Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12360

Horstius .
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Erz aufgerichtet , um ihn wegen des Unglücks zu trösten , daß er durch diese Verwundung hinkend geworden war . Man hatte p . >o ; erzahlt , daß er sich mit Schwimmen , da er an der Hüfte verwundet gewesen , in die Stadt gerettet hätte : aä ? «ti 9i / p>n * » ßebiftivct riv yMrn . laculo Hetrufco in natibiis iftus : Die Caßius bekräftiget , daß Cicero , da er Wider den Mar - cus Antonius vor dem Rache geredet , bey der Hüfte Horazenö und bey der Hand des Mutiutf qeschworen habe , o« & e * iM< t# 'ofcni * ^ Tyjv X " e * rS Mhk / b . Non per crus Horatii et manum Mutii . Lib . XLV , pag . m . 325 . Es ist mir nicht nnbckannr , daß diese eigentliche de , die er vorbringt , keiner einzigen von den philippischen Reden Cieerons ahnlich ist : Siehe oben die Anmerkung ( F ) zu dem Artikel Lulvia» im - . Absätze : alleinDio , der sie geschmiedet hat , würde keinen solchen Schwur gebraucht haben , wenn nicht eine Sage gewesen wäre , daß Ho« raz , bey der Verteidigung seines Baterlandes wider Tarquins Freunde , am Schenkel verwundet worden . Wir wollen von einem vierten Zeu - gen reden : wir wollen diese Worte des Serviuö in Aeneid . Libr . VIII , v . 646 anführen : Solus Codes hoftilem iinpetum fuftinuit , donec a tergo pons folueretur a locus , quo foluto fe cum armis praecipitauit jnTyberim , et licet LAESVS eilet in coxa , tarnen eins fluenta fupe - rauit . Vnde eft illud ab eo diftuni , cum ei in comitiis coxae Vitium obiiceretur , per fingulos gradus adnioneor triumphi mei . Man sie' het , daß die Sage von Horazenö Verwundung durch den Umstand eines sinnreichen Einfalls unterstützet worden , den er angewendet , als ihm vor»
Beworfen worden , daß er hinkend wäre : jeder Schritt , den ich chue , at er geantwortet , erneuert Sa» Andenken meine» Siegen . Man giebt vor , daß sich Alexander diese« Gedankens bedienet , seinen Vater zu trösten , der sich betrübt , daß er von einer Wunde , die er in einem te bekommen , hinkend geworden war . Plutarch . de Fortuna Alexand . Orat . II , p . 331 , B .
Wenn man Ursache hat , sich zu verwundern , daß bey einer so merkwür . digen Begebenheit , als des Horaz seine war , die Sage , daß er verwundet gewesen , und die Tradition , daß er nicht verwundet gewesen , jede ihre Verfechter und Anhänger , auch unter den allerberühmtesten Scribenten gehabt : was werden wir vom Polybiu« , in des VI B . 5zEap . sagen , wel - cher vorgiebt , daß dieser tapfere und unerschrockene Römer das Leben in der Tyber verlohren habe ? Wollen wir sagen , daß e« hierüber auch eine Tradition gegeben ? wollen wir daraus schließen , daß die alte Historie f» finster ist , daß man am öftesten nicht weis , was man für eine Parrey unter denen , die einerley Sachen entweder bejahen , oder verneinen , men soll ; und daß das Ja und Nein , eines so viel als das andre , in chen Materien bekräftiget sind , wo es am leichtesten gewesen wäre , die Ge - schichte fest zu sehen : so hat man in Ansehung der weniger merkwürdigen Begebenheiten alles zu fürchten , davon die Historienschreiber geredet ha - ben . Wollen wir , sage ich , dergleichen Folgerungen daraus ziehen ? Ich wvllte vielmehr rathen , diese Betrachtungen zur Bestätigung seines Ur - theils wider die Gewohnheit dienen zu lassen , ohne Aufmerk , samkeit zu lesen , und ohne Untersuchung zu glauben . Man merke , daß der Unterschied der Meynungen über Horazens Gesicht , nicht so ver . wundernswürdig ist ; nichts destoweniger ist er ein Merkmaal der btflo ri'chen Ungewißheit . Einige versichern , daß Horaz vollkommen schön qe . Wesen , Dionys . Halicarn . Lib . V , c . zz , andere sagen : daß er den Zun» ; wen Cocles gehabt - - - weil er ungemein stumpfnasiat qe - rvefen , und das oberste seiner Nase st> tief im Ropft gelegen , dati seine ? wc> Augen nichts von einander gesondert hat , und seine Au - genbraunen zusammen gegangen sind : so daß da« Volk , rvelches ihn Lyclops nennen wollen , sich versehen , und ihn Cocle» gcncn - nct hat . Plutarch . in Valerio , pag . 105 . Ich bediene mich Dariers Uebersetzung .
HorstlUs ( Jacob ) Professor der Arzneykunst bey der Akademie zu Helmstädt , war zu Torgau den 1 May 1557 geboh - ren Er wurde 1556 Magister auf der hohen Schule zu Frankfurt an der Oder b , und Doctor der Arzneykunst , 562 c . Man trug ihm an verschiedenen Oettern das Amt eines öffentlichen Arztes an , und er hat es nach und nach zu Sagan und nitz in Schlesien , und zu Iglau in Mähren geübt , bis er 1580 zu dem Amte eines ordentlichen Arztes des Erzherzogthums sterreich berufen ward d . Er übte es vier ^ahre , worauf er zur , Profeßion der Arzneykunst in Helmstädt befördert worden . Seine Antrittsrede , De remoris difceiitium Medicinam et earum remediis , ist sehr gut e . Er hat diese Bedienung löblich verwaltet , und etliche Bücher herausgegeben ( A ) , die seinen Ruhm behauptet haben . Ich habe nicht entdecken können , in wel - chem Jahre er gestorben ist ; ich weis nur , daß er 1595 noch am Leben , und damals Dechant der medicinifchen Facultat zu Helmstadt und Vicerector derselben Universität gewesen ist . Ich erfahre dieses durch die lateinischen Verse , die auf seine Na - menöversetzung gemacht worden , und die Mai , zu Ende eines lateinischen Buches findet , das betitelt ist : Iacobi Horflii Epi - ftolae Philofophicae et Medicinales , welches zu Leipzig 1596 in 8 , gedruckt ist . Man muß zu seinem Lobe eine Sache ken , die man sür eine große Seltsamkeit , und vielleicht ungerechter weise , halten wird ; daß er nämlich auch die Andacht mit der Wissenschaft und mit der Arzneykunst verbunden hat . Er hat den Segen Gottes über seine Hülssmittel sorgfältig erbechen , und über diese Materie ein Gebethsformular herausgegeben ( B ) . Er hat seine erste Ehgattinn 1562 geheirathet , und sie 1585 verlohren / , nachdem er zehn Kinder mit ihr erzeuget hatte s . Er hat sich 1587 wieder verheiratet h . Er war ein Bruder des Gregoriuo Horjiiuo , der den 10 May 1592 gestorben ; und siebenmal Bürgermeister der Stadt Torgau gewesen , und viel Verdienst gehabt , wie uns sein vom Reineccius aufgesetztes Lob belehret Das Buch , das ich angeführet habe , enthalt «ine Sache , die mir angeführet zu werden , würdig scheint ( C ) .
a ) Iacob . Horftii , Epift . Philof . et Medicin . pag . 41 . b ) Ebeud . p . 48 . steht auf der 550 u . f . S - des von mir angeführten Buches . / ) Ebendaf . p . 77 . ist vor des Iacob . Horftii Epift . Philof . et Medicin . gedruckt .
O Ebend . p . 77 . g ) Ebend . 330 S .
<0 Ebend . 199 S - b ) Ebend . p . z6z .
e ) Sie 0 Es
( A ) Er hat etliche Bücher herausgegeben . ) Das erste ist , wenn ich mich nicht irre , eine Auslegung , in Librum Hippocratis de Lorde , ches 1563 erschienen ist . Epift . PhlloC et Medicin . Iac . Horftii . p . 79 . Er hat 1576 einen Tracrat , q»alem virum Pharmacopolam efle conueniat , von den Eigenschaften eines Apothekers herausgegeben , p . izz . Er harte bereits , 570 . ( pag . iz9 ) eine Beschreibung der Eigenschaften eines guten Arztes , deutsch herausgegeben : er hat einen gleichen Begriff in lateinischer Sprache 1580 verfertiget , und denselben dem Bischöfe von Olmütz zuge - schrieben . Er ist unter seinen philosophischen und medicinischei , Briefen 209» . f . S - Er hat eine deutsche Aufgabe von dem Bucl>e des Lemniiu de occultis naturaeMiracuIis 1579 geliefert , und viel Dinge dazu gesetzt , paß . 189 . Er hat 1580 sein Buch de morbo epidemio febri Catarrhali per totam Europam grafl'ante , ( pag . Z03 ) und > ; 8 ; einen deutschen Tra - etat von den Hülsömitteln wider die Pest , ( pag . Z57 ) H87 ein Buch de Vite vinifera , ( pag . 354 ) und >593 ein Buch , de Noctambulonibus , jenigen betreffend , die im Schlafe herumgehen , ( pag . 4z , ) und 1595 eine Dissertation über den goldnen Zahn eines Kindes in Schlesien ( p . 5Z3 ) ans Licht treten lassen . Man wird im Lindeniiis renouatus pag . 485 , Ausgabe von 1686 , finden , daß feine DifputationesCatholicae de rebus fecundum et praeter naturam , zu Wittenberg 1630 liebst dem Compen - dio Medicarum Inftitutionum des GregoriuS Horstius gedruckt worden , und daß der Auszug seines Herbarii feu de feleftis Plantis etRadicibus , Libri duo , von eben diesem Gregorius gemacht , zu Marpurz iSzo ge - druckt worden .
Wir wollen bemerken , daß er sich durch den erdichteten goldnen Zahn häßlich bekriegen lassen . Dieß ist ein bloßer Betrug gewesen , und wenn man wissen will , wie man darhinter gekommen , so darf man nur den van Dalen im letztenCap . des IB . deOraculis , pag . 423 , Ausgabe von 1700 , lesen . Er beobachtet , daß unser Jacob Horstius in diesem goldnen Zahne ein großes Wunderwerk gefunden hat , das denen von den Türken unter - drückten Christen zum Tröste dienen sollte , das heißt , daß dieses eine gute Vorbedeutung von dem Verfalle der Ottomannen gewesen . Ich habe ei - nen Brief gesehen , den dieser Arzt an den David Chyträus von 7 Hör - nunq >595 geschrieben , in welchem er von den Vorbedeutungen der Him - melserscheinungen redet . Er saget , daß der Eomer , der 1556 gesehen den und zu Constantinopel erschienen , da er aufgehöret , sich in Deutich - land sehen zu lassen , seine bösen Wirkungen gar wohl >596 hervorbringen könnte und daß alsdann der neue Stern des Zeichens der Caßiopea auch nicht müßig feyn ( * ) , und der goldne Zahn gleichfalls wirken würde . Dens aureus dens pueri Silefn molaris , quem lpfe vidi , tetigi et de - clarandum d'uxi , non praeditfione atque eSeAu carebit . O miferos nos , qui adeo ftiipidi et fecuri ad haec fimus ! Dens noftn etEccIefiae fuae mifereatur Nos pro ftudio , preces votaque coniungamus - Man sieht , daß er nicht beschlossen hat , ohne die Sich«he , t der Welt z» verdammen , und eiftiqe Wünsche zu thun . *
( * ) Stella propeCafliopeam nec tunc fembitur . Iac . Horft , Epift . Phil , et Medic . pag . 531 .
^ c Herr Vayle hat nur den ersten Gelehrten gekannt , der von diesem goldnen Zahne geschrieben : allein das übrige , was damit vor - gegangen , ist nicht weniger Werth , daß es die Leser dieses Artikels wissen . In eben demselben >59 ; Zahre hat auch Martin Ruland die Historie dieses goldnen Zahnes beschrieben ; damit es lihm ja nicht an einem Geschichtschreiber fehlen möchte . Zwey Jahre hernach schrieb Johann Ingolstadt wider diesen Ruland ; und dieser säumte nicht , eine gelehrte Antwort wider seinen Gegner heraus zu geben . Ein andrer berühmter Mann , Andr . Libaviuö genannt , sammlet ? nunmeh - ro alle« , was von diesem Zahne schon gesagt , geglaubt , gemuthmas - set und gestritten worden , und vermehrte das alle« mit einem ^usa - tze von seinen eigenen Gedanken . Bey so vielen schönen und ge - lehrten Schriften , war nichts niehr zu bedauren , als daß der ver - meynte goldne Zahn nicht wirklich von Golde war . Als nämlich einGoldjchmid denselben untersuchte , so befand er , daß es nichts an - ders als ein Goldblättchen war , welches man sehr geschickt über den Zahn geklebet hatte . Ewig Schade um die schönen Schriften , Un - tersuchungen , Ursachen und Bedeutungen , die man von diesem ne verfertiget , angestellet uud erfunden hatte . Man hatte etwas zu spät angefangen , zu sehen , ob es auch wirklich ein goldner Zahn wäre . S . auchFontenell . Hist . der heydn . Orakel im 1 Tb . 4 Cap . - 1 S . der deutschen Uebersetzung . G .
( L ) ! Lr hat den Segen Gottes über feine - Hülfsmittel erbechen . und über diese Materie ein Geberbsformular heraus gegeben . 1 Hierdurch hat er seinen Antritt der Profeßion in der Arzneykunst zu Helmstädt berühmt gemacht . Dieß sind die Neujahrsgeschenke gewesen welche die Akademie von ihm bekommen hat . Hclmftadium vbi veniflet' publice librum , didhim frecationts Medicorum , promulgat , et in praefatione caufa neceflitatis huius libri reddit . Ebend . z«z @ Man muß zur Ehre der Aerzte sagen . daß ihm viele unter ihnen für die Herausae» bung dieser Gebethe gedankt und bekannt haben , daß ihre Kunst des aöttli - che» Beystandes ganz besonders bedürfe . Ebend . - 8z u . f . S . Der reqenspur . gilche Stadtarzt hat folgendes an ihn gerieben : Mittis ad me «bellum medicarum precationum , miper a te cditum . vna cum Tabula , in qua methodum inuentionis , qua in conficiendo illo opufculo vfus es , eru . dite exponis . Qtiam tuam operam non pofliim non vehementer mobare , vf , qui re lpfa quotidie experior , nulli hominum generi , in hac vita iinplorationc diuini auxilii magis opus cfle , quam ipfis Me - dicis , qui etiamfl omnia ex praefcripto artis reftidime agunt , male - uolorum tarnen caltunnias ingratilTimo hoc ( eculo , euitare ntinquam poiTunt . Ebend . 284 S . Unter den Briefen , die man ihm über diese Materie aeschrieben , berichtet ihm einer , daß sehr wenig Aerzte in Böhmen dem Ge - bothe folgten , das er gegeben , den Namen Gottes anzurufen ; sondern daß sich die meisten alten Weiber daselbst der Hererey und zauberischer Worte bedienten . Cum paucis , optime Horfti , habes hoc commune , vt non rantum fequaris Hippoeratem et Galenuni , qui geinino Medicam crure
miniftrat

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