Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12105

Hildebcrt .
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braucht , welche« wider die eigne MmerkUttg dieses Schriftstel - - lcrs beweisen wurde , daß sie sich ihrer amen Dienste z - uvor be - dienet harren . Allein bar er gleich keine Aufmerksamkeit gehabt , so kann man ihm doch aus vem Widerspruche helfen , wenn man vorausseyer , daß er sagen wollen : es harten sich Sie Frauen , de , nen Agnodice bey ihrer Wiederkunft beigestanden , keines andern , als ihrer , auch bey andern Rrankheiten bedienen wollen , bey web chen sie sich keinen Scrupel machen dorftn , die Aer ; te zvgebrau - che» . Dieser Schriftsteller machet eine andre Beobachtung wegen Hy - gins Anmerkung , daß , ehe Agnodice die Handthiernng eil , er Wehmutrer getrieben , viele Frauen gestorben wären , die sich der Aerzte zu bedienen geschämt hätten . Antiqui obftetrices non habuerunt , vnde nnilieres verecundia dudtae intenerant . Hygin . cap . CCLXXIV . Man muß bekennen , saget der Nouvelliste der Republik der Gelehrten' , Jenner >686 , 30 Seile , daß die Schamhaftigkcit dem Eigensinne der Mode eben so sehr unterworfen ist , als andre Dinge . Es bat eine Zeit gegeben , da die Scheu , sich bez ? m Gebahren eines Mannes 5« bedienen , Mode gewesen : wir lesen in der - Louise Bourgeois , ei - »er sehr geschickten XVehmutter , daß ihr - Heinrich der IV anbe - - fohlen , ihre Pflicht bey der Räniginn Mari» von Medicis , so wohl ju verrichten , daß sie nicht norhig hätte , 5» einem Manne Zuflucht zu nehmen ; denn ihre Schamhaftigkcit , hat er dazu ge - styet , würde dadurch allzuviel leiden . Itzo ist es Mode , Saß man niemand anders , als Mannspersonen , dazu brauchet ; 0n - fet Jahrhundert ist viel erleuchteter , als die vorhergehenden . Diese Spötterey wider unser Jahrhundert ist nicht wohl gegründet ; denn wenn eines theils die Scheu darinnen in gewissen Stücken kleiner ist , so ist auch andern Theils die Unverschämtheit viel kleiner , als sie zu Athen gewesen . Würde man heutiges Tages wohl ehrliche Frauen fin , den , die so frech wären , in offner Gerichtsstube , und mir aufgehobnem Hemde , allen Richtern zu zeigen , daß sie Weiber wären ? Dieß hat dice in dem Areopagus gethan , in dem allerernsthaftesten und ehrwür - digsten Gerichte , welches jemals in der Welt gewesen . Quod cum vi - difient medici , fe ad foeminas non admitti , Agnodicen accufare coe - perunt , quod diccrent eum glabrutn eile et corruptorem earum , et illas fimulare imbecillitatem . Quo cum Areopagitae confediflent , Agnodicen damnare coeperunt . Quibus Agnodice tunicam alleuauit , et fe oftendit foeminam esse . Hygin . cap . CCLXXIV . p . m . 329 . Kann man wohl eine ausgclaßenere Unverschämtheit sehen ? Hatte sie nicht zuvor genügsame Proben ihrer wenigen Schamhaftigkeit gegeben ? Hätte sie nicht ihr Geschlecht durch ehrbarere Mittel zu erkennen geben können , als dessen sie sich bey den Frauen bedienet hat ? Quae cum credere fe nohi - ilTet , aeftimans virum esse , illa tunica fublata oftendebat fe foeminam esse . Ebendas . 32« Seite . Die Prälaten , die ihre Unkeuschheit zu recht - fertigen , ihre Bloße in den Kirchenversammlungen sehen lassen , kommen der Unverschämtheit der Athenienserinn nicht bey . Man sehe vom Dionysius , dem Patriarchen zu Constantmopel , die neuen Briefe wider den Maimburg , 686 S und füge diele Worte jdazu : Atteftantibus Nicephoro et Zonara , quum Macedonius Epifcopus Conftantinopoli - tanus , fubAnaftafio , falfo atque fadtionibus Arrianorum et Mani - chaeorum ab adolefcentulis , impurae Veneris ; et Methodius Patriar - cha , fub Michaele , ftupri accufati effent : ambos vt conuincerent men - dacium , tunica fubduöa oftendifle , virilibus fe carere : et cxinde a criminibus illis liberos atque immunes fuifle pronunciatos . Salmuth . in Pancirolum , Part . II . p . 88 .
Ich habe anderswo gesaqet , daß Albettu« Magnus die Handthierung
einer Wehmutter getrieben , wenn man hierinnen derLasterchronike glau - ben darf . Siehe seinen Artikel in der Anmerkung ( B ) . Wenn die , fem so ist , so ist es schon lange , daß die Schamhaftigkeit der atbenien - fischen Frauen nicht mehr besteht : und wie des Albertus Magnus Ruhm sehr groß gewesen , wer weis , ob es nichr Frauen gegeben , die sich eine Ehre daraus gemacht , durch seine Hülfe zu gebähren ; fast wie die Sprö - den des Moliere gewollt , daß alles bis auf ihr Unterstrümpfe , von der guten Arbeiterinn wäre ?
Seit der ersten ? lusgabe dieses Wörterbuchs , habe ich in dem Tage , buche von Leipzig , eine Beobachtung gesehen , die mir hier einen Zusatz darbiethen wird . Man kann nicht leugnen , sagen sie , daß die Franzosen nicht geschickter , als andre seyn sollten , uns in der Art zu unterweisen , wie man den Frauen in der Geburtsarbeit helfen kann : Nicht daß sie einen glücklicher» Witz hätten , sondern weil sie sehr oft Gelegenheit ha - ben , den Wöchnerinnen beyzustehen . Die Mode in Frankreich ist so weit gekommen , daß auch die jungen Verheiratheten , mit Hindansetzung aller Scheu , sich von den Wundärzten , ohne Bedenken , besehen und besüh . len lassen , und daß alle Gattungen von Weibern die Gegenwart , und den Beystand der Wundärzte wünschen , wenn sie gebäliren wollen . Bey andern Nationen . Herrscher eine ganz andre Gewohnheit ; denn bey den , selben sind die Frauen , und vornehmlich diejenigen , die nicht längst ver - heirathet worden , so bedenklich , daß man sie kaum mit großer Mühe überreden kann , sich den Wehmnttern und guten Freundinnen zu über - lassen : sie entschließen sich nicht eher darzu , als im Nothfalle , und wenn der Schmerz so stark ist , daß er ihre Widersetzlichkeit übersteigt . Weil ich nichr von Wort zu Worte übersetze , so will ich die Worte des Leipzi - ger Tagebuchs anführen , damit man sieht , daß ich den Sinn mir aller nöthigen Aufrichtigkeit ausdrücke : Non eft negandum , de adiuuandi« parturientibus Gallos prae caeteris Nationibus nos inftruere pofle , non ingenio , fed occafione , qua licet ipfis quam frequentiflime par - tui adefle , feliciores . Ita enim moris apud ipfos eft , vt pofito pu - dore , etiam recens nuptae ad taflum atque explorationem omnetn chirurgos admittant faciles , et partus tempore praefentes atque adiu - torcs foeminae quaelibet eos expetant . Quod longe fit aliter apud ceteras Nationes , vbi plerumque vix perfuaderi pofTunt vxorculae , cumprimis nuper in matrimonium duäae , vt obftetricibus proprii . qiie fexus amicis fui faciant copiam , nifi doloribus ac necellitate vi & ae . Aftor . Eruditor . Lipf . Supplem . Tom . II . Se & . X . pag . 470 . Also reden die Leipziger zu Anfange des Auszuges eines Buches , welches ein Wundarzt zu Paris , Namens Philipp Peu , 1694 herausgegeben hat , und betitelt ist : La Pratique des Accouchemens . Dieser arzt hat seine Beobachtungen erstlich nach einer langen Erfahrung ans Licht gegeben ; er hatte schon vier bis fünf tausend Frauen , in der Geburt beygestanden . Ein andrer Wundarzt aus derselben Stadt , Namens Franciscus Maurices» , hat in folgendem Jahre ein Buch hermisgege - ben , weiches er betitelt hat : Obfervations für la Grofiefle et 1' Accou - chement des Femmes , etc . Dieß sind 700 Beobachtungen , die man unter 3000 andern ausgelesen , die der Urheber gemacht hat . Siehe das Leipziger Tagebuch , Jenner >695 . p . 42 . Dieß ist genug , zu beweisen , daß es in Pari« völlig Mode ist , sich der Männer und keiner Kindermütter bey der Geburt zu bedienen . Vielleicht kömmt die Zeit , daß eben diese Mode an den meisten Oertern in Europa herrschen wird : die Scham , haftigkeit wird eben das Schicksal haben , als tausenderley andre Dinge , die den wunderlichen und unbeständigen Gesetzen der Gewohnheit unter , werfen sind .
Hildebert , Bischof zu Mans , und dann Erzblschof zu Tours , zu Anfange des XII Jahrhunderts , hatte vor seiner Gö . langung zum Bischofthume emsehr unordentliches Leben geführet ( A ) . Es ist vergeblich , daß man den Iahrbuchschi eiber der römischen Kirche deswegen tadelt ( B ) , und daß man ihm die Entdeckungen eines Kunstrichterö entgegen setzet . Der P . Maimburg bedienet sich sehr glücklich einer That dieses Prälaten ( C ) , die wenigen Bischöfe zu schimpfen , die sich der Aus - dehnung des Regals widesetzet haben . Die Anmerkung , die ich über diese Materie machen will , wird gewisse Dinge enthalten , welche die Historie unsers Hildebertö betreffen . Er ist vom Jllyricus , wegen eines sehr beißenden Briefes wider den römischen Hof , unter die Zeugen der Wahrheit gefeHet worden ( v ) . Er ist nicht von großem Herkommen gewesen ( E ) .
( A ) Er hatte , vor feinet Gelangung yum Bischofthume , ein „ Spicilegii gedruckt sind . Ranulfo , Hei gratia , Dunelmenfi Epifco sehr unordentliches Heben geführt . ) Auch nach feiner Beförderung „ po , omni honore et gratia fublimando , aldebertvs humili * zur Wurde eines Archidiaconi , hat er sich mit einer so großen Anzahl „ Cenomanorum Sacerdos . Und also wird er in einer Urkunde der Ab - Beyschläferinnen versehen , daß er unehliche Söhne und Töchter die , . tey von Etival genennet , die vom Pavillon in seinen A»m - . - k> „ iaen CV . WÄ gsifrftnf «Mi fffwtr«« an ihnn . fAri» . „ über das Leben Arbrisselö angeführet wird . Aldeberto Epifcopo „ Cejiomancnfi : denn also muß man an diesem Orte lesen' r * ^ und , Alberto , Epifcopo Cenomanenfi ; und es hat auch keinen Bischof , „ Awsrt von Mans gegeben . In einer Urkunde von Frontevaux , die „ vomCosnier , . 31 Seite seiner Noten , über das LebenArbrisselS ; an - „ gefuhret wird , wird er auch Audebertus genennet , welches eben so „ viel als Aldebertus ist . Courvaisier , in dem Leben JldebertS , bekräfti - „ get den Brief des Jves von Chartres , durch diese Stelle des Necrolo - „ gus von S . Peter , von dem Hofe zu Mans : Tertio Idus Augufti , „ obut Geruafius , Hildeberti Praefulis filius ; matris Ecclefiae Cano - „ nicus : qui viuens , ad huius Ecclefiae feruitium quamdam contulit „ Bibliothecam : cuius anima quiete fruatur aeterna : und giebt vor , „ daß dieser Gervasius JldebertS natürlicher Sohn gewesen sey . Boi^ „ donnet will , daß er nur sein geistlicher Sobn gewesen . Allein in den „ Thaten der Bischöfe von ManS , die vom Dom Mabillon , im dritten „ Bande seiner Analecten herausgegeben worden , wird von den deli & i * „ iuuentutis dieses Bischofs geredet : welches auch der Brief des ^veS „ von Chartres bekräftiget . . . Menage führet zwo Urkunden an , die vom P . de la Mainferme , in Clypeo nafcentis Fontebraldenfis Ordinis , p . 62 . und 73 , vorgebracht worden , wo sich unser Hildebert Audebertus nennet . Also fällt JuretS ( . . ) Critik . nebst de ? ^LobspnV Haufen , die ihm P . Maimburg gegeben hat . Man sehe die folgende Anmerkung .
t» ) Allein vielleicht ist Alberto an diesem Orte , Zusammenziebungs - weise für Aldebertus gesetzet worden , und Alberto ist eben derselbe Name .
( * * ) Voßius , de Hiftor . Latin , p . 404 , und nach ihm Moreri , ha - ben diese Critik angenommen .
, . ( C ) P' Maimburg hat sich einer Thar dieses Pralaten glück« ha ) bedienet . ) Er hat die Lobeserhebungen dieses Prälaten vorherae« hen lassen . „ Der selige Hildebert , saqet er , Hift . du Lutheranisnie „ Liv , II . p . m . 192 . Bischof zu Mans , und dann Erzbischof zu Tours ist Kkk kk , einer
Menge gehabt . Dieses hat Jves , Bischof von Chartres , an ihn geschrien ben : es ist der 287 Brief . Siehe des Menage Historie von Sable , pag . 107 . Dicunt quidam de maioribus Cenomanenfis Ecclefiae , qui anteadlam vitam tuam fe noile teftantur , quod vltra modum Iaxaue - ris fraena midicitiae , in tantum , vt poft aeeeptum Archidiaconatum , accubante lateribus tuis plebe muliercularum , multam genueris ple - bem pueroruin et puellulanim .
( v ) - - - Es ist vergeblich , daß man den Iahrbuch - fchreiber der römischen Kirche deswegen tadelt . ^ Juret , Notis in Epift . CCLXXII . Iuonis Carnütenfis , hat den Baroniuö getadelt , daß „ er , da er sich auf diesen Brief des Jves von Chartres gegründet , in sei - „ nen Jahrbüchern geschrieben , es sey Hildebert , ehe er Bischof geworden , „ dem Frauenvolke sehr ergeben gewesen ; und er giebt vor , daß dieser „ Brief an einen Aldekerk , und nicht an einen hildebert , gerichtet sey . „ Aldeberto , Cenomanenfis Ecclefiae eleßo . Also findet sich dieser Brief „ zu Ende des Manuskripts von den Briefen des JveS von Chartres , in der „ Bibliothek des St . Victor betitelt - - - Allein P . Sirmond in sei - „ nen Noten'über den Gottfried von Vandome , hat den Baronius sehr „ wohl gerechtfertiget . Hier sind seine Worte : lldebertus , vir in Epifco - p'atu eximius : ante illura , vitae folutioris , vt indicat Iuonis epiftola CCLXXVII . Quam quidem , qui de Ildeberto , quo de agimus , feriptam pertinacius neget , is , opinor , claufis oculis fibi credi velit . Ecquae e'niin alia Iuonis tempore Cenomanenfis Epifcopi eleflio fuit , quam Ildeberti ? quem praeterea feimus , ex Archidiacono , quod Iuo notat , ad Epifcopalem Cathedram euedhim . Neque tarnen haec ita diflero , vt viri dofli , qui contra fenfit , nomini obtreftem : fed quia immortalis memoriae Cardinali Baronio me debere iudico , vt quae redle et vere ab eo difta funt . ea vt pro veris habeantiu , enitar quoad poiTum . Me««« ? füget diesen Gründen des P . Sirmonds , sehr gute Dinge bey . lldebertus , saget er , pag . 108 . „ ist ebenderselbe Name , als „ Aldebertus : und Jldebert , Bischof zu Mans , hat M selbst in einem „ von seinen Briefen , Aldebertus genenner , die in dem XIII Bande des

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