Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11846

Heinrich der IV .
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toitn , ein großes Exempel der Keuschheit gegeben ; Liviu« , im XX VIB . zu Ende , und Valerius Maximus , in des IV V , III Cap . Num . > . lo - ben ihn deswegen ungemein . DrusuS , des Kaisers Tlberius Bruder , einer von den größten Feldherren de« Alterthums , ist , in Ansehung des Frauenzimmers , von einer außerordentlichen Tugend gewesen . Siehe die Anmerkung ( B ) , bey dem Artikel der ersten Antonia . Die Tapfer - feit des Kaisers Aurelians ist unvergleichlich , und mir vieler Keuschheit begleitet gewesen . Man würde ihm Unrecht thun , wenn man die ge - ringste Vcrgleichiinq zwischen seiner Tapferkeit , und der Tapferkeit desje - nigen unkeuschen Proculus machte , der sich zum Tyrannen aufgewor - fen , und von welchem uns FlaviuS Vopiscus , in Proculo , p . m . 735 . Tom . II . einen Brief erhalten hat , den ich nicht übersetzen mag . Ich Will ihn nur lateinisch anführen : Tacendum non eft , quod et ipfe gloriatur in quadam fua Epiftola , quam ipfam melius eft ponere , quam de ea plurinuim dicere . Proculus Metiano affini S . D . Centum ex Sarmal ia virgines cept . Ex bis vna nofle dccern iniui : omnes rnen , quod in me erat , mulieres intra dies XV reddidi . Gloriatur ( vi vides ) rem ineptam , et fatis libidinofam : atque inter forte« fe ha - beri credit , fi criminum denfitate coalefcat . Hie tarnen quum etiam poft honores militares fe improbe et libidinofe , tarnen fortiter age -
, , bis an seine letzten Tage so offenbar und allgemein gewesm , daß man „ ihm nicht einmal den Namen der Liebe und Galanterie geben kann . „ Mezerai , Abrege Chronol . Tom . VI . p . 392 . Perefixe wird unS , Hift . de Henri le Grand , p . m . 461 . 462 . aufs >609 Jahr , etwas sehr seltsames sagen . Es ryare zur lLhre seine» Nackrulims zu wünschen , daß er nur bloß den Fehler des Spiels gehabt hatte . Allein diejenige beständige Sckwackheit , die er gegen schone Frauen gehabe , ifl nock ein andrer viel radelnswürviger Fehler bey einem ckristli , cken Prinzen ; bey einem Menfcken von seinem Alter gewesen , der vermahlt rvar ; dem Gott so viel Gnade erwiesen , und der so große Unternehmungen in seinem Ropfe Harle . Manckmal Kar er Begierden gehabt , die flücktig waren , und ihn nur auf eine Nackt fest hielten : allein wenn er Sckonheiren angetroffen , die sein - Her ; rührten , fö hat er sie bis zur Thorheit geliebt ; und bey diesen heftigen Bewegungen hat er nickt« weniger , als - Heinrich der großeseyn gesckienen . Die Fabel saget , daß - Herkules die Spinvel genommen , und der schonen Omphalezu L . iebe gespon , nen habe . - Heinrick hat nock wohl was nicdcrtracktiqcrs für seine Seyscklaferinnen gethan . Er hat sick eines Tages in einen Bauer verkleidet , und ein Bund Stroh aufden Rücken genommen ,
rct , . . . - in impei ium vocitatus eft . Man sieht hier das Zeug - damit er nur dicMaVame Gabrielle zu sprechen bekommen , können :
fPt * n<>mrtfon • nffoin nn< * f> pititmf : hipfi tO ßpi - 4 * m / m Co / + t> + iUn ? \#o tY7 niß , daß er ein guter Svldate gewesen : allein noch einmal ; dieß ist kei - ne Tapferkeit gewesen , die des Aurelians seiner gleich gekommen . Was werden wir vom Alexander sagen , dessen Tapferkeit außerordentlich ge - wesen ? Man hat seiner Keuschheit mehr Lob gegeben , als sie verdienet hat : aber diesem ungeachtet , muß man doch gestehen , daß er mehr Gleich - zültigkeit , als Neigung gegen da« schöne Geschlecht besessen ; und dieß ist schon zureichend , diejenigen zu widerlegen , die sich , ich weis nicht , was für eine machinalische Verbindung , zwischen der Unkeuschheit und Tapfer - reit , einbilden . Ich füge den neuern Exempeln , die ich bereits in der vorhergehenden Anmerkung erzählet habe , das Beyspiel eines Helden bey , der im X VI Jahrhunderte gelebet , und den Titel eines Rit , ters , ohne Furckt und Vorwurf , verdienet hat . Man wird an die - fem Merkmaale wohl verstehen , daß ich vom Baiard reden will . Die Liebe hat ihn nicht beherrschet , und er hat sich bey gefahrlichen Vorfällen , als Herr derselben , gezeiget . Man sehe sein Leben . Was würde ich nicht für ein Verzeichniß geben müssen , wenn ich die Liste derer unternehmen wollte , die dem Sardanapalus geglichen ; solcher Leute , die nur im Bette brav , - und sonst überall niederträchtig und feige gewesen siud . Sind wohl Caligula , Nero , Heliogabalus Kriegsmänner gewesen ? Und ha , ben sie sich nicht mit einer schändlichen Ausschweifung in den unkeuschen Wollüsten herumgewälzet ? Ist wohl Domitian , der Erfinder eine« neuen Wortes ( * ) , zu diesen schändlichen Uebungen , worinnen er seine Kräfte berühmt gemacht , jemals sür einen guten Soldaten , oder für ei» nen guten Feldherrn gehalten worden ? Diejenigen , die man ehmal« Bettlicblinge genennet , habe» sich manchmal in das Kriegshandwerk mischen wollen , um sich aus der Verachtung zuziehen , worein sie der Ver - dacht der Feigheit bey den Helden gesetzet hätte : allein sie haben sich so übel gehalten , daß man mit vielem Grunde dasjenige auf sie anwenden könnte , was Jupiter der Venus geantwortet ; als sie ihre Klagen , wegen der Ver - wundung , bey ihm angebracht , die sie bekommen harte , da sie dem Ae - neas im Gefechte beystehen wollen . Lasset euch mit dem Kriege unver - menget , sprach er , dieß ist eure Sache nichr , treibet die Liebe .
Ou toi rfxvov inov Utoro» iroAffriijia ifycT
JiXKx tCy' liitt>6tvTX lorfgxto IgV * y & noto .
Non tibi , filia mea , commifla funt bellica opera ;
Quin tu defiderabilia obi munera nuptiarum .
Homerus , Iliad . Libr . V . v . 42g . Helena hat dem Paris eine gleiche Vermahnung gegeben , wie man in der Anmerkung ( Ö ) , bey dem Artikel de« III Herzoges von Guise , ge - sehen hat , wo ich den Mezerai widerlege . Dieser Historienschreiber bil , det sich ein . daß die Damen die Helden lieben ; weil sie vorausseben , daß sie in den Liebesübungen eben so tapfer , als in den Gefechten sind . Er begreift aber ihre Ursachen nicht wohl . Die Ehre oder die Eitelkeit sind die großen Triebfedern ihre« Borurlheils , zum Besten der Tapfern . Mon« lue beobachtet , daß die Frauen lieber Witwen werden , als ihre Ehmän - ner in guter Gesundheit und mit Schande und Unehre bedeckt zurück - kommen sehen . CS ist handgreiflich , daß die Unkeuschheit keinen Theil hieran hat ; und weil denn dieß ein neuer Beweis wider den Mezerai ist , so führe ichMonlucs Worre , Comraent . Livr . III . p . m . yoo . 501 . an , und zeige ihnen den Nachtheil , den sie sich zuziehen , wenn sie denselben nicht wohl erhalten . Nickt allein euer - Herr , fährt er er fort , die prin« zen und Großen , werden euck mit ungnädigen Augen ansehen : sondern auck die Frauen und Rinder . Und ick will noch ter gehen , eure eigene Shfrau , ob sie sick gleich stellet , euck zu lieben , wird euck Haffen , und in ihrem - Herzen geringer ackten . Denn da« Naturell aller Frauen ist so beschaffen , daß sie alle verzagte Bärenhäuter und feige Memmen hassen , ob sie gleich aur aussehen . Sie lieben die Kuhnen und Beherzten , so haß« lieb und unaestalc sie auck sind . Sie nehmen Theil an eurer Sckande . Und ob sie gleich im Bette in euren Armen liegen , und sick über eure Xviederkunft ganz vergnügt stellen : so wollten sie dock lieber , daß ihr erstickt . oder von einer Canonenkugel weggenommen worden wäret . Denn eben , wie wir denken , daß c« die größte Sckande für einen Mann sev , eine - Hure zur ( £b * frau zu haben : so denken auck die Frauen , es fty die größte Sckande , wenn sie einen furcktsamen - Hasen zum ( * ) Libidinis nimiae alliduitatem concubitus velut exercitationis genus clinopalen vocabat . Sueton . in Domit . cap . XXII .
( v ) Seine erstaunlicke Unkeusckheit . ^ Ich kann sie nach denen Mährchen gar wohl also nennen , die Daubigne davon bekannt gemacht hat , und vornehmlich nach diesen Worten eines sehr ernsthaften Ge - schichtschreibers , Wenn die Historie Schutzschristen zu machen pflegte , „ so würde sie ihn von dem größten Theile die , « Vorwürfe rechtfertigen »können ; jedoch nicht von der rasenden Sucht , die er zum Spiele ge - «habt - - - Noch weniger hätte sie sein unordentliches Leben mit " dem Frauenvolke entschuldigen können , welches von seiner Jugend an ,
ja man saget , daß ihn die Marquisinn von Verneuil , mehr als ein , mal zu ihren Füßcn ihre Verachtungen und Sckimpfworrc aus , stehen gesehen . Es muß ehrlichen Hugonotten eine große Kränkung gewesen seyn , wenn sie ihr Haupt , mitten in Röchele , ein so ärgerliche« Leben führen gesehen . Er hat die Tochter eines Gerichtebedienten gemi« - brauchet , und einen Sohn von ihr gehabt . Die Rircke har ihm sei , nen Fehler oft vorgestellt , den er sehr offenherzig bekannt hat : allein er hat sich nicht eher bewegen lassen , denselben öffentlich zu erken , nen , als ein wenig vor der Schlacht von Contra« . Man wird die stände davon , in dem Leben de« Du Pleßis Mornai >oz S . finden .
( E ) ffir hat die Rrone in einem sehr weit entfernten Grade der Anverwandtsckaft geerbet . Z „ Es ist ohne Zweifel ein seltene« «Glück gewesen , daß ihm die französische Krone zugefallen , da niemals in ei , „ nem Erbreiche eine entferntere Erbfolge gewesen , als diese : denn es waren „ von Heinrichen dem III , bis auf ihn , zehn bis eilf Grade ; und bey seiner „ Geburt , sind noch neun Prinzen vom Geblüte vor ihm aewesen ; nam - „ lich König Heinrich der II , mit seinen fünf Söhnen , König Anton von „ Navarra , sein Vater , nnd zween Söhne dieses Antons , die ältesten „ Brüder unsers Heinrichs . Alle diese Prinzen sind gestorben , nm ihm „ zur Erbfolge Platz zn machen . Perefixe , Hift . de Henri le Grand , p . m . 514 .
( F ) ( £a sagen Gesckicktsckreiber , daß ihm sein Tod den Tag zuvor prophezeiet worden . ] Wir wollen diese Anmerkung milPe - ter Matthäus Worten , Relation de la Mort de Henri IV . pag . m . 24 . anfangen . „ Hierauf hat la Brosse , ein gelehrter Arzney < und Mathe , »matikkundiger , nach einem langen Gespräche , zu dem Herzoge von „ Vendome qesaget , daß , wenn der König dem ihm gedroheten Zufalle „ entgehen konnte , er noch dreyßig Jahre leben würde . Man will „ aber den Königen niemals sagen , was ihnen verdrießlich seyn kann : „ der Herzog von Vendome , der geschickter als la Brosse dazu war , ist „ der Ueberbringer seiner Erinnerung gewesen : er hat den König gebcthen , „ ihn zu hören ; der König hat gefraget , was er wollte ? Bey diesem „ Worte hat der Herzog von Vendome geschwiegen , sein Stillschweigen „ hat die Begierde vermehret , eszu wisien ; er hat ihn genöthiger ; dieser „ hat sich entschuldiget . Zuletzt hat der Befehl des Königes dasjenige au« „ seinem Munde gezogen , was la Brosse ihm gesager hatte . Ihr seyd ein „ Narr , hat der König gesaget : glaubet ihr es ? S»re , hat der Herzog „ von Vendome geantwortet , bey dergleichen Dingen ist der Glaube , aber „ nicht die Furcht verbothen : das Heil eurer Majestät , verbindet alle „ Welt , und mich mehr , als alle andre , nichts zu verachten : ich bitte un - „ terthänig , sich gefallen zu lassen , ihn zu hören . Der König hat durch - „ aus nichr gewollt , und verbothen . davon weiter zu reden : zum wenig - „ sten har der Herzog gesaget , muß ich eS der Königinn melden . Der „ König har zweymal erwiedert , daß er ihn nimmermehr lieben würde , „ wenn er ihr erwas davon sagte ; und so mußte la Brosse abziehen . Ich „ habe dieses Gespräche von Wort zu Worte von dem Herzoge von Ven - „ dorne . , , Dieß ist schon sehr deutlich : allein hier ist etwas , das noch klä - rer ist , ob es gleich die Erzählung des Peter Matthäus gänzlich über einen Haufen wirft . So viel , st gewiß , es ist ein Philosoph , der redet a ick dieses vor ungefähr dreyßig Jahren , aus dem Munde dieses Prinzen selbst , ( des - Herrn von Vendome , ) in Ge , genwart einer Prinzeßinn , ( von Chevrmse . ) von großen Verdien , fken , erfahren wollen , so bat er mir die iLhre erwiest» , zu saaen , daß es falsck wäre . Und um nur darinnen mehr tlidn zu schaffen , und nickt» von dieser avicktigen Sage ohne qnugsamen Grund in die » ? e ! t zu schreiben : so habe ick zween'Taae dar , auf die Ehre gehabt , in Gegenwart vieler Personen , von seinem - Hanse , wiederum mit , km zu reden , und er hat Mick eben daffelbe versickert , mit dem Zusaye ; daß der - Hifiorienftbrciber , tMat - ckaus . ) die Zeiten und Zdinge vermengt , und daß ibm la Broffe Zwar nack diesem unglucklicken Zufalle qesaget - er habe es aus der Nativitat Sc . Mase>iat vorher gesehen , " ( wie die Sterndeuter ge , meimglick zu thun pflegen , wenn die SaÄien gesckehen sind . ) al , lein nickt , daß er es ihm den Abend zuvor gemeldet , um es Sr . Mafeftar zu sagen . Gleickwobl ist dieses von einem franzosi , scken Sckriftsteller , und der nock zu gleicker Zeit geleber l>ar , geschrieben worden . XVer wird es denn künftig nickt glauben ?
Ggggg - XüivQ

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