Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11800

»Ott einer Nachricht , die er über diese Materie aufgesetzt , und die mir sehr würdig zu seyn geschienen hat , hier der Länge nach eingeschaltet zu werden .
Nachricht des Herrn von Schömberg .
»Einige Zeit nach dem Tode der Herren von Guise zu Blois , ist durch „ den Cardinal von - - - im Namen des Pabstes vorgetragen »vor - »»den , daß , wenn Sr . Maj . den Marquis du Pont , seinen Neffen , zum „ Kronerben erklären , und ihn mit den erforderlichen Feyerlichkeiten für „ einen solchen erkennen lassen wollten , Sr . Heiligkeit versichert wäre , daß „ der König von Spanien dem besagte , , Marquis feine Infantum zur „ Ehe geben , und alsdann alle Unruhen in Frankreich ein Ende nehmen „ würden . Und obgleich der König bereit gewesen , siel ) bewegen zu lassen , „ lind zwar auf das Zureden einiger , die damals um ihn gewesen ; so hat „ der Herr von Schoinberg dennoch diesen Streich wegen folgender Ür - „ fachen hintertrieben : Nämlich , weil dieses die Ordnung von Frankreich „ umkehren , die Grundgesetze abschaffen , und der Nachkommenschaft ei - „ nen gewissen Beweis feiner Niederträchtigkeit und Kleinmüthigkeit ge - „ bei , hieße ; da denn der König mit gutem Rechte von den Historien ge - „ tadelt werden , und alle dessen Diener und Unterthanen der Untreue und „ Verrätherey beschuldiget werden würden , mit welchem Laster er sich für „ seine Person nicht beflecken wolle . Dieses wäre ein Krieg zwischen den „ Franzosen wider die Franzosen , welche sich anfänglich hitzig bezeigten , „ und nach diesem einander selbst zur Vernunft brächten : datz sich Sr . Maj . „ nur bekümmern solle , wie sie leben und Zeit gewinnen möchten ; daß sie „ sich ja vor irgend einem boshaften Wagehalse hüten sollten , der wider „ dessen Person etwas vor hätte , weswegen er Sr . Maj . anrieche , be , „ ständig ein Panzerhemde zu tragen ; eine Sache , die zwar beschlossen , „ aber niemals ausgesühret worden . Da also der Herr von Schömberg „ den Konig durch besagte Vorstellung auf andere Meynung gebracht : so „ begehrte der König von ihm zu wissen , durch was für Mittel diese „ Kriegsunruhe , nach seiner Meynung , gestillet werden könnte . Diesem „ hat besagter Herr von Schoinberg so gleich eine Genüge gethan , und „ den König inständigst gebethen , sich nicht ferner an feine bisherigen „ Grundregeln zu halten , und sich nicht einzubilden , daß diese Sache durch „ seine gewöhnliche Nachsicht und Gelindigkeit gestillet werden könnte : er „ müsse sich also entschließen , sich der Gewalt der Waffen zu gebrauchen , und „ sich im Felde viel starker zu machen ; daher sollte er den Herrn von Revers „ contramandiren , der damals vor Garnache gewesen . Er müsse dem Könige „ von Navarra Versicherung geben , daß er ihm mit seiner Macht beystehen „ wolle ; er müsse nach Deutschland , Italien , England , Dännemark und „ an alle Potentaten schicken , um ihnen die Gerechtigkeit seiner Sache „ und die Folge derselben vorzustellen , und selbige zu bitten , daß sie ihm „ durch ihre Hülfe in der Errichtung eines großen KrieasheerS von fteni - „ den Soldaten beystehen möchten . Dieser Vortrag ist sehr stark und „ vornehmlich von dem Herrn von Nevers bestritten worden , so daß der „ letztere auch gargesaget : er wäre ketzerisch ; es würde e« weder der Pabst „ noch ein einziger von den Katholiken gut heiße»« , wenn man besagten „ König von Navarra , bey Sr . Maj . sähe . Herr von Schömberg aber „ ist standhaft geblieben , und hat gesaget , daß dieser Krieg die Religion „ auf keinerley Weif ? angienae , da der Staat und der König sich keines „ einzigen Prinzen , von der Welt mit solchem Vertrauen bedienen könne , „ als des Königes von Navarra ; indem er selbst an der Erhaltung seines „ besagten Staats Theil habe - wozu er noch viele andere schöne Gründe „ gefüget , welche so viel Stärke gehabt , daß sich seit dem die Unterhand» „ luug mit besagtem Könige zu Blois angefangen , und nach diesem zu „ Tours ausaeführet worden ist , wo die erste Unterredung zwischen den „ zweenen Königen geschah . Also hat sich bey dieser gerechten Gelegen - „ heil der Dienst hervorgethan , den der Herr von Schömberg damals in „ diesen zweenen Puncten Frankreich , und namentlich dem bourbonischen „ Hause geleistet hat . Der König hat es auch damals für gut befunden , daß „ der Herr von Schömberg an den Präsidenten Jeannin schreiben solle , „ damit er den Herrn von Mayenne bey seiner Pflicht erhielte : allein „ da Sr . Maj . erfuhren , daß besagter Herr von Mayenne von Lyon ab - „ gereiset war , und daß er seinen Weg diesseits genommen : so ist dieser „ Brief nicht abgefchicket worden , und liegt noch unter meinen Schriften „ in Deutschland . Er ist voller schönen Gründe und Ueberzengungen , „ die auch seitdem zur Unterdrückung des Herzogs von Mayenne etwas „ beygetragen haben . „
( * ) Sie ist mir von dem Herrn Marais ( von welchem zu Ende der Anmerkung ( Qj des dritten Herzogs von Guise geredet worden . ) Par - lementSfachwalter zu Paris mitgetheilt worden , und er hat noch diese Note dazu gefüget : I<5 bade in einem Unterrveisungsbefehle - Hein - richs des III , an den - Herrn de la Clyene , da er iwcb Florenz gangen , gefunden , daß dieser - Herr von Schömberg des Roniges Staarsrath , und Marschall seines deutschen Rriegsvolks genm - net rpird .
( R ) tüM der Abgeordnete Ver A . igue Befehl gehabt , dem pab - ste vorzustellen , nachdem der Jacodinermonch Jacob Clemens den Ronig ermordet gebabr . ) Man kann die Stücke nicht sorgfältig genug bewahren , welche glaubwürdige Deweise derjenigen Wuth sind , mit welcher die meisten Franzosen unter Heinrichen dem III , und einige Jahre nach seinem Tode , eingenommen gewesen . Es werden sich ohne - dem Leute genug finden , welche die Wahrheit dieser Sachen werden ver - dunkeln wollen : man muß also ihren Gewaltthaten entgegen gehen ; denn je weiter man sich von dem Jahrhunderte entfernet , darinnen die Sachen vorgegangen sind , um so vielmehr ist man allerley unnützen Zän - kereyen unterworfen . Heinrich der lll , war noch nicht hundert Jahre todt , als ein Ungenannter sich erkühitte , einen Tractat^ ) herauszugeben , er behai
Dieß heißt leugr
Man wird überzeugende Umstände wider diesen'Mönch , in der Schrift
darinnen mordet
, i er behauptet , daß Jacob Clemens diesen Monarchen nicht er - hätte . Dieß heißt leugnen , daß es am hellen Mittage Tag sey ! oird überzeugende Umstände wider diesen Mönch , in der Schrift finden , davon mir Herr Marai« eine Abschrist mitgetheilt hat , und die
'ch hier ganz einschalte .
( * ) Er heißr La Fatalite de S . Clou , und ist 1672 gedruckt worden . Der Jesuit Maimburg redet davon und widerleget ihn in wenig Worten in der Historjx der Ligue , III B . ? . 353 - - . Auszua ö£«>>rncteit , was dem pabste durch den Commenthur »de Äiou Wesandten der Ünion der Racholiken 5» Rom , „ vorgeffellet rvorden .
„ Damals , ( „ ( ) atte öen M»rd der Herren von Gusse , und die darauf „ S - folgten Staatsveränderungen vorgesrellel ) allerheiligster Vater , schien
Heinrich der III . . 783
„ das Uebel am größten zu seyn ; die CIerisey so wohl , als das Volk bethete „ mit mehrerm Anhalten , als jemals : und man muß ganz gewiß glauben , „ daß sie die göttliche Majestät zur Erbarmung recht gezwungen haben , „ welclx so viele redliche und für die gerechte Sache eifrige Leute nicht ver - „ lassen , und aus Gütigkeil und Barmherzigkeit länger in Zweifel lassen „ wollen ; darum hat sie der Herr durch eine so große und wunderbare „ Wirkung von der Angst befteyet , welche um so viel beträchtlicher ist , je - „ mehr sie unsere Gedanken zur Erwägung »md Bewunderung seiner un - „ begreiflichen Gerichte erhoben hat . Dieß ist der Tod des Königes , »er „ sich auf eine so seltene Art zugetragen , daß die Wahrheit und Uninög - „ lichkeir , die man dawider einwandte , lange Zeit zweifelhaft gewesen : „ da aber doch endlich die Zeitung durch viele eingelaufene Nachrichten „ bekräftiget worden , und da En . Heiligkeit selbst besondere Nachricht« , „ davon «»halten haben ; so halte ich dafür , daß Jh»»en diese meine Rede „ nicht überlästig seyn wird . Ein Domimeanermönch zu Paris , Namen» „ Bruder Jacob Clemens , 23 bis 24 Jahre alr , gebürtig aus dem Dorfe „ Sorbonne , in dem Kirchemprengel von Sens , und der letzte von 300 „ oder 400 , die in besagtem Kloster sind ; der aber gleichwohl vom Himmel „ zu einem so großmüthigen Unternehmen auöersehen und erwählt »vor , „ den , welches Gott durch seine Hände verrichtet har , hatte sich etlichemal „ ( NOTA BENE ) uiit« seinen Mitbrüdern , feit de / Reife von Senlis , „ da er die Sachen der Feinde in gutein Stande gesehen , geuihint : daß „ der König von keinen audern , als seinen Händen , sterben würde ; daß auch „ die andern Mönche daher Gelegenheit genommen , ihn auszuhöhnen , „ und ihn spott»veise nur den Hauptmann Clemens zu nennen . Allein „ dieses hat ihn von seinen Gedanken , und von seiner Neigung nicht ab - „ wendig gemacht . Er hat sich vielmehr dermaßen in der Begierde be - „ stärker , sein Vorhaben auszuführen , daß er ganz standhaft in diesem Vor - „ fatze geworden , nnd auf nichts als auf Mittel gedacht har . den Aus - „ gang desselben zu erleichtern . Bey diesem Unternehmen hat er sich zu , „ gleich zuin Tode entschließen müssen , und z»var zu einer Art des Todes , „ die er sich nicht auslesen können . Er hat aber auch die allergrausamste „ nicht vermeiden wollen : welches eine so wunderbare Standhaftigecit „ bey diesem Mönche ist , daß man in diesem ganzen Jahrhunderte 'kein „ emziges Beyfpiel davon finden wird . Zur Sache zu kommen , so Haler „ die Hand einiger Staatsleme aus das geheimste nachzumachen gelernt» „ und dad»»rch einen Brief auf die Art eingerichtet , daß er dem Könige ei - „ nen »veitläuftigen Bericht von demjenigen abgestattet , was in der Stadt , „ zum Besten seiner Sache geschmiedet wurde . Er har einige glaubwur - „ dige Worte von ihnen erschnappr , und einen Paß von dem Grafen von „ Brienne , der ein Gefangener in dem Louvre »var , erhalten , um einen „ desto bessern Zutritt bey dem feindlichen Kriegsheere zu haben . Da er „ nun alles hatte , »vas nöthig »var , vor den König zu kommen , so ist er „ den lehren Tag des Heumonats von Paris nach S . Cloud abgäbet , „ und ha : von den andern Mönchen Abschied genommen , ( nota bkne ) „ wobey er sie ermahnet , Gott für ihn zu bitten , und zu ihnen gesaa - t : ua { j „ er zum Dienste Gottes hingehe , die Unterthanen von dein Elende zn be - „ fre» ) en , ohne daß er die geringste Hoffnung hätte , wiederzukommen ; und , ^>aß er sich wenig um den Ausgang bekümmere , den sie in - 4 Stunden schon „ erfahren würde» , wenn ihm nur Gott die Gnade thäte , und sein Unter - „ nehmen nicht fehl schlagen ließe . Da er nun denselben Tag zu S . Cloud „ angekoinmen »väre , und kein Mittel finden können , mit dem Könige zu „ spreche»» , so ist er die Nacht da geblieben , die ihn wohl auf andere Ge - . . danken hätte bringen können . Den Tag darauf , als den ersten August , „ har er sich bey dem Herrn de la Guesle , Generalprocuraror de« Höiii , „ ges bey dem Parlemente zu Paris , davon er abwesend war , gemeldet , „ und demselben zu verstehen gegeben : daß er von da aus mit' Briefen „ von den treuen Dienern des Koniges abgeschickt worden , und höchst - „ wichtige Sachen zum Dienste Sr . Maj . mündlich abzustatten härte ; wo - „ bey er ihn gebethen , daß er ihn einführen möchte , damit er sich seiner „ Schuldigkeit entledigen könne . Der König hat nach erhaltener Nachricht „ befohlen , den Mönch herein zuführen , und hat ihn mit sich in sein Geheim - „ zimmer genommen ; wo er über eine Viertelstunde mit dem König - ' gen det , „ und demselben seineBriefe , einen nach dem andern , bis aufeinen übergeben . „ Atsch» nun der König gefraget , ob dieses alles wäre ? so hat der Mönch „ geantwortet , er glaube nicht : er würde wohl noch einige haben . Darauf „ hat er tiefer in seinen Aermel gegriffen , das darinnen habende Messer „ heraus gezogen , und den König damit in den Magen gestochen ; welcher , „ da er den Stich gefühlt , ein Gefchrey erhoben , und das Messer womit „ er verwunder worden , aus der Hand des JacobinerS gerissen ; »vorauf „ er den Mönch dnmit sehr verletzt , und ihm einen Stich ins Gesichte „ gegeben , der zugleich unzählige Stiche von denen bekommen , die auf de« „ Königes Gefchrey hcrzugelaufen waren . In wahrender Reit nun , da „ man ihn also nieder gemachet , hat man solqendes von ihm " gehört - Ich „ danke Gott ? daß cr mich so sanfte sterben lafc ; denn ick habe . »nicht gedacht , so gelinde aus diesem L . cbcn jtt gehen , und so gu - „ ren Rauss loszukommen : Sein todter Körper ist auf diefreyeStraße „ geworfen und nach diesem verbrannt worden , wie man dem Herrn von „ Majenne berichtet hat . Der König ist also de - Nachts nach seiner „ Verwundung , z»vo Stunden nach Mitternacht gestorben . Eure Hei - „ ligkeit werden indessen noch viel wichtigere Umstände bey dieser Sache „ zu bemerken belieben . Weil die Kirche ä» eben demselben Tage eben Pe - „ terS Kettenfeyer begangen , den Gott gleichfalls durch seinen Engel aus „ den Händen des HerodeS wunderbar «gezogen , und ihn von allem An» „ falle der Inden errettet hat , denen er ubergeben werden sollte : so kön - „ nen mich hier die Katholiken sagen , daß sie Gott an demselben Taqe aus „ den Händen der Ketzer und von dem Joche eines Prinz ? »» errettet l>at „ der die Begierde gehabt , die ganze Christenheit mit Elend tu nberhäu - , . ftn . Durch was für einen Tag . allerheiligster Vater , könnte auch ivohl „ die Allmacht Gottes die Warnungen eurer Heiligkeit gegen den unbuß - „ fertigen König und Verächter de« heil , apostolische« Stuhls besser tigen ? Als der Kouig vier und zwanzig Stunden nach dem Meuchel - „ morde des Herrn von Gusse , auch den Cardinal von Guise , seinen Bru - „ der , mit kaltem Blute unmenschlicher Weise hinrichten lassen , so beobach - „ rete man , daß man zum Losungsworte dieses Mordes den Namen , . S Clemens gegebm gehabt . Unter währendem diesem verflnchens - . . wUrdigen Losungsworte ist er in seinem Cabinete gewesen , um sich dar - „ über mit seinen Lieblingen und Mitschuldigen an diesen Mordthaten zu „ erfreuen : und Gott hat es zugelassen , daß ihn hinwieder ein Mönch , „ Namens Clemens , ( nota beme ) in feinem Cabinette , darinnen „ fein abscheuliches Leben doch nicht sicher aeivesen , mitten unter einem „ zahlreichen Kriegsheere tödren sollte . Die Gottlosigkeit hat , seitdem
ihr

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