Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12416

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Hortensius .
ten Falten seines Rocks angestellt , so ist hier der Beweis ober Zeuge da - von : Hortenfius vir alioquin exprofeflo mollis , et in praecinöu po - nens omnem decorem ; fuit enim vcftitu ad munditiem curiofo , et vt bene ainidhis iret , faciem in fpeculo ponebat : vbi fe intuens to - gam corpori fic applicabat , vt rugas non forte fed induftria Iocatas artifex nodtis conftringeret , et finus ex compofito defluens nodum lateris ambiret . Is quondam cum incederet elaboratus ad Ipeciem , collegae de ifiiuriis diein dixit ; quod tibi in anguftiis obuius offenfu fortuito ftruchiram togae deftruxerat , et capitaJe putaiiit , quod in humero fuo locum ruga mutaflet . Macrob . Libr . il , Saturn . c . IX .
( F ) Er hatte verschiedene L . usthauser . ^1 Plinius , im XI Cap . des XXXV B . gedenket des Tufculanum des Hortensius , wohin er die gonauten des Malers Lydias gestellt , die ihm vierzehn tausend , vier hui» - den Franken , französischen Geldes , nach P . Harduins Rechnung , geko - stet . Er hatte ein Haus zu Bauli , ( Cicero , II . Acad . Quaeft . Varro , de Re Ruftica , Libr . III . cap . XVII . ) eines zu Laurentium , ( Varro , edendas ) und eines nahe bey dem fiumentanischen Thorc . ( Cicero ad Atticum , Libr . VII . Epift . III . ) Man urtheile von seinem Aufwände aus der großen Menge Wein , die er seinem Erben hinterlassen hat : er hat ihm über zehn tausend Eimer Wein hinterlassen . Hortcn / ius fuper decem millia caduin haeredi reliquit . Varro , beym Plinius , Libr . XIV . cap . XIV . Hier ist der Beweis von dem , was ich in dem Texte dieses Artikels , unter der Anführung h~ ) , von der Sorgfalt gesaget habe , die er gehabt , seine Ahornbäume mit Weine zu begießen . 1« Hortenfius platanos fuas vino irrigare confueuit , adeo vt in aöionc quadam quam habuit cum Cicerone fufceptam , precario a Tullio poftulaflet , vt locum dicendi permutaret fecum , abire enhn in villarn neceflario fe velle , vt vinum Platano quam in Tufculano pofuerat ipfe fuffun - deret . Macrob . Saturn . Libr . II cap . IX .
( G ) <£t sorgte für die Gesundheit feinet Sifcbe . ] Varro . de Re Ruftica , Libr . III . cap . XVII . erzählet hiervon ganz besondere Dinge : Hortensius hat , in Ansehung seiner Fische , dasjenige gethan , was die Äei - zigen , in Absicht auf ihr Geld , thun ; er hat sich nicht getrauet , sie zu es - sen ; er hat lieber Fische in einer benachbarten Sradr kaufen lassen , als aus seinem Teiche genommen ; er hat seine Fische nicht nur nicht essen wollen , sondern er hat sie auch zärtlich und reichlich genähret . Neque fatis erat , eumnon pafei pifeinis , nifi eosipfepafeeret vitro . . . Celerius voluntate Hortcnfii ex equili educeres rhedarias , vt tibi ha - beres mulas , quam e pifeina barbatum mullum - - - Non nor cura eins erat de aegrotis pifeibus , quam de minus valentibus feruis : itaque minus laborabat ne feruusaeger , quam aquam frigi - dam biberent fui pifees . Man saget , er hätte eine Muräne so heftig «eliebet , daß er ibren Tod beweint : Apud Baulos in parte Baiana Pifcinam habuit Horten litis Orator , in qua Muraenam adeo dilexit , vt exanimatam flefle credatur . Plinius , Libr . IX . cap . LV . Dieses schrei - benPorphyrius , deAbftin . Libr III . Maerobius , Saturn . Libr . II . cap . XI . und Tzetzes , Clül . VIII . Hift . CLXXlV . dem Redner Crassu« zu .
( H ) Man wird niehr bewundern , daß Cicero und er , einan , der Mcrkmaale Ser Lceundsctiaft gegeben Habens Es ist vielleicht nichts , als die Beredsamkeit , wobey die Eifersucht vermögender wäre , die Gemuther zu veruneinigen . Ich weis nicht , ob man nicht die Schön - hea und Dichtkunst davon ausnehmen kann . Zween Prediger lieben einander selten , und entzweyen sich leichtlich , so , daß sie mit einander bre - chen . Es ist viel , wenn sie ihre Eifersucht verbergen , und den bösen Schein verhüten können ; also ist dasjenige erstaunenSwürdig , was tensius zum Besten des Cicero gethan hat : allein die Feindseligkeiten , die er ihm in geheim geleistet haben kann , dörfen uns nicht verwnndern . Er hat ihn in das Colleginm der Vogeldeuter gebracht ; ( Cicero , in Bruto , zu Anfange , ) er hat ihn . bey einer Gelegenheit , wo dieLobsprü - che dienen konnten , aufs herrlichste gelobet : Ar Hercule alter tuus fa - miliaris Hortenfius quam plena manu , quam ingenuc , quam orna - te noftras laudes in aftra fuftulit , quum de Flacci Praetura et de illo tempore Allobrogum diceret . Sic habeto , nec amantius , nec honorificen - tius , nec copiofius potuifle dici , ebend . ad Attic . Ep . vlt . Lib . IL ( fr wäre bald auS Liebe zu ihm ermordet worden : Vidi , vidi bunc ipfum Q . Hör . tenfium lumen et ornamentum Reipub . pene interfici feruorum manu cum mihi adeflet . Ebendaf . pro Milone : und Cicero bekennet selbst , daß sie einander beständig gute Dienste geleistet haben : Cum praefertim tion modo nunquam fit aut illius a me curfus impeditus , aut ab illo tneus , fed contra femper alter ab altere» adiutus , et communican - do , et monendo , et fauendo . Ebendas . in Bruto . Die guten Dienste des Cicero , gegen den Hortensius , sind weniger zu bewundern , als des Hortensius seine , gegen den Cicero ; denn , obgleich Cicero , natürlicher Weile zu reden , das Herz viel Jahre mit dem'Gifte der Eifersucht au - gefüllet gehabt , so muß er dieselbe über die Hälfte verlohren haben , da er über ihn wegwar . Es hat eine Zeit gegeben , da er dem Hortensius nicht gleich kam ; es ist eine gekommen . wo er ihm geglichen , und dann ihn Lbertroffen hat : Dieser dritte Zeitbegriff ist ein vortreffliches gungsmittel für eifersüchtige Gemuther . Allein , was war es nicht für eine Pein für den Hortensius , daß derjenige , der ihm anfänglich nur folgte , ihn einige Zeit hernach erreichet hat , und ihm endlich gar zuvor kam ? Hortenfius - - - qui diu prineeps Oratorum , aliquando aemulus Ciceronis exiftimatus eft , nouiflime quoad vixit , fecundus . Quintilian . im III Cap , des XI B . Ich weis , daß ein solcher Nachei , ferer . wie Cicero , dem Hortensius nicht unnützlich gewesen . Die Ehre des Konsulats hatte seinen eifrigen und unermüdeten Fleiß gemindert , womit er von Jugend an seinen Verstand ausgebessert harte , so , daß man von Tage zu Tage wahrnahm , daß er sich nicht erhielt . Cicero , in Bruto , zu Ende . Er hat sich ermuntert , als er den großen Fortgang von Cice - rons Ruhm sah ; allein man würde lieber dergleichen Hülfe und Ermuix terung gerne entbehren , wenn sie den obersten Platz kosten soll . Es sind wenig große Rechtssachen gewesen , woben diese zween berühmte Redner nicht gedienet haben ; manchmal für einerley Parteyen , manchmal einan - der zuwider . Saepe , in iisdem , faepe in contrariis caufis verfati fiu mus . Cicero , Diuinat . in Q . Caecil . Der berüchtigte Dieb , VerreS , sollte den Hortensius zu seinem Sachwalter haben : dieß ist eine von den vornehmsten Ursachen gewesen . die Cicero angeführet . um d . n Cäcilius von der Verrichtung eines Anklägers ausmschlleßen . Man kann in dieser ge , richtlichen Rede , Diuinatio in QXaecilium , sehen , wie vermögend tensius gewesen , diejeniqen Sachen zu behaupten , die er vertheidiget hat . Cicero hat alle Vorrheiie dabey gehabt : er ist , Ankläger »gewesen ; und
man saget , er habe dem Hortensius gar bald die Gedanken benommen , für den Angeklagten zu reden : ( Man merke , daßHortensius , den VerreS nicht dergestalt verlassen , daß Quintilian , im X B . I Cap . nicht von sei , nen Gerichtsreden für den Verres reden sollte , ) soviel Beschuldigungen und Beweise hatte er wider den Verres . Multis diebus prima actio celebraca eft , dum teftes Verris produeuntur criminum diuerforum , dum recitantur publicae priuataeque litterae . Quibus rebus adeo ftupefadhis Hortenfius dicitur , vt rationem defenfionis omitteret . Afcon . Pedian . in Prooemio Ad\ . in Verrem . Wir haben gesehen , wie Cicero erkläret hat , daß ihm Hortensius niemals habe schaden wollen : und wir können ebendas . sehen , daß er diejenigen widerleget , welche ge - glaubet , daß ihm Hortensius nicht gewogen wäre : Dolebam quod , non vt plerique putabant , aduerfarium aut obtreöatorem laudum mearum , fed focium potius et confortem gloriofi laboris amiferam . Cicero in Bruto , zu Anfange . Unterdessen ist dieses nicht die Schreib - art gewesen , die er gegen seinen Bruder gebrauchet , wenn er zu ihm ge - saget : Quantum Hortenfio credendum fit nefcio : me fumma fimo - latione amoris , fummaque afliduitate quotidiana fceleratiflime itifi - dioflflhneque tra & auit , adiunflo quoque Arrio : quonun ego confi - Iiis , promiflis , praeeeptis deftitutus in hanc calamitatem incidi . das . Epift . III . Libr . I . ad Quintum fratrem . Siehe Ciuch Epift . IX . ad Attic . Libr . IIl - Wie wenig Personen giebt es nicht , auch unter denen , die für ehrliche Leute gehalten werden , die nicht zweyerley Sprachen führten ; eine für die öffentlichen Bücher , die andere für die Briefe , die sie an ihre Freunde schreiben ! Man sehe die Anmerkung ( M ) , des kels Grotius . So lange sie nicht an den Tag kommen , erscheint die Zweydeutigkeit , oder die Zweyzünqeley nicht : allein ich erwarte sie bey der Aufweisung ihrer Briefe . Man würde gewissen Schriftstellern Ver - druß genug machen , wenn man sie nöthigre , eben dieselben Lobsprüche , bey Unterredungen zu widerholen , oder wiederholen zu hören , die sie in einem Buche gegeben haben . O ihr Vorreden und Anführungen ! eine angenehme Nothwcndigkcit , zur Verfertigung einer Leichenlobrede , wie viel Leute bekriegt ihr nicht ! Dein sey . wie ihm wolle , so hat man Recht , es für eine wiinderbare Geschicklichkeit des Pomponius Atticus auszu - geben , daß er sich die vertraute Freundschaft des Cicero und Hortensius erhalten , und selbige verhindern können , sich mit einander zu zanken . Vtebatur intime Qi Hortenfio , qui iis temporibus prineipatum elo - quentiae tenebat , vt intclligi non poflet , vter eum plus diligeret , cero an Hortenfius , et id quod erat difficillimum efficiebat , vt inter quos tantae laudis esset aemulatio , nulla intercederet obtre & atio , essetque talium virorum copula . Cornel . Nepos , in Vita Pomponii
( I ) Tr hatte geile Gedichte herausgegeben . ^ Dieß belehret NN« Ovidius im II B . Triftium , wo er ein Berzeichniß von denen giebt , die ungestraft Liebesbücher gemacht haben :
Is quoque Phafiacas Argo qui duxit in vndas ,
Non potuit Veneris furta tacere fuae .
Nec minus HORT ENS I , nec funt minus improbaSerui CaVmina . Quis dubitet nomina tanta fequi !
AuluS Gelliu« redet , ohne Zweifel , von ebendenselben Versen deö Hör - tensius , wenn er im XIX B . IX Cap . saget , daß sie ohne Annehmlichkeit gewesen , inuenufta . Zch weis nicht , ob das Gedicht , welches ihm Var - ro , Libr . I . de Anal , beym CorraduS , in Cicer . Brutum , pag . 428 . schreibt , ein ander Werk ist . Die Jahrbücher betreffend , so sind sie vom VellejuS Paterculus angeführet worden . Ich glaube , daß Horten - sius gelehrt gewesen : denn Cicero hat ihm dieses Lob gegeben : allein ich weis nicht , ob sein Gedichte , seine Jahrbücher und das Anbiethen des Lucullus so gute Beweise von seiner Gelehrsamkeit sind , als uns Corra - dus gern weis machen wollte : Sane , saget er am angezogenen Orte , videtur bene do£tus fiiifle , liquidem Poema feriplit , vt Autor eft ro libro primo de Analogia , et Annales , vt Paterculus affirmat : et certe cum Sifenna et Lucullo de Graece Latineque feribendo venit in eam contentionem quam Plutarchus in Lucullo refert . Ich sehe nicht , daß Corradus Plutarchs Sinn begriffen hat : es wird hier von keiner Ausforderung , zwischen dem Hortensius , Sifenna und dem Lucullus , ge - handelt ; sondern von einer kleinen Einbildung des letztern , der sich weit über die zween andern weggehalten , den Krieg der Bundsgenossen ent - weder lateinisch , oder griechisch ; entweder in Prosa , oder in Versen , nach der Entscheidung des Looses , zu beschreiben . Plutarch muthmaßet . daß ihm das Loos die griechische Prosa gegeben , weil man die Historie dieses Krieges , vom Lucullus , - in griechischer Sprache beschrieben gesehen : allein noch einmal , dieß bedeutet keineswegeS , daß sich Hortensius und Sisen - na zu gleicher Arbeit verbindlich gemacht hätten . wenn sie das Loos ge - troffen hätte . Catanäus , der dieses in Plin . Epift . Libr . V . p . m . 283 . also vorzieht , bekriegt sich .
( K ) Seine Zunge ist viel besser gewesen , als feine Leder . ) Die - ses erfahren wir vom Quinlilian , im III Cap . des XI B . wo er bemer - ket , daß der Vortrag bey einem Redner eine ganz besondere Stärke ha - be , und daß , weil dieses das große Pfund des Hortensius gewesen , mau bep Lesung seiner gerichtlichen Reden nicht gesunden , daß sie des Ruhms würdig wären , den sich ihr Urheber erworben hätte . M . Cicero , saget er , vnam in dicendo aftionem dominari putat , hat . . . Antonium et Craffum multum valuisse , plurimum vero Hortenfium , cuius rei fides eft , quod eius feripta tantum infra famam funt . . . vt appareat placuifle aliquid eo orante , quod legentes non inuenimus . Wie viel Prediger haben wir nicht , von denen man eben dieses sagen kann ? Morus ist ein Exempel davon .
( L ) Er hatte ihn auf sein festes vertheidiget . 1 Diese Sa - che ist im 702 Jahre Roms vertheidiget worden . Hortensius ist damals drey und sechzig Jahre alt gewesen . Dieses Alter hat ihn nicht gehin - dert , eine vortreffliche Vertheidigungsrede zu machen . Brutus , der ihn allezeit für einen großen Redner gehalten hatte , hat ihm niemals so viel Beyfall gegeben , als an demselben Tage ; die andern haben gleiches Ur - theil gefället , und Cicero , da er das herausgegebene Stück , von Wort zu Wort , so wie er es gehalten hatte , gelesen , hat , wie andere geurtheilet : Hortenfium magnum Oratorem femper putaui maximeque probaui pro Messala dicentem , cum tu abfuifti . Sic ferunt , inquam , idque declarat totidem quot dixit , vt aiunt , feripta verbis oratio . Cicero , in Bruto . Wenn aber Hortensius , dem ungeachtet , des andern Morgens , eini' gem Gelächter ausgesetzt gewesen , so ist solches nicht darum geschehen , daß er nicht so beredt , als sonst geredet hätte ; sondern weil man böse war . daß er die
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