Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11991

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Hermant .
vixit annis XLV . Man darf sich weder auf Grabschriften noch Lvbre - den verlassen .
( H ) Sem Freund hat ihn deswegen übel gerechtfertiget , ) El - nige , saget er , versichern , daß Herlicius junge Mägdchen lieb gehabt ; und sein Gestirn hat dieses gewollt : allein wenn man daraus schließen te , daß die Unruhen seines ersten Ehstandes daher gekommen wären , so antworte ich zu seiner Rechtfertigung ; daß er von'seinen zwoen Frauen keine Kinder gehabt , und daß er zu sagen pflegen , er säe in ein unfrucht - bares Feld : folglich hat er den jungen Mägdchen nur zu gefallen , aber ih - rer nicht zu genießen , gesucht . kerunt nonnuUi cum , quum aetas fer - ret , non abhorruifle a puellarum amoribus , id quod in genefi eius coniuiiäio Veneris cum Marte prac fe ferre videtur . Quod fi'qni» hinc cum forte falacem , et hinc multas turbas in priore matrimonio ortas efle dixerit , ille fciat , D . HERLICIVM ex vtraque fua coniu - ge nullos liberos vel Herlic'tolum fufcepifl'e , fed illorum exfortem fm lfle , atque in ftcrili agro ( vt dicere folebat ) laborafle , et proinde ani - mo iuuenculariiin mutuo potius , quam coitu captuin efle . Eichftad . an angezogenem Orte paZ . 78 . Zur Bekräftigung dieser Schutzschrist füh« ret man den Cardan an , der durch die Menge seiner Kinder seine Geilheit bewiesen hat . hieran . Cardanus quidem in iudicio fuae geniturae fe la - fciuum fuifle , multitudine procreatoruni liberoruni probat . Ebend . Man hat niemals eine armseligere Berrheidigung gesehen : Denn I . hat sich Herlicius niemals der Enthaltung oder Mäßigung gerühmet ; er hat sich nur beklaget , daß er ein undankbares Feld bearbeitet habe . Er hatte aljo gearbeitet , und er hat es bekannt . Was will man hierauf aus die - sem für einen Schluß ziehen , daß er keine Kinder gehabt ? Will man dar - au« schließen , daß , wenn er sich bey jungen Magdchen beliebt zu machen geluchet , solches bloß aus Verlangen geschehen , von ihnen geliebt zu wer - den , ebne etwas weiters zu verlangen ? Allein es ist hier nichts , daraus man diesen Schluß ziehen könnte . Zum ll sind die unfruchtbaren Ehen keinesweges ein Beweis einer wenigem Unkeuschheit : vielmehr sa - gen die Arzneykundigen . daß die allzugrvße Geilheit eine von den Hin» dernissen der Empfängniß sey , und daß die Ehen im ersten Jahre deswe - gen unfruchtbar sind , weil dieNeuverheiratheten ihreOpfer allzuoft bringen : so daß die gestörte und verwöhnte Natur ihre Anstalten nicht wohl ma - chen kann , bis ihr erstes Feuer verraucht ist . Man lese den Aristoteles , wie ihn Montagne , Lfläis Liv . III , ch . y , pag . IN . 112 anführet : „ Man „ muß ( saget Aristoteles ) seine Frau vorsichtig und ernsthaft berühren , da - „ mit man sie nicht durch ein allzugeiles Kützeln außer aller Vernunft , . seke . Was er wegen des GcwisienS saget , das sagen die Aerzte we - „ gen der Gesundheit : daß ein übermäßig hitziges , wollüstiges und öste - „ res Vergnügen den Saamen verberbe , und die Empfängniß verhindere . „ Andern rheils sagen sie , daß man zu einer matten Beywohiumg , wie „ diese nach ihrer Natur ist , um sie mit einer richtigen und fruchtbaren „ Wärme zu erfüllen , selten und nach ansehnlichen Zwischenzeiten schrei - „ ten müsse .
„ Quo rapiat fitiens Venerem , interiusque recondat . , ,
Lorenz Joubert , ein berühmter Arzt , hat das 6Cap . des IIB . seiner gemei - nen Jrrrhümer , diejenigen zu bestreiten bestimmet , Sie bestanvig einander umarmen , um Rinder ju haben ; und diejenigen , die es nicht oft thun , rveni'gcr Rinder ; u haben . Der unwissende Pöbel , saget er p . 74 , kriegt sich Mf ; wo widrige Arten , da er gänzlich gegen seine Ab - ficht handelt : wenn diejenigen , die allmbegicrig nach Rindern sind , ihre Frauen sc» oft umarmen , als sie können . Zdie andern schonen sie , aus Furcht , eine allxustarke Familie ; u haben Die testen bilden sich ein , wenn sie einmal fehlen , es das andrem« ! ; » ersetzen : und es fällt ganz anders aus . Denn dasjem'ge , was auf einmal gur gemacbt feyn könnte , kann vielleicht bey der Xüitf derkunst vermairer werden Und rr»as noch mebr isi , wenn man darzu , ohne Antrieb der Natur , so oft wiederkommt , so hat ded Saame nicht Muste , wohl gekocht und vollkommen ; u werden . Daher ist er unfruchtbar und untüchtig , und also so unnüulich als NVassir .
Msu hat groß Recht zu sagen , daß es besser ist , seine Sache gar nicht , als von einem schlechten Sachwalter vertheidigen zu lassen . EichstadinS verdienet demjenigen verglichen zu werden , den der Prätor Scipio einem Proceßirer angepriesen hat . Ille Siculus , cui Praetor Scipio patronum caufae dabat hofpitem fuum , hominem nobilem , fed ädmodum ftul - tum : Quaefo , inquit , Praetor , aduerfario meo da iftum patronum , de - iude mihi neminem dederis . Cicero de Orat .
( I ) man hat viel T>ücher von seiner Arbeit . Z Die meisten sind deutsch : die lateinische ; ' sind entweder Gedichte oder Reden , oder philo - sophische und medieinische Tractate : Witte , Memoriae Medic . Dec . l , pag - 87 , giebt ein Verzeichniß davon .
huic nihil potentibrem ftimulum' admouet , quam neftio cuius aurei fecuti per mille duraturi annos perfuafio , vbi profligatis ab omni la - tere hoftibus Deo dileöa cohors in otio fit fuauiflimo vi & ura .
Trahimur omnes beatae his in terris vitae cupiditate . Itaque fi qua nobis eam fama polliceatur , ei fitientifilmas aures adiungimus , inque omnes articulos temporis , qui fauere huic aftedhii videntur , enixe vi - gilamus . Ebendas . 395 0 . Nach diesem stellet er seinen Zuhörern vor , daß es in dem XVII Jahrhunderte keinen ansehnlichen Krieg wider die
feinde der wahren Kirche gegeben , da man nicht Prophezeyungen ausge - reuet hätte , die entweder den völligen Untergang des PabsteS , oder des Türken erst , oder aller beyden versprochen . Man hat den Ruhm dieser Nie - derlage Friedrichen , Könige von Böhmen , dann Gustav Adolphen , dann Carl Gustaven versprochen . Tantac viäoriae lauream erant , qui fu - perioris Germanici belli tempore Friderico Palatino , erant qui Gufta - 110 Adolpho Suecoruin Regi , erant qui Carolo Guftauo deftinarent , cum is Poloniam ante hos nouem annos infeftaret . Ebendas . 596 S - Hieraus redet er von unserm David Herlicius , welcher zu Ende des XVI Jahrhunderts versprochen hat , daß der Türke bald gestürzt werden würde .
Pleuus talium in primis eft , Dauidis Herlicii . in aliis fortafle praedi - öionibus , quam in hac felicioris Aftrologi , libellus , quem fub finein aeui fuperioris , mifere Pannoniam vexante Turca , vulgauit . Ibi Da - nielem , Apocalypfin , diftum Eliae , praefagia Ioannis Hilteni , Antonii Torquati Ferrarienfis , Turcarum ipforum , curfus fiderum , comun - ftiones planetarum , quafi in exercitum vnum confcribi video , quo in animis hominum vltimo praelio cum Turca decidatur . Ebend .
CG ) Grift in seiner ersten Heirat ! ) sehrunglücklich gewesen . Z Gott weis warum , saget der Geschichtschreiber . Anno 1593 bonettiw - mam virginein , Reginam Hungers , primarii ciuis Primislauienfis n - liam in matrimoniiuu aeeepit , cum qua tarnen non adeo concorditer ( caufain nouit Deus ) vixit , et fine frudhi matrimonii per 17 anno» .
Eichftadius in Vita Herlicii , beym Witte , Memor . Medicor . Dec . I , pag . 76 . Siebenzehn Jahre für übclverheirachete Personen , sind ein etwas allzulanges Ziel . Man findet bey denen , die das Leben berühmter Männer beschreiben , die Offenherzigkeilmchk , die man hier sieht . Seil dem ich mit diesem Werke beschäfftiget bin , habe ich viele Lobsprüche und Leben gelehrter Männer durchlaufen : allein ich habe fast niemals darinnen ae - lesen , daß sie mit ihren Ehsrauen übel gelebet haben : man versichert fast allezeit , daß die allerangenehmste Einigkeit , die man nur wünschen kann , der Segen ihres Ehstandes gewesen . Die Nachbarn wissen sehr oft das Gegentheil . Ich erinnere mich einer Sache , die einige Aufnierkjamkeit verdienet . Ein gelehrter Römer , Caspar Cälius , der 1640 gestorben , hat seine Ehsrau in einer so harten Gefangenschaft gehalten , daß dieselbe kel - ne Person sehen , noch sie jemanden sehen dörfen . Vxorem adeo am - plius quadraginta annos , quibus cum ea vixit , cuftodiis fuis domi fub - ieäam habuit , vt mortalium nemini fas fucrit afpicere . Nicius E - rvthraeus , Pinacoth . I , p . 229 . Er hat nicht einmal zugegeben , daß der Pfarrer deS Kirchspiels am Osterfeste zu ihm kommen dörfen , mn die Aufzeichnung der Personen , die im Hause waren , und die Besprengung mit Weihwasser zu verrichten , die in Rom gebräuchlich sind , ^r hat ge - - sagt , daß der Pabst , wenn er da vorbey gienge , dem Hause den Segen er - theiie , und daß dieses schon aenua sey ; und wenn man darauf bestehen wollen , so hat man sich vor Stockschlägen fürchten müssen . Parochis , oiubus mos eft quotannis , Pafchalibus feriis , Alis in paroeeiis capita num recenfere , ac fingulomm domus aqua luftrali confpergere , ver - borum contumeliis , ac metu etiain fuftis , fi aufi efient accedere , domi fuae foribus abigebat , quod diceret : Pontificem Max . cum illac iter faceret , bene domui fuae dicere ; proinde nihil opus efle cuiusquam ad eam rem opera . Ebendas . Eines Tages , da er für' seine Frau die Erlaubniß gebethen , die Fasten nicht zu beobachten , hat der Pfarrer des Kirchspiels geantwortet , daß er es nicht erlauben wurde , wenn er nicht mit seinen eignen Augen sähe , in was für einem Zustande sich die . ^ - anke befände . Der Mann hat ganz frey geantwortet , daß die Krankheit m derMutter säße : wollet ihr , hat er dazu ge , ehr , den Sitz der Krankheit sehen ? Nicius Erythräus ist bey diesem Gespräche gegenwärtig gewe« sen . Atque ipfemet adfui , cum in facrario S . Spiritus in Saxia Paro - cho , neganti , non aliter fe vxori eius poteftatem fachirum vefeendi carnibvis in quadragefima , nifi fuis ipfe oculis , quo morbo affeöa ef - fet , afpexiflet , palam multis audientibus , disit : Vxori meae morbus in matrice inhaeret , placetne morbi locum afpicere ? Jedermann mag urtheilen . ob ein Mann von solchem Gemüthe fünf und vierzig Jahre oh - ne einigen Zank mit seiner Ehfrau hat leben können . Unterdessen versi - chcrt man e6 doch in seiner Grabschrift , die der Bibliothecae Romanae Prospers Mandosio pag . 275 eingeschaltet ist . Sed quod raro contingit cumClaudiae Sebaftiani Tiburtina vxore fine qiterela coniunftiflime
JpCtltlßltt ( Gottfried ) einer von den berühmtcstm Scribentcn des XVII Jahrhunderts , war zu Beauvaks den - j Hör - nun« 1617 ! gefahren . «Er hat in seiner Jugend Merkmaale eines sehr lebhaften Geistes und eines sehr glücklichen Gedächtnis - „ sts gegeben , welche Eigenschaften er auch bis an das Ende seines Lebens erhalten hat . Er lernte das Latein und Griechische mit einer wunderbaren Leichtigkeit , und in einem solchen Alter , da andre junge Leute kaum lesen und schreiben können . Er »war nur zwölf Jahre alt , da ihn Augustin Potier , Bischof und Graf von Beauvais nach Paris geschickt , bey den Jesuiten «die Redekunst zu sedieren . Nachdem er seine Philosophie in dem Collegio von Navarra , und die Theologie in der Sorbonne „ vollendet , so hat ihn dieser Prälat , der ihn sehr liebte , wieder nach Beauvais kommen lassen , um daselbst die schönen Wis - „ senschaften und die Redekunst zu lehren . Er hat ihn 1640 nachI Paris als Lehrmeister des Hen - n von Ocquerre , seines „ Neffen , geschickt . DieseBedienung^bat ihn nicht gehindert , daselbst die Philosophie in dem Collegio von Beauvais zu lehren , „ dainit er m die Sorbonne kominen konnte . Er ist 1641 Baccalaureus und 1642 Canom'cus der Hauptkirche zu Beauvais ge - „ worden . Bis Hierher war sein Verdienst nur seinen Freunden bekannt ; allein da die Jesuiten dem Könige 164z eine Bitt - „ schuft überreicht hatten , der Universität Paris einverleibet zu werden , so ist Hermant erkiest worden , sie zu vertheidigen , und er hat drey oder vier Stücke verfertiget , die ihm viel Ruhm erworben haben . Le Camus , Bischof von Bellai , hat i£m wegen auf eine Art Glück gewünschet , die angefuhret zu werden verdienet ( A ) . Er hat ihm die Empfindlichkeit der Jesuiten
vorgestellt ; weil aber Hermant' ohne Ehrgeiz gelebet , so hat er ihnen keinen Anlaß gegeben , ihr großes Ansehen zu seinem Nachtheile auszuüben . „ Er ist zum Prior der Sowonne 1644 , und zum Licentiat ünd Rector 1646 gemacht worden . Im » . andern Jahre seines Rectoratö eraugete sich eine von denen ungefähren Begebenheiten , die einige Personen wegen der Eitelkeit
„ der Sterndeutung verblenden ( k ) , und sie abhalten , dieselbe völlig zu verdammen . , . Ich will ein richtiges Verzelchniß von denen Werken geben , die er herausgegeben hat ( L ) , und ich werde etwas von dem Streite sagen , den er mit dem P . MaimburH gehabt ( D ) . Er ist den n des Heumonats 1690 , zu Paris auf einer Straße eines plötzlichen Todes gestorben , wie man in seiner Grabschrift sehen wird . Ich will sie ganz anführen , ob sie gleich nicht auf sein Grab gesetzt worden ( E ) , da seine Feinde so boshaft und mächtig gewesen , dasselbe zu verhindern .
" ) Aus einer dem Buchhändler mitgctheilten Nachricht . ( V )

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