Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12138

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Hipparchia .
sey , das ist schwer zu begreifen . Es kann seyn , daß im vorigen Jahrhunderte , als die Sitten noch etwas rauher waren , mehr trunken worden , als itzo : aber auch an denjenigen Höfen , die da - mals der Trunkenheit halber am übelsten berechtiget gewesen , geht es itzo am mäßigsten zu . Hingegen weis man ja , daß in Pari« und Versailles selbst das übermäßige Sausen täglich mehr überhand nimmt . Werden wir Deutsche also nicht bald Ursache haben , uns für nüchterne und mäßige Leute ; unsre Nachbarn aber , die Herren Franzosen , für Schwelger und Saufhelden zu . halten ? G .
( E ) f£a ist einiger Unterschied jwtfcbett der ( F ) leb kann kaum glauben , daß - Hrperius ein Mönch gerve - fm . ] Der Auszug seiner Leichenrede gedenket nicht« davon : Man kann also versichern , daß Wigand Orthius e« nicht gesagt hat ; denn da« wäre eine Sache gewesen , die der gute Melchior Adam nicht mit Stillschwei - gen übergangen hätte ; wenn er auch nur einen sehr kurzen AuSzugmnd feine lange Erzählung gegeben , die mit hundert Kleinigkeiten überladen ist . Gleichwohl habe ich diesem Grunde nicht trauen wollen : ich habe des Wigand Orthius Rede gesucht und endlich gefunden , und nichts dar - innen gesehen , da« die geringste Vermuthung geben könnte , daßHyperiu« jemals in , Kloster gewesen wäre . Ich schließe darau« ; daß er niemals ein Mönch gewesen ist . Man wende mir nicht ein , daß ich nach einem verneinenden Vernunftschlusse urtheile ; ich will die Sache von dieser Art zu urtheilen , nicht vertheidigen ( » ) ; allein ich getraue mir wohl , zu sa - gen , daß sie hier bündig zu senn scheint , sowohl weil derjenige , der de« Hyperiu« Leichenrede gemacht hat , wissen können , ob er ein Mönch sen oder nicht ; al« auch , weil ihn alle Gründe genöthiget , solche« zu be - merken , wenn er e« gewußt hätte . Man hat dergleichen Wahrheilen in Ansehung de« Musculus , de« Marlorat , de« Peter Martyr« , de« Zan - chiuS und vieler andern Pfeiler der aufgehenden Glaubensverbesserung nicht verqessen . die au« den Klöstern entsprungen waren : und vielleicht ist kein Mensch unvermögender , al« OtthmS , be ? dergleichen Dingen zu schweigen ; da er sich verbunden gehalten , in einer Leichenrede vorzubrin - gen , daß Hvperiu« sein Geräthe in Marpurg erwartet : weil er gewußt , daß er daselbst wohlfeiler , al« an einem One an dem Rheine , leben
te . Sciebst enim minor ! » fe apnd Cattos interea pofle viuere , quam vspiam ad Rheni ripas . Er flieht hundert Umstände von dieser Stärke an , die Melchior Adam getreulich abgeschrieben hat . Also sehe ich nicht , wie Moreri , ohne sich zu bekriegen , ^ hat sagen können , daß Hyperius in dem Dominicanerorden ein iTJöncH geworden , rvo er sich durch seine K . ehre hervorgethan ; daß er aber nach diesem schandlicher weise abgefallen sey . Er ist hterinnen ein bloßer Abschreibet des lerius Andreas gewesen , der diese Lügen bereits vorgebracht hatte . Die - ser Bibliothekschreiber der Niederlande , der sich außer dem betrogen , wenn er des Hyperius Tod in« i ; 6o Jahr setzet , ist nicht zu entschuldigen , daß er nicht zum wenigsten gesagt , Hyperius sey Prediger zu Marpurg gewe - sen : und Moreri , der es gesagt hat , ist wegen seines Stillschweigens von der theologischen Proseßion zu tadeln . Seine wenige Aufmerksamkeit erhellet auch aus diesem Abdrucke , er fiel in - Luthers Irrthümer , die er gelehm . Worzu dienet diese letzte Anmerkung , die auf eine so bestimmte Art ausgedruckt wird ? War es nicht genug , daß er dem Hy - perius auf der ersten Zeile des Artikels den Titel eines protestantischen Predigers gegeben hatte ? Zeiget dieß nicht zur Gnüge , daß HyperiuS die Grundsätze der Protestanten gelehret hat ? Allein überdieß ist e« nicht wahr , daß Hyperius Luthers Glaubensverbesserung gefolgt ist . DaS Verzeichmß der verbotenen Bücher hätte dem Moreri in diesem Pun - cte Licht geben können , f " " ' ' *
1667 , Andreas Hyperius ,
nus , Profeflor Marpurgenfis . Konig nennet ihn pag . 42 thef einen tefermirten Gottesgelehrten : dieß ist nach der Schreibart des protestantischen Deutschlandes eben so viel als ein calvinischer Gvt - tesgelehrter .
( * ) Launoi hat Bücher über die Kraft de« Argumenti negatiui macht , und Thier« hat unter andern seinen Grundsatz bestritten .
( G ) Lin Thcil von seinen Büchern hat erstlich da« Lucht nach seinem Tode gesehen . ] Man ziehe GesnerS Auszug zu Rath ? , man wird darinnen sehen , daß verschiedene Werke des Hyperius bey seinen Lebzeiten gedruckt worden : also sehe ich nicht , wie man ihn al« ein Bey - spiel der sonderbaren Bescheidenheit anführen könne , welche machet / daß ein Schriftsteller die Heransgebung seiner Schriften bis nach feinem Tode verschiebt , damit er seine Lobsprüche nicht selbst hören darf . Hierauf müssen diejenigen eine Aufmerksamkeit wenden ; welche in dem Buche des Salden»« , de Libris , et eorum Leäione , pag . 47 , folgende« lesen . Cuius ( contemtns famae vel gloriae propriae ) illußre exemp / um an . tehac praebuit Theologus fua aetate ce / eberrimus Andreas Hyperius , < / # quo tefiis eß Itiftus Vulteius ( in Dedic . Oper . Hyperii praefix . ) , quod ideo poß mortem demum in lucem prodire J'ua vo / uerit , quia gloriara fibi nullam , nec vUlgi applaufus iis captabat . Hos enim { inquit^ fi tanti faciendos efle putaflet , vtique viuo ei frui illis Iicuiflet .
HlppÄVchM , die Ehfrau de6 Philosophen Krates , war von den Reden dieses Cynikers so bezaubert worden , daß sie ihn Heirathen wollte , es möchte auch kosten , wa6 es wolle . Eine gute Anzahl Anbether hielten um sie an , deren Adel , Reichthum und qutes Ansehen ein großer Vorzug war . Man nöthigte sie in ihrer Familie , sich unter diesen Freyern einen Ehgatten auszu - lesen' allein es konnte sie nichts vom Krates abwendig machen . Sie erklärte sich , daß ihr Krates alles in allem wäre , und daß sie sich erstechen wollte , wenn man sie nicht mit ihm verheirathete . Nach dieser Erklärung wendete sich die Familie an den Krates , und bath ihn , alle seine Beredsamkeit und alle sein Ansehen bey der Tochter anzuwenden , um sie von ihrer Leidenschast xu heilen . Er wendete auch alle seine Kunst dazu an , ohne das geringste über diese Halsstarrige zu gewinnen . Endlich , da er
£ ✓ r • . nx . « . t * w CD . i - cfXf« - . s . : . ^ * n . . . t . c r . ci * i 1 + * * * ' " " " ' —
. daß / eine Gr^deund Rathschläge nicht die geringst' ? Stärke hatten , so stellte er diesem Mägdchen seine Armuth vor ( A ) : er wies ihr seinen Buckel , er legte semen Stock , seinen Bettelsack und seinen Mantel aus die Erde , und sagte zu ihr : hier ist der Mann , den ihr bekommen , und der Hsuorath , den ihr bep ihm finden rverdet ; bedenket euch rvohl , ihr konnex meine Frau nicht werden , ohne daß ihr das lieben führet , ivelcheo unsere Secre vorschreibt . Er hatte kaum zu reden aufgehöret , als sie sich erklarte , daß ihr die Partie ungemein wohl gefiele . Sie nahm das Ordenskleid , ich will saqen . die «Vi . dung der Cyniker , und ergab sich dem Krates dermaßen ; daß sie überall mit ihm herum strich , daß sie mit ihm zu ( M ? gieng ( B ) , und sich keinen Scrupel machte , »hm mitten auf den Straßen die ehliche Pflicht zu leisten ( ( ) ) . Dieß war eine von den Lehren der Secte , daß man sich wegen keiner körperlichen Verrichtung schämen muffe , welche die ' toert ( D ) , fcjjr r~L jUt u™ * s«>m ,
machte ihm1
denZupucht^ W .
setzte " . Sie hat Bücher gemacht , die nicht bis zu uns gekommen'sind ( F ) . Moreri hat etliche Schnitzer in diesem Artikel gemacht ( G ) . Lorenz Crasso hat auch etliche gemacht ( tt ) . Ich habe vergeben zu sagen , daß Hipparchia und Metrokles , , hr Bruder , der des Krates Schüler gewesen ' , zu Maronea gebobren waren f . Sie haben zu Alexanders Zeit aeblübet . Aus der Hipparchia und des Krates Eye , ist ein Sohn , Namens Pasikles , entsprossen d .
iatur von uns erfor -
<0 Aus dem Diogenes Laerz , in Hipparchia , Libr . VI , mim . 96 u . f . b ) Vit r ) Eine Stadt in Thracien , die auch Hipparchia genennet worden . Menag . Not . ad Laert . in Cratete , Libr . VI , nurn . 88 -
; . Laert . in Hipparchia , Libr . VI , num . 94 et 96' ) iog . Laert . Libr . VI , num . 96 . d~ ) Diog .
( A ) Rrate . q hat diesem Maadchen seine Armuth vorgestellet . ] Niemand hat dieses Mit solcher Ausmerkiamkeit beschrieben , als Apule - ju« : er saget : Hipparchia habe geantwortet , daß sie diese Sache zurGnnge überleget hätte , und versichert wäre , daß sie unmöglich weder einen schö - nern , noch reichern Ehmaim , al« den Krates , finden könne ; und daß er sie mir hinführen möchte , wohin er wollte . Er hat sie in denPorticus gesnh . ret . Dieß ist eines von den prächtigsten , volkreichsten , öffentlichsten Ge - banden in Athen gewesen , und er hat daselbst die Ehe vollzogen . Alle Welt würde es qeschen haben , und die Braut ist ganz entschlossen gewe - sen , die Gesellschaft mit diesem Schauspiele zu beschenken : allein ein Freui'd des Krates hat seinen Mantel über sie gedeckt , und ihnen durch dieses Mittel eine Gattung vom Vorhange gemacht , der das Gesicht der Anwesenden aufgehalten hat . Damit man lebe , daß ich»miunem Schriftsteller nichts andichte , so will ich seine eignen Worte %rf ? fjen . Adeoque i» ( Crates ) cupiebatiir , vt virgo nobilis , fpretis iunioribus procis , vitro eum tibi optauerit . Curoque interfcaoilium Crates re - texiil'et , quod erat audio gibbere , peramque cum Daculo et pallium humi pofuiflet , camque fiipelleftiletn fibi efle puellae profiteretur , eamquc formam , 'quam viderat : proinde fedulo confuleret , ne polt querelae caufam caperet : enim vero Hipparche conditionem acci - pit . Iam dudum fibi prouifum fatis , et fatis confultum refpondit : neque ditiorem maritum , neque formofiorem vspiam gentium pofle inuenire . Proinde duceret quo liberet . Ducit Cynicus in porticum . Ibidem , in loco celebri , coram luce darillima , accubuit ; coramque virginem iinminuiflat , paratam pari conftantia : ni Zeno procin & u
palliaftri , a circumftantis coronae obtutu , magifinim in fecreto de - fendiflet . Apul . in Floridis , pag . m . 350 . Menage , in Hiftor . Mulie - rnmPhilof . zu Ende de« Diogenes von Laerz , pag . 497 , versichert : »« er» zähle Clemens von Alexandrien , daß die Hochzeit de«Krates und der Hip - parchia in dem Portion« gefeyert worden , den man zugenamet hat ; aber e« ist gewiß , daß Clemens von Alexandrien dieß nicht saget , man kann es nur an« seinen Worten folgern , rvegen der - Hipparchia , saget er , ( * ) find die Cynogamien in dem pocile gehalten worden . Da« Wort Cynogamie bedeutet auch , nach eben demselben Menage , über den Laertiu« VI B . Num . 96 , ein Fest , welches die Cyniker zur Ehre und zum Gedächtnisse der Hochzeit des Krates gefeyert haben . Er fetzet dazu , daß Petit , der Arzt , ein sehr schönes Gedicht auf die Liebe uud Hoch - zeit dieses Cyniker« gemacht hat . Diese« Gedicht ist Cynogarnia telt , Viele werden sich hier eines französischen Verses erinnern , der vom Furetiere unter dem Worte Kein angeführet wird :
Voulurent chauds de reins faire noce» de chicn .
Dieser Vers ist vom Reignier : er geht auf den Kampf der Lapithen .
( * ) 'e$' p yjtf ta xvioy & ttHu tv t * I ts / k'A ? iriTftojo . Propter quam in Poecile quoque celebrata fiiere Cynogarnia . Clem . Alexand . Stro - mat . Libr . IV , pag . 533 .
( B ) Sie gieng mit ihm ; u Gaste . Diese« und die Gewohnheit , überall mit dem KrateS herum zu traben , sind zwey Dinge wider dieGe - wohnheit der andern griechischen Frauen . Sie sind in dem Miltelpun - cre des Hauses verschlossen gewesen ; daselbst hat niemand ju ihnen^e'

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