Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-12006

Hermant -
Ü03
( A ) Sit Camus - - - hat ihm auf eine Art Gluck gewün - fcbet , die angeführet jtt werden verdienet . ] Hermant hat vier Schriften bey dieser Gelegenheit gemacht ; , ) die Beobachtungen über die Bittschrift der Jesuiten ; 2 ) die erste Schutzschrist für die Universität ; z ) die akademischen Wahrheiten ; 4 ) die zweyte Schutzschrift : dieß ist eineGe - genantwort auf die Antwort , die die Jesuiten herausgegeben hatten . Sein Name hat auf diesen vier Stücken nicht gestanden . „ Als le Ca - „ mus , Bischof von Bellai entdeckt hatte , daß Hermant , der Ur» „ Heber davon war . so hat er ihn in dem Pallaste von Albiae besuchet , wo „ er wohnte , und indem er ihn umarmet , zu ihm gesagt : daß er Gott da - „ für danke , der ihm in seinen so jungen Jahren , nicht allein so viel Geist „ und Wissenschast , sondern auch Herze und Stärke genug gegeben , daß er „ sich vor dem Hasse und der Rache einer so fürchterlichen Gesellschaft „ nicht gescheuet , als diejenige sey , wider die er geschrieben . Gleichwohl ist „ alles Uebel , welches ihm die Jesuiten bey seinem Leben thun können , dar - „ auf hinaus gelaufen , daß sie ihn nicht gelieber , und niemals mit Hochach - „ tung von ihm geredet haben , ob er gleich ihr Schüler gewesen . Seine „ Bescheidenheit hat ihn vor aller ihrer furchtbarsten Rache in Sicher - „ heil geseht , und sie haben ihm bey Suchung der höchsten Kirchenwür - „ den , darüber sie zu sagen haben , keine Hindernisse in den Weg legen kön» » , nen ; weil er , an statt dieselben zu suchen , vielmehr eine aufrichtige Ab - „ neigung dagegen gehabt , und sie so gar abgeschlagen hat , wenn man „ ihn genöthiget , dieselbe anzunehmen . , . Aus einer dem Buchhändler mitgetheilren Nachricht . Der Mangel alles Ehrgeizes ist öfters eine sehr gute Freystatt .
( B ) Es hat sich zur Feit feinesRectorats eine von denen Be - gebenheiren zugetragen , die einige Personen wegen der Sterndeu - rung verblenden . ^ Hier sind die Worte der Nachricht , die uns mitge , theilet worden ist . Marcellus , Professor der Redekunst in dem Lollegio von Ätfimr , hatte die Lobrede des Marschalls von Gaßion lateinisch aufgesetzt , der an einem Muskerenschusie ge - starben war , welchen er in der Belagerung vor Lens bekommen hatte , und stund im Segriffe , dieselbe öffentlich zu halten : als ein alter Doctor , defien vornehmste Beschafftigung war , alle offene liebe Anschlage zu lesen , voller Verwunderung , daß er denjenigen darunter sah , welcher die Rede des Marcellus auf ) wey Uhr nach Mittage anmeldete , zum - Hermant lief , sich darüber zu beklagen , und ihm vorzustellen , daß er nicht zugeben solle , auf einer katho - tischen Universität einem Menschen eine Leichenrede zu halten , der in der so genannten reformirten Religion gestorben te , und bath ihn , eine Versammlung zur Entscheidung darüber anzusagen . - Hermant , der ea ihm nicht abschlagen können , hat vermittelst der meisten Stimmen beschließen lassen , daß man dem Marcellus stehenden Fußes verbiechen solle , die Lobrede des - Herrn von Saßion zu halten ; und die Sterndeuter haben des - wegen ein Siegeslied angestiinmer , indem sie aller Xvelt gezeiget / daß in dem Ratender des berühmten Larrivey , unter den Vor - hersagungen dieses Monats , mir großen Buchstaben geschrieben stünde : latin perdu . Um d>e Umstände dieses Verbochs desto besser zu erkennen zu geben , das dem Lobredner des Marschalls von Gas - sion geschehen ist , will ich hier die Stelle des Casar Egasse du Boulai , l^emarque für la Dignite , Prefeance , etc . du Reöeur de l'Univerfite de Paris , pag . 91 , anführen : Als Michael Marcell , Professor der Redekunst in dem Collegio von Lisieur anschlagen lassen , daß er die Leichenrede des Marschalls von Gaßion halten wolle , so hat ihm der Recror solches verbiechen lassen , weil besagter Gaßion als ein Hugenotte gestorben war Da dicftrwegen sich Jacob Desperiers , der Vornehmste dieser Schule , nebst dem Marcell , bey dem Ranzler von Frankreich beklaget , so sind sie auf das thal des Rectors verwiesen worden . Die aus den Registern der deutschen Nation gezogene Urkunde bekräftiget solches . „ 22 Dt . „ cemb . ( an . 1647 ) Ampi . D . Reßor habitis Comitiis ex confilio D . D . „ Decaiiorum et 4 Procuratorum prohibuit D . Guill . Marcel , eloquen - „ tiae Profeflorem in Collcgio Lexouaeo declamare laut / es et pracconia „ lemortui Marejchalli nomine Gejfun , quod prolixo programniatc pu - „ blico notuin fccerat otnnibus Studioiis : fed qtiia res erat peffiini ex - „ empli et contra Religionem , laudare hominem in haerefi niortuuni , „ noluit Academia aequiefeere inftantifllmis preeibus D . Marcelli ne - „ que D . Defperiers Gymnafiarchae Lexouaei , qui prouocarunt ad D . „ Seguier Franciae Cancellarium , qui eos auditos ad Ampi . D . Reöo - „ rem huius rei ludicem remifit . Et fic filentium illis impofitum

Sammlung , der Schwierigkeiten der römischen Rirche wegen des Lobes der Reyer .
Wie viel Betrachtungen könnte man nicht über diese Art der Staats - - kunst oder der falschen Andacht anstellen , welche die Papisten reizet , den Ke - Hern das ihnen schuldige Lob zu versagen ? Allein , ich will nur mit Hin - dansetzung der Betrachtungen , etliche Geschichte erzählen , und den An - fang mit einer Stelle aus den Nouvellen der Republik der Gelehrten machen , die aus dem Auszüge von dem Buche des Daniel FrancuS , de Papiftaruin Indicibus librorum prohibitorutn et expurgandoruni , nommen ist . „ Er führet die Tablatur an , die man den Ketzerrichtern „ vorschreibt , werinnen man unter andern eine Verordnung sieht , alle „ den Ketzern gegebene Lobsprüche ohne Nachsicht auszustreichen . Dieß „ gehöret unter die Dinge , die man mit eignen Äugen sehen muß , wenn „ man sie glaubet , soll ; denn außer diesem würde man sich nimmermehr „ einbilden , daß die Religion vermögend sey , unserm Geiste einen sol> , chtn Schwung zu geben . Bellarmin ist dermaßen überzeugt gewe« ' se , , daß er den Charaeter eines Rechtgläubigen erlange , wenn er nie - „ mal« einen Ketzer lobe , daß ihn der Verfasser deswegen schilt , weil er »ausdrücklich de notisEccl . Cap . XVI , Art . I , gesagt ; man fände nicht , . . da« die Ratholiken die Lehre oder da« Leben dieser Reyer ge - . . lober hätten . Gleichwohl zeiget man dem Bellarmin durch die Lob - . . sprüche , welche CochläuS . AeneasSylvius . Pogqius der Florentiner , der . . Jesuit ClaviuS , Aube - pine . Bischof zu Orleans , und Caramuel , den Ke , . . Hern gegeben haben , daß sein Probierstein nicht allzusicher itz Man . . kann hieraus den Geist des KchcrgerichtS erkennen . Dieß ist eine sehr „ besondre Sache' Denn die Herren Ketzerrichter wollen . daß man aus „ den Büchern die Vorreden , die Zuschriften , und überhaupt alles auestrei - . . che , , soll . was denen auch die Fürsten nicht ausgenommen^« bringen , , fann , ^tM ? on der römischen Kirche absondert leben . Daher kommt
„ es , daß die Verzeichnisse der verbothenen Bücher verordnen , man solle , „ wenn dieser oder jener Geschichtschreiber gesagt hat , diesen Tag ist der „ vortreffliche - Herzog von XVürremberg , Christoph , gebohren , „ praeclarus Dux Wiirtembergenfis , das Wort vortrefflich , praecla - „ rus , ausstreichen , ob man es gleich im Lateinische» , dem geringsten „ Schüler giebt . Sie verordnen auch , daß alle Capitalbuchstaben , die „ man vor die eignen Namen setzet , um anzuzeigen , daß ein Ketzer Doctor , „ Herr , berühmter Theologus , vir clsrAlmu« , vir rcuerendus , betitelt „ wird , unverzüglich ausstreichen solle . Der Jesuit Serarius behauptet „ in seinem Minerval , daß die Lobsprüche eines Ketzers in dem Buche „ eines Katholiken , «inAbscheu vor Gott sind , wie diejenigen abscheulichen „ Opfer , deren im XXIII Cap . des VB - Moses im >8 V . gedacht wird „ Nouvelles de la Republ . des Lettrcs , Juillet 16S ; , Art . II , 776 u . f S . Ich habe in den pariser Zeitungen gelesen , daß der Magifter S . Palatii 1633 , in Rom ein Verboth kund gemacht hat , daß niemand keine einzige Schrift , weder in Prosa noch in Versen , kein Bild , keinen Rupfer - stich oder Schaumunze haben solle , die , um Gedachtnisse Gl» stav Adolphs , Königes von Schweden , gemacht worden . Paris . Zeitungen von 14 Marz >6zz . Sallo , wenn er den Auszug von einem Werke des P . Dona giebt , bedienet sich folgender Betrachtung Dieser Schriftsteller , saget er im Tagebuche der Gelehrten vom 19 Jenner >665 in dem Auszuge des Buches de diuina Pfalmodia , ist der erste , der ein Verzeichnis der Schriftsteller gegeben hat . die er mit einem Ur - theile über jeden ins besondere anführet ( * ) . £3 sind in dieser Lririk sehr artige Dinge . Uebrigens darf man sich nicht befrem - den lasten , daß dieser gute Pater von den ketzerischen lern in dieser Critik so übel redet , auch bey Dingen , die den Glau - ben nicht betreffen ; weil er zu Rom geschrieben hat , wo es ein Verbrechen ist , das Such eines Reners zu billigen . Diesen len wir diese Worte Balzacs , Extrait d une Lettre a Mr . le Marquis de Montaufier , zu Ende seiner Briefe an den Conrart , pag . 416 , Holl . Alisa 1659 beyfügen : „ Die Frau Salmas ! » hat mich durch den Conrart ersu - „ chen lassen , ihr einige Zeilen zum Nachruhme ihres Ehmanns zu ma - „ chen , um sie auf sein Grabmaal graben zu lassen . Allein , ich habe ihr „ in einem Zustande , darinnen ich nichts halten können , und bey denen „ Widerwärtigkeiten , die mich nicht zu Athem kommen ließen , und mir kei - „ ne Zeit zu poetischen Gedanken gaben , nichts versprochen . Außer dem deuch , „ tete mir , weil das Begräbniß , und aller Leichendienst zur Religion ret , daß die Grabschrift eines Hugenotten von keinem Katholiken gema - „ chet werden dörfe . Ich sage eine Grabschrift , wie diese ist , die in „ eine reformirte Kirche kommen soll , die in einer christlichen Schreib - „ art abgefasset seyn so» : und in welcher es schwer ftyn würde . daß man „ nicht aus einigen vorteilhaft erklärten Worten schließe» könne , der , , Verstorbene sey aus diesem Leben in ein besseres gegangen . Denn ihr , , wisset , gnädiger Herr , daß diese Redensarten in unserer Kirche strafbar „ sind , und daß sie zu Rom in den Schriften der allergrößten Manner „ unserer Zeit verdammt worden . „
( * ) Dieß ist nicht wahr ; Dempster hatte dieses in den Zusätzen z» Rosins römischen Altertümern langst zuvor gelhan . Man sehe auch eine gleiche Sache in deö Vignier Theatre de l'Antichrift , genfer gabe 1613 , in 8 .
Man merke , daß dieser päbstische Grundsatz nicht allezeit beobachtet worden ist ; denn wenn man den Jacob Laurentius im II und VI Cap der Prodiga lefuitarurn liberalitas , zu Rothe zieht : so wird man bafelbfr die Lobsprüche sehen , die den guten Sitten und der Gelehrsamkeit der «e tzer von katholischen Schriftstellern gegeben worden . Lorenz» Crasso hat das Lob vieler Protestanten , ( unter andern Gustav Adolphs , und des Salmasius ) - unter die Lobspruche der großen Kriegshelden und Gelehrten gesetzet , die er in Italien herausgegeben hat .
( C ) Ich will ein richtiges Verzeichniß von denen Xverke» geben , die er herausgegeben har . Z Ich nenne es ohne Bedenken also , weil ich es aus der Nachricht nehmen will , die uns mirqetheiler worden . Ige hat 1644 die Scbuyscbrift Arnauds , seines Freundes , wider ein Pasquill des P . XJouet , sinnreiche Betrachtungen über das Buch vom öfter» Gebrauche des Nachtmahls , betitelt , herausgegeben . Er hat 1651 wider die Gesichrer des Labadie , eines abgefallenenIesni ten , unter dem Namen S . Julians geschrieben , und unter dem Namen - Hieronymus ab Angelo Forri drey lateinische Sriefe an den Hrn . von Samrcbeuve , wider den Dcsmarets , eincn reformir , ten Prediger zu Groningen , welcher aus e , >m Catechilmus über Gnade Vorcheil gezogen hatte , der auf Befehl eines gottseligen V . schofs aeschr . ebenwar . Sr hat das Leben des h . Cbrysoffomus 1664 , de« h . Athanasius 167 . , d , e Astet , ka des h . Basilius 1^73 , da» Heben des h . Basilms undGregorius vonNazianz . 674 heraus - gegeben . chet harte , so hat er sie einem untreuen Schreiber anvertrauet , der
eine Abschrift davon behalten , und sie 169z zu Ryssel unter dem Titel : Clauis Difciplinae Ecclefiafticae , feu Index vnitierfalis totius Iuris Ecclefiaftici , drucken löflen . Man hatte sie durch Zusake ae - schimpfet , die dem - Hermant sehr unanständig sind , und seinem Nachruhme Nachthcil bringen konnten : wenn die fCclt nidit Nachricht hatte , daß sie nicht von ihm waren ; und vornehmlich die Sammlung der Briefe , die unfern ersten päbstcn falschlich zugeeigner worden . Wollte Gott , daß wir eines Tages seine geistliche und weltliche - Historie von Beauvais und Beauvaisi» fthen könnten , »»» daß sie nicht unter de . » Händen derer me» mochte , die sich derselben zum Nachcheile eines von feinen Freunden bemächtiget haben , deiner sie anvertrauet , und möge seines letzten lVillens aufgetragen hatte , sie drucken zu lassen .
( V ) Ich werde etwas von seinem Streite mit dem P . Maim - burg sagen . 1 Dieser Jesuit , „ nachdem er in seiner Historie des Arianis - „ mus alles gcsammlet , was merkwürdig und schön i» dem Lebe» des heil . „ Athanasius war , hat für nöthig gehalten , de» Urheber desselben durch ei - „ ne boshafte Vorrede zu verschreyen , um die Diebstahle zu verheelen , die „ er an ihm begangen hat ; und damit man sich nicht einbilden sollen , daß „ er etwas aus eiiiem Buche zu nehmen gewürdiget hätte , davon er so „ verächtlich gesprochen . Er wirft dem Hermant vor : 1 ) daß er die Stel - Iii it - le»

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