Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
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https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11855

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Heinrich der IV .
n ? ird man wohl Senken , daß ein Mensch , der bestimmt und be - zahlt geworden / die Historie 3x1 schreiben , sich eine Sache von dieser Wichtigkeit zu sagen untersteht < unv so gar einen noch lebenden Prinzen anzufükren , der ein Zcugniß ablegen konnte , wenn es mcht wahr wäre < Gleichwohl ist es , wie ich sage ; und wenn man daran zweifelt , so kann man Erläuterung davon haben , und es verdrießt mich nickt , daß sich hier die Gelegen - heic anbiethet , es anzuführen ; so wohl die Nachkommen aus dem Irrtbume zu bringen , als zu zeigen , daß viele dergleichen Dinge geschrieben worden sind , denen man nicht den gering>ien Glauben beimessen kann .
Man merke , daß Petit dieses alles nicht mit so vieler Treue vorstellet , als er hätte rhun sollen . Er setzet voraus , der Gesckichtschreiber habe vorgegeben , daß der König diese Antwort gegeben , la Brosse ist ein ler astrologischer Narr : allein der Geschichtschreiber hat dieses nickt gesagt ; denn nach ihm hat der König zu dem Herzoge von Vendome gesa - gel , ihr scyd ein Narr .
Wir wollen noch einen andern Zeugen mit seiner Wider legung auffüh - ren . „ Selbst den Abend vor der Krönung , hat la Brosse , ein vorrreff - „ licher Arzt und MathematicuS , zu dem Herzoge von Vendome gesaget , „ daß der König , wenn er einen gefährlichen nahen Zufall vermeiden „ könnte , der ihm drohte , noch dreyßig Jahre leben würde : und er hat „ ihn gebethen . mit Sr . Majestät davon reden zu lassen : allein der Kö - „ nig , da er die Ursache vernommen , warum er mit ihm reden wollen , hat „ den la Brosse weder sehen noch hören wollen . „ Du Pleix , Hift . de Henri IV . pag . 411 . Die Widerlegnng davon , ist in diesen Worten des Marschall * von Bassompierre . Remarques für Du Pleix , p . 172 . enthalten : As ist falsch , daß la j & ccfle mir dem Ronige zu sprechen verlanget , allein wenn er es gethan hatte , so wäre die Antwort , die er ( nämlich Du Pleix , ) erfunden hat , wahr gewesen , daß er ( nämlich Heinrich der IV , ) mit ihm nicht reden mögen ; denn er hat ihn für einen Narren gehalten . Man findet in einem Discurse über den Tod Heinrichs des IV , der zu Ende der Nachrichten des Herzogs von NeverS gedruckt ist , es habe der Herzog von Vendome zu verschiedenen Personen gesaget , daß la Brosse hiervon nicht mit ihm geredet hätte .
( G ) Ee ist wider alle Wahrscheinlichkeit , daß er dem Herzoge von Alemon jemals gerathen hätte , die Maria von LNedicis zuschaffen . ^ LeLaboureur erzählet , in den Zufiken zu den Nachrichten des Castelnau , Tom . II . p . z8> . daß diese Roniginn , da sie da» Ende Carls des IX hcrannahern gesehen , gefürchtet , es möchte dem - Herzoge von Alenzon gcrarhen werden , Ansprüche auf die Re - gierung , und gar auf die Rrone , zum Nachrheile des Roniges von Pohlen , seine« Druders zu machen . Sie hat hierüber von den gemachten Anschlägen einer Verschworung , reden ho , ren , welches ihr Anlaß gegeben , sich seiner und des Roniges von Navarra Person zu versichern . Sie hat sie unter einer guten U ? ache Bois de Vincennes , bis zu des Roniges Tode , gehal - ten , ohne sie gleichwohl für Gefangene zu erklären : unterdessen bar sie das Gerüchte von dieser Verschworung , überall ausge - breiter ; weswegen sie die Marschälle von Montmorency und von Cosse inhafriren lassen ; und um allen Zweifel deswegen zu beben . diesem Staatsintercsse zween Lieblinge des - Herzoges , den Molle und Coconnaz aufgeopfert - - - « Der - Herzog von Alenzon hat seine Sache und seine Bedienren selbst aus Furcht , verrathen : und derjenige , der die Person eines unterdrückten Ro - nigs , am besten gespielt , und seinen Character nicht verleugnen konnte , ist Heinrich der IV , damaliger Ronig von Navarra , wesen . Nicht als wenn er nicht geglauber harre , daß er verlohren fiy ; und in diesen Gedanken ist er auch angeklager worden , wie mich einige Schriften belehren : daß er des Räniges Sruder ge -
( I ) Seine Gedanken über den Abstand sind sehr merkwür - Öig . ] Ich habe eine sehr lange Stelle anzuführen ; gleichwohl bin ick versichert , daß sie den neugierigen Lesern kurz vorkommen wird : denn sie enthält eine Art der Critik einer guten Anzahl Prinzeßinnen , und ein sehr gründliches Urlheil Heinrichs des IV , über die Wahl einer Gemah - linn . Er hat zum Roni , seinem Lieblinge , gesaget . Memoires deSulli , Tom . II . p . 112 . Holl . Ausg . In 12 . „ So daß nichts mehr zur Erfüllung „ dieses Anschlags übrig zu seyn scheint , als zu sehen : ob es möglich seyn „ wird , mir eine andre Gemahlinn zu schaffen , die so wohl beschassen sey , „ daß sie mich nicht in das allergrößte Unglück dieses Lebens stürzte , wel - „ ches ( nach meiner Meynung , ) ist , eine häßliche , böse und befehlerische Frau „ zu haben ; anstatt der Gemächlichkeit , der Ruhe und des Vergnügens , „ welches ich mir in diesem Stande zu finden vorgeseher hatte : daß , „ wenn man sich die Ehfrauen wünschten könnte , so daß mich ein gefähr - „ licher Kauf nicht gereuete ; so würde ick eine erhalten haben , welche un - „ ter andern guten Stücken , sieben Haupteigenschaften haben würde ; „ nämlich , die Schönheit an der Person ; die Keuschheit in dem Leben ; „ die Gefälligkeit im Gemüthe ; die Hurtigkeit im Geiste ; die Frucht - „ barkeit in der Zeugung ; die Hoheit in der'Geburt , und große Staate« , „ im Besitze . Allein ich glaube , ( mein Freund , ) daß diese Frau gestorben „ ist , oder vielleicht istsie noch nicht gebohren , oder vielleicht wird sie ! o bald „ noch nicht gebohren werden : und gleichwohl wollen wir ein wenig mit „ einander ansehen , welche Zungfern oder Frauen , davon wir haben reden „ hören , entweder außer - oder innerhalb dem Königreiche für mich zu wün - „ schen seyn möchten . Weil ich nun ( nach meiner Meynung , ) hieran „ bereits mehr gedacht habe , als ihr : so will ich wegen der Auswärtigen „ sagen , daß ich mich mit der Znfanrinn von Spanien , so alt und häß - „ lich sie auch seyn mag , zu vermählen , wohl entschließen würde ; wenn „ ich die Niederlande mir ihr erheirathcte , und sollte dieses auch mit der „ Last geschehen , euch die Grafschaft Berhun« wiederzugeben . Ich würde „ auch die Prinzeßinn Reibelle von England nicht ausschlagen , ( ich be - „ halte diesen Namen , wie ich ihn in meiner Ausgabe finde , ) wenn , da „ ihr der Staat zugehöret , wie man saget , sie nur zur vermuthlichen Er - „ binn erkläret worden wäre : allein ich kann mir weder auf die eine , noch „ auf die andre Hoffnung machen ; denn der König von Spanien , und die „ Kömginn von England , sind weit von dieser Absicht entfernet . Man „ hat mir auch etlichemal von gewissen Prinzeßinnen in Deutschland ge - „ redet , deren Namen ich nicht behalte« habe ; allein die Frauenspersonen „ dieses Landes schicken sich gar nicht für Mick : und , wenn ich eine dar - „ au« heirathete , so würde ich bedacht seyn müssen , beständig ein Antheil „ Wein , neben dem Bette , zu haben ; außer , daß ich von einer Königinn in „ Frankreich , aus dieser Nation habe reden hören , die es fast zn Grunde „ gerichtet hätte : daß mir also dieses alles einen Ekel davor gemacht . „ Man hat mir auch von einer von den Schwestern des Prinzen Moritz „ gesaget : allein , außer daß sie alle Hugonotten sind , und daß mich diese „ Verbindung zu Rom , und bey den eiftigen Katholiken , in Verdacht setzen „ könnte , daß es Nonnenkinder sind , und noch was anders , das ich euch ein „ andermal sagen will , schrecket mich davon ab . Der Herzog von Flo - „ renz har auch eine Nichte ! , die mal , für sehr schön ausgiebt : allein , da „ sie aus einem von den geringsten Häusern der Christenheit ist , die den „ Fürstentitel führen , da dessen Ahnen nickt über sechzig oder achtzig Iah - „ re , nur noch in dem Range der vornehmsten Bürger ihrer Stadt ge - „ wesen , und von eben dem Geschlechte der Königinn Catharina von „ Medicis sind , welches Frankreich so viel Böses erwiesen hat , und mir ins „ besondre noch mehr : so verabscheue ich diese Heirath , aus Furcht , da - „ durch mir , den meinigen , und dem Staate , viel Uebels zuzuziehen . „ Dieß sind alle die Fremden , von denen man , nach meinem Erachten , „ geredet hat Was die im Königreiche betrifft , so ist meine Muhme von „ Guise da , die mir unter denselben am besten gefallen würde ; ungeachtet „ des kleinen Gerüchtes , welches einiqe boshafte Gemüther aussprengen , „ daß sie in ein LiebeSbrieschen eben so verliebt ist , als in eine gute Fri -
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rathen , sich krank zu stellen , um die Roniginn dadurch n , ver - „ cassee : denn außer , daß ich dieses für falsch halte , so will ich nach mei -
raroen , , iw www _ . . . . . „ nem Sinne lieber eine Gemahlinn haben , die ein wenig verliebt ist , als
„ die einen wunderlichen Kopf hat , , den man bey dieser nicht vermuthet ; „ im Gegentheile ist sie von einem sehr freundlichen und angenehmen Ge - „ müthe , und von gefälligem Umgange , und überdieß von gutem Hause , „ jchön , lang , und wird allem Ansehen nach , bald schöne Kinder ha - „ ben . Es wäre also nichts dabey zu fürchten , als die allzugroße Neigung , „ die sie gegen ihr Haus , und vornehmlich gegen ihre Brüder bezeuget ; die „ bey ihr leichtlich die Begierde erregen könnten , sie zu meinem Nachrheile , „ und noch mehr zu nieiner Kinder ihrem zu erheben : wenn jemals die „ Regierung des Staats in ihre Hände fallen sollte . Es sind auch zwo „ Töchter von dem Hause von Maine , davon mir die älteste , so schwarz „ sie auch ist , nicht misfallen würde , weil sie tugendhaft und wohl er - „ zogen sind ; allein sie sind noch allzujung . Zwo in dem Hause von „ Aumale , und drey in dem Hause von Longueville , die wegen ihrer Per« „ sonen nicht zu verachten sind ; allein mich halten andre Ursachen ab , „ daran zu gedenken . Dieß sind nun die Prinzeßinnen alle . Wir haben „ nach diesem eine Tochter in dem Hause von Luxenburg , eine in dem „ Hause von Guimene , meine Muhme , Catharina von Rohan ; allein jene ist „ eine Hugonottinn , und diese gefallen mir nicht : und dann die Tochter „ meiner Muhme , der Prinzeßinn von Conty , aus dem Haufe von Luce , „ welche eine von den schönsten und wohlerzogensten Töchtern ist ; auch gefiele „ mir diese am besten , wenn sie nur älter wäre . Allein wenn sie mir auch „ alle gefielen , so wenig als ich sie kenne , wer könnte mich versickern , daß „ ich dabey die drey Hauptbedingui , gen zugleich antreffen würde , die ich „ verlange , und ohne welche ich nicht gern eine Gemahlinn haben möch - „ re ? nämlich , daß sie mir Söhne gebähren , daß sie fteundlich und ge« „ fällig , und von einem fertigen Geiste seyn würden , mir bev den ausruh - „ rischen Umständen zur Linderung zu dienen , und den Staat und meine „ Kinder wohl zu regieren , wenn ich abgienge , ehe sie Alter , Verstand „ und Urteilskraft hätten , daß sie mir nachahmen konnten ; welches mir „ vermuthlich begegnen wird , da ick mich so spät vermähle . Allein , „ Sire , ( antwortet ihm Roni , ) was beliebet ihr durch so viele Bejahun - „ gen und Verneinungen zu verstehen : woraus ich nichts anders schließen „ kann , als daß ihr wohl verheirathet zu seyn wünschet ; daß ihr aber kei - „ ne Frauenspersonen auf dem Erdboden findet , die sich >»r euch schicken ? „ So daß man , nach dieser Erzählung , den Beystand des Himmels atv „ rufen müßte , daß er die Königtnn von England wieder verjüngerte , und „ die Margaretha von Flandern , die Prinzeßinn von Burgund . Ioban - „ nen von Loca , Annen von Bretagne , und Marien Stuart wieder auf - . . erweckte , welches alle sehr reiche Erbinnen waren , um euch di^Wahl
binden , daß sie ihn besuchte , und unter dem Vorwande , daß sie ihr alle bevde etwas ins besondere zu sagen hatten , ihr Gefolge von ihr , u entfernen , und sie zu erdrosseln . Ihre Ursache war die Beförderung ihres - Heils , die Gelegenheit des nah bevorste - fanden Todes des Roniges , das Ansehen , das ihren Freunden die Zeit geben würde , und weil eben dieselbe Politik , vermöge de - ren sie den Gesenen der Namr und des Geblütes abgcsaget , um ihren eignen Sohn und Schwiegersohn hinrichten zu lasten , sie aus einer viel stärker» Betrachtung , als die Begierde zu regieren war , von dem Abscheue vor einer Thar lossprach , welche dem Staate zween Prinzen , die ihm nothig waren , durch den Tod derjenigen erhielte , die desselben Ruhe storre , und ihren Untergang beförderte . Er hat eben so wenig das - Herz dazu , als die Be ? scheidenheit gehabt , einige Zeit hernach zu schweigen : und dieses isf die Ursache des todtlicken und unversöhnlichen - Hasses der Ca - tharine von Medicis , wider den Ronig von Navarra gewesen ; weswegen sie nicht geleugnet , mir in der Verschworung wider ihren eignen Sobn , - Heinrichen den III , zu seyn , und denOcaar zu verwirren . da sie ihn ohne Rinder gesehen ; um zu verhmvern , daß ihm - Heinrich der I V nickt folgen sollte , und umHeinricken , den - Herzog von Lothringen , ihren Enkel von der Tochter . an seine Stelle zu stnen . Nach diesen Nachrichten , har Heinrich der I V , selbst einer von'den Mördern der königlichen Frau Mutter seyn wollen .
( H ) Seine zwo Gemahlinnen - t - haben ihm tausendcr - ley Verdrießlichkeiten verursachet . ) Es ist nicht nöthig , dieses in Ansehung der Margaretha von Valo»s beweisen : wir wollen also mir den Beweis anführen , der die Marin Don Medieis betrifft . „ Die große „ Hochachtung und Zuneigung , welche die Franzosen gegen ibn 'nämlich „ Heinrichen den IV> ) gehabt , haben gelindert , daß man sich nicht so stark „ an diese ärgerliche Unkeuschheit gestoßen bat ; allem die Königinn , seine „ Gemahlinn , bat einen ungemeinen Verdruß darüber gehabt , der alle Stun - „ den Slichelreden unter ihnen verursachet . und sie zu Verächtlichkeitm , „ und einer verdrießlichen Auffubruna gereift hat . Der Widerwille und „ das Misvergnügen über die häuslichen Zänkereyen , haben in der Thar " die Ausführung eines großen Anschlags verhindert , ben er zum Wohl „ und zur immerwährenden Ruhe der Christenheit , und zm Vernichtung " der ottomannischen Macht gemacht hatte . „ Pcrefixe , Hift . de Henri Ic Grand , p . n , . 465 . aufs 1609 Zahr .

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