Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12169

Hipparchus . 819
Hipparchia anfänglich unter dem Metrokles , ihrem Bruder , studiert ha - be ; II , daß viele Liebhaber wegen ihrer Jugend , wegen ihres Reichthums , und wegen ihrer Schönheit um sie geworben haben . Quantunque come gio - vane , ricca , e bella defiderata venifie da molti , con tutto cio ricufar volle ogni altro per Crate vecchio , povero , e mal d'apparenza . Lor . Craflb Kloria de Poeti Greci , p . 296 . III . Daß sie sich als ein Mann verkleidet , um demKrateS überall zu folgen . IV . Daß sie , da sie mir dem Theodoruö disputirt , der die Vorsehung geleugnet , denselben durch sehr gründliche Beweise , und unumstößliche Verminsrschlü> , e überzeuget habe . Riufci cofi dotta che in difputa convinfr con folididime prove c incon - traftabili ragioni , e con fomma fna gloria Theodoro , che niegava la divina providenza . Ebendas . Man lese den Text diese« Artikels , so wird man sehen , daß Lorenz» Crasso die Worte des Laertius unrecht ver« standen hat . Der Reichthum , der Adel , und die Schönheit , davon Laer - tiuö redet , gehören nur für die Liebhaber der Hipparchia . Sie hat sich nicht , als ein Mann verkleidet , damit sie dem Krates folgen können ; sondern weil er gesaget hatte , daß er keine andere Frau Heiratben wolle , als die sich den Regeln der cynischen Seete unterwürfe . Endlich hat man gesehen , daß in der Disputation , die sie mit dem Theodor gehabt , nicht von der Vorsehung noch von einem andern Puncte der Religion ge - handelt worden . Man kann nicht begreifen , wie viel Schriftsteller dir Leser bekriegen !
( G ) Moreri hat etliche Schniyer gemacht . ] Er hätte nicht sa - gen sollen , daß der Hipparchia Liebe zu den Wissenschaften sie bewogen , den KrateS allen andern Freyern vorzuziehen . Sie liebte den Krates von Person , und aus Liebe gegen ihn , hat sie sich auch aufs philosophiren gelegt . Es ist wahr , daß er sie durch seine schönen und gelehrten Reden bezaubert hat ; allein deswegen kann man nicht sagen , daß ihre Wahl , die vor allen andern auf diesen Philosophen gefallen , auf ihre Liebe zu den Wissenschaften gegründet gewesen . Es hat Jungfrauen und Ehftauen gegeben , die sich in Prediger verliebt haben , wenn sie sie predigen gehört ; und solche vor andern weil vortheilhaftern Freyern geheirathet haben .
Die Wissenschaft und Beredsamkeit dieser Prediger ist wohl Ursache ge - wesen , daß man sich in sie verliebt hat ; allein die Liebe zu den Wissen - schaften und Büchern hat nicht gemacht , daß man sie geheirathet hat .
Wenn Moreri von Verbesserung ( * ) der Stelle des Diogenes von Laerz geredet hätte , so hatte er sagen können , daß die Schreibart der Hippar - chia , nach diesem Historicnschreiber , des Plato seiner ähnlich gewesen wä - re , uud daß sie Tragödien gemacht hätte : allein da er nicht davon det hat , so hat er auch das übrige vernünftiger Weise nicht sagen können .
( * ) Es ist die Stelle des Menage , von welcher ich in der vorherge - henden Anmerkung geredet habe .
( H> > - - Lorenzo Crasso hat auch etliche gemacht . Z Er führet nur den Diogenes von Laerz an : er saget also mit Unrecht I , daß
Htppttvchus , ein großer Sternseher , gebürtig von Nicaa in Bythynien " , hat zwischen der 154 und l6z Olympias lüht ( A ) . Wir haben noch eines von seinen Werken , nämlich seine Auslegung über die Himmelserscheinungen des ^ratus ( B ) . Rohault hat sich stark geirret ( C ) , wenn et gesaftet , daß dieser Sternseher die eigenen Bewegungen der Fix - sterne vom Abend gegen Morgen nicht gekannt habe , welche die Veränderung ihrer Länge machet . Pliniuö redet sehr oft vom Hipparchus und zwar mit großen Lobsprüchen . Er setzet ihn in die Zahl der erhabenen Geister , die durch die Vor - hersagung der Finsternisse zu erkennen gegeben haben , daß man sich über dergleichen Erscheinungen nicht entsetzen Dorfe ( D ) , und daß die Götter selbst gewissen Gesetzen unterworfen wären ( E ) . Er bewundert ihn , daß er alle Sterne durch die Muste - rung gehen lassen , daß er sie gezählet , und den Stand und die Größe eines jeden bemerkt hat : welches seine Nachkommen in den Stand gesetzt hat , nicht allein zu entdecken , ob sie entstehen , oder verschwinden ; sondern auch , ob sie den Platz verän - dern , und ob sie größer oder kleiner werden . Wir erfahren aus dieser Stelle des Pliniuö , daß Hipparchus unfern Seelen einen himmlischen Ursprung zugeeignet hat ( F ) . Strabo h beschuldiget diesen Sternseher , daß er das Tadeln allzusehr ge - - liebt , und sich sehr oft einer Art zu radeln bedient , die mehr nach der Grübeley , als nach einem richtigen Verstände geschmeckt hat . Plinius urtheilet nicht so ungeneigt von ihm c .
« ) Suidas pag . 1264 . b ) Libr . I , und II , hin und wieder , e ) Hipparchus et in coarguendo ( Eratofthcne ) et in reliqua omni diligentia mirus . Hin . Libr . II , cap . CVIII .
( A ) Igt hat zwischen ver 154 und 16z Olympias geblüht . ^ Der Beweis , den man davon aeben kann , könnte nicht stärker seyn , weil er aus den astronomischen Beobachtungen genommen ist , die er in dieser Zwischenzeit gemacht hat . Ptolemaus hat «cht derselben angeführet .
Die erste im II Buche und die sieben andern im >111 Buche . Man sehe auch den Voßius , de Scient . Mathem . p . 159 . VoßiuS hat Recht habt , den Hipparchus unter Ptolemaus PhilometorS und des Ptole - mäus EvergeteS Regierung zu setzen , und den Suidas zu tadeln , der nur gesayet hat , daß dieser Sternseher zur Zelt der römischen Bürgermeister gelebt hat : er hätte die Zeit mehr bestimmen sollen , nämlich des dritten punischen , und des numantischen Krieges . Bis hierher ist VoßiuS sehr wohl gegründet ; allein wenn er saget , daß er mit dem Suidas wegen dieser Zeit einig ist , conuenit de aetate Suidas , so vergißt er sich selbst , und saget eine Unrichtigkeit : denn Suidas ist über diesen Puncr mit dem VoßiuS eben so wenig einig , als mit einem andern Schriftsteller , der den Hipparchus zu Anfange des IV Jahrhunderts Roms , oder zu Ende des V gesell haben würde Ealvisius , aufs z66s Jahr hat unrecht gehabt , zu sageil , daß Suidas den Hipparchus 130 Jahre nach dem ersten der Ptolemäer gesetzt hätte . Coutel , ( du Calcul . Ecclefiaft . pag . 189 . ) kriegt sich eben so sichtbar , wenn er versichert , daß - Hipparchuszur Zeit ves plato gelebt hat . Hätte Moreri , der nur den VoßiuS in diesem Artikel zur ganzen Hülfe gehabt , nicht darinnen ein vortreffliches Ver - wahr - mgsmittel wider die Fehler finden sollen , die er gemacht hat ? Er hat den Hipparchus ins 570 und 8oJaf»r Roms , unter die Regierung ves prolomäus und philometorn Evergeles , Ronigc von ten gcsettk . Hätte er nicht die Zeit , die vom 589 Jahre Roms bis ins 625 verflössen ist , mit denen vom Voßius bemerkten 154 und 163 Olnm - piaden gleich fetzen sollen ? Wenn man außer diesem kurz weg ptolemaus saget , so ist eS ein Zeichen , daß man von dem ersten Prinzen dieses Na - mens redet , der in Aegypten regiert hat : und e« giebt auch sehr wenig aufmerksame Schriftsteller , die ihn nicht deutlicher bemerken . Dieß ist also ein schändlicher Schnitzer , wenn man das Wort prolomäus schlechtweg und unbedinget gebraucht ; wenn man nicht von demjenigen reden will , der Aegypten nach Alexanders Tode zu seinem Erbrheile bekommen hat .
Es ist klar , daß Moreri nicht von diesem redet , oder doch , wenn er davon redet , einen Fehler begeht : denn ein Mensch , der im 570 und 80 Jahre Roms gelebt hat , kann nicht unter dem ersten Prolomäus geblüht haben , der >m 4 * 8 Jahre Roms gestorben ist . Er hat sich auch noch in einer andern Sache betrogen : er hat vorausgesetzt , es habe ein König in Aegyp« ten gelebt , der Philometor Evergetes geheißen .
( v ) Xvir haben noch - - - seine Auslegungen über die - Him - mclserscheinungen des Aratus . ] Dieß ist eigentlich eine Beurthei - lung des Ararus : denn Hipparchus beschuldiget ihn , daß er des EudoruS Bücher geplündert hätte , und so gar in denen Dingen , wo sich Eudoxus be - trogen . Er wirft auch dem Sprachlehrer Ararus eben dasselbe vor . der eine Auslegung über den AratuS gemacht hatte . Der erste , der diese Aus - legung des Hipparchus ans Licht gegeben , ist Peter Victorius gewesen :
Petav hat eine viel verbesserte Ausgabe davon geqeben , und eine lateini - sche Uebersetzuug dazu gefüget , davon er der Urheber ist . Voflius , de Scient . Math . pag . 160 . Die andern Werke des Hipparchus sind gewe - sen : De conftitutione ftellarum inerrantium , et ftatione itnniota , de - q * «e nienftruo lunae motu feciuidum latitudinem etc . ( Ebendas p . 159 . ans dem Suidas . )
kl gen , wie er , sind gemeiniglich in derErkenmnißder Geschichte nichtsehr bewandert , und es entwischen ihnen sehr oft historische Schnitzer . Man ziehe die Anmerkuna ( 10 bev dem Artikel des dritten Herzogs von Gmsc zu Rathe . Dem sev wie ihm wolle , so wollen wir sehen , was dieser ge - lehrte Cartesianer saaer der durch die bloße Rechtschreibung des Worts parchus z» erkennen giebt , daß er das Griechische nicht verstanden hat .
II Band .
- Hyparchug , saget er , Traue' de Phyfique , Tom . II , P . II , ch . VIII , pag . m . 35 . hat den größten Theil seines Gebens zurück gelcgel , ohne etwas anders von den Fixsternen zu bemerken , als daß sie eine Bewegung vom Morgen gegen Abend hatten , in den Zir , keln , die ihm nur demAequator ganz gleichlaufend zu styn gcscliie - nen ; welckes ihn zu schließen bervogcn , daß sie alle in das Feste desselben - Himmels eingeseyer waren , ( das man das Firmament nennet ) den er über alle Planeten gefeM hat : und weil er nicht für närhig gehalten , daß dieser - Himmel diese Bewegung , die ein - fach ist , von einem andern - Himmel über ihm erborge ; so hat er versichert , daß dieß der Ictne von allen - Himmeln und derie - nige sey , der dazu diene , alle die andern mir sich zu ziehen , ohne sich ) » drehen , und daß er also die erste Ursache der Beweaun - r sey . Hyparckus hat also . bey dieser Meinung , daß dieFirsterne den plar ; am - Himmel nicht veränderten , dafür gehalten , daß sie darzu dienen konnten , den Häuf der Irrsterne zu bestimmen : eben w»e man sich verschiedener Felsen im Meere bedienen könne , den Xveg der Schiffe zu bemerken , die nickt die geringsten Spuren in denen Oettern zurück laßen , über rvelcke sie geben , ( tc hat also seinen Fleiß angewendet , die N ? eirc zu messen , die ein , eder Fix , stern von dem Thierkreise hat , welckes die Breite eines Sterns genenner rvird ; daraufdie Zahl der Grade und Minuten des Thier« kreise« zu bestimmen , die man vom Abend gegen Morgen von Sem ersten Puncre des tvidders , bis auf den gleich qegen über - stehenden puncr zahlet , mit welcher ein jeder Scern'Verwandt - fckafr hat , welches man seine Lange nennet ; weil ihn aber der Tod übereilet , so ist seiner Nachkommenschaft die Ausführung seiner Absichten vorbehalten worden , prolomäus der unaefahr - so Jahre nach dem - Hsparckus gekommen , hat sick voramom , men , die Bewegung der Planeten fest zusetzen ; und Sa erdieNeu , begierde gehabt , zu beobachten ? ob sein Vorqanger die L . änqe und Breite der Fixsterne r , cktig bemerkt hätte , so hat er befunden , daß ihre Breite in VerThatso war . wie sie - Hyparchus bemerkt hatte , daß aber ihre Lange um zween Grade vermehrt worden . Er hat hieraus geschlossen^vaß die Fixsterne , außer daß sie sich vom Aufgange gegen den Niedergang in vier und zwanzig Stunden bewegten , noch eme andere Bewegung von dem Niedergänge ge< gen den Aufgang , in lauter mir dem Thierkreise gleichtaufenden Zirkeln hatten , dem zu Folge sie ihren volligen Zeitbegriff zu vol - lenden 36000 Jahre nothig " hatten , da sie in 200 Jahren zrveen Grade fortgerückt rvarcn . Und da überdieß das Firmament nur eine einzige Bervegung hatte , die ihm eigen war , so hat er ihm die Bewegung der z6ooo Jahre zugeeigner und versichert , daß er die tagliche Bewegung vom Aufgange gegen den Niederqana von einem - Himmel erborge , der über ihm - n müsse . Und auf diese Art hat man zu glauben angefangen , daß die erste Ursache der Bewegung ein Himmel sey . ver keinen einzigen Stern in sich halt , und der das Firmament einschließt .
Regis , ein andrer sehr geschickter Cartesianer , giebt ebendasselbe Syftemc de Philofophje , Tom . III , p . 41 et 4 ; . lion . Ausgabe von 1691 , in 12 . in weniger« Worten vor ; allein Gadroys , Syfteme du Monde , chap . II . pag . 27 . auch ein vortrefflicher Cartesianer , hat sehr wobl gewußt , daß die Entdeckung von der absonderlichen Bewegung der Fixsterne gegen Morgen dem Hipparchus beygeleqer werden muß . Vielleicht war er auf folgende Sache , die Gassendi angeführet hat , aufmerksamer gewesen , als die andern . Die Chaldäer , die Zlegyptier und die Griechen hatten ge , glaubt , daß alle Fixsterne in die Höhle des letzten Himmels , und folglich der ersten Bewegungsursache gesetzt wären , und daß sie also keine andere Bewegung , als vom Morgen gegen den Abend , über den Polen de« Aequators , hätten . Allein endlich hat Hipparchus >zo Jahre vor Christi ? ll ll 2 Geburt

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