Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11862

Heinrich der IV .
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„ darunter zu lassen : denn nach dem Sinne , den ihr bezeuget , da ihr von »der Clara Eugenia geredet , so würdet ihr euch eine von denen auslesen , „ die so viele große Staaten besessen haben . Allein wir wollen alle dies» „ UnMöglichkeiten und eiteln Einbildungen auf die Seite setzen , und ein »wenig besehen , was zu thun ist / u . s . w .
( K ) yd ) rverde noch etwas über die Spittrathenstreiche sa - gm . ] Ich werde mich der Worte eines wallonischen reformirten Predi - gers bedienen , Jeremie de Pours , Divine Melodie du St . Pfalmifte , p . 686 . Der Pffllm Miferere ist bey der Versöhnung - Heinrich» ves großen gesungen worden , wobey Du Perron und Ossär , der Han> ge nach auf dem Gesichte , den Ronig von Frankreich vorstellend , in Gegenwart des pabstes , und des Consistorii auf 0er Erde gelegen , und die von dem h . Stuhle beschlossene Kuße . für diesen Ronig angenommen , welche darinnen bestanden , daß sie bey je - Sem Verse vom Anfange dieses Psalms bis , u Ende , Stockschläge vom Ropfe , über die Schultern , den Rücken , bis auf die Lüste leiden müssen . Du Perronszeiget auf dem 172 , ZU seiner Briefe , die gerichtliche Registratur der Lossprechung dieses Roniges , durch den Pabst Clemens den VIII , - - - Gssat , sein Ge - fahrte bey der königlichenRuße , zeiget wie gelinde dieselbe sen . In der Verordnung des Ketzergerichts , ist dieser hyperbolische Aus - druck befindlich gewesen . D'Oflät , Lettres fol . 172 . Als die Sanger das Miferere mei gesungen , hat der Pabst bey jedem Versicul , verderabat et percutiebst humeros Proairatorum cuiuslibet ipforum Virga , quam in manibus tenebat . Dieß ist ein Gepränge , das wir eben so wenig fühlen , als wenn uns eine Fliege über das Kleid wegkriecht .
( L ) Johanna von Albret , der ihr Gemahl sehr übel begegnet war . ] Die Lockspeise , deren man sich bedienet hat , ihn von der neuen Religion abzuziehen , ist die Versprechung der königlichen Würde von Sardinien gewesen . Er war so einsaitig , daß er diesen Versprechungen getrauet , und er hat sich nach und nach von den Reformirten ab - Zuziehen angefangen , und ein sehr übles Leben mit der ginn , seiner Gemahlinn , geführet , indem man ihm alle Netze ge , stellet , durch welche ein dem Frauenvolke so ergebener Mensch , als er war , überraschet werden können : da er also nach und nach alles andre vergessen , so hat er an nichts , als an Sardinien und das Francnvolk gedacht , unter welchen ein gewisses Frau - lein der Roniginn outen tCHcil zu haben angefangen . Umerdes - sen hat sich die Roniginn von Navarra , als eine sehr vernünfti - ge und tugendhafte Prinzestinn , bemüher , ihn zurückzubringen , indem sie alles erduldet , was sie gekonnt , und ihm vorgestellet , was er Gort und den Seinigen schuldig wäre . Allein , es war vergeblich , so sehr war er bezaubert . Da sie dieses gesehen , so bat sie ihre bloße Zuflucht zu Tbranen und Bitten genommen , so . daß sie auch alle L . eute zum Mitleiden , außer nur ihren Ge« »nabl nickt , bewegt . Die königliche Frau Mutter hat sich bey diesen Zwischenfällen bemüher , sie zu überreden , sich mir dem Rönige , ihrem Gemahle , zu vergleichen . ^vorauf sie endlich zur Antwort gegeben , daß sie , ehe sie jemals in die Messe gehen wollte , sie doch lieber , wenn sie ihr Rönigrcich und ihren Sohn in der Hand hatte , dieselben beyde eher in die Tiefe des Meers werfen wollte , um ihm hierinnen keine - Hinderniß zu machen , aus welcher Ursache man ihr in diesem Stücke Ruhe gelassen . Bcze , Hift . Ecclef . Liv . IV . p . 688 - aufs 1561 Jahr .
( M ) Die Antworten , die ibn gewisse Schriftsteller geben las - sen , 1 sind Phantasien ihres Gehirns . ] Unter währendem Blutbade hat Carl der IX , den König von Navarra , und den Prinzen von Conde , in sein Geheimzimmer kommen lassen , und ihnen erkläret , daß es ihnen , wie dem Admiral gehen würde , wenn sie der Kcherey nicht abjagten . Der Ronig von Navarra , welcher über die mit einer drohenden Stimme ausgesprochenen v ? orre , und das abscheuliche Schau - spiel , welches er vor seinen Augen gesehen hatte , ungemein er - schrocken war , bat sebr demürbig und mir Zittern geantworter , daß er Sr . Majestät bätbe , ihnen ibr Heben und ibr Gewissen in Ruhe zu lassen , und daß sie im übrigen bereit wären , ihm in «llen Dingen zu gehorchen . Mezerai , Hift . de France , Tora . III . x . 257 . Ob ich mich gleich der Worte des Mezerai bediene , so kann man doch versichert seyn . daß eS eben so viel ist , als wenn ich mich der eignen Worte eines ealvinistischen Historienschreibers bediente ; denn Aubigne , Tom . II . Li v . l . chap . iv . pag . m . 547 - führet die Antwort des Könige« von Navarra , auf eben dieselbe Art an : und so lauter sie in dem Invent . de I' Hift . de France , Tom . II . pag . m . 704 . des Johann von Serres . ~ " ttetSe . Majestät demüthig , sich seines Ver -
, Der König von Navarra bittet (
„ sprechens , und der unlängst getroffenen Blurfreundschaft zu erinnern , „ und ihn in der Reliaion nicht zu zwingen , die er von seiner Kindheit „ an erlernet . „ Der Verfasser von der Historie der merkwürdigen Din - saget weiter nichts davon . Der Urheber der Auslegungen , de ftatu Rcligionis et Reipublicac in Regno Galliae , ist in Ansehung des Sin - nes nicht weirläuftiger . ob er gleich mehr Worte gebraucht ; Lib . X . fol . in . Z5 . und man gebe Acht , daß er ausdrücklich bemerket , es sey die Am - wort mit einer zitternden Stimme geschehen : Quae tarnen humiliflimo animo et confternato ore ab illo dieebantur . Hier sind also vier pro - testantische Scribenten , die mit dem Mezerai einig sind . Man kann also die Aufrichtigkeit des letztern nicht im Verdachte haben . Muß man also die Geschichtschreiber nicht auslachen , welche die Antwort , davon hier die Frage ist , drey bis vier Seiten lang machen ? Unser - Heinrich , saget Julian Pelms , Parlementssachwalter zu Paris , Hiftoire des Faits et de la Vie de Henri le Grand , Totn . I . pag . 828 , hat eine Ant , worr gegeben , die gleich damals gezeiget , wie groß die - Hoheit feiner - Herzhaftigkeit , die Tiefe seiner Einsicht , und die Gelindig , feit stiner Gnade seyn würde . LLr hat Sr . Majestät gebethen , sich ihres gegebenen XOottea , ihrer nahen Anverwandtschafr , und ihrer neuen Schwagerschaft zu erinnern , und der Religion nicht die aeringste Gewalt anzuthun , die er von seiner Rindheit ? » gleichsam mit dcr Milch seiner Amme eingesogen backe . iSx bat gesaget , es sey ein großes Unglück , daß e , n so großer Ro - " ig , der den Saamen aller großen Tugenden , n semer Seele be , solche gefährliche Ratschlage bekommen habe , ferne Unter . »banen durch tftotö und Todtscklag zu zwingen , Gott nach sei , »er Phantasie zu dienen Daß nichts die beherzten Volker , und insonderheit di« Franzosen zwingen könne , als d , e Leutseligkeit
des Fürsten , den sie gleichsam so sehr , als Gott , verehrten . Da^ dieß dcr U ? eg gewesen , welchen Flarninius genommen , den Ro - mern ganz Griechenland zu erhalten : so daß er , da er vermach , rigste in der Stadt Theben gewesen , eben so viel Ueberredunz angewendet , das Volk an sich zu ziehen , als ein Redner von dem Rcdnerstuhle hatte rhun können : und der gewußt haben muß , daß er über L . eule geböthe , die keine vollige Freiheit , noch lige Dienstbarkeit ertragen konnten ; daß die königliche Gewalt keine - Herrschaft über Sklaven , sondern eine Regierung über Mitbürger sey . Daß er oft babe sagen hören , es hatten diese großen Römer allen Volkern gebochen , und sich zu - Herren der ganzen tvelt gemacht , weil sie sich als Unterthanen der Vernunft gezei , gel , und sich die Rachbegierde nickt überwältigen lassen . , t - ( . Ebendaselbst pag . 8z> . ) * £u . Majestät weis , daß ein einzige« Bey - spiel dcr Leutseligkeit von den Römern mehr Rraft gehabt , sich der fremden Fallisker zu bemäcktigen . als ihre ganze Rriegsmachr bat thun können : was würde also die Leutseligkeit Eu . Majestät , in Ansehung der Protestanten , ihrer gebohrnen Unterthanen , nicht thun könnend Ein großer Ronig , wie ihr seyd , muß nicht allem nachhängen , was er thun kann : sondern der Sonne nachahmen , die am langsamsten lauft , wenn sie am höchsten steht - - - , Ebendaselbst 8Z2 S . Diejenigen , die euch so übel gerathen haben , haben mebr gefehlt , als ihr , und sind eben derselben Strafe würdig , als diejenigen . welche die öffentlichen Brunnen vcrgif , ten , und so viel Leute hinrichten , als daraus trinken . Ich habe die meisten Dinge überhupft , die dieser Collectaneenhändler dem Könige von Navarra in den Mund leget : allein ich lasse von der Gegenanrworr nichts aus , die er Carl dem IX fälschlich beyleget . „ Das ist ein hübsches „ Bißchen , hat der König gesagt , das habet ihr vom Christian , eurem „ Hofmeister , gelernet : allem ich weis noch wohl ein schöners , nämlich „ daß Gott dem Prinzen eine unumschränkte Gewalt gegeben hat , dessen „ Triebfedern zu berühren , dem Unterthanen nicht erlaubet ist : der Ruhm „ de« Gehorsams ist ihm genug . Geht und thut meinen Befehl bey Le - „ bensstrafe : und ob ich gleich nicht gehalten bin , euch von meinen Hand - „ lungen Rechenschaft abzulegen , so will ich euch dennoch wohl zu verste - „ hen geben , daß ein jedes großes Beyspiel etwa« unbilliges zu haben „ scheint ; welches durch den Nutzen des gemeinen Wesens ersetzet wird . „ Ebendas . 8ZZ S . Man merke , daß er voraussetzet , es habe der König den König von Navarra , und den Prinzen von Conde , absonderlich kommen lassen . Die andern Geschichtschreiber erzählen , daß Carl der IX , diese zween Prinzen zu gleicher Zeit vor sich rufen lassen .
( N ) Die königliche Frau Mutter hat gewollt , daß er und der - Herzog von Alenzon , über sehr abscheulich ; Dinge befragt den sollten . ^ Percfixc , Hift . de Henri le Grand , pag . m . 36 . aufs 1574 Jahr . „ Der Kanzler hat den König von Navarra beftagen wollen ; „ allein , ob er gleich gefangen war , und bedrohet wurde : so hat er doch „ seiner Würde nicht den Schimpf anthun , und antworten »vollen . Doch „ hat er , die königliche Frau Mutter zu vergnügen , einen langen DiscurS „ an sie gerichtet , worinnen er viele Dinge , den gegenwärtigen Zustand „ derGeschäffte betreffend , angeführet ; aber niemand beschuldiget , wie „ der Herzog von Alenzon sehr leichtsinnig gethan hat . „ Siehe die merkung ( G ) .
CO ) Seine Gemahlinn ist ihm eine große Last , und dock» manchmal höckst nützlich gewesen . ) Catharina von Medicis hatte sie ihm >57« zugeführet . Peretixe , Hift . de Henri le Grand , p . 54 Er hat damals seinen kleinen Hof zu Nerac gehalten , ( ; ? S ) Beyde Ver - wählten haben sich eil , ander ungern wieder gesehen . „ Margaretha , „ welche die größte Pracht des franzosischen Hofes geliebet , wo sie in Staats , „ handeln schwamm , wenn man also reden darf , hat ihren Aufenthalt in „ Guienne , für eine Verbannung gehalten : und Heinrich , der ihr Ge« „ mütbe und ihre Aufführung schon kannte , hätte sie lieber weit als nahe „ gewünscht . Jedoch da er gesehen , daß dieß ein Uebel ohne Hülfe war , „ so hat er beschlossen , sie zu erdulden , und ihr ihre völlige Freyheit gelas - „ sen . - - - ( 58 S ) Er schickte sich in die Zeit , und in seine Um - „ stände , und bemuhete ssich aus ihren Stteichen . und au« ihrem Ansehen „ Vortheile zu ziehen . Die Unterhandlung nützte ihm auch nicht wenig , „ die er und die Abgeordneten der Hugonotten zu Nerac , mit der köniqli - „ chen Frau Mutter gehalten . Denn in währender Zeit , da sie diesel - „ ben durch die Reizungen ihres schönen Frauenzimmers , und Pibrac« „ Beredsamkeit , zu bezaubern gedacht ; so hat ihr Margaretha gleiche „ Kunstgriffe entgegen gestellet : sie hat die Edelleute , die bey ihrer Mut - „ ter waren , durch die Liebreize ihres Frauenzimmers gewonnen , und „ auch die ihrigen so gelchickt angewendet , daß sie den Geist und Willen „ des armen Pibracö gefesselt : so daß er nichts , als auf ihren Antrieb , und „ alles wider die Absichten der königlichen Frau Mutter , gethan ; wiche , „ da sie nicht vermuthet , daß ein so weiser Mann zu einer solchen Thor . „ heit vermögend seyn könnte , dadurch in vielen Artikeln betrogen , und „ unvermerkt so weit gebracht worden , daß sie den Hugenotten vielmehr „ verwilliget , als sie beschlossen hatte . „
( ? ) . 262 . 263 . anführen . Viele unter den Franzosen , welche dm erbärmlichen Zustand nickt eigentlich gewußt , darinnen der Ronig von Spanien lind seine Sachen gerarben waren , haben nickt begreifen können , wie dieser Prinz den Frieden so theuer er , kauft , daß er sechs bis sieben gute Plätze , und unter andern Ca - lais und Älavet wiedergegeben Hai , die man mir Recht die Schlüssel von Frankreich nennen könnte . Die Spanier hinge - gen , welche gesehen , daß ihr Rönig rodtkrank , seine Sckankam - wer erschöpft , die Niederlande in Bewegung waren , Portugal ! und seine Lander in Italien , im Segriffe stunden , sich zu empören ,

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