Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12204

Hobbesius .
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Hole eingelassen , woraus eln tödtlicher Dampf aufgestiegen . Dieser ist Ursache einer großen Pest gewesen , deren Nachlassung ein Orakel ver - sprachen , wen» sie den Wölfen nachahmen würden , das heißt , wenn sie vom Raube lebten . Sie haben es gethan , und datier sind diese Völker Hirpini Sorani genennet worden , das heißt , die Wölfe des Pluto : denn Hirpus ist der Name der Wolfe , in der sabinischen Sprache , und Sora - nus ist der Name des Pluto . Wenn man den Strabo und PliniuS zu Rathe zieht , so kann man nicht zweifeln , daß Servius hier nicht fchänd - lich gestrauchelt hätte . Er hat die Namen und Historien dieser zweyen verschiedenen Völker vermenget . Strabo erzählet im V B , 173 S . daß , weil ein Wolf in der Samniter Sprache . Hirpus heiße , und ein Wolf einem Volke zum Wegweiser gedient , welches in das Land der Samniter gekommen , um eine Pflanzstadt aufzurichten , dieses Volk Hirpini ge - nennet worden . Was den Plinius betrifft , so versichert er , daß in dem Lande der Hirpiner ein Ort sey , in welchen man nicht gehen könne , ohne des Todes zu seyn . In Hirpinis Anifanäi ad Mephtiis aedem , locuin quem qui intrauere moriuntitr . Lib . II . cap . XCIII . pag . m . 240 . gil beschreibt diesen verfluchten Ort viel weirläufriger , und bemerket nicht allein , daß ein vergifteter Dampf daraus gestiegen , sondern auch , daß er ein Luftloch der Hölle sey .
Eft locus Italiac raedio fub montibus altis ,
Nobilis , et fama multis memoratus in oris ,
Atufan & i valles . . .
Hic fpecus horrendum , et faeui fpiraciila Ditis Monftrantur : ruptoquc ingens Acheronte vorago Peftiferas fauces . - - -
Aeneid . Lib . VII . verf . 56z .
Der Berg Soractes ist nicht von dieser Natur gewesen : der Dampf , der daraus aufgestiegen , ist nur den Vögeln tödtlich gewesen . Plinius II B .
XCIII Cap . 240® . versichert es ausdrücklich : Alibi vohicribus fanturn , vt Soracte vicino vrbi traclu . Es ist also handgreiflich , daß ServiuS dieses Gebirge für keinen dem Pluto geweiheten Ort ausgegeben , der nahe bey einer Höle gelegen , welche die Menschen getodtet , weil er das - jenige , was den Hirpinern zukömmt , und dasjenige , was den Hirpern ge - höret , wie Kraut und Rüben untereinander wirst . Man sehe den Sal - masius über den Solin , 85 S -
Wenn man gern wissen will , was die alten Schriftsteller von den Hirpen sagen , so wird man gar bald vergnügt seyn . Die Hirpen sind eine kleine Anzahl Familien , in dem Lande der Falisker , nahe bey Rom , gewesen , die unverletzt übers Feuer geqangen sind . Mau hat diese«
Schauspiel alle Jahre auf dem Berge Soractes gesehen , an dem Tage , da man dem Apollo ein feyerliches Opfer gebracht . Die Hirpen sind üuf dem Scheiterhaufen herum gegangen , ohne sich yi verbrennen , und dieserwegen haben sie viele Befreyüngen erhalten . Hand procul vrbe Roma in Falifcoruin agro familiae funt paucae , quae vocantur Hirpi : hae facrificio annuo , quod fit ad montem Soraftcm Apollini , tu per ambuftam ligni ftmem ambulantes non aduruntur , et ob id perpetuo Senatus - confulto miiitiae omniumque aliorum munerum vacationem habent . Plin . Lib . VII . cap . II . pag . m . 10 . Solln hat gemeynet , er schriebe sehr richtig ab , und hat nicht wahr genommen , daß er einen merkwürdigen Umstand verändert hat . Er hat sich auf eine Art ausge - druckt , welche bedeutet , daß die Hirpen mitten durch die Flammen ge - gangen : Impune infultaiu ardentibus lignorum ftruibus , in honorem diuinae rei flammis parcentibtis , cap . II . Unterdessen hat Plinius die - ses nicht gesagt ; er giebt deutlich zu verstehen , daß sie nur über die glüen , den Kohlen gegangen sind : und man kann nicht zweifeln , daß sie fich nicht hierinnen eingeschränkt hätten , weil Varro vorgegeben hat , daß sie sich die Fußsohlen , mit einer gewissen Salbe bestrichen hatten . Wir wollen auch Virgils multa premimus veßigia pruna , betrachten , und die
Hobbesius , ( Thomas ) einer von den witzigsten Köpfen des XVII Jahrhunderts , war zu Malmesburi in England , den 5 April 1588 , gebohren ( A ) . Er hat in den Sprachen sehr zugenommen ( K ) , als er m dem vierzehnten jähre seines Alters nach Oxford geschicket ward ; wo cr fünf Jahre die aristotelische Philosophie studierte . Hierauf kam er zum Wilhelm ( . avendlöh , der kurz darauf den Titel eines Grafen von Devonshire erhalten hat : er kam zu ihm , sage ich , als Hofmeister seines ältesten Sohnes . Er reiste mit seinem Schüler in Frankreich und Italien ; und als er mahrnahm , daß er weder an sein Griechisch noch an sein Latein dachte , und daß die Philosophie des Aristoteles , in welcher e^viel gethan hatte , von vielen klugen Köpfen verachtet wurde , so legte er sich , nach der Zurückkunft in seinem Vaterlande , gänzlich auf die schönen Wissenschaften . Thucydides schien »hin unter allen griechischen Geschichrschreibern den Vorzug zu verdienen ; er übersetzte ihn ins Englische , und gab diese Uebersctzung 1628 beraus , um den Englandern , in der Historie der Athenienser , die Unordnungen und Verwirrungen der demokratischen Re - aierung zu zeigen ( C ) . Im 1629 Jahre , machte er sich verbindlich , einen jungen englischen Herrn nach Frankreich zu füh« a " - - - - Im 1631 Jahre kam er in das Haus der Grafinn von De .
Ausdrücke , die wir anführen wollen ; und man darf nicht zweifeln , daß Salmasius den Solin nicht mit Recht getadelt hätte . Sed i« eft Soli - nus : verba tantummodo curat , reruni fecurus quas digerit , mirae vbique ablepfiae incufandus . Exercit . in Plin . p . #6 . Ein jüngerer Poet , als Virgil , belehret UNS , daß diejenigen , die über das Feuer ge - gangen , diese Probe mit dem Eingeweide vou den Opferthieren beladen , dreymal ausgehalren , die sie hernach auf den Altar des Apollo gelegt : Tum Sora & e Jätunt praeftanteni corpore et arinii Aequanum nofeens , patrio cui ritus in aruo ,
Cum pius arcitcncns accenfis gaudet aceruis ,
Exta ter innoeuos late portare per ignes ;
Sic in Apollinea , femper veftigia pruna Inuiolata teras , vidlorque va poris ad aras Dona ferenato referas folemnia Phoebo .
Silius Italiens , Lib . V . Wir haben gesehen , daß das Fest des Berges Soractes , wcbey die Fe» ergänger ihre Rolle so wohl gespielt , dem Apollo geweihet gewesen ; al - lein wir werden es einer andern Gottheit geweihet sehen . Strabo , im V B . 156 S> beobachtet , daß an dem Fuße des Gebirges Soractes eine Stadt , Namens Ferviiia , gewesen . Es hat auch eine Göttinn so geheißen , die man in dieser Gegend ungemein verehret hat . Nun hat man ein wunderbares Opfer in dem Hayne dieser Göttinn gefeyert . Gewisse Menschen , die der Geist dieser Göttinn ergriff , sind mit bloßen Füßett über einen Haufen glüender Kohlen gegangen , und haben nicht das ge - ringste Uebel davon empfunden . ht« r^« { itrftcif
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Feroniae , in quo facrificium perpetratur mirabile : correpti eniin eins numinis alflatu hornines nudis pedibus prunarum ardentiuin ftruem illaefi perambulant . Ebendas . Es ist alle Jahre eine feyerliche Versammlung an diesem Orte gehalten worden , wobey man allezeit die - ses Schauspiel gesehen . Es ist den Alten nicht rühmlich , daß man utu ter ihnen so wenig Einigkeit in Dingen findet , die doch weltbekannt ge - Wesen sind .
( C ) JEs hat vor Alters andre Feste gegeben , wo man der - gleichen Schauspiel gesehen hat . ] Es ist zu Castabala in Kappado - cien ein Tempel der Diana , mit dem Zunamen Perasia , gewesen . Die Priesterinnen dieses Tempels sind mit bloßen Fußen über glüende Koh , Im gegangen , ohne sich zu verbrennen . Strabo redet nur davon vom Hörensagen , oxtt To ? < nod Ä ävS ? « * « * « ßzli£nv
hmfSilc . Vbi aiunt facrificas mulieres illaefis pedibus per prunasam - bulare . Lib . XII . p . 370 . Es hat in diesen letzten Zeiten Marktschreyer gegeben , die noch viel erstaunlichere Dinge aethan haben , ( siehe le nal desSavans 1677 . p . 5 - » u . hvlländ . Ausg . ) als alles , was man von den Hirpen und diesen Priesterinnen erzählet . Um aber die alten Mi6 , bräucl>e der Religion , und die neuen in eine größre Begleichung zu len , so will ich hier sagen , was ich von dem Ablaneourt habe erzäh - len hören , welcher , als ein eifriger Hugonotte , unter wäbrenden feinem Aufenthalte zu Lissabon , ein sehr gutes Register von den Schelmereyen der Mönche geworden war . Er erzählte , daß es in Spanien , ( er har mir auch den Ort genennet ; ich habe ihn aber vergessen , ) ein gewisse« Kloster gebe , welches alle Jahre einen Mönch verschafft , der sich in einen heißen Ofen stecket , und in bloßer Leinwand gekleidet , etliche Stunden darinnen bleibt . Er geht vor den Augen einer großen Menge Volks heraus , welche dieses für ein großes Wunderwerk halten . Diese Sache trägt dem Kloster viel ein , und verlohnet sich wohl die Mühe , daß man nach und nach einen Mönch darzu gewöhner , die Hitze zu vertragen . Ich will die Betriegereyen nicht alle erzählen , die hierbey' vorgehen können .
nehmlich auf die Untersuchung der Ursachen , von den sinnlichen Wirkungen der Thiere . Er unterhielt sich hierüber mit dem P . Mersennus raglich . Er wurde 1657 nach England zurück gerufen ; da er aber den bürgerlichen Krieg voraus sah , so bald er die Sachen erwogen , die in dem ersten Zusammenkünften des Parlements 1640 vorgiengen , so suchte er sich zu Paris einen ange - nebmen Aufenthalt , um mit dem P . Mersennus , dem Gassendi und etlichen andern zu Philosophiren . Er verfertigte daselbst den Tractat , de Ciue ( E ) , davon er 1642 nur wenige Exemplarien herausgab . Er uiiterwieö den Prinzen von Wallis , in der Mathematik , der qezwunacn worden war , nach Frankreich zu flüchten ; und wendete alle seine übrige Zeit auf die Verfertigung seines Leviathans an ( 5 ) , den er 1651 in England drucken ließ . Er blieb noch zu Paris . Ob er glech Proben seines Glau , benö , nach den Gebräuchen der englischen Kirche gegeben hatte ( ( ? ) , so hat man ihn dennoch bey den Bischöflichen verschrieen , und zwar mit solchem Erfolge , daß er Befehl bekam , sich nicht mehr bey dem Komge einzufinden c . Dich war Ursache , daß cr nach England zurück gierig , wo er sich für einen Mann von so großem Verdienste , be» dem Giaftn von Devonshire , sehr ein« aezoaen aufhielt ( H ) . Er zog aus seinem unansehnlichen «Stande diesen Vorthell , daß er mehr Muße Hatte , an seinem Buche , ^corpore - und an etlichen andern zu arbeiten ( l ) : er erhielt große Zeugnisse der Hochachru . igvon Carln dem II . der 1660 wieder herstellet ward ( K ) . Seit dieser Zeit legte er sich auf seine Studien , um den Anfallen seiner Widersacher zu wider - stS deren eine sehr große Anzahl waren . Er behielt den Gebrauch semer^Krankheit
ob er'aleick über 01 Jahre gelehet bat . Sein langes Leben ist allezeit das Leben eines vollkommen ehrlichen Mannes gewesen . ErÄ e ? in Vaterland , er war seinem Könige gerreu , ein guter Freund , liebreich , dienstfertig . Gleichwohl ist er für einen Gottesleugner aebalten worden ; allein die Verfertiger seines Lebens behaupten , daß er sehr rechtgläubige Meynungen von de * Namr ÄS aebabt ( M ) . Man hat auch gesaget , daß er sich vor den Gespenstern und Teufeln gefurchtet ( N ) . Sie be - haupten ? r Ä " ne Fabel sey . Sie bekennen offenheN . g , daß er m seiner Jugend den Wem und das Frauenzimmer ein wenia qeliebt ^ ' und daß er nichts destoweniger im ehlosen Stande gelebt , um , n se . nen philosophischen Studien nicht gestört gnijw , uiiw v«p / ^ . „ nk tiek niemals um «nen Biichervorratb bekümmert . itt
zu werden . Er hatte mehr nachgedacht , als gelesen den 4 des ChristmonatS 1679 , be ? dem Grafen von
( O ) ; und sich niemals um einen großen Büchervorrath bekümmert . Er ist Devonshire , nach einer sechs wöchentlichen Krankheit gestorben
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