Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12086

Liers der IL
8ii
nach dem Fuße unsers Jahrhunderts beurtheilen wollte , so würde man Ursache haben , sich über seine Beständigkeit zu verwun - der« . Wie groß muß nicht also unsere Verwunderung seyn , wenn wir betrachten , daß er fast noch fünfzig Jahre gelebet hat ?
Diese lange Regierung ist sehr glücklich gewesen : denn Hierons Aufführung war mit solcher Klugheit begleitet , daß er sich unter seineu Unterthanen in Sicherheit erhalten ; und von außen einen großen Ruhm erworben hat , und seine öffentlichen und besondern Geschäffte giengen sehr wohl . Er hat die Freundschaft mit den Griechen unterhalten , und sich eine Ehre daraus gemacht , Theil an ihren Kronen zu haben Seine Söhne haben ihm eine Bildseule zu Pferde , und eine zu Fuße in Olympus , aufgerich - tet f , seine Unterthanen haben ihm dergleichen an eben diesem Orte aufgerichtet £ . Das Geld , das er den Rhodiern gegeben , und die Geschenke , die er denselben nach dem großen Erdbeben geschickt , welches ihre Insel verwüstet , und ihren Colossus worfen hatte , ist ein sehr herrliches Merkmaal seiner Freygebigkeit und Pracht b . Er hat ein Schiff bauen lassen , welches eine«
von den berühmtesten Gebäuden des Alterthums gewesen . Ärchimedes ' war Aufseher über dieses Werk . Man kann die schreibung davon im Athenaus finden k , der ein Buch anführet , das ausdrücklich über diese Materie von einem gewissen Mo - schion gemacht worden . Diesechzehnte Idylle des Theokntus ist an diesen König von Syrakus« gerichtet , und es scheint , daß sich der Urheber beklagt , ihn getobet zu haben , ohne daß er einige Belohnung dafür erhalten hätte . Hiero hat Bücher vom baue aufgeseßet 1 , und ist im 00 Jahre seines Alters ( C ) , das andere Jahr der , 41 Olympias , und das 53g Roms gestor« den . Er hatte seinen Sohn Gelo überlebt " , der mit der NereiS , des Pyrrhus Tochter ° , vermählt gewesen , und von ihr ei - nen Sohn , Namens Hieronymus , hinterlassen hatte p . Er hat bemerket , daß dieser Hieronymus sehr eitel gewesen , und be - fürchtet , daß der gute Zustand , darinnen er sein Königreich befestiget hatte , sich unter einem solchen Prinzen bald verändern möch - te . Dieses chat die Begierde bey ihm erweckt , den Syrakusanern die Freyheit wieder zu geben : allein seine Töchter haben ihn daran gehindert ( D ) ; und er hat bey seinem hohen Alter , nicht so viel Stärke gehabt , sich gegen die Liebkosungen und Kunstgriffe dieser zwoeü Frauenspersonen zu halten , die ihn weder Tag noch Nacht verließen . Er hat sich also entschließen müssen , das Ko - nigreich dem Enkel unter der Vormundschaft von fünfzehn Personen zu hinterlassen . Was dieser Greis voraus sah , ist erfolget . Es sind nach seinem Tode nichts als Verwirrungen in Syrakusa gewesen ( E ) . PausaniaS bekriegt sich , wenn er saget , daß ihn Dinomenes ermordet hat 1 .
Pyrrhö Rege 1
Libr . I . cap . XVI . / ) Fautän . Lib . VI . cap , . . . . . . . . . . .
es hätten ihm seine Söhne zwo dergleichen aufgerichtet , und auf der 489 S . daß sie ihm nur eine , die Syrakusaner aber zwo aufgerichtet . b\ ) Siehe Polyb . Lib . V . cap . LXXX VIII . / ) Wegen der Sorge , die Hiero genommen , die geometrischen Speculationen des Ärchimedes , aus de» Gebrauch der Mechanik anwenden zu lassen , siehe Plutarch . in Vita Marcelli , p . 30 ? . k ) Athen . Lib . VI . p . 206 . u . f . Siehe den Artikel ArckimsluÄ . / ) Siehe die Anmerkung ( C ) . m ) Und nicht 5 - 9 . wie Moreri saget . - - ) Laluifius , aufs 538 Jahr Roms sehet das Gegentheil , und bekriegt sich . 0 ) Paufan . Lib . VI . cap . XII . p . 479 . p ) Polybius , in Excerpt . Legat . cap . I . Tit . Liuius , Lib . XXIV . p . 382 . q ) Paufan , Lib . VI . cap . XII . p . 480 .
( A ) Die Gvrakusaner macbten ihn xum prator . Z Ich habe mich mit den abgekürzten Ausdrückungen Justins begnügt : allein hier will ich diese Sache entwickeln , die in der Erzählung dieses Schriftstellers ein wenig verstümmelt ist . Ich sage also , daß daselbst ein Misverständniß unter der Bürgerschaft von Syrakus« , und ihren Soldaten entstund , und die Soldaten , die ihr Lager bey Margane hattm , schritten zur Be - ncnnüng der obrigkeitlichen Personen , und trugen diese Würde zween Kriegsbedienten , dem Artemidonis und Hiero auf , Dieser , der durch die heimlichen Streiche seiner Freunde in Syrakusa gebracht worden war , überwand die Widersetzungen der Gegenpartey , und regierte sich mit solcher Leutseligkeit und Großmuth , daß die Einwohner einig wur - den , ihn als Prätor zu erkennen ; ob sie gleich die Versammlungen als unrechtmäßig ansahen , worinnen sich« die Soldaten anmaßten , liche Aemter zu vergeben . Aus des Polybius , I B . VIII Cap . Polybius erzählet zwo Proben von Hierons Geschicklichkeit . Die erste ist sen , daß er eine Unordnung abgestellt hat , die dem Staate sehr schädlich gewesen war . Die Syrakusaner , welche in der Stadt wohnten , in währen , der Zeit die Soldaten und Prätoren im Felde waren , erweckten tausen - derley Empörungen , und suchten Neuerungen einzuführen . Es ist also höchst nöthig gewesen , daß die Bürgerschaft , in Abwesenheit der Armee , von gewissen Personen in ihrer Pflicht erhalten würde . Leprines ist sehr geschickt dazu gewesen ; denn er hatte viel Elienten , und ein großes Anse - hen bey dem Volke . Dieserwegen hat sich Hiero seiner versichert , indem er feine Tochter an ihn verheiratet , und durch dieses Mittel hat er die Erhaltung der öffentlichen Ruhe in Syrakusa verschafft , in währender Zeit er sich im Felde an der Spitze des Kriegsheers befunden . Sein an - drer Staatsstreich Ist gewesen , daß er sich die alten fremden Soldaten vom Leibe geschafft , die meuterisch und liederlich waren . Er hat sich un - ter dem Bvrwande . die Mamertiner ( * ) anzugreifen , ins Feld begeben , und da er im Gesichte des Feindes angekommen war , so hat er seine Kriegsmacht getheilet : er hat an die eine Seite die Soldaten , die rakusaner wären , und an die andre Seite die fremden gestellt ; er hat sich an die Spitze jener gestellet , als wenn er einen Angriff thun wollte , und diese - den Mamertinern bloß gestellet , die sie in . Stucken zerhauen . Er hat andre Völker geworben , und die Feinde zu so gelegener Zeit ange - griffen , daß er einen rühmlichen Sieg davon getragen hat . Man hat ihn nach dieser Kriegsthat zum Könige erwählet . Polybius , Libr . I . cap . VIII . unbIX .
( * ) Dieß ist der Name gewesen , den sich die Soldaten gegeben , die sich der Stadt Meßina mit Bettuge bemächtiget hatten . Polyb . Lib . I . cap . VII .
( B ) Er bat den Romern alle Merkmaale der aufrichtigsten Freundschaft gegeben . ) Ich will erzählen , was er gethan , da die Sa - chen derRömer in großer Unordnung waren , nach dem Siege , den Han - „ ibal im 537 Jahre Roms , bey der thrasymenischen See , über dieselben erhalten hatte . Dieß ist die dritte Schlacht gewesen , die sie seit Han , nibals Ankunft in Italien , das ist in einem Jahre verlohren hatten . Heutiges Tages würde man nicht so viel brauchen , einen Prinzen zu be - wegen , seine Bundesgenossen zu verlassen , und sich zu der siegenden Partey zu schlagen ; einen Prinzen , sage ich , dessen Staaten so gelegen wären , als Syrakusa , in Ansehung der Republik Carthago , gelegen gewesen . Unterdessen hat Hiero bloß den Rathschlägen seiner Großmuth Gehör gegeben ; er hat sich beständig bey der Römer Partey gehalten , nnd ihnen gute Hülse geschickt . Man lese diese Worte des Titus Livius , im XXII B . 340 Z4> S Angleichen Valerius Marimu« , im IV B . VIII Cap . Num , in Ext . Per eosdem dies ab Hierone claflis Hoftiam cum magno commeatu acceflit . Legati Syracufani in fenatum introduöi " »nciariint caedem C . Flaminii confulis exercitusque allatam adeo aegre tulifle' regem Hieronem , vt nulla fui propria , regnique fui cla - de moueri maais potnerit . Itaque , quamquam probe fciat , magm - tudinem populi Rouiani admirabiliorem prope aduerfis rebus quam , fecundis , ejfc , miflä tarnen a fe omnia , qiubus a boius fidelibusque foeiis bella iuuari foleant . Qi'ae ne acciPere abm , an . t > magnopere fe r . c . orare . Iam omniluJ1 primum ominis caiifa viäoriam aiiream
II Sand .
pondo CCCXX . afferre tele : aeeiperent eam , tenerentque et habe , rent propriam et perpetuam . Aduexifl'e etiam trecenta millia mo - dium tritici , ducenta hordei , ne commeatus deefient . Et quantum praeterea opus eilet , et quo iusfiflent , fubue & uros . Milite atque equite feire , nifi Romano Latinique nominis non vti populum Roma - mun : leuium armatorum auxilia etiam externa vidiffe in caftris Ro - manis . Itaque mififlTe mille fagittariorum ac funditorum aptam ma - num aduerfus Kaieares ac Mauros , pugnacesque alias miflili telo gen . tes . Ad ea dona confilium quoque addebant , vt praetor , cui prouin . cia Sicilia euenifiet , clalTem in Africam traiieeret , vt et hoftes in terra fua bellum haberent , minusque laxamenti daretur iis ad auxilia An . nibali fubmittenda . Ab fenatu ita refponfum regi eft , Virum bo . num , egregiumque focium Hieronem efie , atque vno tenore , ex quo in amicitiam populi Romani venerit , fidem coluifle , ac rem Roma , nam omni tempore ac loco munifice adiuuifle : id , perinde ac debe . ret , pergratum populo Romano efle . Aumm et a ciuitatibus qui . busdam allatiim , gratia rei aeeepta , non aeeepifle populum Roma , num : vidtoriam , omenque aeeipere : fedemque ei fe diuae dare , di . care CapitoHum , templum Iouis Optimi Maximi . In ea arce vrbi« Romae facratam , volentem propitiamque , firaiam ac stabilem fore populo Romano . Funditores , fagittariique , et frumentum tradituin confulibus . Kaum findet man eine so qroßmüthige Aufführung zwi - schen Privatpersonen . Gelo , HieronS Sohn , ist nicht vermögend gewe - sen , diesem schönen Erempel nachzuahmen : er hat die überwundene Par - tey verlassen , ohne daß er sich an den Verdruß gekehrt , den er seinem Vater verursachen würde . Man wird die Worte des Titu« Livius , in dieser Stelle Casaubons , Comment . in Polyb . p . iji . sehen . Fides et vera et conftantia eiusdem ( Hieronis ) in conferuanda Po . Ro . ma . ieftate laudare fatis pro merito non queat . quiim praefertim ea mox et deineeps perfaepe fecuta fint tempora , quae eins conilantiam exi - mie probarent . Q< . iot et quantas clades populus Ro . bello Punico urimo , et fecundi initio fit perpefliis , nemo nefeit . Solent aduerfa hominum voluntates , et abdita mentium nudare . Hieronis propofi . tum et conftantiam in fufeepta femel amicitia Romanorum , non guli calamitas , non Claudii naufragium , non Thrafymenus , non Tre - bia , poftremo ne Cannenfis quidein dies potuit labeJaäare . Manfit incGncufla illi fides , etiam tunc quum et in Italia et extra Italiam omnes Po . Ro . focii et atiiici ad Poenos fortunam fecuti inclinabant . ne dornus quid«m Hieronis tota ( verba fiint Liuii , ) ab defeftione ab - fiinuit . namque Gelo maximus ftirpis contemta fimul fcnedhite pa . tris , fimul poft Cännenfium cladem Romana focietatc ad Poeno ! de . fecit . Hiero tarnen nihilo fecius immotus ftetit , ceu Marpefia quae . dam cautes , eique etiam tunc fides conftitit : quam etiam ad extre . mum vitae conftantifTune feruatiit . Wir wollen noch diese Beobach - tung dazu fügen . Die Treue dieses Prinzen gegen die Römer ist ihm zuweilen sehr beschwerlich gewesen : denn es hat Zeiten gegeben , da die carthaginensischen Schisse in seinen Landern große Verwüstungen ange - richtet haben . Liuius , Libr . XXII . pag . m . 349 . Endlich wollen wir sagen , daß er den Vormündern seines Enkels , der ihm folgen sollte , auf dem Todsbette anbefohlen , ihm nicht zu erlauben , daß die geringste Ver - änderung in dem Bündnisse vorgenommen wurde , welches er so getreu« lich mit den Römern unterhalten hätte . Liuius , Lib . XXIV . p . , z> .
( C ) - Hiero ist im 90 Jahre seinesAltcrs gestorben . ? Titus Li - vius versichert es , wie man in der folgenden Aiiinerkung sehen wird , Lueian . in Macrobiis , p . 635 . Tom . II . Öperiun , führet den Demetrius Callistianus an . der geschrieben hatte , daß Hiero zwey und neunzig Jahre alt , an einer Krankheit gestorben wäre , nachdem er siebenzig Jahre re> gierer gehabt . Wir wollen uns an die runde Erzählung des Titus Li - vius , und des Valerius Maximus halten . Siciliae re & or Hiero ad nonagefiinum annuin peruenit . Valer . Maxim . Lib . VIII . cap . XIII . num . 1 . in Ext . Man merke beyläufig ein kleines Versehen des P . Har - duinS , in Ind . Autor . Plin . pag . iis . Hiero , Siciliae Rex , quem inter feriptores de agricultura memorant Varro , et Columella Lib . I . cap . I . cum Attalo Philometore Perganri rege . Multa de eo praeclara habet Kkk kk ? Valerius

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.