Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
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Hobbesius .
« ) Er hat Gervasius Cliston geheißen . Der Vater seines ersten Schülers war im 1626 Jahre , und dieser Schüler im 1628 Iabre gestorben . 6 ) Die Witwe des Grasen von Devonshire , des Vaters seines ersten Schülers ^ Siehe die Anmerkung ( F ) . d ) Aetate adhuc intra iuuentutis terminos conftante ( licet verum fateri ) nec abftemius fuit , nec furtywo« . Vita Hobbefii , p . 104 , e ) Aus nem Leben , im 168 - Jahre gedruckt .
( A ) ÖJt war ; u Malmesburi - , - den 5 April >588 ge , bohren . ) Seine Murrer , die über die ausgesprengten Gerüchte , von der Annäherung der spanischen Schiffsmacht , erschrack , ist vor der Zeit niit ihm niedergekommen . Es ist also eine sehr seltsame Sache , daß er so lange gelebt hat . Sem Vater ist Prediger gewesen . Vita Hobbefii , pag . 32 .
( B ) <£c hatte in ven Sprachen sehr zugenommen . ) Ehe er aus der Schule zu MalmeSburi aus die Akademie nach Oxford gieng , hatte er schon die Medea des Euripides in lateinische Verse übersetzt .
TV , tos autem iam adh'uc in ludo litterario degens in litteratura tam Latina quam Graeca progrefliis fecit , vt EuripiJis Medeam fimili me - tro Latinis verfibus eleganter expreflerit . Ebendas . 33 S .
( C ) Die Unordnungen und Verwirrungen der dcmokrati -
! chen Regierung ; u zeigen . ) Ich habe vernünftige Leute qekannt , die ich verwundert , daß man in Königreichen , wo die Gewalt des Prinzen säst keine Grenzen hat , den Lehrern der Jugend erlaubet , sich der Bücher der alten Griechen und Römer zu qebrauchen ; wo man so viele Exempel der Freyheitsliebe , und so viele Grundsätze findet , die wider die monar - chische Regierung streiten . Allein , dieß ist nicht mehr zu verwundern , als wenn die republikanischen Staaten erlauben , daß ihre Professoren der Rechte den Codex und die Pandecten erklären , in welchen fo viele Grundsäfte befindlich sind , weiche die höchste und unverletzliche Gewalt des Kaisers voraus setzen . Hier sind also zwey Dinge , die gleich seltsam zu seyn scheinen , und worüber sich dennoch niemand verwundern darf . Kann man nicht , viele Ursachen beyseite gesetzt , die man anführen te , sagen : daß eben dieselben Werke . welche entweder in Ansehung der Monarchen , oder der Republiken , das Gift enthalten , auch zugleich das Gegengift in sich fassen ? Wenn man eines theilö die großen Maximen der Freyheit . und die schönen Beyspiele der Herzhaftigkeit steht , mit welcher man sie gehandhabet , oder wieder erlanget hat ; so sieht man auch andern Theils die Rotten , die Empörungen , und wunderlichen Tumulte , welche diese unendliche Zahl von kleinen Staaten , die sich in dem alten Griechenlande so feindselig gegen die Tvrannen gezeigt , beunruhiget , und endlich zu Grunde gerichtet haben / Scheint dieses Gemälde nicht eine Lehre zu seyn , die sehr vermögend ist , diejenigen aus dem Irrlhume zu bringen , die schon bey der bloßen Vorstellung der Monarchie schüchtern werden ? Hobbesius hat es geglaubet . ( Siehe die Anmerkung ( 0 ) , des Artikels perikles . ) Weil er in dieser Absiebt die Uebersetzung eines atheniensischen Geschichtschreibers herausgegeben hat Man drehe aber die Sache um , so wird man finden , daß dieses Gemälde geschickt ist , eine ganz andere Unterweisung zu geben , und den Abscheu gegen die Monar - chie zu befestigen : denn woher kömmt es , wird man fragen , daß die Griechen und'Römer lieber diesen Verwirrungen unterworfen seyn , als unter einem Monarchen leben wollen ? Kömmt dieses nicht von dem harten Zustande her , darinnen die Tvrannen sie versetzet hatten ? Und muß nicht ein Uebel sehr hart , fast unerträglich und kläglich seyn ; wenn man sich um einen so hohen Preis davon befreyen will ? Es ist gewiß , daß die Beschreibung , die uns die Historie von der Aufführung vieler Monarchen erhalten hat , Abscheu erwecket , und die Haare zu Ber - ge treibt . Man werfe mir nicht ein , daß man , überhaupt zu rcbe^i , viel mehr Unruhen durch die Verschwörungen verursachet hat , welche die Ty - ranney geendiget haben , als wenn man sie geduldiq ertragen hätte . Man stelle mir nicht vor , was ich oben bey dem Artikel - Hiero ver II , in der Anmerkung ( E ) gesaget habe . Die Syrakusaner , die unter der lanqei , Regierung dieses Prinzen , ein sehr großes Glück genossen hatten , haben die Geduld unter seinem Nachfolger gar bald verlohrm . der sie tyrannisch beherrschte . Sie haben ihn getödtet , da er das andre Jahr seiner Regierung nur angefangen hatte ; und kurz darauf haben »e die zwo Töchter . dierons , und feine drey Enkelinnen , hingerichtet . Unter diesen fünf Damen sind drey gewesen , wider welche man nicht die ringste Klage harte , und die sich , so zu sagen , zu dem Fuße der Altare gerettet hatten . Heißt dieß nicht die Tyranney aufbeben , um ein . - größere einzuführen ? Netyrannos vlcifcendo , quae odiflent feelera ipii imi - tarentur . T . Liuius , Libr . XXIV . p . 3g ; . Dieß bar Heraklea , Hierons Tochter , ihren Mördern vorgestellt . Hat Titus Livins , ( man sehe seine Worte oben in der Anmerkung ( C ) bey dem Artikel - Hiero der II , ) un - recht gehabt , bey dieser Materie zu bemerken , daß das Volk unvermögend ist , die Mittelstraße zu halten ; es ist demüthig bis zur Niederträchtig , fett , wenn es gehorchet ; aber im höchsten Grade unbändig , wenn es be - fiehlet . Die Hinrichtung dieser fünf Damen ist keine That einiger Pri - vatpersonen ohne Rath gewesen : sie ist von dem Rathe und dem Volke zu Svrakusa , befohlen gewesen ; und zwar da Bierens Andenken noch ganz frisch war , eines Prinzen , den sie so zärtlich und so billig geliebt hatten Die Ungerechtigkeit ihres barbarischen Ausspruchs ist so ficht , bar gewesen , daß sie dieselbe gar bald erkannten ; sie wiederriefen densel - ben ; allein es half zu nichts , er war bereits ausgeführt . Tandem vul - ncribus confe & ae , cum onwia repleflent fanguine , exammes corrue - runt , caedemque per fe miferabilem , miferabiliorem caftis fecit ; quod paulo poft nuntius venit , mutatis repente ad mifericordiam aniinis , ne interficerentur . Ira deinde ex mifericordia orta , quod adeo fefti - natum ad supplicium , neque locus poenitendi , aut regrertiu ab ira reli & us eilet . Itaque fremere multitudo . Titus Liuius , Lib . XXIV . cap . XXVI . Die Rotten haben durch die völlige Ausrottung der kö - nigliche Familien nicht aufgehört ; sie haben sich von Tage zu Taqe vcr - mehret , und in kurzer Zeit die Freyheit , und unumfthränkte Gewalt des Vaterlandes verstört , Sie haben Syrakusa zu ungelegener Zeit der Feindschaft der Römer ausae Saeuos namque pati faftus , innen ein que cruento
Flagrantem luxu , et mifeentem turpia duris ,
Haud vltra faciles , quos ira metusque coquebat
Iurati obtruncant , nec iam modus enfibus , addunt Foemineam caedem , atque infontum rapta fororum Corpora profternunt ferro , noua faeuit in armis Libertas , iaftatque iugum : pars Punira caftra ,
Pars Italos et nota volunt : nec turba furentum Defit , quae neutro fociari foedere malit .
Man stelle alles dieses vor , wie man will , so wird man doch keine gute Schlußrede bey Personen machen , die wider die Monarchie eingenom - men sind : man wird antworten , daß man auch daraus , da man ihren Unordnungen nicht anders , als durch so abscheuliche Uebel , abhelfen fön# ne , schließen müssen , daß sie ein großes Uebel sey .
( D ) <£c legre ficb bey dieser Reise auf das Studium ver thematik . ) Es ist Schade , daß er so lange gewartet hat , sich darauf zu legen : Dolendum nobile hoc ingenium eodem quo et magnum
Scaligerum infortunio laborafle , quod Mathematicis ftudiis . . .
ferius paulo animum adiecit . VitaHobbef . p . 40 . Er ist schon 40 re gewesen , da er dieses Studium angefangen ; und eben dieß war die Ursache , daß er sich darinnen nicht so vollkommen machen können , als es nöthig war , um seinen Beurtheilern keinen Anlaß zum Tadel zu geben . Sein Schicksal ist SealigerS seinem gleich gewesen . UebrigenS hat er vollkommen verstanden , warum man bie Mathematik studieren müsse , nicht die Eigenschaften der Winkel , oder der Zahlen , oder der Linien , oder der Flächen zu erkennen ; sondern seine Verminst zu einer gründlichen Lehrart zu gewohnen , wohl zu schließen und zu beweisen . Euclidi ope . ram dare coepit , non tarn demonftrationum materia alle & us , quam perfpieuitate , certitudine , et indiuifa rationnm ferie dele & atus . Non enim Mathematicas artes admiratus eft vir perfpicaciflimus , ob late - rum et angulorum afle Ebendas . 39 S -
( E ) Er hat n» Paris den Tractar de Line gemackit . ) Er hat zu Paris 1642 , eineAusgabe von wenigen Exemplarien davon gemacht . Er hat sie kurz darauf übersehen , und sie auf die Art vermehret , wie die - fee Werk in der Ausgabe von Amsterdam , 647 erschienen ist . Sorbiere hat diese andre Ausgabe verschafft . Er hat aber noch mehr gethan ; denn er hat dieses Büch ins Französische übersehet , und in dieser Sprache zu Amsterdam 1649 herausgegeben . Hobbesius hat sich durch dieses Werk viel Feinde gemachr : allein die klügsten haben auch bekennen müs - sen , daß niemand die Grunde der StaatSkunst tiefer eingesehen . Ich zweifle nicht , daß er nicht viele Dinge vergrößert hat ; dieß ist denen ge - wöhnlich , welche wider eine Partey schreiben , gegen welche sie viel Wi< derwillen gefaßt haben . Hobbesius ist wider die Grundsätze der Parle - mentsfteunde aufgebracht gewesen : Tum pro fuo in Regem officio atque obfequio , tum pro decuinano quo femper in Deniocraticof odio laborauit , libellum Icripfit , iuris regii aflerendi gratia , qui poftea in librum de Ciue , et tandem in Leuiathan exereuit . Vita Hobbefii , p . 45 . Ihre Aufführung ist Ursache gewesen , daß er außer seinem Va - terlande gelebt , und er hat alle Tage an dem Orte seiner Verbannung er - fahren , das ! ihr Aufruhr über die königliche Gewalt triumphirte . Er ist also auss Widerspiel gefallen . Er hat gelehret . daß die Gewalt der Kö - nige keine Grenzen haben müsse ; und daß insonderheit das äußerliche von der Religion , als die fruchtbarste Ursache der bürgerlichen Kriege , von ihrem Willen abhangen solle . Es glauben einige , daß sein Lehrgebäude , in Betrachtung der Theorie , sehr wohl zusammen hängt , und den Be - griffen sehr gemäß ist , die man sich von einem Staate bilden kann , der wider die Unruhen wohl verwahret ist . Weil aber die allerrichtigsten Begriffe tausenderley Schwierigkeiten unterworfen sind , wenn man sie zur Uebung bringen will , das heißt , wenn man sie mit einer entsetzlichen Menge von Leidenschaften vergleichen will , die unter den Menschen Herr , schen ; so wird man gar leicht gewahr werden , wie viel Mangel in dem politischen Lehrgebäude dieses Schriftstellers sind . Er hätte antworten können , daß das entgegen gesetzte Lehrgebäude , auch in der Erweg»ng , ei - nen nothwendigen Ursprung der Verwirrung und des Aufruhrs in sich schließe . Dem sey wie ihm wolle , so will man , daß ihn die Liebe des Va - terlands diesen Entwurf des Werks eingegeben , und daß 04 S . welcheBaillet in desCartesinsLeben , imHBande i - j0 . angesühret . den Urheber des Vuckcs de Ciue , für eben dcnfi lben , der die drev Einwürfe , wider meine tNevitattonen , gemacht hat . ( Er hat sich hierinnen nicht bttrogen ) finde ihn viel ge» scbickrer in Oer Moral , als in der Grundlekre . und in der
fit ; ob ick ? gleiel ? weder seine GrünOe noch iNarimen billige>» kann , die sehr böse und höcbfk gcfährlicb sind , da er alle tflcn' schen , als böse voraussehet , oder ihnen doch Ursache giebc , es 5»

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