Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11878

Heinrich der IV .
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Ser Sohn , den er hinterließ , in der That ein guter Prinz war , der «der vie Ruhe sehr liebte ; haben sich verwundert , daß die zosen , nachdem sie Amien« so tapfer wieder erobert , und alle ihre Macht nach dem geschlossenen Vertrage des - Herzogs von Mer - coeur , vereiniget harren , nicht in die Niederlande gegangen wa - ren , weil sie dieselben verniuthlich davon getragen , oder wenig - stens zergliedert haben würden . Der Ronig hat geantwortet : daß er den Frieden nicht gewünscher , um die Beschwerlichkeiten desRrieges zu vermeiden sondern nur der Christenheit ein Mit - tel zu geben , sich zu erholen : er wisse wohl , daß er aus denen Umstanden , darinnen sich die Sachen befunden , viel Vorrheil habe ziehen können ; daß aber die - Hand Gorces die Prinzen in ih - rem größten Xvohlstanve darnieder schlüge , und daß ein N ? eiser , in - Hoffnung eine« guten Erfolgs , niemals einen guten Vergleich ausschlagen , noch sich allzusehr auf den Schein des gegenwarri - gen Glückes verlast ! » müsse , welches sich durch rausenoerlev un - vermmhere Zufalle verandern kann : indem es sich sehr oft
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bracht . Diese Gesellschaft hat verordnet , daß alle Priester verbünde» seyn sollten , die alte Gewohnheit diese« Gebethes bey Feyerung des Got« tesdienstes zu beobachten - sie hat die Meßbücher verbolhen , in welchem sich dieses Gebeth nicht befunden , den Druckern und Buchhändlern anbe - sohlen , das ausgelassene Blatt ungesäumt wieder einzurücken , und imVer -
Weigerungsfalle mit Leibesstrafe und Wegnehmung der Exemplarien , droher . Dieser Spruch ist den 7 des Brachmonats 1606 gegeben worden . Aus Thuanus cXXXVIB . pag . 1123 , 1124 - Wenn zwölf Jahre hernach .
dro !
Dieser
den ? des Brachmonats 1606 gegeben worden .
da der König die Hugonottische " Lehre abgeschworen , und viele Merkmaa - le seiner Ergebenheit gegen das Pabstthum , und viel Zeugnisse seiner Gü» tigkeit gegen die Liguisten gegeben hatte ; so viel Geistliche gewesen , die ihn so todrlich gehasset haben , was hat er wohl von einer widrigen Auffuhrung erwarten können ? Die Wuth der Scheinheiligen und Einge - nommenen würde noch entsetzlicher gewesen seyn , wenn er sich in dem Aeußerlichen der Religion , unachtsamer erwiesen , und als ein mit Räch - gier angefüllter Prinz gehandelt hätte . Perefixe , Hift . de Henri le vermuthere c>usaue ver«noern : «»vt , , » w nw »im« , v , » Grand , pag . 235 , giebt dasjenige , was ich so gleich aus ihm abschreiben aerragen , daß ein zur Erde geworfener und verwundeter will , als ein Beispiel einer unvergleichlichen Sraarskunst an : Mensch , Sensenigen noch selbst gerodrer hat , der ihn so weit brin - Demselben Abend , ( . nämlich des Tages , da er seinen Einzug in Pari«
" — " - ■ > — ni * rt , . hnfi TV= gehalten ) hat er mit der - Herzogin» vonMontpensier , in derRarte
gespieler , die aus dem - Hause von Guise und die heftigste Liguistinn gewesen , die in derparrey war . Man sehe oben die Anmerkung ( v ) bey dem Artikel Heinrich der III . Unfehlbar hat dieses seinen alten Dienern nicht gefallen . Er hätte nicht so begierig seyn sollen , einer hu -
ZNenscv , oenienigen nocr ? >eev , e czelvvitt mhi , v» . , / >> »v « . > . . »^ gen wollen , das L . eben von ihm zu erbitten . Man merke , daß ter Matthieu , Hill . de lapaix , Liv . l , I^srrst . z , pag . m . 69 , anführet , es habe Heinrich der IV einen Theil von diesen Dingen gegen die spanischen Gesandten gesaget , welche gekommen waren , sich seines Eides zu versi - chern . Diese Antwort Heinrichs des IV kömmt mit demjenigen nichtüber - ein , was er , wie andere sagen , zu dem Herzoge von Epernen gesaget hat , der bey der Seltsamkeit dieses Friedensschlusses gegenwärtig gewesen : Ich habe mit diesem Federzuge mehr TKaren gerhan , als ich in langer Zeit mit dem besten Degen meines Ronigreichs gethan ha - ben würde . Ich glaube , daß sich dieses in Girards Leben des Herzog - von Epernon finder . ES ist in der Thal sehr wahrscheinlich , daß er sich bey der Forrsekung des Krieges nichts vortheilhasters versprochen hat , und ich bin versichert , daß die alleruneigennützigsten Personen , die am fähigsten sind , von dergleichen Dingen zu urtheilen , auch von der Schwache des Geistes überzeuget worden sind , die Philipp der II bey dieser Sache gezeiget ; so wohl als von der Klugheit , die Heinrich der IV bey Annebmung dieses Frie , dens an den Tag geieget hat . Die Spanier haben sich über die Schwachheit ihres Königes geschämet . Der Prinz , sein Sohn , hat die Fortsetzung eines so glücklichen Krieges eifrig gewünschet , und den Don Christoph von Mora mit seiner Ungnade beleger , der in dem Rache die allerwicktigsten Gründe angeführer , an den Frieden zu denken . Mat - tliicu , Hill . de Ia Paix , Narrat . I , pag . ij . Der König von Spanien ist unbeweglich gewesen , weil er den Frieden verlanget , er mochte auch sten , was er wolle : er har keine einzige Bedingung bey dem trage von Vervin« gefunden , die ihm denselben zu bestätigen rvi derrathcn harre ; obgleich sein Rath die Zurückgebung der Städte , die so glücklich erobert worden , und so schwer wieder zu gewin - nen waren , für schimpflich und nachtheilig gehalren . Er hat es so weit qerrieben , daß er beschworen und actsgefübrer worden . Ebend . I^arrat . III , pag . 68 . Es ist sehr wahrscheinlich , daß er qanz dere Gedanken gehabt haben würde , wenn er noch in der Blüthe seines Alters gewesen wäre . Allein , was will man sagen ? ti ist ein Fehler des Alters , daß es furchtsam machet .
Mitita fcncm circtnmieiiiiint inconmioda : vel quod
Quaerit , et inuentis mifer abftinet , ac timet vti ;
Vcl quod res doines TIM IDE G £ LID E qv E miniftrat .
Horat . de Arte Poet . v . 16$ . Ich habe anderswo gesagt , daß die Republiken einm Vorrheil haben , den die Königreiche nicht haben : der Souverain in den Republiken ist nie - mals weder allzu jung noch allzu alr ; er ist weder den Gebrechlichkeiten der Kindheit , noch des hohen Alters unterworfen . Die Königreiche ha - den dieses Glücke nicht , sie erfahren bald die Unordnungen einer Minder - jähriqkeit , bald die Raserey des hitzigen Alters , bald die Langsamkeit und Blödigkeit eines hohen Alter« . Ein König ist mehr als einmal gezwun - gen , dasjenige zu beseufzm , was ibm die Anzahl der Jahre von der tigkeit und Standhasrigkeit geraubet , die er gehabt , und die ein junger Prinj , sein Feind , besitzet .
Non laudis araor , nec eloria cefllt Pulfa metu : fed enim gelidus tardante fenedta Sanguis hebet , firigentque effoctae in corpore vires .
Si nnhi quae quondam fuerat , qiiaque improbus ifte Exfultat fidens , fi nunc foret illa iuuenta ,
Virgil . Acneid . Lib . V , v . 394 .
Uebrigens darf man sich nicht verwundern , daß man den Frieden von Vervins durchgezogen hat , und daß einige Frankreich , andre Spanien , noch andre aber Spanien und Frankreich zugleich geradelt haben . Dieß ist das Schicksal solcher großen Unterhandlungen : dieß ist auch das Schick - sal des , t ? 97zu Ryßwyk geschlossenen Friedens gewesen . Viele Leute ha - ben die Verbundenen getadelt , daß sie nicht auf vortheilhaftere Bedingun - gen gedrungen haben ; andere haben Frankreich geradelt , daß e« so viel Land abgetreten dat . Die Franzosen haben darüber gemurrer . die Pari - ser haben keine Freubenfeuer deswegen anzünden wollen ; >nan har sie durch wiederholte Drohungen dazu zwingen müssen . Sie hatten gern gewollt , daß die Nation nicht wieder in die vergangenen Zeiten zurück gienge , wo man mit Recht sagen konnte , daß sie besser Krieg zu führen , als Frieden zu schließen gewußt , und daß sie auch die Kunst wiederzugeben , so wobl verstanden , als wegzunehmen . Sie hätten gern gewollt , daß matt die Gespräche des flamändischen Volkes nicht wahr befunden batte . Sie haben gewußt , daß eine unzählige Menge Unverständige gesagt : man dörfe sich über den Verlust einiger Städte nicht beunruhigen . und man müsse sich darüber vielmehr erfreuen , weil man sie nach vaubanischer Art befestiget wiederbekäme . Die Schüler haben dieses auf eine andere Art ausgedrückt ; wir verlieren Städte von Ziegeln gebauet , und bekommet , sie von Marmor wieder . Dieß ist eine Anspielung auf einen Gedanken des Kaiser Augusts , von dem Zustande , darinnen er die Stadt Rom gefttzet .
( Qj Eine LNcngc Priester haben sich widersetzet , für ihn zu bethen^ Der Generalproeurator des Königes ben dem Parlemente zu Toulouse , hat aus die Nachricht , daß eine große Anzahl Priester bey Le - sung der Messe das Gebeth für den Konig ausließen ( . * ) . und daß es in verschiedenen gedruckten Meßbüchern , zu Paris , Bourdeaur und Lion , e . 'Usgelassen worden , deswegen seine Klage bey dem Parlemente ange
gonottischen Dame dergleichen Ehre zu erweisen : dieß heißt das Gleiche niß des Evangelii überschreiten , werden sie gesagt haben . Diese Dame hat noch Nicht in euerm Weinberge gearbeitet , und zur Verwüstung des - selben alle ersinnliche Kräfte angewendet : und nichts desto weniger ist sie besser bezahlet worden , als wir , die wir des Tages Käst und - Hme tragen haben . Matth . XX , 12 . Man harte in der Parabel den'Lohn derjenigen , die nicht länger als eine Stunde gearbeitet , und vor dieser Zeit nicht den geringsten Schaden gethan , dem Lohne derjenigen nur gleich ge« sedt , die den ganzen Tag gearbeitet hatten . Ohne Zweifel hat es viel Murrens von dieser Art gegeben , und man hätte demselben mit dieser Antwort des Hausvaters kein Genügen gethan . Siehest du darum so scheel , daß ick so gütig bin . Ebendas . >5 V . Dieses hätte die Wunde nur ärger gemacht : Heinrich der IV hätte diesen Vorwürfen lie - ber die Notwendigkeit der Zeiten entgegen setzen können . Man ziehe hierbey die Anmerkung ( AA ) bey dem Artikel Carl dem V zu Rache , Res dura er regni nouitas me talia cogunt moliri . Virgil . Aeneid . Lib . I , v . 567 .
Du Pleßis Mornai , der in einem Briese , den er unter währender Zeit geschrieben , da die Liguisten sich unter vortheilhaften Bedingungen von derselben los machten , har sich dieser nierkwürdigen Worte bedienet : „ Wir beneiden auch nicht , daß ihr das fette Kalb s»r den verlohrnen „ Sohn schlachtet : wenn ihr nur mit treuem Herzen zu dem gehorsamen „ Sohne sagtet : Du weist , mein Sohn , daß . alle meine Güter dein sind . Wenn ihr nur zum wenigsten den Gehorsamen nicht aufopfert . „ um den Ungerathenen desto besser zu bewirrhen . Kurz , alles , was „ geschieht , erfreuet uns , wenn es nur nützlich ist : allein wir befürchten „ denjenigen Handel , wo man die Sachen für leere Worte hingiebt ; und „ meistens für Worte solcher Personen , die bis hieher kein Wort gehalten „ haben . , , Memoires de du Pleflis Mornai , Tom . II pag . 598 , 399 .
( * ) In Mifläe canone paflitn a Sacerdotibu» per cunftas dioecefe * celebrantibus orationem pro Rege omittL Tnuan . Lib . CXXXV1 , pag . 112 3 .
( R ) Sulli beklaget sich darüber und - - - behauptet - - - es sc v nicht wahr . - - - daß er sich von seinen Deysehlaferinnen alles abpressen lassen , was sie gewünscher harten , ] Er redet von gewissen Historienschreibern , welche die Lobeserhebungen und Vorwürfe un , gerecht ausgetheilet haben . Sie haben bey denen nicht den geringsten Tadel gefunden , in deren Lohne sie gestanden , und bey Heinrichen dem großen sast nichts gutes , der ihnen nichts gegeben hat . Und um so vielmehr , saget er in seinen Memoiren in der Vorrede zum III Bande , fol . m . e . ij , da sie etliche - Lobeserhebungen unter einer unzähligen Menge , die sie ihm nach aller Volker Empfindung und Äeyfalle , nicht absprechen können , die allernorbwendigsten zu wissen , bos - hafter weise verschwiegen , andere verstellt , und , nachdem sie alle« vergringert , so viel als sie gekonnt , sich einer andern mit Verrü - gereyen ganr angefüllten Bosheit gebraucht haben ; daß sie näm - lich unverschämter und fälschlicher weise , Begierden , Anschläge , Absichren , Unternehmungen und Entschließungen vorausgesent , ( wenn die Frage von Staatsgeschäffren ist ) die die allerabge - scbmacktesten , albernsten , unbesonnensten und lächerlichsten von der V ? elt sind . Und , da sie recht klug gethan , so reden sie davon , als wenn sie die allerverrrautefken des Ronige» gewesen , als wenn ihnen die allergeheimsten Gedanken und LmpfinSungen mit - getheilet worden , als wenn sie mit einem oder dem andern von seinen vettraureskcn Rriegs - und Fricdcnsbcdicnten Verständnisse gehabt , die ihnen solche« gesägct hatten . ^Venn sie hierauf von . seinen gemeinen Gesprächen , von der Beschaffenheit seines häus» lichen Gebens , von stiner Aufführung in demselben , und nehmlich von seinen Zeitvertreiben , iSraenlichkeiren , Annehmlich - keilen dieses Gebens . Rurzweilen , IVollüsten . Grholungsstunden , und Belustigungen reden , ob sie gleich fast allezeit bey allenMen - schen , auch so gar unter dem Frauenzimmer , am qewöhnlichstm und gemeinsten , und allezeit Heyden Ron , gen , Potentaten , Prin - zen und großen - Herren , die aslergemeinsten . durchgängigsten , ge - duldctcn gcschicklesten und erlaubtesten gcwescn ; indcm sich wenige , auch von den allerweisesten , tugendhafte sten . güriqsten , gortesfürch - riczsten und heiligsten daruntergeftmden . diesichmchr daran ergebt hatten , und die von ihren Volkern und Unterrhanen nicht ohneMur - ren erduldet worden wären ; wenn wegen solcher Vergnügen und Zeitvertreibe , keine Ungerechtigkeit , kein Raub , kein LNord , kerne Gewaltthat , keine Erpreffimg und Verheerung begangen worden : So haben sie dennoch das lustige U ? esen und die aufgeweckten Reden dieses so leutseligen und gütigen Primen , wenn sie davon zu reden gekommen , dermaßen vergrößert , und mir so lügenhaften und betrieglichen Umständen , und so fielen gefährlichen uno schädlichen Folgerungen qelästerr , sie mir so vielen ^ . eivenfchal - ten . lasterhasten , schimpflichen , ehrlosen , ja verffuchenswürdigen und ärgerlichen Vergewaltigungen beflecker ; daß es scheint , wcnn

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