Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11837

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Heinrich der IV .
zuVcrvins , den 2 May , 1598 , geschlossen . Seit diesem Tage , «bis an seinen Tod , ist dasKönigreich von allen innerlichen und wärtigen Kriegen befteyet gewesen : wenn man den Kriegszug vom 1600 Jahre ausnimmt . Er wurde wider den Herzog von Savoyen unternommen , und dauerte nicht lange , und es folgte ein vortheilhafter Vergleich darauf * , wie er denn auch mit rühmli - chen Thaten begleitet war . Wenn sich die Tapferkeit und große Herzhaftigkeit diesis Königes nicht in hundert Gelegenheiten gezeigct hätten / so würde man ohne Zweifel seine unmäßigen Gütigkeiten gegen seine Todfeinde , als eine Schwachheit , oder für eine Wirkung der Furchtsamkeit , angesehen haben , weil man ihn aber der Feigheit nicht verdachtig halten kann ; so hat man viel mehr Ursache gehabt , sich einzubilden , daß er aus einer großmüthigen Gnade also verfahren sey . Und es ist gewiß , daß die aller - gelautertste Staatskunst dieses von ihm erforderte : er konnte seine Feinde nicht anders , als durch dieses Mittel , bekehren : er hat auch selbst dieses einzige Mittel für unzulänglich befunden ; dem , er hat nur einen Weil der Liguisten bekehren können . Eine ge Priester wollten durchaus nicht für ihn bethen ( 0 ) . Man bemerket in dem Wörterbuche des Moreri , daß mehr als fünf * 31g Historienschreiber , und über fünfhundert Lobreöner , oder pocren , oder Redner , von diesem großen Monarchen mit Lobeserhebungen geredet haben . Andern Theils ist es gewiß , daß viele Schriftsteller seinen Nachruhm boshafter weise befle . cket haben ; und sich sehr beflissen , seine gute Thaten zu verringern , und seine Mängel an den Tag zu legen . Sulli beklaget sich darüber , und widerleget ihre Lästerungen , und behauptet , unter ander» . Dingendes sey nicht wahr , daß dieser Prinz sich von seinen Beyschläferinnen alles abpressen lassen , was sie gewünschet hatten ( R ) . Nichts destoweniger glaube ich , daß , wenn er nicht treue Diener gehabt , die sich der Raubbegierde dieser Harpyen widersetzet hatten , und deren Widerstand er gebilliget hat , sie noch viel unumschränkter geherrschet haben würden . Die Gelegenheiten , wo er so viele Stärke gehabt , sich von den cken loszuwickeln , die man ihm durch schöne Magdchen geleget hat ( 8 ) , waren sehr selten ; doch hat es einige derselben gegeben . Diejenigen , deren Treue er erfahren hatte , gaben ihm Aachschläge , ohne daß er sich darüber geärgert : und man hat nicht sagen hören , daß Villeroy deswegen in seine Ungnade gefallen wäre , weil er ihm etwas gesaget hatte , das ihm sehr misfallcn konn - te ( '5 ) . Man kann nicht leugnen , daß dieser Prinz nicht eine vortreffliche Großmuth besessen hätte , welche unzählige Ränke von seiner Aufführung entfernet hat , die man nur allzusehr bey den Regenten bemerket^ Wir werden das Urtheil über diese Materie sehen ( U ) , welches er von der Arglist gefaller hat , deren sich ein König von Frankreich bedienet hatte .
Man nennet ihn Heinrich den Großen . Siehe oben in der Anmerkung ( L ) , des Artikels Barclai ( Johanns , die angeführte Stelle Barelais Zuschrift seiner Argenis i ) S . seineHistorie auf das >6>oJahr , dieHarduin von Perefixe aufgesetzt . 0 S die Anw . b~ ) Ebendas . 23 S . i ) Ebendas . 24 © . k ) Ebenbas . 25 S . I ) Ebendas . 29 1 Im >57 - 1 Jahre , p ) Ebendas . 36 S . ? ) Ebendas . 37 und 38 S . > ) Ebendas . 46 S . ergleich wegen Vertauschung von Dresse u . s . w . gegen da« Marquisat von Saluees .
m ) Ebendas . '39 » ) Ebenda^35 Seite . 0 Ebend . 47 S . 0 Ebend . 48 S . « ) Der
( AI Xvenn Sie Jiiebe gegen vas Frauenvolk ihm erlaubet hat - te , alle feine fdboncn Eigenschaften wirken ja lassen . ^ Man hat von ihm nicht sagen können , wie man von etlichen Feldherren gesägt , die die Wollust geliebt haben : ( Siehe das Ende dieser Anmerkung ) daß er derselben abgesagt , wenn es das Wohl seiner Sachen erfordert hat : denn er hat alle ferne Vortheile des Sieges von Coutras verlohren gehen lassen , um einer Beyschlaferinn nach zu laufen . Wir wollen denMezerai , Abrege' Chronol . Tom . V . 30g 0 . aufs 1587 Jahr hören . „ Die Tapfer - „ feit des Königes von Navarra ist ihm bey dieser Schlacht rühmlicher „ gewesen . als seine Aufführung , sich die Vortheile derselben zu Nutze zu „ machen ; denn anstatt daß er der feindlichen Kriegsmacht gerade entge - „ gen ziehen sollen , wie der Prinz von Cond ? unter dem Verbrechen gewollt , „ daß er sich des Passes Saumur bemächtigen wolle , wenn man ihm „ Kriegsvolk gäbe , so hat er sein sieghaftes Heer auseinander gehen , und „ sich von den Anführern nur den Eid leisten lassen , daß sie den 20 des „ WintermonatS , auf den Grenzen von Angoumois und Perigord feyn „ sollten , um den deutschen Reutern entgegen zu gehen . _Ei hatjnur „ 500 Pferde bey sich behalten , und den Grafen von SoisiönS mit sich „ qefuhret . mit dem er in Gaseonien gegangen , wohin ihn die gewaltige „ Liebe gegen die schöne Gräsinn von Guiche gleichsam mir Ge»valtzog . „ S> " fW die Anmerkungen über die Liebeshändel des großen Aleanders , N»m . ? , wo man dos CI B . Thuans anführet . Sieheauch die Anmer - kunaen iiver das katholische Glaubensbekenntnis ! von Sancn , p . Ausgabe von 1693 . Eines von den allerwichtigsten Geschafften , die Heinrichen dem IV jemals auf dem Halse gelegen . ist wohl die Belage - rung von Amiens gewesen . Unterdessen hat er dennoch die schöne Ga - brielle mit dahin genommen , und sie bey sich behalten ; und er würde sie bey dieler aanzen schweren Unternehmung auch bey sich behalten haben , wenn er seinen Begierden gefolget wäre : allein er ist gar bald gezwungen worden , diese» Aergerm'fi von den Augen der Soldaten jö ent , fernen ; nicht allein Vurch ihr Murren , welches bis vor feine Ol'rcn kam , sondern auch durcl ) die Vorwürfe des Marschalls von Äiron . I^ezerai , Abrede Chronol . Tom . VL pag . 170 . aufS >59 ? Jahr .
Was ich zu Anfange dieser Anmerkung gesaget habe , daß es große Feld - Herren gegeben , welä>e die Wollust geliebet , und derselben zur Zeit der Roth abgesaget haben , ist denen nicht unbekannt , die den Character des Alci - biades und des Sylla wissen . Man sehe , was Sallusrius , in Kella Ingnrth . p . m . 362 , von diesem letztem saget : Sulla . . - anirro ingenti , cupidus voluptatiim , fed gloriae cupidior : otio Inxuriofo efle , tarnen ab negotiis nimquam vohiptas reinorafa . Hier ist nige , was man vom AIcibiades gesaget hat : Qmim tempns pofeeret , laboriofus , ( AIcibiades ) patiens , liberalis , fplendidus non minus in vita , quamviftu ; affabilis , blandus , temporibus callidiflime infer - iiiens . Idem fimul . ac fe remiferat , nec catifa fuberat , quare animi laborem perferret , liixuriofus , diflblutus , libidinofus , intemperans reperiebatur , vt omnes admirarentur in vno homine tantatn inefie diffimilitudinem , tamque diuerfam raturam . Cornel . Nepos , in AI . eibiade . Man wird noch andere Beyspiele in der Anmerkung ( A ) , des Artikels Surena , schen .
( K ) Wenn er , , - - wie Peter Abalard gezüchtiget wor , den , so würde er vermögend geworden feyn , gan , Europa ? u er , ob>rn . ^ Vielmehr wird man mir einwenden , würde er niedertrachtig und eine feige Memme geworden seyn : denn eben dieselben Geister , die ihn zur Liebe gegen das Frauenvolk gereizet , haben ihn auch tapfer gema - chet ; und man hat nicht viel Kriegshelden gesehen , die nicht unkeusch gewesen wären . Ich antworte : daß , obgleich viele große Feldherren von eii'er verliebten Gemüthsart gewesen , es daraus nicht folge , daß ihre Tapferkeit und ihre Unkeuschbeit einerley Grund in ihrem Temperamente gehabt hätten . Diese beyden Eigenschaften haben jede ihre Ursache gehabt , und alles , was man sagen kann , ist : daß diese zwo Ursachen envaS beyge - tragen , das Temperament dieser Personen zu bilden . Allein es ist leicht z» beweisen . baß gar keine Verbindung unr - - r diesen Eigenschaften ist . Wie vel feige Leute giebt es nicht , die furchtsamer als Hasen und ( * ) , dennock von einer erstaunlichen Stärke im Liebeswerke sind ? Hat man wohl jemals einen tapftrern und unerschrocknern Menschen , als den Marschall von Gaßion , gesehen , der doch das Frauenvolk tödtlich geha»et hat ?
Siehe sein Leben im IV Bande , p . 329 u . f . Ist der Graf TM , der seine Iunggesellenschaft die ganze Lebenszeit erhalten ( * * ) hat , nicht einer von den größten Feldherren de« 17 Jahrhunderts ge>vesen ? Ist auch Turenne , der nicht wollüstig war , nicht denjenigen Kriegshelden gleich gewesen , die mit ihm zu gleicher Zeit gelebet , und deren Unordnungen nicht viel weniger Aufsehen gemacht haben , als ihre Siege ? Und um etwas noch viel stärkeres zu sagen , weis man nicht , daß der tapfere Si» giSmund Bathori , Fürst von Siebenbürgen , der unüberwindliche ? u - > genamr ( Difcours Hiftorique etPolitique für les caufes de laGuerre de Hongrie , zu Cölln , >666 , gedruckt , auf der 264 Seite . ) wegen leiner großen Kriegsthaten , fo kraftlos im Venuswerke gewefen , als ev tapfer in des Mars feinem gewefen ; und daß , da er fein Unver - mögen bekannt , iEbmd . auf der - 66 S . ) seine Ehe mit Marien Chri - stinen , Erzherzog« Carls von Grätz Tochter , für nichtig erkläret wor - den i Es hat gar Verschnittene gegeben , die sehr tapfere Heerführer ge - wesen ; denn ohne auf den berühmten Narses zurückzugehen , der unter der Regierung Justins de« II , im sechsten Jahrhunderte gelebet hat , so weis man ja , daß einer von Solimanns tapfersten Heerführern , ein Verschnittetier gewesen ist . Em Halis Eunuchus , fed corporis de - fe & um animo penfabat : de cetero ftatura breui , fufflato corpore , colore bnxeo , fubtrifti viiltu , toruis oculis , et intcr latos et nenteis hiimeros deprefl© capite , ae prominenribus ex ore duobus veluti aprugnis dentibus deformis . Thuan . Libr . XVII . p . 361 . Et ist zwar bey einem Feldzuqe in Ungarn , >556 , nicht glücklich gewesen , und auch aus Verdruß gestorben , daß er seinen Ruhm nicht erhallen , und die öffentliche Erwartung nicht erfüllen können : Fraäus et inglorius Budatn fe contulit , vbi d . ix , qui tantam de fe initio exfpe & ationem excitanerat , dolore atque ignominia expeditio - nis inaufpicatae innifam vitam cum morte commntaiiit . selbst . Allein , diesem ungeachtet , hat er ein großes Herz gehabt , und sein tödtlicher Verdruß ist ein Beweis davon . Man sehe den Thuan , welcher den Scherz anführet , dessen sich dieser Verschnittene bedienet hat , als man ihm die unglückliche Zeitung , von der Eroberung Strigoniens , überbracht . Das verlohnet sich wohl der Mühe ; hat er zu dem Bochen gesaget ; das will wenig sagen ! mein größter Verlust ist hier ! ist er fortgefahren , indem er auf seinen Unterleib gewiesen : Ein , rei cum trepidiis nimcius ad cum veniflet , ipfo vultus confter - natione itiagnum aliqtiod malmn profeflus , purpuratns non iine cir - cumftantium rifn confternationi nnntii illiidens , et Strigonii , qnod nullo negotio recuperari poflet , amillionem eleuans ; Iiis verbis eum excepifle dicitur . Qiiam tu mihi cladem ingentem , fatue , quod tan - tum incommodiim narras ? ea demum mihi clades deploranda conti - git , cum hinc ( genitalinm federn oftentans ) ea membra ademta fnnt , qiiibus vir eram ( « ) • Wir wollen au« allem diesen schließen , daß , tvenn es Heinrichen dem IV , wieAbälarden , gegangen wäre , er weder von sei - ner Herzhaftigkeit , noch von seiner Klugheit , noch von seinem Geiste , et - was verlohren haben wurde . Origenes , Photius und Abälard sind ein offenbarer Beweis , daß die Beraubung der männlichen Glieder keine Folgm , zum Nachtheile der natürlichen Gaben der Seele , nach sich zieht .
( * ) Diese Begleichung erinnert mich , daß «6 keine furchtsamere und geilere Thiere giebt , als die Hasen .
( * * ) Venens Vinique expertem tota aetate fe fnifle iaöanerat . Pufendorf . Rer . Siiecic . Libr . IV . p . 64 . col . 2 . Siehe auch Diane« Hiftoire de Laviere , Ton , . IV . p . 381 .
§ « Au« den türkischen Gesandtschaften Busbeck« , III Br . 196 S . seiner Werke . Ausgabe von 1633 . Trit . Ztnm .
. ( C ) Man wird mir vergeblich einwenden , daß eine solche Aück - tigung ihm die - Herzhaftigkeit genommen hatte . Man wird in der vorhergehenden Anmerkung die Auslegung , oder den Beweis sehen , den dieses erfordern kann . Ich will unterdessen die folgettden Anmerkuru gen . als einen Zusatz beysügen . Ist Hannibal , einer von den größten Feldherren des Alterchums . nicht keusch gewesen ? Conftaf An - nibalem . . . pndicitiam tantam intcr tot captiuas habuifle , vt in Africa natum qniuis negaret . Inftin . Libr . XXXII . zu Ende . finden nicht , daß Seipio , der Afrieaner , von einem sehr verliebten peramente gewesen , und er hat in währendein seinem Feldjuge in Spa -
niflt ,

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