Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11946

Herkules .
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mir erlaubet seyn , diesem einige Sammlungen beyzufügen , welcheVerwandt - schaft damit haben . Ich will mit einer ziemlich langen Stelle Casau - bons , Athen . Libr . X . cap . I . p . 702 . den Anfang machen : Iftud pla - ne comnuini hominum naturae contrarium cft : quibus [ folis ( * * ) cx omnibus animantibus ( nifi forte fimias excipias ) " ] dedit aureis * 1 xoxvntUiMi ; th © e o t cotplu moueri fuapte fponte nefcias . [ Nam quod fcribit Martialis , Cinnae cuidam natum filium auribus longis , Quae fic mouentur , vt folent afeüorum : poetica fine dubio liccntia eft , non rei veritas . ] Narrat tarnen Euftathius facerdotem fuifle quen - dam aureis motitantem . Accepimus etiam a viris fide dignis , vifas manifefto aures mouere viro cuidam eruditiflimo ( es scheint , daß hier vom Anton Muretus geredet wird , ) cum Allobrogum iines tran . fiens , viui comburii periculum tibi a magiftratu imminere intellexif - fet : quod diceretur nefandi criminis rem Toloiä in Italiam fiigere . Da nun Casaubvn weder an demjenigen zweifelt , was Eustachius let , noch an demjenigen , was man ihm wegen des gelehrten Mannes gesaget Hatte , der sich von Toulouse gerettet hat ; warum zweifelt er denn an demjenigen , was des Cinna Kind in dem XXXIX Sinngedichte des VI B . Martials betrifft ? Er würde um so viel weniger daran ge - zweifelt haben , wenn er nicht nur auf dasjenige , was der heil . Augustin im XXIV Cap . des XIV B . von der Stadt Gottes anführet : funt qui et aures moueant , vel fingulas vel ambas fimul : sondern auch auf das - jenige Acht gegeben hätte , waö Vefalius bezeuget . Dieser große Zer - gliederer versichert , de humani Corporis Fabrica , Libr . II . cap . XIII . beym CoquäuS , Not . in Auguftin . de Ciuit . Dei , Libr . XIV . c . XXIV . daß er zu Padua zween Menschen gesehen , deren Ohren sich beweget haben . Er erkläret anderswo die Ursache dieser Bewegung : Interdum , saget er im XVII Cap . quibusdani'raris fibris carnalis membrana quam carno - fam vocamus , fupra aures augetur , et modice auri proximam cutem , et ipfam quoque auremmotu agit arbitrario . Laurentius , ( Lib . XI . Hi - ftor . Anat . bey ebendemselben , ) versichert , daß er Personen gesehen , die ihre Ohren bewegen können . Ich habe die Stelle bekräftiget . Valverd , ( Libr . II . AnatomesCorporis humani , cap . II . bey ebendemselben , ) hat eben dieses an einem Spanier gesehen , der zu Rom gewesen . Ich bessere den Coquaus , der ihn Valvardus nennet . Prokopius vergleicht den Justinian „ mit einem Esel , nicht allein wegen seines schweren Ber - „ standeS und seiner Dummheit , sondern auch wegen seiner beweglichen „ Ohren , welche ihm anföffentlichem Theater den Namen das heißt ,
» . von Worte zu Worte , Meister VauSet , von denjenigen zugezogen , die „ von der grünen oder prasinischen Partey waren , deren Feind er war . „ Ich habe diese Worte in dem la Mothe le Bayer , p . 134 - III Bande , in 12 gelesen . Er führet die z6 S . ber Anccdoten des Procopius an .
( * ) Die Worte des h . Augustins , die ich kurz darauf angeführet , be - merken nicht , daß er dieses gesehen hat . Also hätte P . Harduin über den Plinius , Libr . XI . pag . 54Z . nicht sagen sollen : quae vidit Au - guftinus .
( * ♦ ) Dieß ist aus dem Aristoteles genommen , \rfnw «5 oSt oä Xmi , saget er , Libr . I . Hift . Animal . cap . IX . Plinius gleichfalls , Au . res homini tantuni immobiles , Libr . XI . cap XXXVII .
( H ) Man giebt vor , Saß er diese Gebardung in einer von fei# nett berühmtesten Abbildungen haben wollen . ] Dieses saget Co - star in seinen Gesprächen . Wir wollen die Folge von demjenigen geben , was man daselbst , den Herkules betreffend , findet . Zn der Anthologie „ pralet ein Bauer mir der Mäßigkeit des Mercur gar sehr , der sich mit „ Milch und Früchten vergnüget : und klaget über den Herkules , der viel „ Ochsen und Schöpse zu Opfern haben wollen . Und hierauf hat man „ ihm geantwortet : Allem dieser Gott bewahret gleichwohl eure , , - Heerden so wohl . XDas liegt mir daran , hat er versetzt , ob mei - „ ne - Heerde» von den Adolfen , oder von demjenigen geftesfin «werden , der sie bewahret i
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Oktroi ) uxo Mtunv g'ii' Uno rit ( pvAaictt -
Entretiens de Voiture et de Coftar , p . 32 . Dieses antwortet Voiture dem Costar : Es ist voabc , daß Herkules gerne Scbäpse und in großer Menge gegessen . Die Argonauten , da sie nacb Colcbo« gegangen , haben , hn auf einer Zftifil gelassen . Man hat viel Ursacben davon gegeben , die alle sehr scbön sind : einige sagen , es fty deswegen geschehen weil er be^m Rudern alle Ruder »erbrochen , andere , weil er zu schwer wäre ; einige , weil sich die Argonauten befürchtet , daß er den Ruhm allein da , von tragen würde , und andere , weil er zu viel gegessen hätte . Jd ) erinnere mich in einem griechischen Poeten gelesen»» haben , «das heißt griechisch und lateinisch , ) daß er beym Essen die Ohren be - weger hat u . s . w . Ebend . z8 S . Costar saget in der Antwort an seinen Freund , p . 55 . daß Herkules wie ein Teufel gefressen , und daß er , wie Alhenaus sager - - ja jeder Mahlzeit einen ganzen sen haben müssen . Er führet ihm den PhilostratuS , in feinem Ge - malde , des Theodamas an . Man findet , nach des Vigenere Ueberfe - Hung , p . 906 . I Band , diese Worte darinnen : Vielleicht habet ihre« , m pindarus gefunden , da , wo er , nachdem er auf den Meyer - Hof des Coronus verschlagen worden , einen ganzen Ochsen so wohl autzegessen , daß er auch kaum die Rnochen übrig lassen wollen . Costar führet auch den Lactanz im XXI Cap . ( * ) der Inftitut . Christian , an . Dieß geschieht , seinem Freunde von dem Gebrauche der Vermalcdeyungen Nachricht zu geben , welche die Lindenier angewendet , wenn sie dem Herkules geopfert haben . Er saget ihm : daß Herkules in diesem Lalle der Meinung der Lortuna gewesen , die man nie« mal« mehr ehrer , als wenn man sie schimpfet , und ibr alle Ver« Änderungen und alle Unordnungen schuld giebr , die sich in der Xvelt zutragen , cum comiitiis colitur . Diese Worte des Plinius sind im VII Cap . des II B . allein sie bedeuten nicht , daß die Fortuna nie - mal» mehr geehrer worden , als wenn man sie geschimpfet hat . Er sehet dartu : „ daß dieser Ochstnsresser ( also ist er zugenamet wor - »den . ßn Non eft , Tucca , fatis , quod « gulofus ,
Et dici cupij , et cupis videri .
In der That »st er e , nmal vor dem Maler parrhasius in eben« demselben Zustande , darlnnen er sich befunden , w . nn sich seine Oh - ren beweget , erschienen , und bar in ebenderselben Stellung gemalt seyn wollen , worinnen ihn Theodamas gesehen harre . Er führet , wegen dieser Erscheinung , de« ArhenäuS XII V . an , und beobachtet , daß sich in dem XXXV B . X Cap . des Plinius , ein Maler von Athen , Na - mens Demon , rühmet , daß er dieses Gemälde gemacht hätte Man kann nicht leugnen , daß Athenäus im XI B . 544 S - erzählet : es habe sich Parrhasius gerühmer , daß er den Herkules in der Stadt Linde eben fi> gemalet , wie er ihn , im Traume erschienen wäre : er rühmte sich dessen so öffentlich , daß er solches mit in die Umschrift des Gemäldes fetzte : oh ( z'
ivvtix'ov ( Pkvtu & to KsQcn & v il 2jrv« , To7o ( 0 S' hh of£y .
Qiialem noc\u faepe videndum fe obiieiebat dormienti Parrhafio , talem hic videre licet : allein es folget daraus nicht , daß er dem Herkules die - jenige Bewegung der Ohren gegeben , davon Costar redet . Es ist eine seit , ame Verwegenheit , wenn man versichert : man finde in dem Athe , naus , daß Herkules dem Panhasius in eben demselben Zustande erschienen , darinnen er gewesen , wenn sich seine Ohren beweget haben ; - , das Theodamas den Herkules in eben dieser Stelluna qesehen habe : allein diese zween Fehler sind , in Vergleichung des Schnitzt , noch klein , den ich sogleich anfuhren will . Hier sind dieWorre des'vli - Niu - , Libr . XXX V . cap . X . p . m . 202 : Pinxit Demon AthSum , argumento quoque xngeniofo . Volebat namque varium , iracundum , iniuftum , inconftantem ; eundem exorabilem , dementem miferi - cordem , excelfum , gloriofum , humilem , ferocem , fugacemque , et omnia pariter oftendere . Idem pinxit Thefea - - . et in vna tabula , quae eft Rhodi , Meleagrum , Herculem , Perfea . Plinius chet hier ein Berzeichniß von den Werken des Parrkasiu« ; das Wort Demon dedeuret das Volk zu Athen , dessen widrige Leidenschaften fius auf eine sinnreiche Art vorgestellt habe . Man sehe , wie Costar dieses Ge , malde des Parrhasius in einen Maler verwandelt , und vorgiebr , daß sich die - ser erdichtete Maler , Herkuls Gemälde zugeeignet habe , wo dieser Held die Ohren beweget . Ein neuer Schnitzer ! denn wenn man voraussetzet , daß Demon ein Maler gewesen , so könnt« man ihm nur das Gemälde zu - eignen , welches zu Rhodus gewesen : da« Gemälde , saqe ich . worauf Me - leager , Herkules und Perfeus gemalt gewesen , und welches Plinius ganz deutlich von demjenigen Herkules unterscheidet , der zu Linde , nach den Träumen des Malere gemacht gewesen ; et tterculem qui eft Lindi ta - lem a fe piöiun , qualem faepe in quiete vidiflet , p . 204 Wenn man also dem erdichteten Demon den Herkules zu Linde zueignen wollte , so würde man ihm fast alle Werke des Parrhasius zueignen müssen .
( * ) Er hätte dazu fetzen sollen , des I B . Ueberdieß heißt dieses Buch des Lactanz nicht Inftitutio Chriftiana , fonbern Diuinae Inftitutiones . Vigeuere hat den Costar betrogen .
( I ) ( £» ist nicht wahr , daß seine Reule zu Rom in einet Ca , pelle gewesen . ^ Ein berühmter protestantischer Gortesgelehrter hat al - fo dav>>n geredet : ( Satn . Dct - Marets , Efchantillon des Maximcs du Clerge Romain es Provinces Unies , p - 59 O Ihr Haber in unfern Rirchen die Gottesleugnung und oenJrrrhum oft bestritten und erleger gesehen : diese Posten sind durch den Gerucb de« U>or - tes Gottes Saraus verjaget worden , welches darinnen lauter verkündiget wird , wie ehemals zu Rom die Reule - Herkuls die - Hunde und Fliegen von der Capelle entfernet hat , darinnen sie gewesen isk . Er führet das II Cap . Solin« an , wo nichts davon ac - saget wird ; allein folgendes findet man in dem 1 Cap . Hoc facelUun Herculi 111 boario foro eft , in quo argumenta et conuhiii et maiefta - tis ipfius remanent . Nam diuinitus illo neque canibus neque mufeis ingrefl'us eft . Etenim cum vifeerationem facricolis daret , Myiagrum deum dicitur imprecatus , clauam vero in aditu reliquifle , cidiw oU faftum refugerent canes : id vsque nunc durat . Es ist augenscheinlich , daß Solm nicht versichert , daß Herkules die Keule in dem Eingänge de« OrteS gelassen , wo er den Priestern das Opfermahl gegeben , und daß der Geruch dieser Keule die Hunde entfernet habe . Hier ist ihre Wirkung : die Fliegen betreffend , so har diese nicht die Keule vertrieben , sondern die Gebetlie , die Herkules an den GottMyiagrus gethan . Was man bey dieser Gelegenheit sieht , nämlich , daß sich die Hunde und Fliegen von diesem Orte entfernet haben , das ist in der Folge aller Jahrhunderte fortge - fetzet worden : dieß saget Solin ; allein es ist nicht nöthig gewesen , daß die Keule in der Kapelle erhalten worden , und Solin sager es auch nicht . Wenn Maresius eine wahrhafte Sache vorgebracht hätte , so würde man diese Keule unter die Zahl der Talismanen setzen , und mit derienigen Fliege vergleichen können , die , wie man saget , über den Fleischbänken zu Toledo eingehauen ist , und allen Fliegen den Eingang verwehret . Bey dieser Gelegenheit will ich doch eine Sache anführen , die ich im Guillet gelesen habe : Lacedemone ancienne et nouvelle , p . 232 . Holl . Ausg . daß nämlich zu Misitra , die Hunde niemals weder in die Moscheen der Türken , noch in die Kirchct , der Christen gekommen . Die Türken erklären dieses , in Ansehung ihrer , als ein Wunderwerk , und in hung der Griechen , durch eine natürliche Ursache . Wir wollen den Gull , let hören .
„ Die Türken reden von der Bescheidenheit dieser Hunde , als von ei - „ neni Wunderwerke . Diese Thiere schleichen zuweilen in Privathäuftr „ ein , wenn sie die Thüren offen finden ; allein die Moscheen mögen „ wohl offen stehen , wie sie wollen , die Hunde kommen niemals hinein . „ Die Türken nehmen daher Gelegenheit , sich zu verwundern , und sehen „ dasjenige für eine wunderbare Ehrerbiethung an , was nichts , als ein« „ Nachahmung der jungen Hunde ist , welche allezeit gesehen , daß sich die „ ältesten von dem Eingange der Moscheen entfernet haben , wo sie die „ ersten Türken vermuthlich brav gestriegelt haben werden , um ihnen dii „ Gewohnheit abzugewöhnen , siel ) denselben zu nahem . Man sieht auch „ keine Sunde in den Kirchen der Griechen ; allein die Türken halten „ dieses für nichts seltsames , und geben eine Ursache davon an , die ich sehr „ wahrscheinlich finde . Ich habe hier oben gesaget : daß die schismati - „ schen Griechen , wenn sie in ihre Kirchen gehen , einen so rieft» Neve^ „ renz machen , daß sie wegen des starken Bückens die Hand auf die Er - „ de legen . Die Türken jagen : daß sich die Hunde , wenn sie die Hand „ fo tief neigen sehen , einbilden . daß sie Steine aufheben , und sie damit „ werfen wollen , und daß sie diese Furchr von den Kirchen verjage „
Wieder auf Herkulö Keule zu kommen , so sage ich , daß man ein ßes Wunderwerk davon erzahlet : daß sie nämlich , da sie in die Erde ge - steckt worden , Wurzeln geschlagen habe , und ein Baum daraus ge - worden fty . n ? cc tbt« ky & nutu ri SmVmi tyctfiv 'h ( x -
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