Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12238

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Hochstrat .
und hat sich keineswegs bemühet , Geld zusammen zu bringen , cum et . fet pecuniac negligentiflunus . ( ebend . ) Diese letzte Eigenschaft ist ein gutes Vorurtheil für sein gute«Leben : denn es ist keine Quelle , woraus mehr böse Thaten entspringen , als der Geiz . Also , wenn man den HobbesiuS gekannt , so hätte man nicht fragen dörsen , ob er die Tugend hoch geschätzt und geliebt hätte : allein man könnte wohl Lust kriegen , diese Frage an ihn zu thun :
Mens age , refponde , Minimum eft , quod feire Iaboro , De Ione quid lentis ? Perf . Sat . II , v . 17 .
Die Antwort , die er aufrichtig hierauf würde haben geben können , wenn man denen hierinnen glaubet , die sein Leben aufgesetzt haben , würde wesen seyn : daß ein Gott sey , welcher der Ursprung aller Dinge ist , und daß man ihn nicht in den engen Begriff unserer Vernunft einschließen dörse . Oeum agnouit eumque rerurn ornniurn originem , intra anguftos rnen hurnanae rationis cancellos nullatenus circunifcribendum . Vita Hobbef . p . «os . Er würde dazu gesetzt haben , daß er das Christenthum an - genommen habe , so wie es in England nach den Gesetzen eingeführet ist . Religionem Chriftianam qiiatenii» in Ecclefia Apglicana , refedlis fuper - ftitionis ineptiis , regni legibus ftabilitur , ex anirno amplexus eft , p .
daß er aber einen Abscheu vor den theologischen Streitigkeiten gehabt ; daß er dasjenige am höchsten geschätzt , was zur Uebung der Gottseligkeit und guten Sitten gehört ; und daß er gewohnt gewesen , die Priester zu tadeln , welche die Einfalt der Religion durch die Vermischung entweder eines abergläubischen Gottesdienstes oder vieler eitlen und weltlichen Grübe - leyen verderben . Quicquid autein ad pietatis exercitia , aut bonos mores conferret , phirimi fecit . Sanflius Uli , et reuerent'ius vifura , de Deo ci edere , quam feire . Sacerdotes Interim inculpare folitus eft , qui Chriftianani Religionein abfolutain ac fimplicem , vel fuperftirione iiiacularent , ' vel inanibus interdiitn profanis fpeculationibus iniplica - rent . Vita HobbeC pag . 107 . Sie beschließen , daß diejenigen , die ihn der Gottesverleugnung beschuldigen , offenbare Lästerer sind , und vielleicht keinen andern Vorwand , als diesen würden anführen können : daß er ver» schieden ? scholastische Lehren verworfen hätte , vermöge deren man Gott verschiedene Eigenschaften gegeben , dazu man das Muster von unserm kleinen Verstände genommen hat . Quare fortiter calurnniati funt , qui ipfum Atheifrni reurn detulerunt ; quod inde forfitan profeftum , quia Scholafticonim aliorumque ifto de grege rnorern reiecerat , qui oti - ofi in Mufaeis fuis fedentes , iuxta imbecillem ingenioli fui captum , Naturae Diuinae incomperta affingunt attributa . Es ist haft , daß keine Beschuldigung in einen so großen MiSbrauch gefallen ist , als die Beschuldigung der Gotteslengnung . Eine Menge kleiner Gei - ster , oder boshafte Leute , belegen alle diejenigen damit , die ihre Dejahun - gen auf große und erhabene Wahrheiten einer gründlichen Metaphysik , und die allgemeinen Lehren der h . Schrift einschränken , Ueberdieß will man sie zur Annehmung aller absonderlichen Artikel verbinden , die man dem Volke tausend und tausendmal vorzutragen pfleget . Alle , die sich t>iese gemeine Gewohnheit zu verlassen erkühnen , sind Gottlose und tesleugner , wenn man gewissen Doctoren darinnen glaubet . Auf diese Art hat sich MoneonyS diesen bösen Namen zugezogen . Er hat zuwei - ! en sel ? r srey wider diejenigen disputirt , welche die Roheit Gottes , durch die Aufführung , die sie ihm zueignen , und durch die schwachen Gründe , die sie anführen , erniedrigen : und man ist so ungerecht gegen ihn gewesen , daß man ihn für einen Freygeist gehalten» da er den allererhabensien Begriff von Gott gehabt , den man sich nur vorstellen kann . Man lese folgen - des : „ Die angenehme Art , mit welcher man ihn zuweilen gewissen ein , „ geschränkten Geistern widersprechen gesehen , welche die Wahrheiten durch „ ihre Beweise schwächen , die sie befestigen wollen , ist Ursache gewesen , daß „ diese von Vorurtheilen eingenommene Personen die Wirkung seiner Of» „ fenherzigkeit und Redlichkeit , für eine döse Freyheit angesehen haben . „ Allein du ? Gründlichkeit seiner Tugend und seine ungeheuchelte Gottes , „ furcht ist überall durchgebrochen , und er hat Proben davon gegeben , die „ man in diesen Reisen sehen wird . In feiner letzten Krankheit hat er , gegen einen von seinen Freunden bekannt , daß er allezeit in jeinemHer - , 'zen eine tiefe Unterrhanigkeit und eine unendliche Ehrfurcht gegen die „ Gottheit erhalten habe ; von der er einen viel höhern Begriff hatte , als „ alles das , was sich die Menschen davon vorgestellet haben . Als er in „ Alexandrien gewesen , zu einer Zeit , wo er seiner Neubegier nichts ver - „ sagte , und sich eine Nacht ganz allein auf einer von denjenigen Erhö« „ Hungen befunden , die den Gebäuden in der Levante zun« Verdecke die - „ nen : so bar er sich auf einmal mit einer so empfindlichen Erkenntniß der „ Gottheit besä ? äfftigct , daß er einen Theil dieser Nackt mit einem unaus - „ sprechlichen Tröste , unter beständigen Anbethungen des Ursprunges aller „ Wesen , zurückgehet hat . „ Aus der Vorrede zu den Reisen des Mon» konys , 7 S .
( N ) Man hat auch gesagt , daß er sich vor den Gespenstern ond Teufeln gefürchtet har . ^ Seine Freunde haben dieses , als eine Kabel angesehen . Nee minus falfo ac nonnullis infimulatus eft , tan - quam folitudinem fugeret , fpeftra metuens ac phantaftnata , vana ftul - torum terriculamenta , quae Philofophiae fuae lumine diüipauerat . Vita Hobbef . pag . 106 . Allein es scheint , daß sie nicht leugnen , daß er sich nicht getrauet , allein zu bleiben ; sie sagen nur , daß dieses aus Furcht vor Mördern geschehen . Wenn ihn seine Philosophie nur von der
dern , und nicht von dieser Furcht besreyet hat , so hat sie ihn noch nicht glücklich machen können : und man könnte einen Gedanken deSHoraj Epift . II , Lib . II , v . aos auf ihn anwenden .
Somnia , terrores magicos , miracula , fagas ,
No & urnos lemures , portentaque Thefläla rides ?
Quid te exernta iuuat fpinis de pluribus vna ?
Um hier im Vorbeygehen zu sagen , so sind die Grundsatze seiner Philoso - phie nicht geschickt gewesen , ihm die Furcht vor den Erscheinungen der Geister zu benehmen ; denn bündig zu urtheilen , so haben keine Philoso - phen . weniger Recht , die Hexerey und Teuseley zu verwerfen , als diejeni - gen , die das Daseyn Gottes leugnen . Allein saget man , HobbesiuS hat das Daseyn der Geister nicht geglaubet . Man rede besser : er hat glaubt , daß eS keine von der Materie unterschiedene Substanzen gebe . Wie ihn nun dieses nicht gehindert , zu glauben , daß es viele Substanzen gebe , die den andern gutes oder böses gönnen , und ihnen solches erweisen , so hat er glauben können und müssen , daß es in der Luft oder anderswo Wesen gebe , die eben so vermögend zur Bosheit sind , als die Körperchen , die , nach seiner Meynung , alle unsere Gedanken in unserm Gehirne bil - den . Warum sollten diese Körperchen mehr Erkenntniß von den Mit - teln zu schaden haben , als diese andern Wesen ? Und wo ist der Grund , welcher beweist , daß diese andern Wesen die Art nicht wissen , mit welcher man >n unser Gehirn wirken muß , um uns ein Gespenst sehen zu lassen ?
Wir wollen die Sache auf eine andre Art angreifen . Man würde nicht allein sehr verwegen , sondern auch thvncht seyn , wenn man behau - pten wollte : es habe niemals Menschen gegeben , die sich eingebildet , daß sie Gespenster gesehen hätten ; und ich glaube nicht , daß die allerhalsstar - rigsten und ausschweifendsten Ungläubigen dieses jemals behauptet haben . Alles , was sie thun , läuft auf das Sagen hinaus , daß die Personen , die Zeugen von der Erscheinung der Geister gewesen zu seyn geglaubt . eine ungesunde Einbildungskraft gehabt . Man bekennet also , daß es gewisse Oer - ter des Gehirns giebt , die , wenn sie auf diese oder jene Art angegriffen den , das Bild eines Gegenstandes , der außer uns nicht wesentlich da ist , in uns erwecken , und mächen , daß der Mensch , dessen Gehirn also beschaf , fen ist , zween Schritte von sich , ein abscheuliches Gespenst , eine Furie , und einen drohenden Geist zu sehen glaubet . Dergleichen Dinge gehen in dem Kopfe der Allerungläubigsten vor , entweder , wenn sie schlafen , oder , wenn sie ein hitziges Fieber plaget . Sollten sie sich nach diesem erküh - nen , zu behaupten , es sey unmöglich , daß ein Mensch , der wacher , und nicht wahnwitzig ist , an gewissen Oettern des Gehirns einen Eindruck bekom - men könne , der demjenigen gleich wäre , die nach den Gesetzen der Natur mit der Erscheinung eines Gespenstes verbunden ist ? Wenn sie gezwun - gen sind , diese Möglichkeit zu erkennen , so können sie nicht antworten , daß sich niemals ein Gespenst vor ihnen zeigen könne ; das heißt , daß sie nie - mals wachend einen Menschen oder ein Thier zu sehen , glauben werden , wenn sie in einer Kammer allein sind . Hobbesius hat sich also einbilden können , daß eine gewisse Verbindung der in seinem Gehirne bewegten Körperchen ihm ein solches Gesichte vorstellen können , ob er gleich überzeuget gewesen , daß sich kein Engel , noch die Seele eines verstorbenen Menschen darein mischen würde . Er ist im äußersten Grade furcht - sam gewesen , und folglich hat er Ursache gehabt , seiner Einbildung nicht zu trauen , wenn er des Nachts allein in einer Kammer war : denn das Gedächriüß hat wider seinen Willen dasjenige , was er von den Erschei - nungen der Geister gelesen , oder erzählen gehöret , sich wieder erinnert ; ob er gleich nicht überzeuget gewesen , daß diese Dinge wesentlich wären . Dergleichen Bilder , nebst der Furchtsamkeit seines Temperaments haben ihm üble Possen si'i»len können . Es ist mehr , als zu gewiß , daß ein so ungläubiger aber beherzterer Mensch , als er , sich entsetzen würde , roerti er jemand von denen in das Zimmer treten zu sehen glaubte , die er unter den Todten wüßte . Dergleichen Erscheinungen sind im Traume sehr häufig , man mag die Unsterblichkeit der Seele glauben oder nicht . Wir wollen voraus setzen , daß sie einmal einem wachenden Ungläubigen bege - gnet wären , wie sie ihm öfters im Schlafe begegnen : so begreifen wir , daß er sich fürchten würde , wenn er noch so viel Herz hatte . Mit viel bes - serm Grunde können wir glauben , daß Hobbesius dadurch sehr erschreckt worden seyn würde .
( 0 ) Er hat vielmehr nachgedacht , als gelesen ] Man bekennet in semem Leben offenherzig , daß seine Bclesenhcit für einen Menschen , der so lange gelebt hat , sehr geringe gewesen . Er hat selbst gesagt , daß , wenn er auf das Lesen so viel Air gewendet , als andre Gelehrte , er eben so uu - wissend geblieben seyn würde , als sie sind . Quin et ilhid faepe dicere folitus eft , quod fi tanturn libris ineubuiflet , quanturn alii e tis vulgo faciunt , eadem cum illis ignorantia laboraflet . Vita Hob - befii , p . 112 . Er hat eine andre Sache betrachtet , die ihn bewogen , nicht viel aus großen Bibliotheken zu machen . Daß nämlich die meisten Bu , cher nur Auszüge und Abschriften von andern fTrtd . Leftio eius pro tanto aetatis decurfu non magna ; Authores verfabat paueos , fed tarnen optirnos . Horna us , Virgilius , TbucydiJes , Euclider , Uli in delicii * crant . Ingentem Librorurn fuppelleÄilem , qua fuperbiunt Bibliothe - cae , non rnagnifecit , cum Mortales pleruraque pecorum ritu antece - dentium infiftentes veftigiis , vix extra tritas calles et femitas , ab ipfis» quorum Tutelae et Regimini fubfunt , praeftitutas , euagari audeant . Ebendaselbst .
Hvchstmt ( Jacob ) lateinisch Hochflratus , oder Hochftratanus , führte den Namen des Dorfs , wo er gebohren war * ■ Er studierte die Philosophie zu Löwen , und erhielt daselbst die Magisterwürde , im 1485 Jahre . Er wurde ein Dominicaner - mönch ; und ist Prior des Klosters zu Cölln , Doctor und Professor der Gottesgelahrtheir und Ketzerrichter in den dreyen lichen Chursurstenthümern gewesen b . Niemals hat ein Mann inehr verdient , als er , mit diesem letzten Amte beehrt zu werden ; denn er ist mit allen den bösen Eigenschaften zum Ueberflusse versehen gewesen , die den Ketzerrichtern und Angebern nöchig sind . Er war hitzig ; er klagte unter dem allergeringsten Scheine an ; er wollte zugleich Richter und Part fcpn ( A ) ; er brachte sehr unge . treue Auszüge vor f ; er wollte niemals erkennen , daß er ein Verleumder gewesen wäre ; und er behauptete ungestraft Ketze - reyen in denen Schriften , worinnen er die Ketzer zu widerlegen vorgab ( L ) . Man nöthigte ihn einsmals einem ehrlichen Manne eine Ehrenerklärung zu thun , den er gelästert hatte ; allein man mußte sich , ihn darzu zu zwingen , eines merkwürdigen Mittels vedie - nen , man mußte nämlich seinem ganzen Kloster die Freyheit deSBettelns enr ziehen ( L ) . Er hat in dineu verdrießlichen Handeln , die er gegen den Reuchlin erweckt , nicht allen Vortheil erlangt , den er sich versprochen hatte : Er ist genöthiget geweftn , wegen dieses Processes nach Rom zu gehen ( D ) , und hat ungeachtet der großen Geldsummen , damit er sich versah , viel ^cuye gehavt , der Verdammung zu entgehen . Erlies auch große Lebensgefahr bey feiner Zurückreise ( E ) ; denn ReuchlmS UnHanger singen schon an , sich handgreifiicher Mittel zu bedienen . Vielleicht hatte er die Todesart verdient , die ihn nach dem Paul ^ovius au» der Welt gerückt ; allein es ist nicht wahr , daß er das Schicksal gehabt , davon dieser Gefchichtschreiber redet ( F ) . Er ist nicyr

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