Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12420

Hortensms .
84S
Lossprechung seines Clienten erhalttn hatte . Dieser Verdruß war be - reite wider die Richter susgebrochen : Clamoribus fcilicet maximis iudiees corripuerunt , et oftenderunt , plane esse quod ferri non pof - fet . - . . Acceffit huc quod poftridie eius abfolutionem inTnea - trum Curionis Hortenfius introiit , puto vt fiuim gaudium gaudere - mus . Hic tibi Ihepitus , fremitus , clamcr , tonitruum et rudentum fibi . lus . Hoc magis aniniaduerfum cft , quod intaÄus ab fibilo peruene - rat Hortenfius ad fcneäutem . Sed tum ita bene , vt in totam vitam cuiuis fatis eilet , et poeniteret eum iam vicifle . Caelius ad Ciceron . Epift . II . Lib . VIII ad Faniii . Er hat noch wenig Tage vor seinem Tode vor Gerichte geredet , wie es Cicero bemerket : dieß ist wahrhaftig einer von denjenigen geschickten Mannern gewesen , deren Geist sich lange Zeit er - halten hat . Es ist wahr , daß er in seiner Jugend mehr Ruhm gehabt , als bey seinem hohen Alter , wovon man zwo Ursachen anführet : die eine , daß er die asicitische Beredsamkeit erwählet halte , die einem jun - gen Menschen besser angestanden , als einem Alten ; die andere , daß er mit mehrerm Fleiße gearbeitet , da er jung gewesen . Si quaerimus , cur adolefcens magis floruerit dicendo , quam senior Hortenfius ; caufas reperiemus veriflimas duas : primuni , quod genus erat orationis Afia - ticum , adolefcentiae magis conccfiiiin , quam feneöuti . Genera au . tem Afiaticae diäionis duo funt . - - Haec - - genera dicen . di aptiora funt adolefcentibus , in fenibus grauitatem non habent . Itaque Hortenfius vtroque genere florens , clamores faciebat lefcens . . . . Sed cum iam honores , et illa fenior autoritas gra - vius quiddam requireret , remanebat idem , nec decebat idem : quod - que exercitationcm ftudiumque dimiferat , quod in eo fuerat acerri - mum , concinnitas illa crebritasque fententiarum priftina manebat , fed ea veftitu illo orationis , quo confueuerat , ornata non erat . cero , in Bruto , zu Ende , p . m . 451 . Er ist auch in der Muthmaßung seines Todes glücklich gewesen ; denn er ist kurz vor den beweinnngswür - digen Verwirrungen gestorben , darein die Republik fiel . Perpetua qua - dam felicitate vfus ille cedit e vita fuo magis quam fuorum ciuium tempore , et tum occidit cum lugere facilius Rempjibl . pofiet fi viue . ret quam iuuare . Ebendas . zu Anfange .
( X« ) ( Ss hat einer gesaget , daß er - - , Sie Sprache ver - lohren , andere - - - haben diesen Gedanke» ubel veri ? anden . XViv müssen dieses für fabelhaft halten , weil er wenig Tage vor feinem Tode , eine ' . vichtige Sache vertheidigtt hat . Z Der Be - weis von dem ersten Puucte ist in dieser Stelle des Quint»« Serenas Samonicus enthalten :
5ic eft Hortenfius olim Aflumtus , caufis etenim confedhis agendis ,
Obticuit , cum vox domino viuente periret ,
Et nondum extinfli moreretur lingua diferti .
Glandorp hat den Sinn dieser Verse nicht begriffen , vecellit e vita , saget er , Onomaft . pag . 40 ? . 406 . fub bellum ciuile Caef . et Pompeii . . . clamore in actione caufae diruptus , vt indicat Serenus . Cicerons Worte , in Kruto , die ich anführen will , kommen mit dieser Stelle des Samonicus nicht überein : Perpaircis ante mortem diebus vna tecum focerum tuum defendit Appium - - - Qi Hortenfii vox exftindVa fato fuo eft , noftra publico .
( N ) Ni'ckts iß seltsamer , als seine - Heirath mit der tttaccta . ] Plutarch erzahlet in Catone Vtic . p . ni . 770 . die Sache so : HortensiuS hat den Cato gebethen , ihm seine Tochter Porcia zu geben , die mir dem Bibulus verbeirather war . und bereits zweimal im Wochenbette gelegen hatte . Gi«b mir sie auch , sagte er zu ihm . als einen fruchtbaren Acker , worein ich Kinder säen kann : Ich weis wohl , daß dieies , nach der liche» Meynung , ein wenig abgeschmackt ist ; aber im Grunde ist nichts schöners , und dem Besten der Gesellschaften gcmaßers , als das fnichtba - re Feld einer jungen Frau nicht ungebauet zu lassen ; und andern Theils auch nicht zuzugeben . daß sie ein« Familie mit allzuviel«» Kindern lade , die derselben schon genug hat : außer , daß das wechselhafte Leihen der Frauen unter ehrliche» Leuten , die Tugend in einer großen Zahl Fa - Milien , und viel Schwägerschaften in dem Staate ausbreitet . Und wenn sich Bibulus nicht gänzlich von der Porcia lossagen will , so verspreche ich , ihm dieselbe wieder zu geben , wenn ich sie zum Kinderzen - gen gebrauchet haben ; die ein viel festeres Band , zwischen dir , ihm und mir , 'seyn werden . Cato bat es nicht für rathsam gehalten , über diese Sache zu handeln ; allein , als ihm Hortenfius erklaret hatte , daß er die Marcia , des Cato eigene Gemahlinn . wolle ; weil sie noch sehr jung wä - re , und Cato bereits Kinder genug hätte , so hat man ihm die Sache ver , sprechen , in so sern Martius , der Frauen Vater , dieselbe gut fände . Mar - tiu ? hat feine Einwilligung darzu gegeben , und so gleich wurde Marcia dem Hortenfius zugefuhret . Als sie Witwe , und zugleich dessen Erbinn geworden war , wurde sie wieder des ersten Gemahls Gemahlinn . Die - ses hat Cäsar in seiner Rede , wider den Cato , nicht vergessen : U ? cnn cr eine lLhfrau nothig gehabt , ( ebendas . 784 S . ) sagte er , warum hat er sie denn einem andern abgetreten 1 Und wenn er sie nicht nothig gehabt , warum hat er sie denn wieder genommen . - Heißt diests nicht , sich derselben51» ciner Lockspeise bedienen , dem - Horrensius eine junge Frau ; u leihen , die man reich wieder bekommen will i Nachdem Strabo , Libr . XI . p . Z55 erzählet te , daß die Tapyren ( Nachbarn der Parther , ) ein Gesetz gehabt , vermöge dessen , die Ehmänner ihre Frauen andern gegeben , wenn sie zwey oder drey Kinder von ihnen gehabt , so sehet er darzu : daß Cato , dem Horten - suis zu Gefallen , eben so verfahren habe , der ihn um seine Marcia gebe - tben ! und bemerket , daß Cato nichts anders gethan , als daß er dem alten Gebrauche der Römer gefolget sey . Man hat Ursache , zu zwei - feln daü dieß ihr alter Gebrauch gewesen ; denn man findet nicht auein so wenia Beyspiele davon , daß Tertnllian nur des Cato seines anfuh - ret ( * ) • sondern man sieht auch , daß Hortenfius in seinem Vorhaben etwas sehr seltsame - , oder sehr neues , nach der Meynung der Menschen , erkennet Mb r * ? iv3< " Ut * aiV , aT0™ ri . „ T " - ' •

x£Adv ycj „ J^v . Nan» efle hominum qiudem illud opinione no - uum ( also hat e * Tvlander übersehet , ) natura pulchnini tarnen et CI . uile . ffiaä ei sehet dieser Meynung nicht d . e alten Gesetze ,
oder den alten Gebrauch der Römer entgegen , den ein so großer RechlSver - ständiger , als er g ? wesm , anzuführen , nicht vergeh'bawi> wurde ; « setzet derselben „ in die Natur entgegen . Bod . n , Mcth . H ft cap . V p . m . 78 . tadelt den Plutarch ju ungelegener Zeit , indem er ihm Schuld
giebt , er hätte in dem Leben des Cato von Utika gesaget , daß es den RS - mern erlaubet gewesen , ihre Ehsrauen zu verleiben : denn dieser Geschickt - schreiber redet davon nicht , als von einem Gebrauche , der auf die Gesetze gegründet gewesen , oder üblich geworden wäre : cr führet im Gegentheile den Hortenfius ein , welcher bekennet , daß sein Antrag fremde oder neu scheine . Es ist eine große Verwegenheit von demselben Bodin , daß er der Wegleihung von des Cato Gemahlin» , keinen Glauben geben will' denn dieß ist eine Historie , welche Thraseaö aus den Schriften deS Muna - tius , CatonS Freundes , genommen hat , und die sich Cäsar ihm vorzuwerfen nicht erkühner haben würde , wenn sie nicht bekanm gewesen wäre . Plu . tarch . in Catone , p . 770 . Der Grund , worauf Bodin feine Ungläubig» keir steifet , ist ein neuer Schnitzer ; daß nämlich , »ermöge des Gesehe« des RomuluS , und des alte» Gebrauchs , welchen TiberiuS wieder hemefiel - »et , die Anverwandten nach Gefallen die Frauen gezüchtiger hätten , die einen Ehbruch begangen . Allein , was thut dieses wider Catonö mahlinn , die von ihrem Vater und Ehmanne einem andern abgetreten ward ? Ich will nichts wider diese Worte sagen : Plutarchiis et bo Parthos aeque ac Laccdaemonios mutuas vxores ainicis dare con fuemfle amnt , ( p 78 . ) ob sie gleich sehr vermögend sind , zu bekriegen ; denn wer sollte nicht glauben , wenn er dieses liest , daß Plutarch diel - Auffuhrung den Parthern , und Strabo den Lacedämoniern be»aemess - n ? Unterdessen hat Bodin dieses nicht sagen wollen : fa , , Sinn ift hafi es Strabo den Parthern , ( er hätte sagen sollen , den Tapyren und nickt den Parthern , ) und Plutarch den Lacedämoniern schuld giebt Art anzuführen , ist nur allzugänge , und verblendend Sie scheint « X Zeugen von einer Sache zu geben , da sie in der That nur einen davon giebt . Bodin scheint zu sagen : als wenn beyde , Plutarch und bo , bezeugte» , daß das Leihen der Frauen , so wohl unter den Partbern' als unter den Lacedämonier» , im Gebrauche gewesen fet ) . Ich r^c < ' dem Menage gelesen , daß Casaubon dem Plutarch beigemessen , als wenn er die Heirath des Hortenfius und der Marcia , als eine Sache anaefül , - ret hätte , daran er zweifelte : Ad quem Sttabonis locum notat Cafau bonus , Plutarchum de Catone rem ita narrare , vt de ea dubitaflb fi gnificet . Menag . Amoen . Iuris , cap . X . Ich finde dieses nicht j „ Ca^ saubonS Noten , nber den Strabo . Menage hat Recht , zu sagen dak dieses faljch ist : Plutarch bezeiget seinen Zweifel nicht über die Sack« selbst : er saget nur , daß diese Stelle in Catons Leben , wie die Stelle ei . nes Schauspiels sey , wo der Knoten nicht ausgewickelt wird ; das heißt nach meinem Bedünken , man habe davon sehr verschiedentlich geurtheilet .
( * ) Ex illa , credo , maiorum et fapientiflimorum difeiplina Grae ci Socratis et Roniani Catonis , qui vxores fuas amicis comnmnica * uerunt - - - O fapientiae Atticae ! o Romanae grauitatis exem " plum ! lenones Philofophus et Cenfor . Tertull . in Apologet Tw Sokrates Beyspiel geht die Römer nichts an . Tertullian eignet dasi^ »ige dem Sittenrichter Cato zu , was er dem Cato von Utikä zueignen
Man merke hier , wenn ich den Bodin nach demjenigen beiirtbeis , was cr dem Plutarch beymißt : so erwege ich , daß er das Leben des Cato von Utika anführet ; denn wenn er die Vergleichung des Lnkurgus und des Numa Pompilius angefnhret hätte , so hätte er nicht geirret tarch versichert daselbst , daß dieser König von Rom den Ekmannern die Verleihung ihr Weiber erlaubet hätte . Ich glaube , er bejahe dief mit Unrecht . Dacier glaubet es auch . Dicß ist vom Lykuraug wahr saget er in einer Randglosse seiner Uebersehnng Plutarchs , in der Ver - aleichung des Lykurgus und des Numa Pompilius , p . 3a2 bolländ Ausg . allein , es ftheint gar nicht , daß Numa eben derglcickmV^ satz gehabt hatte ; es wäre aucl ? lexdn ; u beweisen , dak diese Gemeinschaft der Frauen ; u Rom nid>t unrer dem Uwm sondern viel spater angefangen , und daß sie nickt allgemein ae' , wesen sev . ( amsterd . Ausgabe , von 17 - 4 . p . 399 - Not . io . Tom . l . )
Lucansetzet voraus , daß Marcia , als Witwe des HortensiuS . den Cato besuchet , und ihn demüthig gebethen babe , sie wieder anzunehmen Sie hat ihm erkläret : daß sie , da sie das Alter . Kinder zu zeugen , nberschrlt - ten , nur den Namen seiner Ehsrau verlange ; daß sie in der Euthaltuna leben wolle , und nur die BeKbwer ( id ) feiten , die ihm der unglückliche stand der allgemeinen Geschaffte auflegte , mit ihm zu theiien wünsche Lucan setzet darzu , daß die Worte der Marcia den Cato gerübret und ihr . cb gleich die Zeit nicht geschickt zur Heir«th war . dasieniae iwr'mifli - get hätte , was sie verlanget . Es ist wahr , daß alle Hockzeitg^nae un' terlassen worden , auch dasjenige nicht davon ausgenommen , mef Ae« f , ir ha * vornehmste , und die Vollendung des Werks gehalten wird Marcia hat ihre Trauerkleider nicht abgeleget ; sie hat ihren Gemahl , als wie eine Mutter ihr Kmd umarmet : ' ' 18 rcre c , n ?
Sic , vt erat , tnoefti feruans lugubria cultus Quoque modo natos , hoc eft amplexa niarit'um .
Lucanus , Libr . II . v . z6x . Cato hat so viel Theil an den Drangsalen des gemeinen Wesens ae . nommen , daß er sich , seit dem bürgerlichen Kriege , alle Mttunaen der Ergetzlichkeiten entzogen hat : er hat flch den Bart wachsen lassen - et hat als in einer Trauer gelebet . Die Anerbiethungen der Marcia sind nach dem Buchstaben angenommen worden . Lucan läßr fi» v . zz8 sagen :
Dum fanguis inerat , dum vis materna , peregi Inda , Cato , et geminos excepi foeta maritos .
Vifceribus lafTis , partuque exhaufta reuertor Iam nulli tradenda viro : da foedera prifei lllibata tori : da tantum nomen inane Connubii : liceat tumulo feripfifle , Catonis Martia : nec dubium longo quaeratur in aeuo :
Mutarim primas expulfa , an tradita , taedas .
Non me laetorum fociam , rebusque fecund ! ,
Accipis , in cura« venio , partemque laborum .
Da mihi caftra fequi .
Wenn cr überall so reich an Erdichtungen gewesen wäre , als an diesem Orte : so würde man ihn , nack ) meinem Erachten , nicht bestliuldiget ha - ben , daß er der Historie allzusehr folgte , und seinem Werke nickt sches Ansehen genug gäbe . Dem fev , wie ihm wolle , so wollen wir anführen , was er Vers 37s , von Catons außerordentlicher Strenge beobachtet :
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