Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11820

Heinrich der IV . 78 z
ber , Heinrich« des III , geht noch viel weiter , als die drey protestantischen versichert , daß Estoile , einer von den Vierzig ? » der französischen Made« Vergrößerer : Er giedt diese Geschichte nicht allein für sehr merkwur , wie , der Sohn eines Thürwarterö Key der Kanzley zu Paris , „ viele
vig , sondern auch für sehr rvahr aus . Der P . Anselm , Hift . des „ Nachrichten von den Geschichten seiner Zeit gefammlcr , aus welchen ei -
grands Officiers , p . 375 . eignet dieses Tagebuch dem Servin zu . Dieses „ ner von seinen Freunden , dem er sie geliehen , das Buch , Journal de
kömmt mit den Anfangsbuchstaben nicht überein , derer man sich bey den „ ce qui s'eft pafle fous Henry III , gezogen habe . „ Die Frage ist all - Ausgaben dieses Buche« bedienet hat . Man siehtauf der Gegenseite hier : ob diejenigen . die das Manuscript in Händen gehabt , ehe es das des Titels diese Worte : Journal du Regne de Henry III , compofe erstemal herausgegeben worden , nichts darzu gesetzet , oder ausgelassen ,
par M . S . A . G . A . P . D . P . Nun kann man diese Anfangsbuchstaben oder verfälschet haben . Allenfalls müssen diejenigen , die sich auf dieses
sehr richtig durch Monfr . Servin , Avocat General au Parlement de Pa - Stück des Tagebuche« steifen , auch auf Peter Layecs Gründe ant ,
ris ergänzen . Allein Pellisson , Hift . de l'Acadeinie Fran^ . p . m . 330 , werten .
Heinrich der IV , König von Frankreich , ist einer von den allergrößten Prinzen gewesen , deren die Historie dieser letzten Jahrhunderte gedenket ; und man kann wohl sagen : daß wenn seine Liebe gegen das Frauenvolk , allen seinen schö - nen Eigenschaften , nach dem ganzen Umfange ihrer Kräfte , hätte freyen Lauf gelassen ( Ä ) , er alle Helden übertroffen haben , oder doch denjenigen gleich gekommen seyn würde , die man am höchsten schätzet . Wenn er das erstemal , da er die Töchter oder Eh - weiber feines Nächsten gemisbrauchet , auf die Art , wie Peter Abälard , bestrafet worden wäre , so würde er vermögend gewor - den seyn , ganz Europa zu erobern ( B ) ; und den Nachruhm Alexanders und Casars zu ersticken . Man würde mir veraeb - lich einwenden , daß ihm dergleichen Züchtigung den Mrzth benommen haben würde ( C ) . Seine unmaßige Geilheit ( D ) , hat ihn gehindert , sich so hoch zu erheben , als er hätte thun können ; allein er hat , ungeachtet dieser mächtigen Hinderung , den Zunamen , den er führet , mit allemRecht verdienet Um sich davon zu überzeugen , ist es genug , die erstaunlichen Schwierigkei - ten zu betrachten , die er überstiegen hat , ehe er sich auf dem Throne befestigen rönnen ; und den blühenden Zustand , worein er sein Königreich gesetzt hat , welches er in der abscheulichsten Verwüstung angetroffen hatte , die man sich einbilden kann . Er hat die - je Krone in einem sehr weit entfernten Grade der Anverwandtschaft geerbet ( E ) . Wir würden vermutlich den Grund seiner großen Verdienste viel besser erkannt und bewundert haben , wenn er noch fünf oder sechs Jahre länger gelebt hätte ; denn er stund im Begriffe , den Anfang zur Ausführung eines sehr weitläufigen Anschlags zu machen b , als er den 14 May , 1610 , von einem , Namens Ravaillac , in seiner Kutsche getödtet worden . Einige Historienschreiber sagen , daß ihm dieses den Tag vorher prophezeyet worden ( F ) : allein diejenigen , welche die Sache gründlich untersuchet , haben sie falsch befunden . Er ist so groß - müthig gewesen , daß es wider alle Wahrscheinlichkeit läuft , wenn man saget , er hätte dem Herzoge von Alenzon jemals gerarhen , sich die Catharina von Medicis vom Halse zu schaffen ( G ) . Unterdessen giebt es doch Nachrichten , die solches versichern . Er hat das gewöhnliche Schicksal großer Leute gehabt , daß er nämlich in seinem Hause unglücklich gewesen . Die zwo Gemahlin , nen , die er hintereinander , und zwar die letzte noch bey Lebzeiten der ersten , geheirather , haben ihm tausenderley Verdruß ge . machet ( H ) . Er hat es aber verdienet , weil er die heil . Gesetze des Ehstandes so schlecht beobachtet hat . Seine andere Ge» mahlinn ist eine von denjenigen Prinzeßinnen aewesen , wider welche er einige Einwürfe gemacht , als er mit dem Rom suchte , was für eine Gemahlinnsich für ihn schickte ' . Seine Gedanken über den Ehstand sind sehr merkwürdig ( ! ) : es sind keine gründlichem und angenehmem Unterredungen , als diejenigen , welche er über diese Materie gehabt . Man hat deutlich erkannt , daß die Religion nur der Vorwand der Ligue und des Königes von Spanien aewesen ; man hat es , sageich , aus ihren Bestrebungen er - kannt , den Pabst abzuhalten , daß^er ihm die Absolution nicht geben sollen . Ich habe an einem andern Orte d die kurzweiligen Einfälle des Aubigne , über die Spitzruthenstreiche angeführet , welche die Procuraroren dieses Prinzen aushalten müssen , als er zu Rom losgesprochen worden . Ich werde hier noch etwas davon sagen ( K ) .
Heinrich der IV war den 13 des Christmonats , 1553 , zu Pau in Bearn gebohren « . Anton von Bourbon , sein Vater , und Johanna von Albret , seine Mutter , führten ihn an den französischen Hof , da er fünf Jahr alt war ; allein sie hielten sich nur einige Monate daselbst auf , und reiferen nach Bearn zurück f . Anton kam , nach Heinrichs des II Tode , wieder nach Hofe . Er wurde , nach Franciscus des II Tode , zum Generallieutenante deo Ronigreicho erkläret . Er ließ die Königinn , seine Ge - mahlinn , und den Prinzen , seinen Sohn , zu sich kommen . Er starb an einer Wunde , die er 1562 in der Belagerung vor Rouen bekommen , worauf seine Gemahlinn , der er sehr übel begegnet war ( L ) , nach Bearn zurückkehret , tt>o sie die calpinische Lehre öffentlich angenommen hat & . Sie hat ihren Schn an dem französischen Hofe , unter der Anführung eines weisen Lehrmeisters , Namens la Gaucherie , zurückgelassen . Sie hat ihn aber 1566 nach Pau kommen lassen , und
tu dem Florens Christian , an des verstorbenen la Gaucherie Stelle , untergeben h . Dieser neue Lehrmeister , ein guter ugonotte , hat diesen Prinzen m der protestantischen Lehre erzogen . Johanna von Albret hat sich 1569 zur Beschüßen'»« der - selben erklarer , und ist zu diesem Ende mit ihrem Sohne nach Rochelle gekommen , welchen sie seitdem zur Vertheidi - giing der neuen Religion gewidmet . Diesem zufolge , ist er zum Haupte der partep , und sein Oheim , der Pr „ n oon Conde , nebst dem Admiral von Colignp zu seinen , Verweser erkläret worden Er war bey der Armee , da die Schlacht von Moncontour geliefert worden , und brannte vor Begierde , die Hände zu gebrauchen ; allein man hat eo nicht erlaubet , auo Furcht , seine Person in Gefahr zu setzen K Er ist seitdem dem Kriegsheere , bis zum Frieden gefolget , der den 11 Au . gust , 1570 , geschlossen worden , und darauf ist er nach Bearn zurückgegangen . Sein Beylager mir der Prinzeßinn Margare . tha , Carls des IX Schwester , wurde zu Paris im August , 1572 , gefeyert . Seine Mutter war einige Monate zuvor nach Pa - ris gekommen , um an den Anstalten zum Beylager zu arbeiten , und war daselbst , unter wahrender Zeit , gestorben , da ihr Sohn unterwegens war . Er nahm den Königeötitel an , als er in Poictou die Zeitung von diesem Tode erfahren hatte Die ze Welt weis , daß das Blutbad zu Paris , wenig Tage nach der Hochzeit dieses neuen Königes , begangen worden , und daß die - ser Prinz , welcher die Wahl zwischen der Messe und dem Tode gehabt , die erste Partey erkiest hat . Die Antworten , die ihn schiedene Schriftsteller geben lassen , sind Phantasien ihres Gehirns ( M ) , und bezeugen nur die Begierde , die sie haben , ihre Belesenheit anzubringen . Er ist wider seinen Willen verbunden gewesen , einige Jahre am französischen Hofe zu bleiben . Er hat seinen Verdmß sehr wohl zu verstellen gewußt : er vertrieb ihn so gar , und zerstreute ihn oft durch einige Galanterien , wo - zu sein Temperament und die Verderbniß des Frauenzimmers alle Gelegenheiren erleichtert haben . Die Frau von Sauves , ei - nes Staatssecretärs Ehfrau , ist eine von feinen vornehmsten Beyfchläferinnen gewesen Er hat sich nicht dermaßen auf die liebe geleget , daß er sich nicht manchmal in Staatchändel gemischet hätte er hat Theil an denjenigen gehabt , welche nen worden , der königlichen Frau Mutter die Regierung auo den Händen zu spielen , und die ( ömsen von Hoft zu ver - sagen » . Nachdem diese Königinn diese Streiche erfahren so hat sie ihn und den Herzog von 'Alenzon in verhaft neh . men lassen , ihnen Wachen zugeordnet , lind sie über viele abscheuliche Dinge befragen lassen p ( N ) . Diese zween Prinzen sind von Heinrichen dem III in Freyheit geschet worden , welchem sie von Catharinen von Medicis , bis nach Pont Beauvoisin ent - gegen geführct worden ? . Der König von Navarra entfloh endlich 1576 , und begab sich nach Alenzon r . Er ist wieder zu der partey der Hugonotten übergetreten , und hat sich von neuen , zu der ersten Religion bekannt Die Rocheller nahmen ihn in ihrer Stadt auf , und nachdem er sich einige Jahre daselbst aufgehalten , so nahm er Besitz von seiner Statte halterschafr Guienne * . Seit dieser Zeit , bis 1589 , ist sein Leben eine beständige Vermischung von Gefechten , von Un° rerhandlungen und Liebeshändeln gewesen . Seine Gemahlinn fiel ihm sehr zur Last , und war ihm gleichwohl zuweilen sehr nützlich . ( O ) . Es sind zwischen ihm und dem französischen Hofe öfters Bruche und Friedensverträge gangen ; allein , endlich hat sich Heinrich der III mit ihm im rechten Ernste und aufrichtig verbunden , um der Ligue zuwi - verstehen , die seit dem Tode des Herzogs und Cardinals von Guise viel würhender , als jemals , war . DieWiederversohnungund Verbindung dieser zween Könige wurde im April , 1589 , geschlossen : ihremündliche Besprechung geschah zu Tours den 30 desselben Monats mit großen Bezeigungen eines gegenseitigen Vergnügens . Sie haben ihr Kriegsvolk einige Zeit hernach vereiniget , um Paris zu belagern . Sie thaten solches in Person , und stunden im Begriffe , diese qroße Stadt zu überwältigen , und sie nach ihrem Verdienste zu züchtigen , als der König von Frankreich auf dem Schlosse St . Clou , vom Jacob Clemens ermordet ward . Der Könia von Navarra ist ihm den 2 August , 1589 , gefolget : allein er hat erst mit sehr großen Schwierigkeiten , und nach - dem er zuvor der orotestantischen Religion abgesaget , die Ligue gezwungen , ihn sur ihren König zu erkennen . Die Stadt Pa - ris ist bey ihrem Ausrubre bis den 22 März , is94 / beharret . Ich will sagen , daß der König seinen Einzug nicht eher , als an diesem Tage darninen «ehalten hat . Er erklärte daö folgende Jahr den Krieg wider die Spanier , und hatte nicht große che , vergnügt darüber : u seyn . Er hat vielmehr dabey verlohren , als gewonnen ; allein er hat , vermittelst eines Glückes , das allen ftinen Vorfahren unbekannt gewesen , einen Frieden geschlossen , der alle seine Ei - chußen wieder ersetzet hat ( P ) . Dieser Vertrag ward ! I Band . Ggg gg zu

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