Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4645

Carneades .
6 ?
ftrinn d ? « Kameades , feines Lehrmeisters , im Bette gefunden worden . Dainals hat Karneade« . weder über die Wahrscheinlichkeit , noch über die Unbegreiflichkeit gestritten : er machte es , wie alle andre Menschen ; er hielt dasjenige für eine gewisse Sache , die er sehr wohl begriff , was ihm seine Augen von der Unrreue seiner Deyschlaserinn und seines Schülers zeigten , und brach mir dem Mentor . Dieser ist sein sacher geworden ; er hat Spitzfindigkeiten andern Spitzfindigkeiten entgegen geseht , und die Akatalepfie widerleger , x - ? »<£fa Ii ytWoq
yvw'fjfto ? Mt * Tü> ; ftiv o k ? Zto ( , B fiijv iiiioxot . K«fVf4 ) »fC
ix ) rxXkxxZ ( imxov tiguv , »X utä ir<5avi ) C ( pxvrtcrtxf , Iii' ü ( n> ) u«t« - Aifipuc , * f ir A / «e wvgm rj - tyu , njrf xcCTxiatuv , itu^nt^txTo ri«
Mentorem Carneades primum hahuit difcipulum , non tarnen fucccfiorem . Quod enim illum adhuc viuens cum pcllice fua rcpercrat , non iam vifo tantum probabili , aut quafi minus ho - minem comprehenderet , at fuis inaxime eredens oculis , eumque vere comprchendens , eius deineeps operam et confuetudinem re - pudiauit . Numenius , apud Eufebium Praepar . Euang . pag . 738 . D . Dieses berichtet uns Numenius . Diogenes Laertiu« im IV B . Num . «z . redet mit mehrer Kürze davon . Diese That Mentors ist schändlich : er ist der erste Schüler des Karneades gewesen : er hatte bey ihm einen freyen Zutritt , wie ein Kind im Hause gehabt ; und hat dieses Vorrecht zur Schändung der Deyschlaserinn dieses Philosophen gemiebraucht . Man kann die Ausschweifungen der Liebe nicht genugsam beweinen . Sic ist eine viehische Leidenschaft , welche alle Regung der Dankbarkeit und der Großmuth ersticket . Man findet Leute , die um nichts von der Welt ihren Freund um den Wehrt eines einzigen Pfennigs bringen würden : sie wurden eine unerträqliche Gewissensangst empfinden , wenn sie sich vorzuwerfen hätten , denselben in dem geringsten Dinge Hintergan - qen zu haben : die allerschönste Großmuth erhält sich in ihrer Seele , in Ansehung aller andren Dinge ; allein sie machen sich nicht das geringste Gewissen , seine Ehgatlinn , oder seine Tochter zu verunehrcn . Es ist keine Freundschaft , die wider den Unkeuschheitsmisel Stich hält . Alles scheint ihm erlaubet zu seyn . Non hofpes ab hofpite tutus . Die so heiligen und unverletzlichen Gesetzt der Gastfteyheit halten ifin nicht auf . Er findet darinnen vielmehr seine Vorbereitungen , und die Be - förderung seines Vorhabens .
( N ) - , - Mit demTpik'ur ju gleicher Zeit gelebt . hat sich über Viesen punct , zwischen ? ween . Neuern . ein Streit erhoben . ^ Ich will sagin , zwischen dem Foucher , Domherrn zu Di - jon , und dem Herrn Lamm , Parlementsrathe in derselben Stadt . Die Stücke von diesem Streite finden sich in dem Tagebuche der Ge - lehrten unter dem 6 August >691 , pag . m . 509 . unter dem 24 März 1692 , pag . 197 . und unter dem 8 de« Christmonats 169» , pag . 704 . Es trifft die Frage : ob Rarneades mit dem Lpikur ; u gleicher Zeil gelebet twf ! Foucher Hat es in seiner Historie der Akademiker gesaget , und es aus vier Gründen in einer Gedenkschrist behauptet , die er dem Cousin mitgetheilet . Siehe das Tagebuch der Gelehrten , vom 6 gust 1691 . Sie sind von dem Lantin widerleget worden , ( ebendas . 206 u . f . S . ) und zwar auf eine Art , die nach meinem Bedünken keine gute Gegenantwort leidet . Er hat in dem Cicero , ( IV B . der akademischen Fragen , XLV Cap . zu Anfangs . In meiner Ausgabe ist es im II B . - I - Dl . v . ) eine entscheidende Sache gefunden ; daß nämlich Karnea - des mit den zweenen andern Gesandten der Athenienser , unter dem Consulate des'Publius Scipio , und des Marcus Marcellus nach Rom gekommen . Nun fällt dieses Consulat in das 59« Jahr Rom« , welches das II der >5 ; Olympias , und ungefähr »2 Jahre jünger , als der Tod Epikurs , ist . Es ist also falsch , daß Epikur und Karneades zu gleicher Zeit gelebet hatten ; nian kann als» den Foucher mit der Stelle de« Ci - cero zu Ende des V D . de Finibus , nicht unterstützen , wo gesaget wird : daß Karneades , der vertraute Freund Epikurs , Epicuro pcrfamiliaris , bey dem Arcesilas einen Desuch abgestattet . Cicero muß entweder in einen Gedächtnißfehler verfallen seyn , oder von einem Karneades geredet haben , der von dem unsrigen unterschieden ist , ( dieses ist augenscheinlich ; denn er hatte den unstigen auf den vorhergehenden Seiten etlichemal schlecht weg genennet . Sollte es ihm wohl eingefallen seyn , denselben zu Ende des Buchs durch Epicuri perfaniiliaris , p bemerken ? ) oder die Abschreiber haben hier Karneades anstatt eines andern Philosophen ge - setzet , wie ihnen solche« in andern Stellen begegnet ist . Siehe den JcnsiUs , de 8criptor . Hiftor . Philofoph . pag . 191 . wo er zeiget , daß man in verschiedenen Stellen de« Cicero Tbarmivas , lind nicht <£ * * > peaves lesen müsse . Foucher hat ohne Zweifel die Starke dieles Grun - des eingesehen ; allein da er neue Schwierigkeiten gesunden , so hat er sich nicht geben wollen , bis Lantin dieselben geKoben hätte . Siehe das Tagebuck'der Gelehrten , von >692 , pag . 704 . u . f . Er halt es für mög - lich , daß da« Consulat , unter welchem die drey philosophischen sandten nach Rom gekommen , da« Consulat eine« Scipio des kahlen , und eines Marcellus , im 551 oder ; z , Jahre der Stiftung Roms seyn kann t ■ . 7 Wenn dieses ist , so würde Rarneade . q zwamig Jahre mit dem Epikur gelebet , und im seclnigfkcn IaKre seines Alter« abgeordnet seyn - - - und er Höne nach seiner Ge< simdtfchaft rvobl noch dreyfiig Jahre leben können , weil er erlk - lich im neunngfien Jabre geworben» ( J . Allein eS ist leicht zu sen , daß diese Gesandtschaft viel jünger , als das ; z , Jahr , ist .
Zum l . belehret uns Pausanias im VII B . auf der 216 S . daß die Plünderung von Orope erstlich nach dem geschehen , da . Makedonien zur Provinz des römischen Volks gemachet worden ; und es ist gewiß , daß Perseils , der letzte König von Makedonien , erstlich im 5« ? Jahre nach Rom gesiihrer worden . Es ist also nicht möglich , daß eine Ge - pndtschaft . welche um die Mäßigung der Geldbuße anhalten sollen , wo - zu die Athenienser wegen der Plünderung von Orope waren met worden , ins Jahr Rom« ; z - gehöre . Dieß ist der Zweck von der Gesandtschaft der drey Philosophen gewesen ; siehe denPlurarch in Ca . tone maiore , 349 Seite , und den Auws Gellius in des VII B . XIV Cap . Zum II . ist Cato zur Zeit dieser Gesandtschaft alt gewesen : Plu - tarch beobachtet es : » ! » ^ aui - S yf ? »»™« ytyovtvret * ? <«•£««
Ixäov h ; 'p«W 0 / Tte ) etc . Eo iam fene Iegati Athenien -
fium Romam aduentarunt , Carneades , etc . Plutarchus , in Catone , «nai . pae . , 4o D . Nun war Cato im 5 . 9 Jahre Roms gebohren ; denn Cicero , de lene6tute . cap . V . pag . m . Z98 . laßt ihn sagen , daß er im Jahre gerathen , das vocon . sche Gesehe , unter dem Con , . . latedes lippus , und des Cäpi» einzuführen , welches ins Jahr 584 trifft . E» II Sand .
ist also nicht möglich , daß diese drey Abgesandten von Athen , im Jahre Roms ; z2 , nach Rom gekommen sind . Hier ist eine III Ursache : ich nehme sie aus denen Stellen selbst , die Foucher für seine Sache angefüh - ret hat . Scipio und Läliu« sind zur Zeit dieser Gesandtschaft sehr jung gewesen : ( Quibus adolefcentibus Stoicum Diogenem , et Academi - cum Cameadem video ad Senatum ab Athenienfibus miflos efle le - gatos . Cicero , Tufcul . Lib . IV . wie ihn Foucher im Journal des Sa - vans , p . 706 . anführt . ) Und sie haben im Jahre Roms , 601 , da» Alter noch von weitem angesehen . Man lese den Cicero , in dem Tractate , de Sene & ute , wo Cato sie anredet , wie ein Greis junge Leute anzureden pfleget , und wo er bemerket , daß Scipio , der Afticaner , vor zz Jahren , ein Jahr zuvor , da er , Cato , Censor geworden , gestorben gewesen . ( Hier sind die Manuscripte veränderlich , einige haben zs andere zz Jahre . ) Er ist also im Jahre gestorben . Es ist also nicht möglich , daß Kar - neades als Abgesandter der Athenienser , ini 552 Jahre nach Rom ge - kommen seyn kann . Denn wenn Lälius und Scipio damals 15 Jahr alt gewesen wären , so müßten sie vor dem dritten punischen . Kriege über achtzig Jahre gehabt haben , welche« höchst falsch ist : und es wäre nicht« lächerlicher , als die Rede des Cato in dem Gespräche , de Seneöute . Er wäre nicht so alt gewesen , als sie . Also kann ich die Ursache nicht begreifen , welche den Foucher bewogen , seine Mevnung durch einen weis zu behaupten , welcher daher genommen ist , daß Scipio und Lälius jung gewesen , als diese Philosophen an da« römische Volk abgeordnet worden . Zum IV sage ich , daß der Eimvurf nichts tauget , deu er dem Lantin , wegen des vom Cicero bemerkten Consulat« , machet . Cicero hat diese Gesandtschaft der drey Philosophen , unter da« Consulat de« Pu« blius Scipio , und de« Marcus Marcellus , gesetzet . Lantin will , e« sey das Consulat des P . Scipio Nasica , und de« M . Marcellus im Jahre Roms 59» , gewesen . Hier ist der ihm gemachte Einwurf „ Marcellus , unter besten Consulate Karneades nach Rom geschickt wor - „ den , war eher gestorben , als Marcellus , des Scipio Nasica Amtsge - „ nosse , Consul geworden . Denn man findet in dem Gespräche , de Se - „ neöute , daß dieser erstere bereits vor dem 59 - Jahre Roms , das Le - „ den verlohrcn hat ; dahingegen des Scipio Nasica Amtsgenosse erst - „ lich mit ihm , im 599 Jahre , Consul geworden , um welche Zeit , welche« „ gewiß ist , die ( Gesandtschaft des Karneades bereits geschehen war . Kar - „ neades ist also nicht unter dem Consulate des Scipio Nasica , und des „ Marcellus nach Rom gegangen , weil die Gesandtschaft vor diesem „ Consulare geschehen , und Marcellus , welcher in dieser Zeit Consul atf «wesen , bereits gestorben war ; dieses bezeuget Cicero in eben diesem Ge . „ spräche , wenn er also redet : Cuiu , interitum ne crudeliflimus qui - „ dem hoftis honore fepulturae carere paflus eft . „ Journal des Sa - vans , 1692 . p . 70J . Diese Stelle zu widerlegen ist es genug , wenn man bettachtet , daß die lateinischen Worte , welche den Beschluß davon ma - chen , sich aus den tapfern Marcellus beziehen ; der so viele schöne Hei . denrharen in dem andern puniftl>m Kriege gethan , und dessen Leichen - begangniß Hannibal , im 545 Jahre , mit Ehren begehen lassen . Caw ist damal« nur 26 Jahre alt gewesen . Also ist Karneades unter keinem Consulate diese« Marcellus nach Rom geschickt worden . Ich habe noch nicht errathen können , aus was für einer Ursache man hier das Jahr Roms 592 voraus setzet .
Wan merke , daß in der Stelle ein Fehler ist , welche Foucher aus dem u B . de Oratorc anführet . Vielleicht ist e« ein Druckfehler ; allein dem sey wie ihm wolle , so muß man daselbst L . Africano verbessern , und P . Africano lesen , und versichert seyn , daß nichts weniger , als diese Stelle de« Cicero geschickt ist , dem Foucher au« dem Handel zu helfen . Man findet darinnen drey erlauchte Römer , den Scipio , Läliu« und Furiuö , wejche viel Freude darüber bezeiget , daß die Athenienser den Karneades , Kritolaus und Divgene« , als Abgesandten nach Rom geschickt hatten Foucher hat Recht zu sagen : daß diese drey Romer , tut» mtge andre , diejenigen jungen L . evte gewesen , welche bev dem Tato , wegen dieser drey griechischen Philosophen , Eifersucht er - weckt , und daß Scipio , der Afrikaner , damals nicht Consul ge - wesi n . Allein diese Anmerkungen sind ihm vielmehr zuwider , als , daß sie ihm vortheilhaft seyn sollten . E« hat niemand vorgegeben , daß der Scipio , unter dessen Consulate diese drey Philosophen nach Rom ge - kommen , einer von den zweenen Seipionen gewesen , denen man das Beywort de« Afticaner« beygelegt ; uud da ganz offenbar die Rede von demjenigen Scipio ist , welcher im dritten pun . fchtn Kriege Canhago , und . " ach diesem Numantium verwüstet hat : so muß diese Reise dieser
S it & JP . S geschehen fem , . Dieser Scipio
JÄ IÄ ? " ¥ , ? f d " ^ gewesen ; denn da man ihn 606 zum Consul gewählt , so hatte er noch nicht da« Alter , wirf * « nach den Gesetzen zur Erhaltung diese« Amt« erfordert wurde . ( Nach dm , Zi - tu« Livius . m XLI V B . Xl . I V Cap . ist er . 7 Jahw alt gewesen , da Per , seus gefangen worden , nämlich im 585 Jahre . ) Er hat nur das Bau . Herrnamt verlangt ; allein den Zunftmeistern des Volks Genüge zu thun , hat man ihm den Mangel des Alters erlassm müssen . Sigonius in Faihs , aufs Jahr 606 . Die Jugend , darinnen er sich befunden , als die atheiliensische» Abgeordneten in Rom die Philosophie getrieben , ist einer von den besten Beweisgründen , die Lantin dem ^»iicher hat entgegen setzen können . Ich wundre mich , daß er so leicht über das Zeugniß des Aulus Gellius hingegangen , da« man ihm entgegkn gesetzt : er hat sich begnügt , zu bemerken , daß dieses kein Zeugniß sey . welche« mit dem Zeug - nisie de« Cicero in Vergleichurig gestellt werden konnte . Journal de , 8a - vans i6< ? 2 , p . 2oy . Nach meinem Bedünken , hättt er eine beßre Antwort geben können : er hätte leugntn können , daß AuluS Gellius dasjenige saget . was ihm Foucher beymißt . daß nämlich Rarneades un , da» 514 Iabr , in Gesandtschaft versclnckt worden . Ebendaselbst 1 * 9' , 5'Z Seite . Hier sind die Worte des Aulu« Gellius , im XVII Buche , XXI Cap . zu Ende : Ac deinde annis fere poft quindeeim bellumad - uerfus Poetios fiimwtn eft : atque non nimium longe M . Cato Ora - tor in Ciuitate et PlautusPoeta in feena floruerunt : iisdemque tem - poribus Diogenes Stoicus , et Carneades Academicus , et Critolam Pcripateticus ab Athenienfibus ad Senatum populi Romani negotii publici gratia Iegati funt : neque magno interuallo poftea Q_ En . nm , etc . Aulus Gellius , Lib . XVII . cap . XXI . zu Ende . Man würde hier vielmehr das j6o als 534 Jahr finden , weil das erste Consulat de« Cato , mit dem 558 Jahre Roms überein kömmt , und PlautuS erstlich im 596 Jahre gestorben ist . Cicero in Bruto , cap . XV . Man gebe nicht vor , daß ich die Zeitrechnung des Aulu« Gelliu« billige : die unbe - I * stimmte

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.