Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12316

834
Hoiiggie .
prachtigsten Einzüge halten lassen ; allein überhaupt , setzet er darzu , ist Sic Romginn von Ungarn Sie oberste geblieben , und hat in ihren Lusthausern , Bains und Marimont , alle übertroffen . Er beschreibt hierauf die verstellte Belagerung eines playes , die diese Ro - niginnvorgestellet hat , um den Kaiser und seinen ganzen - Hofin ify rem Lusthause Marimontzu bewirrhen . Er saget , Mem . des Dames Galantes , Tom . II , p . 92 . „ daß sie den Kaiser Carl und seinen ganzen Hos „ zu Bains bewirthet , als sein Sohn , der Konig Philippus , aus Spa - „ nien nach Flandern gegangen , sie zu besuchen , wo die Pracht in solcher „ Vottrefflichkeit und Vollkommenheit gesehen und getrieben worden , daß „ man zur selben Zeit von nichts geredet , als de las fieftas de Bains ; so „ sagten die Spanier : auch erinnere ich mich , daß bey der Reise von „ Bayonne , so groß auch die Pracht war , die dabey vorgestellt worden ; einige „ Ringelrennen , Luftgefechte , Maskaraden , die man daselbst gesehen , in „ Vergleichung , de las fieftas de Bains , nichts gewesen : dieses sagten ei , „ nige «Ire spanische Edelleme , die sie gesehen hatten . »
( G ) - - - Und ungemeine Hüft zur Jagd . ] Sie ist ihrem Gemahle überall „ und auch so gar auf die Jagd gefolger , zu welcher sie eine „ wunderbare Neigung gehabt : auch hat sie , seit dem sie Regentinn der „ Niederlande , statt ihres Bruders , des Kaisers , Carls des V , gewesen , „ öfters den angenehmen Aufenthalt ihrer Pallaste zu Brüssel und N ? e - „ cheln verlassen , um auf dem Lande zu Marimont und in ihren benach - „ barten Jagdhäusern zu wohnen , wo sie sich vom Morgen bis in die „ Nacht mit der Jagd der wilden Thiere ergehet . Dieftrwegen haben „ die Flamänder sie die Iagcrinn genennet . >md sie als die Diana gemalet . „ Sie hat diese Neigung aufihre Nichtel , Margarethen von Oesterre>ch . Her - . . zoginn von Parma , gebracht , die auch Gubemantinn der Niederlande ge - „ wesen . Sie . hatte diese Neigung gegen die beschwerlichen Uebungen derJagd „ von ihrer väterlichen Großmutter , Marien , Herzoginn von Burgund , „ Kaisers Maximilians de« l Gemahlinn , geerbet , die auf der Jagd ( wo - „ mit sie sich fast alle Tage ergetzte , ) vom Pferde gefallen , und daran „ zur großen Betrübniß der Flamänder und des Kaisers , ihres Gemahls , „ gestorben ist ; der auch seine andere Gemahlinn , Bianca Sforeien , durch „ gleiches Unglück verlohren hat . , , Hilarion de Cofte , Elog . des mes IHnft . ; Tom . II . p . 561 , Dieß scheint die Uebersetzung dieser Wor - te Famians Strada , de Bello Belg . Libr . I . p . m . 45 . zu seyn : Capie - batur venandi ftudio fummopere Gubernatrix , plane vt Venatricem vulgo appellarent , habituque venatricis expingerent : neptem yideli - cetMariaeBurgundae , quae ab infefkandis feris nunquam deftitit , do - nec inter venandum equo excuflä vitam amifit ( 1482 ) , fato non tarn fno , quam Maximiliani mariti , cuius et vxor altera , Bianca Sfor - tia , in venatione cquo decidit , obiitque ( 1496 ) . Eiusmodi aiitem ftudium arripuit tarn auide , in eumqiie laborem durauit adeo mem - bra decennis nondum puella , ( nämlich Margaretha , Carls des V na - türliche Tochter , ) Vt amitam per faltus camposque fequeretur im . paiiida . . „
( D ) Man saget , daß sie daran gearbeitet , die plagen der formieren zu mildern . ^ Als der Hos von Spanien , die Misvergnug - ten der Niederlande zu besänftigen , ihnen 1566 versprechen lassen , daß das Ketzergericht aufgehoben werden solle : so hat man dazu gesetzet , daß die kaiserlichen Gesetze , welche die Ketzer zum Tode verdammten , gemildert werden sollten ; wie sie 1550 , auf das Bitten der Königinn von Ungarn , gemildert worden : Immn fic Caefarem fa & urutn fuifle , n viiieret , quando ipfe ob fimiles difficultates anno millefimo quingen - tefimo qmnquagefimoque , poftulante Maria Hungariae Regina eins forore , easdem poenas , quas ante ftatuerat , emendare ac Ienire non inutile aut indecorum arbitratus eft . Famian . Strada , Decad . I . Lib .
V . p . 217 .
( E ) Sie hat - - - in Brand stecken lasten , um fi'd ? »regen einiger Lieder ZU rächen , die man in Frankreich wider ibre Eh - re gemacht hatte . ] In des Brantome Dames Galante , , Tom . II . pag . 388 . hievon findet man folgendes : „ Ich habe erzählen hören , , - bafi die Hauptursache . welche die Kömginn von Ungarn^gerei - „ zet , ihre schönen Feuer in der Picardie und in andern Theilm reichs anzuzünden , durch die Begierde einiger unbesonnenen Schwatzer „ gegeben worden , die beständig von ihren Liebeshändeln geredet , und das „ Lied , Barbanfon de la Reine d'Hongrie , ganz öffentlich und überall „ gesungen haben . Dieß war in der That ein grobes Lied , welches einem „ Umläufer oder Dauer sehr ähnlich sah „ Man sieht hieraus , daß die Unterthanen dazu bestimmt sind , nicht allein für die . Thorheiten ihrer Regenten , sondern auch anderer Leute die Strafe zu erdulden :
Quidquid delirant reges , pleöuntur Achiui .
Horat . Epift . II . Libr . I . v . 14 . Ich will eine Stelle davon anführen , die mir wohl nicht umständlich ge - nug zu seyn scheint : t Wenn man wissen will , um welche Zeit sie diese Verwüstungen in der Picardie angerichtet hat , so sehe man folgende Worte an : „ In wäh - „ render Zeit der Kaiser , ihr Bruder , Metz belagert , ist sie , um den Kö - » " ig zu hindern , den Belagerten zu Hülfe zu kommen , mit den Gra - „ sen von Röur in die Picardie gefallen . wo sie große Verwüstungen „ angerichtet , alles in Feuer gefegt , Noyon , Nesle , Chauny , Roye . „ Folembray , da« vom FrancifcuS dem I erbaute königliche Haus in die
„ Asche geleget ; über sieben bi« acht hundert Dörfer verheeret ; Hedin „ belagert und erobert hat . „ Hilarion de Cofte , Eloges des Dames II - luftres , Tom . II . p . 567 . Er sehet auf dem Rande dazu : „ Hievon ist „ die gemeine Sage kommen , Elle a fait la tolle en Bray , eile a efte „ Marie en Bourg , als die Franzosen diese Stadt verbrannt haben . , » Allein es ist schwer , das geringste in dieser Randglosse zu begreifen ; es reimt und schicket sich nicht : es sollte denn vielleicht marrie , anstatt rie heißen .
( F ) - - - - Heinrich hat sie mit gleicher Münze befahlen lassen . ) Nachdem er Mariemburg und Dinant weggenommen , und Bou - vines geschleifet hatte , davon die Einwohner entweder den Galgen zie - ren , oder über die Klinge springen müssen , so gieng er über die Sambre , und verheerte ganz Hennegau , und verbrannte da« Lusthautz Ma - riemont , das durch die Äoniginn von Ungarn erbauet worden war , und die artige Stadt Bains , ( er hatte sagen sollen Binche . ) nebst demsenigen prächtigen pallaste , den sie daselbst erbauet , und mit unzähligen Gemälden , alten Bildsäulen und XVerken von Bildhauer - und gestochener Arbeit ausgeschmücker hatte . Die alte Stadt Xavers , von deren Alrerthume und Größe die alten Chronikenschreiber so viele Erzählungen machen , har glei - che Verwüstung erlirren . Diese Leuersbrünste und Verwüstun« gen sind von dem Gemürhe - Heinrichs des II sehr entferner gewe - sen ; allein er hat sich Ehrenhalber verbunden gehalten , sich auf diese Art , wegen der Verwüstung seines Scklostes Lolembrai zu rächen , und deswegen also zu verfahren , weil Sie Flamanöer an eben diesem Grre das Blldniß des großen Roniges , Lranciftus , seines Vaters , dem Murhwillen Ser Troßbuben , zrveen Tage aus - gesittet hatten . Mezerai , Hill , de Franke , Tom . II . p . 1090 . aufs >554 Jahr . Siehe auch Louis Guicciardin , Defcript . du Paäs - Bas , p . m . 468 . Wir wollen diesem Zeugnisse des Mezerai , des Brantome seines beysugen , welches mehr Umstände enthält : „ Sie har zuerst die „ großen Feuer in Frankreich angefangen , und hat schöne Häuser und „ Schlösser in die Asche geleget : z . E . Follembray , ein schöne« und lusti - „ ges Haus , welches unsere Konige bloß zum Vergnügen und zur Zagd - „ lust hatten bauen lassen ; worüber der König so großen Verdruß und „ Misfallen gefaßt , daß er sie , nach Verlauf einiger Zeit , mit gleicher „ Münze bezahlet , und sich deswegen an dem schönen Hause zu Bains „ gei acher hat , welches man sür ein Wunderwerk gehalten , indem es „ ( wenn ich so sagen darf , was ich von denen habe erzählen hören , die et „ in seiner Vollkommenheit gesehen haben , ) die sieben so berühmten Wun - „ derwerke der alten Welt beschämet hat , , , Dames Galantes , Tom . II . p . 92 . Es haben sich in dem Zimmer dieser Königinn ungemein tige Tapeten , ganz von Golde , Silber und Seide befunden , auf welchen alle Eroberungen und alle Kriegsverrichcungen Carls des V abgebildet und vorgesteller gewesen . 9z S . „ Kurz , es ist nicht« „ darinnen gewe , en , das nicht sehr ausgesucht war : allein dieß arme „ Haus hat kurz hernach vielen Glanz verloh . n , : denn es ist ganzlich ge - „ plündert , verwüstet und geschleift worden . Ich habe sagen hören , daß „ dessen Gebietherinn , als sie dessen Verwüstung erfahren , in solche Be - „ trübniß , Zorn und Wuth gerarhen , daß sie sich lange Zeit nicht beruht - „ gen können ; und sie hat , da sie eines Tages vorbeygegangen , die Ver - „ heerung desselben zu sehen , und nachdem sie es mit Thränen sehr er . „ barmlich angesehen , geschworen : daß eS ganz Frankreich gereuen sollte , „ und daß sie sich wegen dieser Feuer rächen , und nicht eher ruhen wolle , „ bis das schöne Fontainebleau , davon man so viel Wesen machte , der „ Erde gleich gemacht , und kein Stein auf dem andern geblieben wäre . „ Sie hat auch in der That ihre Wuth über die arme Picardie der - „ maßen ausgelassen ( * ) , daß sie dieselbe und ihre Flammen wohl gesüh - „ let hat : und ich glaube , daß ihre Rache groß gewesen seyn würde , wenn „ der Waffenstillstand nicht darzwischen gekommen wäre : denn sie hatte «ein großes und hartes Herz , das schwerlich zu erweichen war ; und es „ ist hierbey so wohl ihrer , als unserer Seitö , etwas allzugrausames ae - „ wesen ; allein dieß ist das Naturel der Frauenspersonen , auch derVor - „ nehmen , daß sie sehr geschwind zur Rache sind , wenn sie beleidiget werden „ Der Kaiser , wie man saget , hat sie deswegen desto mehr geliebet . , * 94 S . Es sagen einige Geschichtschreiber , daß Heinrich der II eine Auf« schrist auf einen Stein graben lassen , die diese Königinn für eine När - nnn ausgab , und sie des Schlosses Folembray erinnert hat : Bmchim Mariae Hungariae Reginae olira deliciae , Henrici fecundi Galliarun» Regis odium expertae . Feruntque repertum inibi faxum , quodHen - ricus villae fuae a Maria vaftatae vltor inciderat in haec verba : Infa - na Regina , Folembraeum memoria redete . Famian Strada , Dec . L I ih - IX . p . 577 . auf« 1578 Jahr .
( * ) Es scheint , daß Brantome hier einen Schnitzer machet : die Ver« wustungen , welche diese Königin« in der Picardie angerichtet hat , wa - ren vor der Verwüstung ihres schönes Pallastes zu Binche hergegangen . Uebngens findet man keinen Waffenstillstand unter der Maria Statt - halterschaft , seit dem 1554 Jahre . Sie ist nicht mehrStatthalterinn ae - wesen , da der Waffenstillstand den 5 Hornung , geschlossen worden .
( II ) Erasmus har ihr ein Buch zugeschrieben , wo die 25»cb< vrucker boshafter weise einen sehr seltsamen Fehler aemacbet . l
Da«

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.