird es dem Rechte nach gesucht ,
Muß sie den Ehebruch gestehen :
Mich kann sie nicht als Vater sehen .
Drey volle Monat sind dahin ,
Daß ich von ihr entfernet bin ,
Und an des dritten Monats Ende ,
Kommt sie mir schwanger in die Hände .
Hat sie ein Hurenhengst gebraucht ,
Und sie wohl mit Gewalt gezwungen ?
Ach ! kurz , ich weis nicht , was ich denken soll .
Es ist wahr , er getraut sich nicht , seine Verlobte ausdrücklich zu verdang wen : allein gleichwohl beschließt er doch , sie zu verlassen , und würde sie auch wirklich verlassen haben , wenn ihn der Engel Gabriel nicht gewar - net hätte , solches nicht zu thun . Also sieht man , daß den Ungereimt» beiren des Spaniers , Johann Carthagena , von denjenigen von seiner Gemeinschaft , durch wahre Gotteslästerungen auf gut Französisch vor - gegangen worden . Crir . Anmerk ,
Ein Professor von Löwen hat sich die scharfsinnigen Betrachtungen - de« Domherrn von Tournai nicht sehr zu Nutzen gemacht : seine Aus - schweifung ist eines Tage« bis zur Gottlosigkeit und Unverschämtheit ge - stiegei , , da er bey Erklärung der Unruhe des h . Josephs , und da er die „ Ursache angeben wollen , warum er die h . Jungftau zu verlassen gedacht , „ gesaget , es sey dieses Ursache gewesen , daß sich dieser große Heilige ge - „ fürchtet , für einen H - - - gehalten zu werden : timebat vocar ? „ C - . . Die Scham hält mich ab , dasjenige zu sagen , welches er „ in öffentlicher Klasse zu nennen sich nicht geschämt hat . „ Hier ist das - jenige von Worte zu Worte was ich aus einem Buche gezogen habe , das zu Cölln 1685 , unter folgendem Titel gedruckt worden : Hiftoirede l'In - trufion du Sr . du Bois dans la Chaire de 1'EcritureSainte , qu'il pro - feffe dans l'Univerfite' de Louvain , et de la maniere dont il s'aequite de cet employ , avec des Reflexions für les caufes de fa re'putation et de fon credit .
Cassandra , die Tochter des Priamus und der Hekuba , ist von dem Apollo versucht , und er von ihr hintergangen worden»
r S«'» hör flVrtnftplimimrt mpnn fir tfsm ihr« . - »tV r \\ ( Sri * Cl * <<•■ * ( U> r . .
Er versprach ihr die Gabe der Prophezeyung , wenn sie ihm ihre ^ungferschaft geben wollte ( A ) . Sie stellte sich , als wenn sie mit diesem Tausche zufrieden wäre ; allein da sie die Gabe der Prophezeyung erhalten hatte , so lachte sie t ~ ' ' kein Wort . Apollo rächete sich nicht an ihr durch Wegnehmung des ihrertheis daß man nichts von allein glaubte , was sie zu weissagen sich unterstehen würde ■
, u nur so ein ,
. . „ . . . v . , , . Man sah sie , als eine Närrinn an , so lange
ihre Wahrsagungen keine Wirkung hatten ; und man hielt sie nicht eher für klug , als bis nach derselben Erfüllung K Qcmuä erzählet , aufwaö sur^lrt dieselben unnnßlich gemac^worden ( L ) . Andre bringen ein anderes Mährchen vor ( C\ Dem sey ,
* " • «■ l der Minerva , und
schändete sie mitten
voil'der 'Bestrafung dieser unflätigen Gottlosigkeit sagen ( E ) . Es ist merkwürdig , daß die Strafe <«If " da6^GeÄ welches die Beleidigung erhalten hatte ; denn die Lokrier mußten alle Ichrc junge Mägdchen nach Troja schicken , welche daselbst ihr Leben in einem harten Stande zubrachten . Diese Ueberschickuug hat etliche Jahrhunderte gedauert , und man hat niemals gehöret , daß ein einziges von dieftn armen Maqdchen an ihrer Ehre Gewalt gelitten d . Der Sophiste Theon hat etwas beobach - tet , davon ich reden will ( F ) . Cassandra fiel vey der Teilung der Beute dem Agamemnon zu : sie hat diesem Prinzen nicht mlssallen ( G ) . Und man hat gesager , daß Clytenuiestra eifersüchtig darüber geworden , und daß dieses eine von den Ursachen gewe - - sen , die sie bewogen , ihren Gemahl hinzurichtene ( H ) . Cassandra wurde nicht verschont ; man richtete sie zu gleicher Zeit hin . Auf gleiche Art verfuhr man mit zweenen Zwillingsknaben , di " sie von : Agamemnon gehabt hatte f . Sie ist sehr schön gewe - sen und von großen Parreyen zur Ehe verlangt worden s . Ihr Grab ist eine Ursache des Streits zwischen der Stadt Mycene und der Stadt Amikles gewesen h . Jede gab vor , dasselbe zu haben . Man hat ihr einen Tempel zu Leuktrum erbauet , wo ihre Bildseule unter dem Namen der Alexandra verehret worden' ( I ) .
Lykophron redet von einein Tempel der Cassandra , welcher von den Dauniem und den Einwohnern der Stadt DardanuS erbauet worden . Die Bildseule dieser Frau diente daselbst den Mägdchen zur Freystadt , die sich nicht verheirathen wollten , und ihre Weigerung auf die Häßlichkeit oder niedrige Geburt ihrer Freyer gründeten . Das . dulssmittel , daß sie bey dieser Geleaenhcit anwendeten , bestund darinnen , daß sie die Bildseule der Cassandra umfaßten . Allein jtc mußten sich als Plage - nitemnen kleiden , und die Farbe ihres Gesichts durch den Gebrauch gewisser Krauter verandern . ^ - ie widmeten sich auf elne besondere Att dem Dienste der Cassandra , und ehrten sie als eine Göttinn * . D'ese Stelle des Lykophron ist eine von denen , J rirf . «iit der meisten Deutlichkeit erklaret : ( K ) und gleichwohl ist es unmöglich , die Beweise davon in denen Schriftstellern . . . C . JJ ? die uns noch übrig sind . Man sieht auch , daß die Auslegungen unstrer Kunstn'chter an diesem Orte sehr mager sind . Dlutarli / belebret uns , daß zu Thalamus 1 ein Orakel der Pasiphae gewesen , und daß , nach einiger Meynung , Cassandra an die - fem Orte gestorben sey , und sich den Zunamen Pasiphae dadurch erworben habe , weil sie jedermann Orakel ercheilet hat m .
»g . 281 . 0 Siehe obm bey den Anmerkungen ( B ) und fC ) orte des h , Hieronymus . « ) Homer . OdyiT . Libr . XI . Hygin .
, »««llndnr Libr . III . p . m . 227 . 5 ) Plutarch . de praec . Reipubl . \ bey demArtikel Ajax dem Sohne des Oileus . 0 Siehe in der Anmerke die 2

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