Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11929

Herkules . 795
Kämpfen des Mars , als der Venus , gehabt ( B ) . Er ist auch ein starker Esser gewesen ( 0 ) . Ich werde sehr besondere
Umstände davon anführen ; wie auch von der Eigenschaft eines starken Trinkers ( D ) , worinnen er nicht weniger vortrei wcsen . Er hat feine Gefräßigkeit bey einer Gelegenheit gezeigt , die zu einem sehr besondern Gepränge Anlaß gegeben hat , daß man ihm nämlich Schimpfworte unter den Opfern beygeleget , die ihm die Lindier gebracht ( E ) . Einige haben in Be -
^ HM ' v c Heldenthaten verrichtet , die man ihm
sen ; denn man giebt vor , daß er auch habe h . Dieser Umstand ist einer von den seltsamsten ( ( ? ) . Ich glaube , daß man sich bekriegt wenn man vorgiebr , daß erliefe Gebehrdung in einem von seinen berühmtesten Bildnissen habe haben wollen ( H ) . Es ist nicht wahr , daß seine Keule in einer Capelle in Rom gewesen ( l ) , und daß sie die Hunde und Fliegen davon vertrieben hat . Es ist noch
weniger wahr , daß er Säulen auf dem Vorgebirge aufgerichtet hat c * - ; k " * ^ '
ael von einer wunderbaren ^ -
. . das man Finiorerre nennet ( l ( ) , und daß er einen Spie - 1 gesetzt ( L ) . Einige sagen , daß er nur fünfzig Jahre gelebt , und sich in diesem Alter ver° rannt habe ; weil er nicht mehr so viel Stärke gehabt , daß er seinen Bogen spannen können ( M ) < Er ist das letzte Kind gewesen , womit Jupiter die Sterblichen geschwängert hat ( N ) . Man saget , daß er drey Tage in dem Bauche eines Walisisches gewe - sen ( 0 ) , und daß er frisch und gesund bis auf den Verlust seiner Haare heraus gekommen sey . Nach seinem Tode ist er von der Juno an Kindes statt aufgenommen worden : allein man saget , daß er die Ausnahme in das Collegium der zwölf großen Götter ausgeschlagen habe ( ? > . Es muß etwas von dem gallischen Herkules gesaget werden ( Q^ ) .
Einer von den berühmtesten Rednern zu Athen bemerket , daß sich die Scribenten ungemein angelegen seyn lassen , die Kämpfe und Herzhaftigkert Herkuls heraus zustreichen , und nicht die geringste Vieldung von seinen andern Eigenschaften ge - than : welche ihnen gleichwohl ein sehr schönes Feld hätten darbiethen können . Er saget , daß dieser Theil der Größe HerkulS , die sie so hindangeseßet , einen vortrefflichen Redner erfordert haben würde , und daß er , wenn er in seiner Jugend darauf ge - fallen wäre , denselben abzuhandeln , zeigen wollen : daß dieser Held an Klugheit , Wissenschaft und Gerechtigkeit die andern Menschen noch mehr übertroffen hätte , als an Leibesstarke . Das Alter , scher er dazu , erlauber mir nicht , in diesem Stücke seine Lobrede zu unternehmen : ich bin allzuschwach , eine so wichtige und überflüßige Materie zu behaupten c . Die Anmerkung dieses Redners kann Anlaß geben , an den Übeln Geschmack des menschlichen Verstandes zu gedenken ( R ) . Man kann betraf * tigen , was dieser große Redner von der Wissenschaft dieses Helden gesager hat ; denn man weis , daß das Alterthum eine sehr
- ™ " Herkules erkannt hat < Davon kömmt es , daß er Mufagetes jugenamf
~ man diese neun Göttinnen unter seinen Schutz in demjeni -
r_ . Der Gedanke , den PosidoniuS angewendet hat , über eine
Stelle der Tragödien des AefchyluS zu spotten , ist nicht richtig gewesen . Strabo , der ihn getadelt hat , hat den wahrhaften Mangel desselben nicht gewußt ( T ) . Dich betrifft einen gewissen Steinregen , der dem Herkules zum Besten in wahrender Zeit gefallen , da er wider die Ligurier gefochten .

a ) Siehe den Artikel Alkmene und Amphitryon . b ) Siehe die Anmerkung ( C ) . 152 . d ) Siehe Pafierat , fiir le Properce Eleg . X , Libr . IV .
e ) Aus dem Jsokrateö , Orat . ad Philippum
( A ) ( £s sind etliche - Helden von diesem Namen gewesen . Z Ci - cero , de Natura Deor . Libr . III , cap . XVI . zählet dcrs'lben sechfe . ( jliamquam quem potillimum Herculem colamus feire fane velim , plures eniin tradimt nobis ii , qui inferiores ferutantur et reconditas litteras : antiquiflimum Iouenatiun ; feditem Ioiie antiquiflimo ; nam Ioues quoqiie plures in prifeis Graecorum litteris inuenimus . Ex eo igitur et Lyfito eft is Hercules , quem concertauifie cum Apolline de tripode aeeepimus . Alter traditur Nilo natus Aegyptius , quem ahmt Phrygias litteras confcripfifle . Tertius eft ex Idaeis Daöylis , cui inferias afferunt . Quartus Iouis eft , et Aftfcriae Latonae fororis , quem Tyrii maxime colunt , cuius Carthaginem filiam ferunt . Quin - tus in India , qui Kelus dicitur . Sextus hic ex AIcumena , quem piter genuitj fed tertius Iupiter : quoniain , vt iam docebo , plures Ioues etiam aeeepimus . Nach diesem würde der ägyptische Herkules erst - lich der dritte ftvn ; allein die Aegyptier geben ihm den ersten Rang . Inde proxinium amnis ( NW ) os dicatum Herculi , quem indigenae ortuin apud fe antiquiffimum perhibent , eosque qui poftea pari vir . tute fuerint in cognomentum eins adfeitos . Tacit . Annal . Libr . II , cap . LX . Diodor aus Sicilien im III B . zu Ende , der nur von dreyen Herkuln redet , giebt dem ägyptischen das Recht der Erstgeburt , und be - kennet , daß die Gleichheit des Namens und der Neigungen Ursache
wesen , daß man dem von Theben , welcher der jüngste von allen gewesen , dasjenige zugeeignet , was die andern gethan hatten . Man saget , daß Varro bis auf vier lind vierzig Herkules gezählt habe .
( B ) <£r hatte erstaunliche Starke - - - in den Rampfen »er Venus . ) Einige , als Athenäus im XIIl B . p . sagen , daß er in sieben Tagen fünfzig Töchtern des ThestiuS die Jungferschaft genommen habe ; andere . alsPaufaniaS im IX B . aufder 502 S . wvllen , daß er nur eine Nacht darzu gebraucht , und sehen dazu : daß er sie alle mit einem Knaben gefchwän , gerr , und daß ihm so gar zwo darunter , nämlich die älteste und jüngste zween Knaben gebracht . Nach einiger Meynung hat die jüngste in den lust ihrer Jungferschaft durchaus nicht willigen wollen . Zur Strafe hat er sie verdammet , dieselbe ihre ganze Lebenszeit zu behalten , und ihm als Priesterinn zu dienen . Dieß ist die Ursache , warum der Tempel Herkuls zu Thespiö durch eine Priesterinn bedient worden , die ihre Jungferschaft bis an den Tod behalten müssen . Eben das . Paufanias kann sich nicht überreden , daß Herkules einen so rasenden Zorn wider die Tochter seines guten Freundes gefasset hätte ( * ) : er muß also die Strafe , wozu sie Herkul , der Sage nach , verdammt , für eine sehr harte Leibesstrafe angesehen haben . Was er von der Freundschaft des ThestiuS gegen den Herkules saget , kömmt mit demjenigen wohl überein , was man in des IV B . XXlX Cap . DivdorS aus Sicilien liest : daß Thespius , ( der Vater dieser ; o Töchter wird von einigen Thestius . von andern Thespius genennt . ) welcher gewünscht , daß ihm feine Töchter Erben bringen möchten , davon Herkul Bater wäre , ihn zu einem prächtigen Gastmahle gebethen , und herrlich bewirthet ; worauf er ihm seine fünfzig Töchter , eine nach der andern zugeschickt hat . Vigenere , über den Philostratus , Tom . p3g . 9g , Ausgabe in 4 . bat sehr artig gesaget , daß dieses das größte Gefecht und Geschaffte aewestn , welches - Herkules jemals in seinem Heben gehabt . wohl haben die Alten diese« nicht in das Verzeichniß seiner Arbeiten ge - setzt Man hat bemerkt , daß er , weil er bald in diesem Land» , bald in einem andern Krieg geführt und das weibliche Geschlecht sehr geliebt , das Frauenvolk in verschiedene Provinzen der Welt zerstreuet , damit er überall einige fände , die zu seinem Willen wären . Laetanz hat nicht Unrecht gehabt die Heiden auszuhöhnen , die einen Mann unter die Zahl der Götter aesekt der auf dem ganzen Erdboden Merkmaale seiner Un - keufchheit zurück gelassen hat ; Hercules - - - norme orbem terrae
quem peragraße ac purgafle narratur , ftupns , lib . dimbus , adultenis
inquinauit ? nec mirum cum esset adulterio gemtus Alcmenae . Quid tandem potuit in™ eile'diuini , qui fuis ipfe vitns manetpatus et rna - res , et feeminas , contra omnes leges infamia , dedecore , üagitio affi . Cit ? Lib . . I , cap'ix A ? nM , S h»t die Heiden auch deswegen sehr herzlich II
durchgezogen , daß Jupiter neun Nächte gebraucht * , ein Kind zu zeugen , und Herkul nur eine Nacht , fünfzig Jungfern zu schwängern . Quis ii . Ium ( Iouem ) in Alcmena nouem noöibus fecit peruigilafle conti , nuis ! non vos ? . . . Et fane adiungitis beneficia non parua : liquidem vobis Deus Hercules natus eft , qui in rebus huiusmodi pa - tris fui tranfiret exfuperaretque virtutes . Ille noctibus vix nouem vnain potuit prolem extundere , concinnare , compingere : at Hercules Ian£lus Deus natas quinquaginta de Theftio nofte vna perdoeuit , et nomen virginitatis exponere , et genetricum pondera fuftinere . Libr .
IV , pag 145 . Man merke , daß ThestiuS über dieses Vermögen Herkul« erstaunt ist .
Qualemue vagae poft crimina noflis Thefpius obftupuit toties focer .
Stat . Silu . I , Libr . III , Verf . 42 .
( * ) e'xe^o ii Sx env ot« { t } yt ! ffefU» irifov . h'faxaf'a im tooovti» icvtfot Buyxrg ) ätpiKsiäoit . Ego vero adduci nunquam poflim vt credam , Herculem in amici hominis filiam , ira tarn acri in - citari potuifle . Pauf . Libr . IX , p . 302 .
* Herr Bayle hat hier vergessen , den Fehler anzumerken , den Arnobius begangen hat . Es sind nicht neun sondern nur drey Nächte gewesen , die Jupiter bey der Alkmene zugebracht . Man sehe die Beweise davon in der Note ( Cj beym Artikel Alkmene im I Th . dieses Wörterbuchs , wo Lykovhron , Hygin , Lucian , Diodor aus Sicilien u . a . m . angeführet werden . Es ist wahr , Arnobiu« , wird daselbst unter diejenigen gesetzt , die anderer Meynung wären . Allein das ist zu wenig gesaget . Sein Ansehen konnte , gegen die Alten zu rechnen , von keiner Gültigkeit seyn . Ohne Zweifel hat ihn sein Gedächtniß betrogen . G .
( C ) Er ist ein starker Esser gewesen . ) Er hat sich eine Ehre daraus gemacht , mehr als die andern zu essen , und sich ungemein geärgert , wenn er
»jeder einen Och
fen geopfert , und da Herkules den seinigen in einer einzigen Mahlzeit ganz aufgegessen hat ; so ist sein Gegner nicht weniger geschwind und tapfer über fein Opfer her gewesen . Lepreus hätte e« dabey bewenden lassen sollen ; allein er ist so kühn gewesen , den Herkules noch zu einer andern Gattung des Gefechts , zu einem wahren Zweykampfe heraus zufoi^dern , worinnen er erschlagen worden . Ich werde von diesem Streite zu Ende dieser Anmerkung weitläufiger reden . Hier ist noch eine andere Historie ! Da Herkules mir seiner Ehftau und dem kleinen Hyllus , seinem Sohne , gerel - ftt , und den großen Hunger de« Knaben gesehen , so hat er sich zu einem Ackersmaime gewendet , um einige Lebensmittel zu bitten ; und , weil er nichts erhalten , einen von den Ochsen aus dem Pfluge gespannet , ihn den Göttern geopfert und aufgegessen . Man sehe Nat . Com . Mytholog - Libr . VII , p . 693 * 94 . Apollodor , im HD p . 145 . saget nicht alles davon , und nicht eben dieselben Umstände ; allein er gesteht , daß Herkules den Och - sen geschlachtet und gegessen IvU . ApollodorS Scheiiast im 1 B . 12 , »93 . saget , was Natali« Cvines gesaget hat . Dieser Wolfshunger hat ihn bis in den Himmel begleitet : dieferwegen hat Callimachus , in Hymno Dianae v . 159 . p . m . 78 . die Diane ermahnt , keine Hafen , sondern Eber und Stiere zu jagen , weil Herkules die Eigenschaft eines starken Esser« unter den Göttern nicht verlohren hätte , die er unter den Menschen ge - habt .
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Non hic in Phrygia fub quercu membra leuatiis Atque Deus faftus , fit edax minus : aluus at Uli
Eft eadem , taurum quae quondain Thiodamantis Edit planitiem cum lad feinderet agri .
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Athenäu« ,

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