Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11980

Herlicius . 801
wohl , daß ihm der Herzog von Meklenburg das Amt eines Unteraussehers in der Schule zu Güstrau gab . Er hat es zwey Jahre verwaltet , und alle ihm übrige Zeit auf die Ausübung der Arzneykunst und Verfertigung der Nativitäten gewendet Er hat die zwey folgenden Jahre zu Primislaw^ ( - ) , als Physicus zugebracht ; und darauf hat er 1583 eine gleiche Bedienung zu Anklam angenommen , wo er auch die Arzneykunst ausgeübet . Er gab im folgenden Jahre einen Kalender heraus , der mein gelobet worden ist ( JB ) . Seit dieser Zeit hat er 52 Jahre durch , alle Jahre dergleichen gemacht . Er wurde 1585 berufen , die Mathematik auf der Akademie Greifswalde zu lehren , und er verwaltete dieses Amt dreyzehi , Jahre hinter einander , und gab verschiedene Werke heraus . Er erhielt die Doctorwurde in der Arzneykunst auf dieser hohen Schule 1597 mit vielem Gepränge , und nach Verlauf eines Jahres nahm er das Amt eines Physicus an , welches ihm die Stadt Stargard in Pommern anboth , von da er sich 1606 nach Lübeck begab , um daselbst ein gleiches Amt zu versehen . Er trieb daselbst die Arzneykunst mit vielem Ruhmec ; und verließ diese Stadt , ich weis nicht aus was für einer Unbeständigkeit , dem ungeachtet im 1614 Jahre , um sich nach Star - gard zu begeben , wo er seine ganze übrige Lebenszeit zubrachte . Er ist den 15 August i6z6 gestorben . Er hatte das Jahr zuvor nen sehr verdrießlichen Verlust erlitten ; sein Haus und alle seine Schriften waren in einem Brande verlohren gegangen , der die Stadt Stargard den 7 des Weinmonats 1635 in die Asche gelegt . Außer diesem würde die Welt eine unendliche Anzahl astrologischer Betrachtungen des Herlicius gesehen haben ( C ; ; denn dieß war eine Wissenschaft , die er sehr ausgebessert hatte < Er hat mit Nativitätstellen Geld verdienet ( D ) ; und wie es ihm nicht am Wiße fehlte , so ist er sehr behutsam wesen , damit , er die Ungewißheit seiner Kunst nicht allzusehr zu erkennen geben wollte ( E ) . Die Prophczeyung , die er wider die Türken bekannt gemacht hat , ist durch den Ausgang nicht bestätiget worden ( F ) . Er hat sich zweymal verheirathet , und ist in seinem ersten Ehstande sehr unglücklich gewesen ( G ) . Vielleicht ist er Schuld daran gewesen ; denn man hat ihn beschuldi - get , daß er einer von denjenigen Hurenjägern gewesen , die das Liebeshandwerk außer ihrem Hause treiben . Sein'Freund hat , hn in diesem Stücke schlecht gerechtfertiget ( H ) . Man hat viel Bücher von seiner Arbeit ( I ) . . Ich habe vergessen , zu sagen , daß er ein guter Lutheraner gewesen .
< ? ) Quicquid temporis extraordinarii Iiicrari potuit Aftrologiae ftudio , conftruöioni et iudicio gcnifurariim tribuit , et infuper ad Medicinam faätitandam fe applicuit . Eichftadius wie unten in der Anmerkung ( A ) . 6 ) In der Mark Brandenburg . c ) Siehe in der Anmerkung ( E ) die letzte Anführung . d~ ) Aus einem Briefe des Lorenz Eichftadius in den Mcmoriis MedicorumteiPenning Witte Dec . I , pag . 73 u . f .
hat demselben Nativitäten auszuarbeiten gegeben , und ihn um seinen Rath gefragt . Etquiainfua ingrauefcente aetate parcere oculis , et ad plures annos eorum vfum referuare volebat , haud raro a me petiit , vt fibi ad calculum geniturarum perficienduin , et aliquod breue iu - dicium de iis ferenduni fubuenirem , cui lubens annui . Ebendas .
( E ) Er ist sehr behutsam gewesen , - - damit er die Un , gcwißhcit stiner Runsk nicht so sehr ; u erkennen geben wollen . ] Er hat niemals für diejenigen arbeiten wollen , welche die Stunde ihrer Geburt nicht angeben können , und er hat lieber das Geld , das er von ih - nen ziehen können , entbehren , als sich zum Gelächter machen wollen .
Nunquam illis ytveStoctxov fuum adornare volebat , qui fine cognita natiuitatis hora ad eutn accedebant : inaluitque dignifati artis , quam pecuniae turpique lucro confulere . Ebend . Was er an den Eichst« , dius geschrieben , bezeuget , daß er aufrichtig gehandelt , und die Astrologie als eine ehrwürdige Wissenschaft angesehen hat , deren Ehre man erhalten müsse , es koste auch was es wolle . Er hat nicht gewollt , daß man ihn fragen dörsen , was die Kleider und Pferde für Farben haben mußten , wenn sie glücklich seyn sollten . Er hat wohl gesehen , daß er sich bey der - gleichen Fragen bekriegen könnte . Er ist gegen verschiedene Sterndeuter verdrießlich gewesen , welche , da sie diese Behutsamkeit nicht beobachteten die Sterndeutkunst der Verachtung und dem Tadel ausgesetzt haben : und überhaupt hat er gern so reich seyn wollen , daß er seines Lebens terhalt durch diese schlechte Handthierung nicht mehr gewinnen dörste .
Sobrie quoque hanc artem traflari volebat : hinc allquando in l'uis litte' , ris ita ad me perfcripfit : Vtinam amicis fortuna me intueretur lis' , vt fine Aftrologicis gerris fencäwti meae ( quae mihi caecitatem minatur ) profpicere poflem , nunquam calculo inquirerem .
Interim quando multi plura inquirunt , et fcire defiderant , quam Ars noftra fert , aut patitur , aut habet , aut explicat , malo iuxta confcien - tiam agere , quam §an & atn Vraniam noftram deturpare et velut ftu - prare , eique nigrum faletn vel atram notam alpergere ; quuni alias tot fuperftitionibus Chaldaicis noftra Ars fcateat , quas multi ex no - ftratibus adhuc mordicus tenent . Multi ex me fcire laborant , qui colores veftimentorum et equorum fortunati fibi fint futuri ? Haec et alia monftra quaeftionum faepe albis dentibus rideo , faepe etiam deteftor . Arno enim virginitatem noftrae Artis , nec patiar eam ita nefario ftupro pollui , ne Mifaftrologi hoSce abufus in contemtum Aftronomiae nobis obiicpre poflint . Eichftadius beym Witte Me - mor . Medicor . pag . 76 Es ist nicht leicht zu begreifen , daß ein Mann , der in der Uebung der Arzneykunst so viel zu thun , und niemals Kinder gehabt , aus seine alten Tage Mangel zu le . den , befürchtet hat , wenn er keine Nativ . täten stellte . Diese« könnte die wider ihn herum gegangenen Verleumdungen bekräftigen und glaubend machen , daß er allzuviel inLie , beShändeln verthan hätte . In ampla praxi Medica vixit f Lubecai ) ita vt mihi aliquoties retulerit , fe faepius fub obfcuro mane aegros fuos vifitatum extra aedes pedem extuliffe , et vsque ad vefperam , vt nu . tperum eorum in chartam relatum abfolueret , contentius per plateas ambulafle , demumque tenebris obortis domuin reuerfum eile . Ebend . 77 0 .
( F ) ZdieProphe ; eyui , g , die er wider die Türken herausgegeben , ijk durch den Ausgang nickt bestätiget worden . ] Thomasiu« hat in Leipzig deni ; des WemmonatS 1661 eine Danksagungsrede wegen des Friedens gehalten , der zwischen dem Kaiser und der Pforte war geschlossen worden . Dieser Friede hat den Chiliastcn sehr misfallen , weil sie vorher gesagt hatten , daß sich das Ende des türkischen Reiches nähere . Sie ha - ben ihre Prophezeiungen auf etliche Texte der h . Schrift und viele Vor -
hersagungen gegründet , die sie nach ihrer Phantasie gedrehet . Non
aliis armis inftrudi prodicrunt , qui per hos annos credi a nobis vo - luere , fore breui , vt iain deletum Ottomannidarum Imperium cerne - remus ; non leui , opinor , cum facrae Scripturae profanatione , quam et gencris diuerfiflimi praediäionibus fociarent , et fui cerebri fo - mnia eogerent interpretari . Thomafius in Orationib pag . m . 397 . Dieß ist ihre Art , sie wiederholen sie alle Tage : Thomasius wundert sich , daß man nach so vielen falschen Prophezeyuugen , die wegen de« nahen Untergangs der Ottomannen ausgesprengt worden , nicht behutsamer mit den Prophezeyungen geworden ist . Es scheint , daß man sich um so viel weniger darinnen zu bekriegen fürchten dörfe , je mehr sich schon Leu - te darinnen betrogen haben - weil das Wort Gottes , welches nicht lügen kann , die Verwüstung dieser mächtig ? » Monarchie versprochen hat . Dieß machet also die neuen Propheten kühn . Der Redner bleibt bey die - ser Ursache nicht stehen ; er glaubet , daß die Begierde auf dieser Erde die goldne Zeit zu besitzen , diese Herren verführe . Sed fortafle curiofitati
Zil «i huic
( A ) <£t hat durch dieses Mittel bey vielen Gelegenheiten er - was verdienet , wohin ihn seine Armuth gefuhm . ] Dieses beken - net fein Freund Eichstadiuö , in Vita Dauidis Herlicii beym 2Bitte , Me - mor . Medic . Dec . I , pag . 74 offenherzig . Sponte , saget er , ad Poefin et Muficam exercendam fe dedit : a quo vtroque ftudio etiam poftea in Academiis , quoties aliqua inopia laborabat , fru & ut non poenitendos percepit , eoque fibi viros bonos et homines dodlos patronos atque amicos conciliauit ; ficut et habuit duos alios fratres Stralfundi in Pomerania etMuficalnftnnnentali et Vocali ( quorum vnus Cantorein fcholae , alter Muficutn organicum in templo Nicolaitano inibi egit ) celebres atque excellentes .
§ ( « ) Prenslaw ist der Name dieser Stadt im Deutschen und Fran , zösischen . Crit . Anm .
( 8 ) Er gab - - - einen Ralendcr heraus , der ungemein ge - lobet wordcn . Z Hier find Eichstäds Worte beym Witte ebend . pag . 76 . Anno i ; ? 4 primum üium Lslendarium et Prognofticon de mutationi - bus aurae et tempeftatum in hoc phyficatu publicauit , quod magno hominum applaufu ftatim exceptum fuit . Diese «Ute Aufnahme hat ihn aufgemuntert , und er hat die Freude gehabt , zu sehen , daß seine Ka - lender in verschiedene Sprachen übersetzet worden , und ihn für die Zier , de Pommerns haben ansehen lassen . Sed et Prognpftica annua de fta - tu aeris , quae iam per quattior ac decem annos confcripferat , maxi . Bio labore , fimima fide , indefeffisque obferuationibus , in vfum Pomera - niae et regionum regnorumque adiacentium quotarinis per 5z annos continuauit . Qui labor progreflii annorutn in tantam lucem venit , vt non tantum a Germanis in fuo idiomate expetitus , verum etiam ab exteris in Latinam , Bohemicam , Polonicam , Danicam , et denique Suecicam linguam translatus , mox hinc inde in yicina climata illatus atque HERLICIVS nofter , tam vtili anniuerfario opere , decus et ornamentum Pomeraniae faäus fit . 77 S . Er hat diese Arbeit der - maßen geliebt , daß es eine von denen Ursachen gewesen , warum er Lübeck verlassen , weil er in Stargard die nöthige Muße zu bekommen gehofft , ein großes Werk zu vollenden , dessen wichtigster Theil die Astrologie seyn soll» te . 77 , 78 S . Vt defatigptus iftic plurimis negotiis , curis , turbis , honeftum fibi otium quaereret , et D E O , fuis Mufis atque affini - bus ( * ) vacare comniodius poflfet , nirfus valedicen's Lubecae anno 1614 cum vniuerfa fuä familia rebus compofitis Stargardiam Po - meranorum fe contulit , vbi maiore tranquillitate litteraria ad abfol - uendum et expoliendum opus illud niagnum , quod de triplici Kaien , dario Eccleßaflico , Aßronomico et Aflrologico , confcribere inceperat ; fed ^ntc annum ( nämlich 1635 ) proh dolor , in Ciuitatis Stargar -
denfis flamma vna conflagrauit , fe frui pofle fperabat . Siehe die gende Anmerkung . _ ,
( * ) Seine Frau war von Stargard . Sie war schon eine Witwe , als
er sie zu Anfange des 1611 Jahres heirathete . Ebend . p . 7 * .
( C ) ( Phne diesen Vrand würde öt'eXDelt eine imendlime Anzahl ksirologisckerBeobaclirungen des - Herlicius gesehen Habens Damit man sehe , wie sehr sich dieser Mann an die allergeringsten Kle' . nigkeitm der Astrologie gehalten habe , so ivill ich die Probe anführen , die ich in seinem Leben auf der 81 S . finde . Interea fuas Obferuationes Afirologicas pu . blici iuris facere deereuerat , faepe enim ad me fcripßt , quod vltra mille et ducenta coUegerit Themata , quae fuo tertio operi Calendariograpbico tt Aflrologico inferere , iisque veritatcm aliquot Aphorifmorum Aflrologi - eorum probare nitebatur : e . g . Quod Planetae benefici , lupiter et nu« coniimöi , imprimis in o & aua domo longam vitam et annos ( vltra70 ) diuturnos polliceantnr . Item , quod Fomabant , infignis ftella afterifini Aquarii , in oftaua domo , celebrem et gloriofum polt mortem faciat . Item , quod Cauda Draconis in prima domo Coeli vel altero oculo carentem vel gibbofum fore minetur . Vtcomplures «tlios tacearn . - dt haec cum reliqua fua inflruflijjima Bibliotheca , cuius fimilem vix priuatus alius tota noflra in Pomerania quoad Mathemati - cos , Hißoricos et Medicos libros pojjedit , in communi Stargardienß exci .
hftfrnU Nativitätstellen Geld verdienet . ] Die Böh , wen und Dohlen haben ihn amBestcn bezahlet . Diuerfae faepe natio - - " - s ad cum confluebant , et ob multa expenmenta nominisque cele - britatem iudicium de fuis genituris ab eo pofeebant Germani et ex - teri , praefertim Bohemi et Poloni , quorum liberahtatem prae rehquis praedicabat , pae o0 Und wie er von denen gewesen , die Nicht gern bald sterben wollm so hat er seine Augen geschonet , damit sie . hm in sei - nem Alter nützlich^ km könnten : dieserwcgen hat er sich von seinem Freunde Eichstadius helfen lassender sich auf die Astrologie verstund ; er

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