Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12402

HortensiuS .
843
keiten , so wohl in der Stadt , als aufdem Lande . Er hatte verschiedene Lusthäuser ( F ) , und wie er sehr prächtig war , so wider - sehre er sich den Gesetzen gegen die Prachte , welche die Consuls im 699 Jahre Roms einführen wollten . Er lobte sie so ver - schmißt weaen der Pracht ihres Hauswesens , daß sie auf eine Sache nicht dringen mochten , die so wenig mit ihrer eigenen Auf - fuhrung übereinkam . Er ist der erste gewesen , der sich Pfauen zurichten lafjen f : dieß ist geschehen , ein Gerichte bey einem Gastmahle daraus zu machen , welches er dem Collegio der Vogeldeuter gab . Er war sehr neugierig und prächtig in Thier - gärten und Fischteichen f , und trug nicht weniger Sorge für die Gesundheit seiner Fische ( G ) , als seiner Diener . Er muß die Ahornbäume sehr geliebt haben , weil er sie mit Weine begoßen ; davon er so wenig ! ein Geheimniß machte , daß er den Cicero eines Tages ersuchte , die Stunde mit ihm zu vertauschen , da er vor Gerichte reden sollte ; denn ich muß , sagte er zu ihm , in Person einen Ahornbaum mit Weine begießen , den ich auf einem von meinen Landhäusern habe h . So wenig man auch das menschliche Herz kennet , so wird man doch vielmehr bewundern , daß diese zween große Redner bey verschiedenen Vor - fällen einander viel Merkmaale der Freundschaft gegeben haben ( H ) , als wenn man sieht , daß sie nicht allezeit wahre Freunde gewesen sind : denn Cicero ist doch Ursache gewesen , daß HortensiuS den Ruhm , der größte Redner von Rom zu seyn , nicht halten hat , den er so lange genossen hatte ; und HortensiuS war Ursache , daß Cicero nicht ohne einen gefährlichen Nebenbuhler gewesen , der ihm beständig auf den Fersen folgte . HortensiuS hat nicht allein Reden und Jahrbücher , sondern auch geile Ge - dichte herausgegeben ( I ) . Es ist von diesem allen nichts erhalten worden ; und man muß bekennen , daß seine Zunge viel bes - ser gewesen , als seine Feder ( K ) . Ob er gleich die Sache des Messala , seiner Schwester SohnS , gewonnen , welchen er auf sein Bestes vertheidiget hatte ( L ) , da er in die Anklage einer Verrätherey verwickelt war , so hat ihm dieses dennoch viel Nach - theil zugezogen , und ihn noch in seinen alten Tagen dem öffentlichen Gelächter ausgesetzt , welches er , einzig und allein noch niemals ausstehen dörfen Er ist im 70z Jahre Roms , vier und sechszig Jahre alt , gestorben , davon er vier und vierzig bis fünf und vierzig mit Ruhme unter den Verrichtungen der Richterstube zugebracht hat k . Es hat einer gesaget , er hätte seine Stimme so abgenutzt , daß er sie vor dem Ende seines Lebens gar verlohren . # Andere haben diesen Gedanken so übel verstanden , daß sie ihn angenommen haben , als wenn man gesaget hätte : daß er unter währendem gerichtlichen Verfahren gestorben , da er seine Srim - me so angestrengt , daß er todt geblieben wäre . Allein wir müssen dieses für fabelhaft halten , weil er noch kurz vor feinem Tode eine wichtige Sache vertheidiget hat ( M ) ; und weil Cicero , anstatt , daß er eine solche Todeöart , wie diese , berühren sollte , wie er ohne Zweifel gethan haben würde , wenn es wahr gewesen wäre , uns vielmehr Anlaß giebt , anders davon zu denken . Man sehe über alles dieses die Anmerkung ( M ) . HortensiuS hat in seiner Jugend eine Tochter des C . CatuluS geheirathet Ich kann nicht eigentlich sagen , ob sie auch der Servilia , einer von den vornehmsten römischen Damen Tochter gewesen Er ist ihr Eidam unter währendem Processe des Verres gewesen . Allein nichts seltsamere kann seyn , als seine Heirath mit der Mar - cia ( N ) , des Cato von Ucika Gemahlinn , und des Marcus Philippus Tochter . Er hat sie von dem Cato als ein Darlehn ver - langt , und sie ohne viel Mühe erhalten , ob gleich ihre Schwangerschaft bezeugte , daß sie mit ihrem Gemahle nicht allzuubel ge - standen . Er hat einen Sohn gehabt , der ihm viel Verdruß gemacht , so daß er bey der Vertheidigung seines Neffen nicht ün - deutlich zu erkennen geben wollen , daß er ihn zum Nachtheile seines Sohnes zu seinem Erben erkiest hatte . Gleichwohl hat er diesem unwürdigen Sohne sein Vermögen hinterlassen , wenn wir dem Valerius Maximus glauben wollen . Man sehe den folgenden Artikel .
« ) Siehe die Anmerkung ( B ) . b~ ) Cicero , in Bruto . 0 Xiphilin . ex Dione , Libr . XXXV , zu Anfange , d " ) Macrob . Satiirnal . Libr . II , cap . . Moreri führet nach dem Voßius an , I . z . c . IZ . nun hat das III nur XII Cap . e ) Dion , Libr . XXXIX . / ) Varro . de Re Ruftica , Libr . III , cap . VI . Plinius , Libr , X , cap . XX . Aelian . Libr . V . Hift . Anim . cap . XXL Tertullian . de Pallio , zu Ende . F ) Varro , de Re Ruftica , Libr . III , cap . XIII et XVII . b ) Siehe die Anmerkung ( F ) . « ) Epift . II , Ciceron . ad Familiär Libr . VIII . k ) Eft autem L . Paulo , C . Marcello CofT . mortuus , ex quo videmus eum in Patronorum numero annos quatuor et quadraginta fuille , Cicero , in Bruto . / ) Cicero de Orat . Libr . III , zu Ende , m ) Ex foeru tua , foemina primaria Seruilia . Ebend . Verr . IV "
( A ) Er bat den Beyfall - - - der ; ween Consuls davon getragen , welche die bc ( B ) Diesenigen , welche ihm den Titel eine» Generallicutenants , unter dem P>Ma , in dem Rricge des Mirhrivatcs geben , nehmen ihn für einen andern . ] Was mich bewegt zu glauben , daß unser Red - ner nicht der HortensiuS ist , der diese Bedienung in dem Kriegshcere deS Sylla gehabt , ist eines theils CiceronS Stillschweigen , und andern theils der Charaeter , den Plutarch diesem Btrweser giebt . Plutarch giebt uns den Begriff eines Mannes von ihm , der den Krieg vollkommen vetstan - den hat , und niemals gewichen ist . STpartfyiKoc «vi ) ? » . ? / QiMnnui« . Vir rei bellicae peritus et peruicax . Plut . in Sylla , p . ^6l . und erzählet Thaten von demselben , die nach dem alten Soldaten schmecken , und das 667 Jahr Roms betreffen . Woher hätte der Redner HortensiuS diese Erfahrung erlangen sollen , da er das Kriegshandwerk erst im 66z Jahre angefangen hat ? Und wenn er sie auch erlangt hätte ; wenn er sich un , rer dem Sylla hervorgerhan hätte : woher wäre es denn gekommen , daß man an denen Stellen nicht davon geredet , wo man seine Lobsprüche aus , breitet , imd wo man bemerket , daß er seit seinem anden , Feldzuge Tri . bunus milituni gmefen ? Iudicia intermifla bello . - Erat Hortenfius in bello primo annottiiles , altero Tiibunus militum . cero , in Bruto . Wir dörfen nicht zweifeln , daß sich Glandorp , Onomatt , vae . 404 . nicht betrogen hätte , wenn er ihn für den Generallieurenant des Svlla hält . Allein , worzu ist es nothig , sich des Stillschweigen« C> - cerons zu bedienen ? Was er saget , ist mir viel vortheilhaster . Kommen die dren Jcifore , da Hortensias , entweder wegen des Todes , oder der wesenheit der berühmtesten Redner , den obersten Platz in der Richter - st übe erhalten , nicht mit der Zeit überein . da Sylla den andern Horten - sms in seinem Krieg - hecre gehabt ? Trienniun , fere fu . t vrbs f . ne * r - mis , fed oratorum aut interitu aut difceflu , aut fuga . - - - mas in caufis agebat Hortenfius , magisque quotidie probabatur . cero , in Bruto
. ( C ) Sr hatte das glücklichste Gcdächtnifi ^onverwelt . ^ Er hat eine ganze gerichtliche Rede hergefaget , wie er sie überdacht , ohne daß II £«nö .
er ein einziges Wort davon aufgeschrieben hätte , und hat nichts vergessen , was seine Gegner vorgebracht hatten . Primum memoria tanta quan . tam in viro cognouilie me arbitror , vt quae fecum coinmentatus ef - fet , ea fine feripto verbis iisdem redderet , quibus cogitauiflet . Hoc adiumento illo tanto fic vtebatur , vt fua et commentata et scripta , et nullo referente omnia aduerfariorum didta meminiflet . Cicero , in Bruto . Siehe auch Tufcul . I , et Academ . II , zu Anfange . Was uns Seneca davon saget , ist noch viel merkwürdiger . Auf eine Auöforde - rung , die dem HortensiuS gethan worden , hielt er sich den ganzen Tag bey einem öffentlichen Verkaufe auf , und hat alles nach der Ordnung ge - nennt , was verkauft worden , an wen , und um welchen Preis Man hat seine Erzählung mit dem Register des GegenfchreiberS zusammen gehalten , und gefunden , daß ihm sein Gedächkiuß allezeit sehr treulich gedient halte . Hortenfius a Sifenna prouocatu» in aiiftione perfedit diem totum , et omnes res , et pretia , et emtore» ordine fuo argentariis recogno - feentibus , iia vt in nullo falleretur , recenfuit . Seneci , Praef . Libr . I , Controuerf .
( D ) madrte viel Gebehrden , wenn er vor Gerichte redete . Z Obgleich seine Gebehrden schön genug gewesen , daß sie bey den zween besten Comödianten derselben Zeit , eine Begierde erweckt , sie auf der Schau - bühne nachzuahmen ( * ) , so ist es doch gewiß , daß sie die richtigen Schran - ken der Redekunst überschritten haben : Vox canora et fuauis , sager cero in seinem BrutuS , motus et geftus etiam plus artis habebat , quam erat Oratori fatis . Moreri erzählet die Spörrerey des TorguatuS übel . Er bar sich so s ? ark beweget , wenn er geredet , dafi man ihm den Namen der - Heuschrecke gegeben ; Dionysia Saltatricula . Wer te vermöge dieser Worte nicht glauben , daß Hortensias mit diesem Bey - - namen durch die ganze Stadt verfolgt worden wäre ; und gleichwohl Kar ihm nur ein einziger Mensch , bey einem einzigen Vorfalle , nicht den Na - men - Heuschrecke , sondern den Namen Dionysia gegeben , welches eine berufene Tänzerinn war . Dieß heißt ganz und gar das Wort Saltatri - ciila böse übersehen , wenn man es durch ( Santcrelle ) - Heuschrecke giebt . Auws Gellius redet im V Cap . des IB . so . Cum L . Torquatus , fubagrefti homo ingenio et infeftiuo , grauitis accrbiusque apud conlilium iudi - cum , cum de caufa Sullae quaereretur , non iam hiftrionem eum efle fticeret , fed gcfticulariam Dionyfianique eum , notiflimae Saltatriculae nomine appellaret ; tum voce moHi atqtie demifla Hortenfius : i ) / o - nyßa , inquit , Dtunyßa malo equidem efle , quam quod tu Torquate , ap * .
eo ( , äygoStaiToe , yjJ iut ( 6tiro ( .
( * ) Nefcires , vtrum ctipidius ad audiendum eum , an ad fpeftandum concurreretur , fic verbis oratoriis afpeftus , et rurlus afpeöui verba feruiebant . Itaque conftat Acfopum et Rofcium ludicrae artis peri - tiflimos viros illo caufas agente in corona frequenter aftitifle , vt foro petitos geftus in feenam referrent . Valer . Maxim . Libr . VIII , c . X .
( E ) ( £c hatte eine außerordentliche Nettigkeit in feinen Rlei - Oern . ] Die Stelle des Aulus Gellius , die ich anfuhren will , und welche vor den angeführten Worten hergeht , wird uns zu zweyerlev dienen , die gezwungnen Geberden des HortensiuS und feine gar zu große Nettigkeit zu beweisen . Hortenfius omnibus ferme Oratoribus aetatis fuae nifi M . Tullio clarior , quod mnlta mundicia et circumfpefte compofiteque induttis et amiöus esset , manusque eins inter agendum forent argu - tae admodum et geftuofae , maledi & is compellationibnsque probrofis iaftatus eft , multaque in eum quafi in hiftrionem in ipfis caufis atque »udieiis diäa funt . Wa« den Proceß betrifft , den er wegen der verrück
Domo 2 ton

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.