Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12097

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Valerius Ma * . Lib . VIII . cap . XIII . p . 40j . Man ziehe den Valerius Maximus an der Stelle zu Rathe , dje der P . Harduin angezeigte hat , so wird man darinnen vom Hiero weiter nichts , als die sieben Worte , fin - den , die ich angeführet habe ; allein man wird darinnen viel ge Dinge finden , den König Massanissa von Numidien betreffend . Ich bin versichert , daß ein falscher Blick an P . Harduins Versehen , Ursache gewesen . Eine überhüpfte Zeile hat ihn auf die Gedanken gebracht , daß sich die ganze Seite auf den Hiero beziehe : dieser kleine Sprung hat den Massanissa verdunkelt , der in der folgenden Zeile steht , und dieß ist eine Quelle der Fehler , die stärker läuft , als man sichs einbildet . Ein Scri - bent , der viel Schriftsteller zu Rathe ziehen muß , bleibt bey jedem Din - ge , so wenig als ihm möglich ist , stehen : seine Augen durchlaufen die Seiten mit der größten Geschwindigkeit ; sie laufen manchmal so leicht über gewisse Zeilen weg , daß der Geist nicht den geringsten Begriff da , von erhält : und alsdann verbindet die Feder diejenigen Dinge mit einan - der , die sie von einander trennen sollte . UebrigenS erinnere man sich , daß Hiero nicht siebenzig Jahre regieret hat , wie Lucian versichert : er ist sieben Jahre Prator gewesen . ehe er zum Könige ausgerufen worden . Cafaubon , in Polyb . Lib . I . p . m . 99 . 100 .
( D ) ÜZt hat den Gyrakusanern ihre Freiheit wieder geben wollen , allein seine Tochter haben ihn daran verhindert . ) Dieß ist geschehen , weil sie gesehen , daß ihre Männer , und sie die vornehmste Ver - waltung des Königreichs haben würden . Titus Livius beschreibt dieses un - vergleichlich im XXIV B - Z8> S . In Sicilia , saget er , Romanis omnia mutauerat mors Hieronis , regnumque ad Hieronymum nepotem eius translatum , puerum vixdum libertatem , nedum dominationem modi - ce laturum . Laete id ingenium tutores atque amici ad praecipitan - dum in omnia vitia acceperunt . Qiiae ita futura cernens Hiero , vl - tima feneöa voluifle dicitur liberas Syracufas * relinqucre , ne fub do - minatu puerili per ludibrium bonis artibus partum firmatumque in . teriret regnum . Huic confilio eius fumma ope obfiftere filiae : no . men regium penes puenim futurum ratae , regimen rerum omnium penes fe , virosque fuos , Andronodorum , et Zoilum : nam ii tutorum primi relinquebantur . Non facile erat nonagefinuim iam agenti an - num , circumfefio dies noöesque muliebribus blanditiis liberare ani - mum , et conuertere ad publicani priuatamque curam . Itaque tuto - res mimero quindecim puero reliquit .
( E ) ( Bs sind nach seinem Tode nickt» , als Verwirrungen , in Syrakus» gewesen . ) Das erste , was man aethan , ist gewesen , dem Volke HieronS letzten Willen , und den neuen Konig Hieronymus vorzu - stellen , der ungefähr fünfzehn Jahre alt war . Einige , die erkauft waren , Frohlockungen zu erwecken , haben das Testament gebilliget . andre find mit Unruhe erfüllet gewesen , und haben das Königreich , als eine Waift angesehen , die ihren Vater verlohren hat . Man ist kurz hernach zum Leichenbegängnisse geschritten : und wenn eS wegen der Anzahl der Be - aleirer ansehnlich gewesen ; so muß man es mehr der Liebe des Volkes , als der Sorgfalt von HieronS Familie zu schreiben . Funus fit regium magis amore ciuium et charitate , quam cura fuorum celebre . Titus Liuius , Libr . XXIV . pag . Z«l . Hierauf hat Andronodorus , des Ver - storbenen Schwiegersohn , und einer von den fünfzehn Vormündern des Hieronymus öffentlich erkläret , daß der König sich in dem Alter befinde , selbst zu regieren , und daß dieVormundschaft erloschen sey . Er hat da - durch die Gewalt aller andern in seiner Person vereiniget . Der königli - che Aufzug ist eingeführer worden , und anstatt , daß Hiero bestandig , wie die andern gekleidet gewesen ; so hat man seinen Enkel mit Purpur und einem Hauptschmucke bekleidet , und mit Trabanten umgeben . Der Hoch , muth , die Grausamkeit , die Schwelgerey kamen mit dieser äußerlichen Pracht überein , und man hätte sagen können , daß sich Hieronymus bemü , het habe , zu verursachen , daß die Regierung seines Großvaters bedauert wür - de Die Eigenschaften der besten Prinzen wären ihm kaum zureichend ge - Wesen , die Syrakusancr zu vergnuqen . so sehr hatten sie seinen Vorfahren geliebt Wie groß muß nicht ihrMisvergnügen unter einem Nachfolger
Hiero . Hierophilus .
gewesen seyn , der ihm so unähnlich war ? Ich kann die edlen Worte nicht genug bewundern , deren sich Titus Livius , Lib . XXIV . p . 381 . be , dienet hat , dieses vorzustellen . Vix quidem vlli bono , moderatoque regi facilis erat fauor apud Syracufanos , fuccedenti tantae charitati Hieronis . Verum enim vero Hieronymus , velut fiiis vitiis defide - rabilem efficere vellet auum , primo ftatim confpeöu omnia , quam difparia eflent , oftendit . Nam qui per tot annos Hieronem , filium - que eius Gelonem , nec veftis habitu , nec alio vllo infigni differentes a caeteris ciuibus vidillent , confpexere purpurain , ac diadema ac fatel - lites armatos ; quadrigisque etiani alborum equorumque interdum ex regia procedentem , more Dionyfii tyranni . Hunc tarn fuperbuni apparatum , habitumque conuenifnttt fequebantur mores , conteiutus omnium dominum , fuperbae ain#s> , 9i6ntumeliofa di & a : aditus non alienis modo , fed tutoribus etiam älmSles : libidines nouae , inhuma - na crudelitas . Dieser junge König hat das Bündniß der Carthaginen - ser , der Römer ihrem vorgezogen . Ebendas . z«> S . Siehe auch Polyb . in Excerpt . Legat . cap . I . Allein man hat ihm nicht Zeit gelassen , den - selben zu dienen ; man hat sich wider ihn verschworen , und ihn umge - bracht . Andronodorus hat sich an etlichen Oettern zu Syrakusa ver , stärkt , so gut als es ihm möglich gewesen , und gleichwohl hat er sich , un - geachter der Nachschlüge der Demarata , ( * ) seiner Gemahlinn , Hie - rons Tochter , der neuen republikanischen Regierung unterwarfen , und ist zum Prätor gemacht worden : allein er hat sich der neu« ! erregten Un - ruhen zu bedienen bemühet , weil er der beständigen Anreizungen seiner Gemahlinn überdrüßig gewesen . Fefllis fandern vxoris vpcibus mo - nentis , nunc illud efle tempus occilpandi res , dum turbata omnia no - ua atque incognita libertate eflent , dum regiis ftipendiis paftus ob . uerfaretur miles : dum etc . Liuius , Libr . XXIV . p . 391 . Er hat sei , ne Unternehmung mit dem Themistiuö , der Harmonia , Gelons Tochter , Gemahl abgeredet , und sie einem Comödiamen anvertrauet , der ihn verra - then hat , so daß er undThemistius , beym Eintritte in den Nach , ermordet worden Ebendas . Diesen Mord zu rechtfertigen , hat man dem gemeinen Wesen das Verbrechen dieser . zween Menschen vorstellen müssen , der Redner , dem dieses aufgetragen worden , saget unter andern Dingen , daß ihr ? Ehftauen sie mit Herrschsucht angesüllet hätten . Hierüber hat sich ein großes Geschrey in . der Versammlung erhoben , daß man diese zwo Frauen , und das ganze Geschlecht der Tyrannen , aus dem Wege räumen müsse . Dieß ist so gleich befohlen , und vollstreckt worden . Titus Livius erzählet diese klägliche Begebenheit , mit dem Zusätze einer Betrachtung , über das wunderliche und ungleiche Naturell des Pöbels . Sub hanc vocem ex omnibus partibus concionis clamor oritur , nullam earum viuere debere , nec quemquam fuperefl'e tyrannorum ftirpis . Haec natura multitudinis eft : aut feruit humiliter , aut fuperbe dominatur ; libertatem , quae media eft , nec fpernere modice , nec habere fciunt ; et non ferme defunt irarum indulgentes miniftri , qui auidos atque intemperantes plebeiorum animos ad fanguinem et caedes irritent : ficut tum extempIoPraetores rogationem promulgarunt . Acceptaque pene prius quam promulgata eft , vt omnis regia ftirps interficeretur . Miflique a Praetoribus Demaratam Hieronis , et Harmoniam Gelonia filias , coniuges Andronodori et Themiftii , interfecerunt . Ebendas . pag . 392 . Es ist eine Tochter Hierons , Namens Heraklea , übrig geblie , ben : als sie erfuhr , daß man auch sie umbringen wollte , so hat sie sich mit ihren zwoen Töchtern , in der Kapelle des Hauses , verschlossen , und sich an ihre Hausgötter gehalten , und die allernachdrücklichsten Bitten , und die stärksten Gründe angewendet , um ihr Leben , oder wenigstens das Leben ihrer Töchter zu retten : allein es ist alles vergeblich gewesen , man hat sie heraus gerissen . Ihre zwo Töchter , die aus dem Hause entwischt waren , sind aus der Straße ermordet worden . Ebendas . 393 S . Ich werde in der Anmerkung ( C ) , bey dem Artikel - Hobbesius , einige Be - trachtung darüber machen .
C * ) Was sie zu ihm gesaget , findet sich in der Anmerkung ( F ) des Artikels periander , zu Ende .
Hiero , ein großer Freund des NiciaS und Führer der Pflanzstadt , die Thunum wieder hergestellt hat sich einen Sohn des Dionysius , mit dem Zunamen ( A ) , das ist Aeneus , der Lherne genennet . Er war bey dem Nicias erzo - gen worden , der ihn selbst in den schönen Wissenschaften und in der Musik unterwiesen hatte . Er hat auch viel Kunstgriffe angewendet , den Nicias zu erheben b . Ich habe in dem Amyot , und etlichen Wörterbüchern , einen Fehler gefunden c .
* ) Eine Stadt in Italien . b~ ) Aus dem Plutarch , in Vita Niciae . - ) Siehe in der Anmerkung die letzte Anführung .
( A ) Hütt Sohn des Dionysius , mit dem Zunamen x«a * o« . ]
Dieser Dionysius ist ein Poet gewesen ; einige von seinen Gedichten haben noch zu Plutarchs Zeit bestanden . Plutarch . in Nicia , p . 62s . Seine Elegien find vom Athenäus , Libro X . pag . 443 . und Libr . XV . p . 668 . und vom Aristoteles , Rhetor . Lib . III . chap . II . angeführet worden . Er war auch ein Redner ; denn er ist darum x°a * ° ; zugenamt worden , weil die Athe - nienftr durch eine von seinen Reden überredet worden , kupferne Münze
t ein Arzt , von dem ich nichts anders zu sagen weis , als daß er die Arzneykunst eine gewisse Jungfer , Na - mens Aqnodice , gelehret hat . Sie ist verbunden gewesen , sich als eine Mannsperson zu kleiden ; denn es war unter den Athe - mensern ein Gesetz , welches den Frauenspersonen und Sklaven die Arzneykunst zu studieren verbothen hat « , Agnodice , die sich zur Wehmutter auswarf , hat Anlaß zur Veränderung dieses Gesetzes gegeben . Diese Historie ist allzumerkwürdig , als daß sie nicht in einer Anmerkung angeführet werden sollte ( A ) .
« ) Athenienfes cauerant , ne quis feruus , aut foemina arten , Medica difceret . Hygin . cap . CCLXXIV .
zugebrauchen . CaHimachus , in Traft , de Rhetoribus , beym Athen . Libr . XV . p . 669 , Man merke , daß Amyot diesem Dionysius zueignet , er habe die Colonie von Thunum geführt ; allein Plutarchs Worte eig« nen diese« dem Hiero zu . Man merke auch , daß Carl Stephan , Lloyd , und Hofmann sagen , es wären die Gedichte , die zu Plutarch« Zeit noch bestanden , vom Hiero gewesen : dieß ist falsch .
( A ) Diese - Historie ist «Uju merkwürdig , als daß sie nicht in einer Anmerkung angeführet werden sollte . ) Hygin erzählet , daß , „ da die Alten keine Kindermütter gehabt , viele Frauen in der Ge - „ burtsarbeit gestorben , weil die Scham sie abgehalten , sich der Aerzte zu „ bedienen , und ein Gesetz unter den Atheniensern gewesen , welche« den „ Frauenspersonen verbothen . fich in die Arzneykunst zu milchen . De« - „ wegen hat sich ein junges Mägdchen , Namens Agnodice , die eine große „ Neigung zu dieser Wissenschaft bey sich empfunden , als ein Mann ver - „ kleidet , und dieselbe gelernet . Hierauf hat sie die Weiber besucht , die „ in Kindesnöthen gelegen , und ihnen allen Scrupel zu benehmen , gleich „ anfänglich qezeiget , wer sie wäre , und ihnen darauf in Kindesnöthen ge - „ helfen . Die Aerzte , welche merkten , daß dieses sie um die Euren bey . . den Frauen brächte , haben einen Proeeß wider jene angestellt , und sie „ eines verbothenen Umgangs mit den Weibem beschuldiger : sie haben „ sich , ich weis nicht , über wa§ für ein heimliches Berstandniß , und ge -
„ wisse bestellte Krankheiten , beklagt , die man zum Besten des BuhlerS „ hätte . Mit einem Worte , sie haben sie von den Areopagiten verdam - „ men lassen : allein sie hat ihnen in vollem Rathe die Beweise ihrer Un - „ schuld so klärlich gezeiget , daß die Aerzte zu einer andern Beschuldigung „ Zuflucht nehmen müssen , nämlich zu einem Gesetze , welches dem weib . „ lichen Geschlechte die Uebung der Arzneykunst verkoch . Hierauf find „ die atheniensischen Frauen in dieser gerichtlichen Sache darzwilchen ge . „ kommen , und haben die Verbesserung des Gesetzes zuwege gebracht ; aist> „ ist es den freyen Frauenspersonen erlaubet worden , diese Kunst zu er - „ lernen . , , Nouvellcs de la Republique des Lettres , . jeniKt : 1686 , pag . 28 . und 29 . Der Schriftsteller , dem ich diese Worte abborge , machet eine Anmerkung wider den Hygin . Es ist , saget er aus der zo Seite , wenig Richtigkeit in diesen XVorten - Hygin« ; denn man könnt« aus seiner Rede schließen , daß die Frauen , seit dem ihnen dice in Rtndesnöthen geholfen , hierzu die Aerm nicht mehr brauchet ,

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