Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12264

Hoe .
829
strat dem Pabste wider Luchem gegeben , ganz deutlich zu erkennen , wie hitzig er gewesen ist . Erasmus hat ihm , in dem letzten Briefe des X VIB . im 1519 Jahre , einen Brief voller guten Erinnerungen , wegen der unver , antwortlichen Heftigkeit geschrieben , die er in seinen Schriften wider den Reuchlin gesunden hatte . Man sehe wegen Hochstrars Verfahren in Ansehung Martin Luthers des Erasmus Briefe , nämlich den XVIII des XXVI Ä . pag . 1249 .
( H ) - - - Und einer von des Erasmus Verfolgern . ] ses erfahren wir durch diese Worte des Erasmus . Epift . XIII , Lib . XIX , p . 829 . der Brief ist im May >527 unterschrieben : Aliquot ex hoftium mimero perierunt : Louanii Ecmondanus Carmelita voniitu praefo - catus . - - - Coloniae periit lacobus Hoghftratus coryphaeus hii - ius tragoediae , qui tarnen in morte dicitur nonnullis verbi» prodi - difle panim fincerain confcientiam . In dem Briefe , wo Erasmus dem Ketzerrichter so gute Lehren giebt , beklaaet er sich , daß ihm von dem - selben wegen seiner Meynung von der Austöölichkeit der Ehe sehr übel mit gespielet worden . Man sehe die 740 S . der Briefe des Erasmus , londonscher Ausgabe .
( I ) Man hat ibm eine fcbimpflidx Grabschrift gemacht . ^ Paul JoviuS führet sie Elog . pag . 286 an : Hoftrati autem tumulo , jaget er , hoc nobile Carmen , Capnionis puer affixit ( > ) .
Hic iacet Hoftratus , viuentem ferre patique Quem potnere mali , non potuere boni .
Crefcite ab hoc taxi , crefcant aconita fepulcro :
Aufus erat fub eo , qui iacet , ornne nefas .
§ ( > ) . Reuchlin ist , wie man weis , 153 . 3 gestorben . Wenn nun der Urheber dieser Verse , wie man versichert , wirklich Reuchlins Diener ge - wesen . da dieser gestorben ist : so können diese Verse nicht auf den wirkli - chen Tod Hochstrars gemacht worden seyn , der erstlich 1527 f'ch eräuget hat . Allein mit dieser vorgegebenen Grabschrift ist e« folgendermaßen beschaffen . Gegen das ms Jahr ist der erst« Band von den berufenen Briefen obfciirorum virorum in 4 erschienen , deren nur ein und vierzig an der Zahl gewesen . Auch die andere Quarrausgabe hat nicht mehrere enthalten ; allein eine dritte Ausgabe , gleichfalls in 4 . welche , nach der Schrift davon zu urtheilen , den zwoen andern bald gefolgt ist , enthält ei , nen Anhang von acht Briefen , davon der letzte , der unter Hochstrats Na ,
wen erschienen , und zu Rom ausgestellet ist , vier förmliche Pasquille von Grabschriften , von ihm selbst enthält , die erste in vier Versen . d> ? andere und dritte jede von einem Distichon , und die vierte von vier Versen , wie die erste . Nun ist die vom Paul Zovius angeführte vorgegebene Grab - schrift nichts anders , als die andere von diesen Pasquillen , der das erste Distichon der vierten vorgesetzer worden . <
Unbekannte , welche , wie Hochstrar es in diesem Briese erzählet , eines Tages diesem Manne auf der Straße zu Rom begegnet , habe» ein Pa - pier vor »einen Füßen niederfallen lassen . Er hebet es auf , und findet darinnen verschiedene satirische Grabschriften auf feinen erdichteten Tod , woraus diejenige geschmiedet worden , die Paul Jovius anführen Also kann man nicht sagen , daß diese Grabschrift auf den Tod und nach dem Tode Hochstrats gemacht worden , sondern daß sie nur eine Nachahmung des Polirian« seiner , auf den Poeten Mabilu« ( Marullus ) seinen Feind ist :
EleKe viator iter , foetet ( Foetens ) narn putre Mabili Hac fouea corpus conditur atque aninuis .
Diese Grabschrift de« MabiluS , der gleichwohl den Politian überlebet hat , findet sich unter den Versen des Letztern ; und die Ursache , die - fterc Bayle davon giebt , ist , daß man in einer Grabschrift so heftige Schimpf« worle sagen könne , und ein so vorteilhafte« Land finde , wenn man sich nach dieser Seite wendet : daß viele Poeten den Tod ihrer rvider» sacher falschlich vorgegeben haben , damir sie sich dieses Runsi , griff« bedienen konnten . Diese Betrachtung der Anmerkung co deS Artikels politian ist die EntWickelung dieser erdichteten Grabschrift : Hie iacet Hoftratus , etc . die , wie man gesehen hat , zehn Jahre , mehr oder weniger , vor Hochstrats Tode mitten unter seinem Processi ? wider den Reuchlin gemacht worden . ( K ) Er hat ) » Cölln das Urcbeil der Gottesgelehrten von pa , ris - - - rvegen des falschen Dionysius Areopagita heraus , gegeben , ) Dieß ist » ; »> geschehen . Man kaiin dieses Urrheil im II Ban - de von Luthers Werken jenischer Ausaabe finden . Man findet auch an - dere Ausgaben davon . Dieserwegen hat P . Nourri mit Unrecht geqlau , der , daß er dasselbe zum erstenmale das Licht habe sehen lassen , da er es 1694 in seinem Apparatu ad Kibliothecam maximam veterum Patrum herausgegeben . Siehe Atta Erud . Lipf . Tom . II , Supplem . p . 737 .
Hl>e ( Matthias ) ein berühmter lutherischer Prediger , war zu Wien 1580 gebohren . Er wurde bey so guter Zeit in pro - testantische Schulen geschickt ° , daß er sich für einen Lutheraner erkannte , ehe er noch betrachtet hatte , daß er in der römischen Gemeinschaft gebohren war . Er studierte die Gottesgelahrtheit zu Wittenberg ; und 1602 wurde er an den sachsischen Hof berufen , daselbst vor dem Churfürsten zu predigen . Im folgenden Jahre gab man ihm die Aufsicht über etliche Kirchen im Voigtlande ; und , nachdem er dieses Amt acht Jahre verwaltet hatte , schickte man ihn i6u als Aufseher über die deutschen Kir - chen nach Prag . Zwey Jahre darauf wurde er an den sächsischen Hof zurück berufen , wo er zu der Würde eines Kircheib raths und Oberhofpredigers erhoben worden . Er hat diese Aemter seine ganze übrige Levenszeit bekleidet , und ist den 4 Marz 1645 gestorben . Er war 1604 zu Wittenberg Doctor der Gottesgelahrtheit geworden . Sein Ehstand , der drey und vierzig Jahre gedauert , und ihn mit sechs Söhnen und vier Töchtern beschenket hat , hat ihm alle Verdrüßlichkeiten mit Wucher er - ftht , die ihm von andern Orten begegnen konnten ( A ) . Er war ein Edelmann von Geburt h\ und hat eine kriegerische Feder geführet , wodurch er gezeigt , daß er nicht aus der Art geschlagen war . Er hat eine große Anzahl Bücher herauegege . benc , einige lateinisch , und die andern deutsch . Er ist ein Mann gewesen , der von der Vereinigung der protestantischen Ki» chen nicht hat wollen reden hören ( B ) ; allein man hat ihn beschuldiget , daß er vor Geld an der Vereinigung einiger Reichs - fürsten mit dem Kaiser gearbeitet habe ( C ) , zum großen Nachtheile der Protestanten . Was er über die Offenbarung Jo - hannis herausgegeben hat , sieht einem Menschen vollkommen ähnlich , der einen unruhigen Geist gehabt ( D ) .
Ich bilde mir ein , daß er viel verdrießlicher gewesen , den Churfürsten von der Pfalz in dem Besitze der böhmischen Kr» ne , als nach der Schlacht bey Prag flüchtig zu sehen ; denn der Brief , den er an einen Herrn dieses Landes geschrieben , zei - get , daß er die Absicht , diesem Churfürsten das Königreich Böhmen zu geben , nicht gebilliget , und die calvinische Lehre als ei - nen Antichrist angesehen hat , der nicht viel besser , als der papistische Antichrist wäre ( E ) .
a ) Poftea orthodoxa id tibi vindicauit Ecclefia , fiquidem parentum cura frugis bonae adolefcentis ptirioris aeris , hoc eft fidel hauriendae gratia , ad loca Euangelica ablegatus . Spizelius in Templo honoris referato , p . 165 . l> ) AuS Hennings Wittens , Memor . Theol . renouat . 1014 u . f . S . c ) Siehe das Verzeichnis davon bey ebendemselben p . 1021 .
( A ) Sein Ehesiand hat ihm alle die Verdrießlichkeiten mir N ? uckcr erftyr , die ihm von andern < ! >rten begegnen ten . ] Ich habe den lateinischen Worten des Witte den besten Sinnge - geben ; denn , wie sie ein wenig dunkel sind , so würde man sich einbilden können , als wenn er hätte sagen wollen : es sey des Matthias Hoe Eh - stand so glücklich gewesen , daß das Gute darinnen das Böse übertreffen habe . Illius amore etconui£Ui ftiauiffimo totis vfus eft nofter tribus et quadraginta annis , vt multo plura haberet , de qüibus gaudium quam dolorem conciperct . Henning . Witte , Memor . Theolog . renouat . pag . 1018 . Dieß hieße die Annehmlichkeiten dieses Ehstandes kleiner ma - chen ; deswegen nehme ich die andere Erklärung an , welche ist , daß die - selben , wenn sie mit allen Widerwärtigkeiten , denen der Ehmann aus - gesebet gewesen , in einer Wage abgewogen würden , diese überwogen hät - ten . ' Also hat seine werthe Ehgattinn ihn wegen aller Verdrießlichkeiten , und aller Mühe , die er auszustehe« gehabt , aus eine angenehme Art ge - tröstet . Er würde also sehr zu beklagen gewesen seyn , wenn er im ehlosen Stande geblieben wäre .
( B ) Er hat m'cbt von der Vereinigung der protestantischen Rirchen wollen reden boren . ] Es hatte Gustav Adolph kurz vor sei , nem Tode eine Versammlung von Lutheranern und Calvinisten nach Leipzig berufen , um sie an ihrer Vergleichuug arbeiten zu lassen . Seine Gewalt ist Ursache gewesen , daß mai , als gute Freunde und mit sehr gu - ten FriedenShoffnungen ans einander gegangen ist . Sein Tod hat diese Hoffnungen zerstreuet . Gleichwohl hat Duräus nicht unterlassen , an der Wiedervereinigung zu arbeiten , und ist nach Frankfurt gegangen , wo die Protestanten versammlet waren . Es ist ein sehr harter Brief des Hoe aeaen die Reformisten dazwischen gekommen , und hat viel BoseS anaericbtet . Es ist Grotius , der uns alles dieses im 444 Briese I Th . 16s @5 lebret Rex Sueciae , magnus Guftauus - - - non mul - ttim ante mortem Lipfiae coniientum inftiti . erat vtrmsque fententiae I'ioteftantium - - - Effeckfua auöoritate vt amicedifccderttur cum magna fpc reftitnendae vnitatis . Sed triftis ex . tus tanti Regis falubre hoc coeptum interfeidit . Neque tarnen defuit en . sdem gotii commendator ex Anglia Duraeus , multorun . Angliae antiftitum inftruäu» litteris qui Francofurtum ad Moenum venerat eo ipfo tempore , cumYbi'coni . entus Ordinum Proteftantmm haberetur . Sed rem per fe diflicilem implicatiorem etiani reddidit doöoris Hon ei
Aula Saxonica refponfum immite in eos , quos Caluinianos vocat . Die Lehrer des augspnrgischen Glaubensbekenntnisses erheben die keit bis an den Himmel , mit welcher er sich den geringsten Neuerungen wi , Versetzet hat . Sie sagen so gar , daß er sich dieserwegen großen Gefabren ansgesehet habe . In folis radiis pridem scriptum arbitror , quos ille tuendae fidei gratia pertulerit labores , quibuscum difficultatibus fit confii6tatus , quae fubierit pericula , dum quiduis fatius cenfebat , quam vt quicquain in Germania de Euangelicae Religionis integritate ( quam aduerfafum partium promachi contaminare funt aufi , ) dece - deret ac miiuieretur . Spizelius , in Templo Honoris referato , p . 165 , 166 . Henning . Witte , Memor . Theclog . p . ioiö .
( C ) Man hat ihn beschuldiget , daß er vor Geld an der Ver - emrgung einiger Reicksfürsien mit dem Raiser gearbeitet hat . 1 Im 16 Z5Jahre haben der Churfürst von Sachsen und der Landgraf von Hej , sen mit dem Kaiser zu Prag einen Vertrag gemacht , und sid ) für seine Angelegenheiten gegen die Krone Schweden verbunden . Dies ; ist das Mittel gewesen , alles zu zernichten , was Gustav zum Besten der prvte , stantischen Religion in Deutschland gethan hatte . Man hat geglaubt , daß der Kaiser den D . Hoe durch Auszahlung einer guten Summe des vermocht , alle GewissenSserupel zu heben , die dem Churfürsten von Sachsen einige Schwierigkeit hätten machen können . Puffendorf , Her . Suecic Libr . VII , pag . 193 . dem ich diese Worte abborge , isi mein währsmann , Arguebatur quoque Saxonicus Theologu» Matthias Hoeus deceni vncialium millia a Caefare aeeepifle , eximendis Princt * pis fui animo ferupulis , quos alias facile ifta pax generarc poterat . Siehe Bibl . Vniuerf . Tom . III , p . 458 .
( D ) tt>as er über die Offenbarung Johannis herausgegeben hat , siebt einem unruhigen Ropfe gan ; «hnlicb ] Nack seiner Ge - müthöneiqung darf man keineswegeS zweifeln , daß seine ZinSleanngen über die Offenbarung Johannis nicht zur Unternebmung eines allqemei . nen Krieges wider die römische Kirche abgezielet hätten ; daS heißt . En - ropa mit den allerabscheulichsten Verwüstungen , u erfüllen , die es «i Bc , den drücken könnten . Dem sey , wie ibm wolle , so rechnet ihn Bvssuet unter die Ausleger der Offenbarung Johannis , die auf nicht« anders gedacht , als den Krieg anzublasen . Die Lutheraner , saget er in sei - ner Erklärung der Offenbarung Johannis , s S - des Vorberichts , Holl .
Mmm mm z Ausgabe ,

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.