Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12438

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Hortensias .
Ille nec horrificam fanfto dimouit ab ore Caefariem , duroquc admifit gaudia vultiu ( Vt primum tolli feralia viderat arma ,
Intonfus rigidam in frontcm defcendere canos Pafl'us erat , moeftamque genis increfcere barbam ,
Vni qnippe vacat ftudiiSque odiisque earenti , Humanum liigere genus ) nec foedera prifci Sunt tentata tori : iufto quoque robur amori Reftitit : hi mores .
HortmslUs , ( Quintus ) ein Sohn des vorhergehenden , bezeugte sich , als ein unwürdiger Sohn eines solchen Vaters , so , das ; er fast enterbet worden wäre ( A ) . Allein , wenn er eben derselbe ist , der nach Julius Casars Tode Proconjul von Ma° «dornen gewesen , so kann man muthmaßen , daß er sein Leben geändert hat . Er hat die Partey der Freyheit mit Eifer ergriffen , und sich stark mit dem Brutus verbunden , Kriegsvolkzu werben , welches die Sache zu behaupten vermögend war Er de in der Schlacht den Philippis gefangen : und auf Befehl des Marcus Antonius , vermöge einer Wiedervergeltung auf des Cajus Antonius Grave ermordet ( ö ) . Einige glauben , es sey unser HortensiuS eben derftlbe , der in Julius Casars Partey , wider den PompejuS gewesen ( C ) . Wie nun diejenigen , die von ihm reden , genugsam zu verstehen geben , daß er des Horten - sius einziger Sohn gewesen ; so können wir ihn für den Vater des® . Hortensius ( Torbio , und des Marcus Hortensius Hör - taluo ansehen , davon jener ein Ungeheuer der Unkeuschheit und Schwelgereygewesen ( D ) : dieser ist in Armuth gefallen , und hat die Klugheit gehabt , sich nicht eher zu verheirathen , als bis ihm Augustuö Mittel gegeben hatte , eine Familie zu unterhalten b . Da aber die Freygebigkeit dieses Kaisers , für die Bedürfniß aller Kinder , nichx zureichend war , die aus dieser Ehe gebohren wurden , so bath Hortalus um des Rathes Beystand ( L ) . Tiberius verwarf diese Bitte anfänglich sehr hart ; und als er hier - auf wahrnahm , daß seine Härte nicht nach der Gesellschaft Geschmack war : so sagte er , daß , wenn es der Rath verlangte , er jedem , von des Hortensius Söhnen , eine gewisse Summe geben wolle c ( F ) . Man dankte ihm dafür ; allein HortaluS sagte , entweder aus Furcht , oder auö einer zurückgebliebenen Großmuth , kein Wort ; und seit dieser Zeit erwies ihm TiberiuS nicht die geringste Freygebigkeit weiter , und gab ihm Zeit und Gelegenheit , in das allerschimpflichste Elend zu fallen
a ) Cicero , Philipp . X . 6 ) Tacit . Annal . Lib . II . c . XXXVII . XXXVIII . Ducena feftertia fingulis , quifexus virilis eflent . r ) Ta - cit . ebend . Ryck schätzet dieses auf 5000 Ducaton« . d ) Egere alii grates ; filuit Hortalus , pauore an auitae nobilitatis etiam inter angnftias fortunae retinens . Neque miferatus eft pofthac Tiberius , quamuis domus Hortenfii pudendam ad inopiam dilaberetur Tac Annal Libr . II . cap . XXXVIII .
( A ) Br rväre fast von ihm enterbet worden . ^ Cicero giebt im III Dr . des VI B . an den AtticuS saltsam zu verstehen , daß des Hör - tensius Sohn nichts getauger hat , und daß ihn sein böses Naturell , ( tura metuenda eft : haec Curionem , haec Hortenfii filium , nonpa - trum culpa corrupit . Libr . X . Epift . IV . ) und ein Freygelassener , Na - mens Salvius , verderbet haben . Illa Hortenfiana omnia fuere infan - tia : ita fiet homo nequiffimus : aSaluio liberto deprauatus eft . daselbst , Epift . XVIII . Er scheint am ersten Orte zu sagen , daß ihn sein Vater nicht geliebet hat : allein wir wollen den Valerius Maximus , im V B . IX Cap . Num 2 . hören ; der hierüber sehr deutlich redet : CL . Hortenfii , qui 'fuis temporibus ornamentum Romanae eloquentiae fuit ; admirabilis in filio patientia exftitit . Cum eniin eo vsque im - pietatem eius fufpedlam et nequitiam inuifam haberet , vt Meflällam fuae fororis filium haeredein habitums , anibitus reum defendens iu - dieibus diceret ; ii illum damnaflent nihil fibi praeter ofculum nepo - tum in quibus aequiefeeret ruperfuturum : Hac fcilicet fententia quam etiam editae orationi inferuit , filium potius in tormento ani - mi quam in voliiptatibus reponens : tarnen ne naturae ordinem con - funderet , non nepotes fed filium haeredem reliquit . Es ist seltsam genug , daß Hortensius zu erkennnen gegeben hat , er hatte seinen Neffen zu seinem Erben erkläret ; denn wenn er seinen Sohn der Enterbung würdig geschähet hat : konnte er seine Erbschaft nicht auf seine Enkel über - tragen , wie er'sagte , daß er zu thun gezwungen seyn würde , wenn man seinen Neffen verdammte ? Ein seltsamer Großvater , der nicht eher an seine Enkel denket , als wenn ihm ein Schwestersohn fehlet ! Valerius MaximuS hat vielleicht diese Geschichte , durch die Unterdrückung einiger wesentlichen Zusätze , verstümmelt . Vielleicht muß man auch diese Er - klarung des Hortensius für eine bloße Figur der Redekunst nehmen ; es giebt Kriegslisten in diesem Handwerke , die unser Redner sehr wohl zu gebrauchen gewußt . Vermuthlich hat er die Richter erweichen wollen , da er sich gestellet , als ob er Theil an der Lossprechung seines Clienren nähme , als einer Person , die ihm an Sohnes statt seyn sollte . Andere sagen , es habe des Hortensias Ehftau seine Güter geerbet ; Plutarch . in Caton . min . p . 784 . Die Ehftau , sage ich , die ihm Cato geliehen , und die er nach des . hortensius Tode wieder genommen hat .
( B ) er bezeuget , daß des HortensiuS Sohn in diesem Kriege umgekommen ist . Dieß ist geschehen . So starb Cajus Antonius , und so ist sein Ende beschaffen gewesen .
( C ) Einige glauben - - - - fcy in der partey Julius Ca , fars , wider den pompejus gervescn . ^ Dasjenige , was hiereinige Muhe machet , ist , daß des . hortensius Sohn , im 702 Jahre Rom« , zu Laodicea ge>vesen ist , und da>elbst ein höchstschändliche ? Leben aeführet hat . Cicero , Epift . ad Attic . III . Libr . VI . Wo ist die lichkeit , wird man sagen , daß er sich zwey Jahre hernach bey dem Cäsar dermaßen empor q . schwungen haben sollte , daß ihm Casar an dem Tage , da er über den Rubicon gehen , und sich Arimini bemächtigen wollen , worinnen der Anfang der großen Sache bestund , der den Streit entscheiden sollte , das Commando über sein Kriegsvolk gegeben hatte ? Gleichwohl hat dieses Cäsar dem Hortensius getban , der in seiner te» - d'wesen . Plutarch . in Caefar . p . 723 . Einige Zeit hernach hat er ihm die Führung einer Flotte an den italiänischen Küsten aufgetragen . Appian . Lib . II . Bell . Ciiiil . Wir wollen nicht nachdem bloßen Scheine urlheilen .
Ich habe im Eutropius nichts von dem gefunden . was Glandorp , Onom . p . 406 . aus dem VI B . gezogen haben will , daß OclavinS und Libo , des Pomvejus Verweser , tiefe Flotte deS HortensiuS geschlagen hätten . OrosiiiS saget es Libr . VI . cap . XV . Dem sen . wie ihm wolle , so will Glandorp , daß der Befehlshaber über diese Flotte , eben derselbe Sohn des Hortensius , des Redners , sey , von welchem Valerius Maximus so viel Böses saget . Er ist hierinnen ziemlich wohl det ; denn Cicero . Epift . ad Att . IV . XVI . XVII . XVIII . Libr . X läßt uns keinen Zweifel , daß dieser Sohn des Hortensius nicht zu Cäsar« Partey übergetterei , wäre . Ich habe nickt finden können , wenn er die - selbe verlassen , noch wie er das Prvconsulat von Makedonien erhalten
hat , bey welchem Amte er des Cicero Beysall gehabt . Philipp . X . Ca - tanäuS , ( in Plin . Epift . Libr . V . ) der den Vater und Sohn vermen - get , mißt dem Redner bey , daß er in der Partey des Pompejus gewesen , daß er den Cajus Antonius hinrichten lassen , und daß er vom Marcus Antonius niedergemacht worden .
( v ) <ß . - Hortensius Corbio ist ein Ungeheuer der Unzucht und Sckrvelgercy gervesen . 1 Wenn Valerius Maximus , Libr . III . cap . V . ein Verzeichnis von den Kindern giebt , die das Sprüchwort wahr ge - macht haben : Heroum fili noxae , so vergißt er den Sohn , ( er redet bey einer andern Gelegenheit von ihm , wie man in der Anmerkung ( A ) sehen hat , ) aber nicht den Enkel des Hortensius : Q . Hortenfii - . . nepos , Hortenfius Corbio , omnibus fcortis abieäiorem et obfeenio - rem vitam exegit , ad vltimumque lingua eius tarn libidini cundto - rum inter Uipanaria proftitit , quam aui pro falute ciuium in foro exeubuerat . Wenn sich Lipsius erinnert hätte , daß dieser Schriftsteller von des HortensiuS Enkeln , im JX Cap . des V B . in der vielfachen Zahl redet , so würde er , ( Comment . inTacit . Annal . Libr . II . ) nicht bet haben , daß HortensiuS Hortalus und Hortensius Corbio enierley Person sind . Der Character , den Tacitus jenem giebt , unterscheider ihn handgreiflich von diesem . Moreri und Hofmann machen ebendenselben Schnitzer , als Lipsius ; weil sie den Valerius Maximus , im V Cap . des III B . den Tacitus im II B . der Jahrbücher ; und den Suetonius , im Leben des Tiberius , in Ansehung des Hortensius Enkels anführen , der ungemein liederlich gewesen . VoßiuS ist die Ursache ihres hens , weil er diese drey Anführungen auf einen Enkel des HortensiuS deutet , gleich als wenn sie einerley Person beträfen , de Hift , Latin , p . 48 .
( E ) m . hortensius - Hortalus hat des Raths - Hülfe gebe« then . 3 Seine Rede steht im Tacitus , Annal . Libr . II . cap . XXXVII . er hatte seine vier Söhne , kleine Knaben , mit sich aenommen , und den Rath mit Vorzeigung derselben gebethen . auf die Nachkommenschaft s» vieler ConsulS und Dictatoren Acht zu haben : en ftirps et progenies tot Confulum , tot Diöatorum . LipsiuS , Comment . in Tacit . findet die Hyperbole ein wenig zu stark , angesehen die Familie der Hortensier , nur einen Consul und einen Dictator gegeben hat . Er suchet' den Hör - talus damit zu entschuldigen , daß er saget , er habe vielleicht seine müt« terlichen Ahnen im Sinne gehabt . Nyck , in Tacit . pag . 41 , redet nicht zweifelhaft davon , und giebt die Sache für ganz qewiß , auS : er glaubet , daß man hauptsachlich aus die Marnos Philippos gefe - hen ; aus deren Familie , saget er , des HortensiuS Großmutter , Horten - sia , entsprossen gewesen . Diese letzte Sache hat keine Wahrscheinlich - feit ; denn eines TheilS finden wir nur einen Sohn des Hortensius , des Redners ; dieser Sohn ist ein erwachsener Mensch gewesen , da Cicero , im 702 Jahre Roms , durch Laodicea gegangen ist . Am andern Theile kann Cato nicht sehr jung gewesen seyn , da er dem Hortensius die Marcia abgetreten hat ; weil seine Tochter Portia bereits zwey Kinder gehabt . Plutarch . in Caton . min . p . 770 . 771 . Nun ist Cato acht und vierzig Jahre alt , im 707 Jahre Roms , gestorben : ( . p . 794 . ) wenn man also voraussetzet , wie es sehr wahrscheinlich ist , daß er zum wenigsten Z5 Jahre alt gewesen , da er sich der Marcia , dem HortensiuS zu gefallen , entlediqet hat , so wurde man sagen müssen , daß diese Heirath im 694 Jahre Roms geschehen . Es ist also nicht möglich , daß des HortensiuS Sohn , welchem Cicero im 702 Jahre Roms zu Laodicea gesehen hat . von der Marcia gewesen . Allein , was brauchet es der Muthmaßungen ? Wir haben eine Geschichte in dem Plutarch , die diese Frage entscheidet : Marcia ist , unter währendem . Kriegszuge , nach Cypern , noch des Cato Gemahlinn gewesen ; ( ? . 777 . ) das heißt , im 695 Jahre Roms . Man kann nicht verheelen , daß Hortalus unter dem 769 Jahre Roms , vom Tacitus ein junger Mensch genennet wird ; welches nicht sehr mit der Voraussetzung übereinkommen würde , daß der einzige Sohn des sius , derjenige Liederliche gewesen , davon Cicero und Valerius MaximuS reden , und der nicht laiige nach der Schlacht bey Philippis , 712 , umge - kommen ist . Allein es ist viel richtiger , sich einzubilden , daß Taeitu« nicht so wohlauf des HortaluS Alter Acht gegeben hat ; als über die Re - de zu grübeln , die Valerius Maximus gelobet , und Hortensius , kurz vor seinem Tode gehalten hatte . Nun giebt diese Rede augenscheinlich vor , daß er nur einen Sohn gehabt ; denn wenn er außer diesen , Taugenich - te , der dem Cicero in Laodicea aufgewartet hat , einen Sohn von der Marcia gehabt : so würde er nicht nöthig gehabt haben , in Ermanaelung seines liederlichen Sohnes , seines Neffen , Messala , und seine Enkel zu Erben zu erkiesen .
( F ) Tiberius - - - sägte - - * daß er jedem von den männlichen Rindern de» - Hortensius * , - geben wolle . j
Diese«

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