Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
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Herwart . Heshusms .
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von Worte zu Worte anzuführen , ohne baß er dieselbe widerleget . Die - se Stelle enthält eine Beschreibung der ersten Kleidung der Carmeli - ter . Der Jesuit Daniel Papebroch hat diesen Schnitzer aufgedeckt , wenn er sager , daß der heil . Antonin ein Jahrhundert vor dem Johann Heroldu^gelebet ; denn , setzet er dazu , der heil . Antonin ist 14 ; ? gestor - den , und ver Princcps Iuuentutis , welchen Herold dem Erzherzoge Fer - dinand zugeschrieben hat , ist 15 ; ? gedruckt worden . Siehe Daniel pebroch , Rcfponf . ad Exibit . Errorum pag . 153 . Der Unterschied ist kein völlige« Jahrhundert : wir haben Bücher des Heroldus , die >540 gedruckt worden : allein nichts destoweniger hat sich Lezana sehr betrogen . Hier
ist eine Frage , die dieser Jesuit einem Carmeliter vorgelegt hat , der wider ihn geschrieben : Papebroch , in Synopfi Quaeft . Curioiar . Art . XXIV , pag . 43 . An Ioannes Heroldus Hochftettenfis , continuator belli facri , cirius Continuationis fingulos libros Catholicis Praelatis dedicauit , femper cum laude etinm de religiofis mendicantibus locutus , fed in folis Carmelitis cxplodens enormem quem fingebant fefe in Syria ha - buifie , monafteriorum ac Fratrum numerum ; an , inquam Heroldus ifte indignus fit qui citctur , tanquam infeftiflimus fedis Apoltolicae hoftis ? efto iuuenis fub nomine Hcroldi Acropolitani , fcripferit Apo - logiam pro Erafmo , inter prohibitos relatam .
Herwart ( Johann Georg ) Kanzler in Bayern , gegen den Anfang des XVIl Jahrhunderts , hat sich durch die Schuß - fchrift berühmt gemacht , die er für den Kaiser , Ludwig von Bayern , gegen die Lügen des Bzoviuö verfertiget , von dem er auch verschiedene andere Schnitzer getadelt hat . Scaliger hat ihn für einen bösen Zeitkundigen gehalten <\
Unser Herwart war aus einer augspurgischen und patricischen Familie entsprossen . Ich werde den Titel eines schen Werkes anzeigen , welches er verfertiget hat , und eines Buches , das von seinem Sohne heraus gegeben worden ( A ) , und welches eine sehr seltsame Meynung von den ersten Gottheiten des Heidenthums enthält : denn der Verfasser behauptet , daß die Winde , die Magnetnadel u . s . w . die ersten Götter der Aegyptier gewesen , und daß man sie unter geheimen Namen angebethet . Eine Linie von der Familie Herwart , die nach Paris verseht worden , lebet daselvst in großem Ansehen K
- » ) Siehe die Scaligeranen unter dem Worte Kanzler , p . m . 48 . l>~ ) Herr Baeealaureus Des - Marests , von dem ich oben in der Anmerkung ( A ) bey dem Artikel Eppendorf geredet , hat mir fast alles angezeiget , was ich in diesem Zusätze , so wohl in Ansehung des Textes , als der Auslegung sage .
( A ) Ich will den Titel eines chronologischen tverkes anzeigen , das er verfertiget hat , unv eines Buches , das von seinem Sohne herausgegeben worden . ] Chronologia noua , vera , et ad calculum aftronomicum reuocata , zu München 1612 in 4 . Pars prima . Man hat den andern Theil 1626 gedruckt . Pars altera , quae eft Chronologi - corum feu emendatae temporum rationis , aduerfus incredibiles alio - rum errores in 4 . Man wird den Tausnamen des Sohnes in dem tel sehen , den ich anzuführen mich verbindlich gemacht habe : Admiranda Ethnicae Theologiae Myfteria propalata , vbi lapidem magnetem an - tiquilfimis pallim nationibus pro Deo cultum , et artem qua nauiga - tiones magneticae per vniuerfum orbem inftituerentur , a veterum fa - cerdotibus fub inuoliicris deorum deartimque , et aliarum perinde fa - bularum cortice fummo ftudio occultatam eile , nouiter commonftra - tur . Acceflit exadta temporum ratio , aduerfus incredibiles Chrono - logiae vulgaris errores . Opus diu defideratum . Io . Fridericus wart ab Hohenburg in Schuuindeck S . E . Bauariae etc . aConfilii» , ex incompletis optimi parentis P . M . eruit monumentis , atque ad finem
perduxit , zu München 1626 , in 4 . Es ist viel Gelehrsamkeit in diesem Buche : man sieht zu Anfange eine Tabelle unter dem Titel : Tabula nauticae et hieroglyphicae deferiptionis totius mundi vetiiftiflinia , quae Theologiam Chaldaeorum Babylonis , Ierogrammateon Aegypti , et Orphei Phrygis , nec non Magiae , Sophiaeque Zoroaftris et Magorum Perfidis oftendit originein . Des Voßius Stillschweigen , in Ansehung der Bücher , deren ich gedacht habe , ist erstaunenswürdig . Dieser gelehr - te Mann redet weder inleiner Sammlung von den Aeitkundigen , noch in seinem großen Werke von dem Ursprünge der Abgotterey davon : wo er doch eine Menge Sachen , den Magnet betreffend , zusammen getragen , und wo er gesaget , daß die Winde als Götter verehret worden . Sollte er denn gar nicht gewußt haben , daß Herwart der Vater , und Herwart der Sohn auch Schriftsteller gewesen sind ? Dieß wäre ben einem Man - ne wunderbar , der so viel Belesenheit gehabt . Sollte er , sie anzuführen , aus der Acht gelassen haben , ob er gleich ihre Werke gekannt hatte ? Dieß wäre eben so erstaunlich bey einem Schriftsteller , der so geneigt ge - wesen , seine Belesenheit zu zeigen .
HeshustUs ( Tilemann ) ein Gottesgelehrter von der augspurgischen Confeßion 1526 gebohren zu Wesel ( A ) , hat gen seines unruhigen und bißigen Gemüths viel von sich zu reden gemacht . Er war noch sehr jung , als man ihm zwey wichtige Aemter in Heidelberg gab , nämlich eines Professors der GotteSgelahrtheit , und Predigers bey der Kirche des heil . Geistes . Er hat sie nicht ohne viel Unruhe verwaltet ; denn eS hat sich zwischen ihm und dem Wilhelm ClebiciuS ein ger Streit über die Lehre vom Nachtmahle erhoben . Der Churfürst von der Pfalz , Friedrich der III . der sich eingebildet , daß Melanchthonö Gutachten von großem Gewichte seyn würde , diesen Streit zu endigen , zog ibn über diese Materie zu Rathe . Seine Antwort reizte den Heshusius , der nichts von Luthers Meynungen nachgeben wollte : und weil man keine Wahrscheinlichkeit sah , daß das Schmähen unter den Parteyen nachlassen würde ( B ) so lange als er in Heidelberg wohnte ; so bekam er Befehl , dasselbe zu verlassen . Er gieng von da nach Sachsen , und gab einige zankische Schriften auf der ho - hen Schule zu Jena heraus . Nach seiner Berufung nach Preußen , lehrte er die Gottesgelahrtheit in Königsberg , bis er 1577 mit den Predigern von seiner Rotte daraus verjagt wurde . Er hatte sich mit dem Wigandus , über Religionsstreitig - fetten von geringer Wichtigkeit ganz wütend gezankt a ( C ) . Er begab sich mit seiner Familie nach Lübeck und dann nach Helmstädt , wo er zum Professor der Gottesgelahrtheit gemacht worden . Er ist daselbst , den 5 des Herbstmonats . 588 , ge - sterben . Er hat die Lehre von der Ubiquitat , in dem Gespräche zu Quedlinburg 158z , gewaltig bestritten ( D ) . Melchior Adam , dem ich das vorhergehende abgeborgt habe , ist sehr trocken in seiner Erzählung von den Abendtheuern dieses Man - nes gewesen . Ich rathe denen , die sie gern weitläuftiger sehen wollen , des HeshusiuS Leben selbst zu Rathe zu ziehen , das sein Schwiegersohn aufgesetzt hat ( E ) . HeshusiuS ist viermal verbannet worden ( F ) , und hat so gute Anstalt gemacht , wenn man dem Calvin glauben darf h , daß ihm dieß nicht den geringsten Schaden verursachet . Er ist Urheber verschiede - ner Bücher ( G ) . Diejenigen , die uns von der Secte der Heshusianer schwatzen , und ihm des AriuS Lehre beymessen , verdie - nen die äußerste Verachtung ( H ) . Moreri hat sie gleichwohl abgeschrieben .
a ) Ingens inter ipfum et Wiganduni dilfidium fuit exortum propter abftra & i vfum . Melch . Adam , in Vit . Theolog . p . 6 - 2 .
6 ) Siehe die Anmerkung ( F ) .
( A ) Gebohren ; u & >efel ] Nach dem Moreri ist er zu Gberrvefel an dem Rheine in dem Rirchensprengel . ; u Trier gebohren . Al - lein Q - uenstädt de Patriis Viror . llluftr . pag . 208 . welcher saget , daß dieß zu Wesel im elevischen Lande geschehen , scheint mir glaubwürdiger zu seyn .
( B ) Xveil man keine Wahrscheinlichkeit sah , daß das Schmä - hen aufhören würde . ] Melanchthons Antwort ist 1559 gemacht den : man hat sie nach seinem Tode herausgegeben , ohne auf seine Absicht Acht zu haben . Publice polt mortem auÖoris , contraque voluntatem cius editum exftat in Confil . Th . Part . II , pag . 378 . Melch . Adam in Vitis Theol . pag . 622 . Heshusius ist wütend gegen ihn heraus gesah - ren , und hat alle Ehrerbierhung vergessen , die er diesem großen Lehrer schuldig gewesen . Heshufius itaque , cum Lutheri de coena facra fen - tentiam mordicus retineret ac propugnaret : a principe Ele & ore , vt finis eflet conuiciorum et infeftationum in fua vrbe , dimifliis , offen - fusque vehementer iudicio Melanchthonis de fe , acerbe refpondit , ac ne mortuo quidem et bene merito praeeeptori pepercit . Ebendas . Calvin wirft ihm diese Hitze wider den Melanchthon vor . Paulüper expendant leftores , saget er , in dilucida Explicat . fanae dofhinae de vera partieipatione , pag . 840 . Traftat . Theolog . quam atrociter Phi - lippum Melanchthonein fuum praeeeptorem , cuius memoriam fanfte reuereri debuerat fugillet ac laceret . - - - Probrofis elogiis Phi - lippum ita digito monftrat , vt videri poflit data opera materiam eius traducendi in feribendo libro captafie
( c ) fix harre sich mit dem N ) igandus über Religionsstreit , g - keiten t\>« weniqer Dichtigkeit gan ; rvütend ge^anket . ] Hier ist der Ursprung von diesem Zanke . HeshusiuS hat in einem Buche wider den Theodor Be»a Allertio contra Bezianam Exegefin Sacramentorum betitelt , behauptet daß das fleisch Christi in abftradto anzubethen ist . Micraelius , Syntagm Hift . Ecclef . p . m . 867 . Non foluin in concreto dici debere , öei esse adorandum , omnipotentem , et viuificum ,
fed etiam in abftraöo carnem Chrifti efle adorandam : quia maicfta» adorationis fit carni communicata . Man hat sich wider lhn ausg»>
macht und vorgegeben , er hatte gelchrt , daß das Fleisch Jesu Christi an sich selbst und ohne die hypostatische Vereinigung anzubethen wäre : q»od in abftraöo et in fua efientia caro Chrifti , etiam extra vnionem con - fiderata , fit adoranda . Ebendaselbst . Er hat geleugnet , daß dieses sein« Meynung sey , und seinen Gedanken erkläret ; allein seine Gegner sind nicht damit zufrieden gewesen . Wigand , der Bischof von Pomesan , hat behauptet , daß diese Lehre gefahrlich sey : Humanitas Chrifti in abrtrafto eft adoranda , omnipotens , viuifica . Heshusius behauptet , daß er dieses nicht vorgegeben hätte , und hat sich noch einmal erklart ; allein er hat dadurch nichts gewonnen . Man hat einen Synodum berufen , der des HeshusiuS Ausdruck verworfen , und Wigand Iwt ihn so gar zum vffent - lichen Wiederrufe zwingen wollen . Da HeshusiuS dieß nicht thun wol - len , so ist er aus dem Lande gejagt worden , ob er gleich die anstößigen Re , densarten zu verbessern versprochen , die ihm entfahren seyn möchten : al« len Predigern , die ihn erhalten wollen , ist ein gleiche« Schicksal begegnet . Der Administrator von Preußen hat 1578 die Gottesgelehrten zu Rathe gezogen , die wegen der formula concordiae zu Herzberg versammlet wa , ren , und , nachdem er eine gunstige Antwort für den HeshusiuS erhalten , dem Wigand befohlen , nicht mehr von diesem Streite zu reden Dieß ist die eilfte Spaltung der lutherischen Kirche gewesen . Es ist nützliche * als man denket , dergleichen Historien zu wissen ; man lernet daraus den rottirischen Geist »erkennen , der die Urheber solcher Zänkereyenreizet .
* Dieser Rottengeist ist damals in Königsberg so weit gegangen , daß auch die Ungelehrten Theil daran genommen , und selbst die Magde auf dem Fischmarkte , wenn sie einander haben schelten und schimpfen wollen , sich tvechselsweise conccetifcbe , und abstractisch« <>uccn geheißen haben : wie dieses durch die gemeine Sage unter den Gelehrten daselbst , bis auf diese Zeit fortgepsianzet worden . G .
( D ) Er hat die Ä . ehre von der Ubiquität in dem Gespräche Onedlinburg des 158z Jahres gewaltig bestritten . ] Dieß che , welches Mierälius ins 158 ; Jahr setzet , und dessen Stelle ich zu En - de dieser Anmerkung anführe , ist nach dem Melchior Adam in Vidi Iii ii , Thea' .

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