Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11792

782 Heinrich
pag . - 559 . bedienen . „ Er hat außerordentliche AndachtSübungen getrie - „ ben , indem er manchmal um zehn Uhr des Nachts zu den Carlheusern „ gegangen , die Metten zu hören . Er hat die Brüderschaft der weißen „ Bußfertigen von der Verkündigung unserer lieben Frauen bey den Au - „ gustinern zu Paris gestiftet , und ist wie die andern in Proceßion mit „ dem Sacke und der Geißel am Gürtel gegangen . - - » Er Heu noch „ die Aufrichtung verschiedener andern Gesellschaften gewollt , als des heil . „ Hieronymus , die blauen Bußfertigen genannt , in demCollegio zu Mar - „ motier , des Crueifixes der Schwarzen in dem Collegio des h . Michaels» „ der Grauen des heil . Franciscus zu S . Eloy . Er hat die Feuillanten „ eingeführet , welche gewisse Reformiere von dem Cistertienserorden , der „ Abley Feuillance bey Tholose sind , welchen er in der Vorstadt des heil . „ Honorius eine Wohnung angewiesen , und daselbst öfters geistliche Uebun - „ gen errichtet hat : er hat sich auch bey den Capucinern eine Wohnung ge - „ macht , wohin man gleichfalls an^ewissen Tagen gieng , geistliche Uebun - „ gen zu verrichten , ein jeder war Pförtner und hatte die andern Bedie - „ nungen nach der Reihe , und er wurde darinnen Bruder Heinrich ge - „ nennet : und wenn jemand nach ihm fragte , so mußte er nach Bruder Hein - „ richen fragen , sollte sichs auch zutragen , daß ein Bothe kam , oder sich eine „ andere Sache eräugete , wenn er im Eonelave war . Er har eine andere „ Brüderschaft der Hieronymitaner zu Vicennes und zu S . Maria vom „ heiligen Leben gestiftet . Er hat ein großes und schönes Gebäude mit ver - „ schiedenen kleinen Zellen auf dem wilden Pferdemarkte bauen lassen , um „ daselbst etliche Tage als ein Mönch zuzubringen . - - - Er hat - - - - „ zehn Rosenkränze am Gürtel getragen . . . Dieser Schriftsteller har Grund p . 2559 . zu sagen , daß alle diese Dinge von vielen für stellungen gehalten rvorden , denn die Scribenten von der Ligue und andere haben auch sehr darüber gelästert . Ich will nur eine Stelle anfüh - ren , die ich in einer Schmähschrift der Liguisten finde . Die von diesem - Heuchler erbauten Hodbev habenzu nichts anVers gedient , als seine Geilheiten , Bosheiten , Unflarere^en und Sodomirereyen zu decken . Johann von ^Lspernon weis genug davon , und er kann mirs nicht leugnen : die allerklügsten haben gesaget , daß es nur ein närrischer Zeitvertreib und Räftchte gewesen , die man dazu verordnet , andere Vogel hineinzusenen , als eine andaclicige Gin - falt , die das wahre Mittel gewesen^ sich von allen andern zen und ehrlichen Acuten abzusondern , Sie nicht ( wie dieser äußerliche Einsiedler ) im - Herzen von dem Geilte der - Heuche - ley eingenommen sind . Martyre des deux Freres , fol . j . Ausgabe von 1589 , in 8 - Du Verdier beobachtet , daß die Prediger , und unter an - dern Moritz Poncet , wider diese Brüderschaften und Umgange des niges geschrieen haben . Derjenige , den er nennet , war , wie mich dün - ket , der hitzigste von allen . Ich führe an , was Peter Matthäus , Hir ftoire des dernieres troubles , p . in . 15 . davon gesaget hat : man wird darinnen sehen , daß man alle diese Handlungen der äußerlichen Andacht für bloße Gaukeleyen , ohne den geringsten Herzenstrieb , gehalten har . „ Sonntags , den 27 März 158z hat der König den Mönch Poncet ge - „ fangen nehmen lassen , der die Fasten über zu unserer lieben Frauen ge - „ prediget , weil er den vorhergehenden Sonnabend allzuftey wider diese „ neue 'Brüderschaft der Bußfertigen gepredlget hatte ; die er die Brüder - „ schaft der Heuchler und Gottesleugner genennt , und ( mir ausdrückli , „ chen Worten gesaget hat , ) es ist nicht wahr , - und ich bin von guter „ Hand berichtet worden , daß den Frcytag , den Tag ihres Umganges , der „ Bratenwender zur Abendmahlzeit dieser großen Bußfertigen brav ge - „ gangen ist , und daß sie , nachdem sie den fetten Kaphahn verzehret , zum „ Nachtanbisse ein junges Lämmchen gehabt , das man für sie in Bereit« „ schaft gehalten . Ach ! ihr unglücklichen Heuchler , ihr spottet also Gott „ unter der Larve , und traget zur Enthaltung eine Geißel an euerm Gür - „ tel ? An diesem Orte heißt euch Gott dieselbe nicht tragen - euer» Pu - „ ckel und eure Schultern sollet ihr wacker damit striegeln : es ist kein „ einziger unter euch , der sie nicht wohl verdienet har . Wegen dieser „ Worte hat ihn der König , ohne daß er ihm etwas anders sagen lassen , „ als daß er ein alter Narr sey , auf seiner Kutsche durch den Ritter „ von der Nachtwache nach seiner Abtey dcs heil . Paters zu Melun , füh - „ ren lassen , ohne ihm einiges anderes llebel zu thun , als daß er unterwe - „ gens die Furcht gehabt , in den Fluß geworfen zu werden . „
( ? ) iLr ist beredt gewesen - - - er hat die Wissenschaften geliebt - > - allem man findet hierbei und bey der Mühe , die er sich bey Erlernung der lateinischen Sprache genommen , Widersprüche . ] Mezerai , Hift . de France Tom . III , p . 422 . imglei - chen 481 , führet den Auszug der Rede an , die dieser Prinz 1576 an die Stände zu Blois gehalten , und füget dazu : „ Diese durch den Mund „ des Königes , mit einer recht königlichen Stellung und einer wunderba - „ ren Anmuth ausgesprochene schöne Rede , ist von allen Anwesenden mit „ allgemeinem Beysalle , aber von den verständigsten nicht ohne einiges „ Betrübniß angenommen worden : welche , da sie so viele äußerliche schöne „ Eigenschaften an diesem Prinzen bewunderten . es bey sich selbst bedauer - „ ten , daß seine Erziehung nicht mit seiner Geburt übereingekommen „ war , und die natürliche Schönheit seines Witzes nicht loben konnten , „ daß sie nicht zu gleicher Zeit diejenigen hätten verfluchen sollen , dir ihn so „ unglücklicher Weise verderber hatten . Er giebt auch den Auszug von der Rede , die derselbe Prinz bey der Eröffnung der Stände zu Blois 1588 gehalten hat , und er bereitet seine Leser mit diesen Worten dazu vor , auf der 714 S . Er hat eine schone Rede an sie gehalten , in welcher er dasjenige Temperament beobachtet , vermöge dessen er sie versicbcrn wollen , daß er die vergangenen Beleidigungen vergessen hätte ; aber unter der Bedingung , daß nach allen unter - drückten Rotten sich seine königliche Gewalt gänzlich wieder her - stelle , 1 müsse . Dieses hat er mit solcher Runst und Geschicklich - feit ausgeführt , daß , wenn es darauf angekommen wäre , für ei - nen guten Redner gehalten zu werden , er dasjenige erkalten hat , re , was er verlangt . Wir wollen dieses Lob durch emen Brief tigen , den einer von den Abgeordneten bey den Ständen ju Blois 158S , geschrieben hat . „ Er hielt die allerschönste und gelehrteste Rede , die je - „ mals gehört worden , nicht von einem Konige , sondern ich sage von ei - „ nem der besten Redner in der Welt , und er zeigte in derselben so viel „ Anmuth , solche Kühnheit , fclche Ernsthaftigkeit und Freundlichkeit , daß „ er vielen Thränen ausgepresset . von deren Zahl ich mich nicht ausschließen „ will ; denn ich habe bey der Rede dieses Prinzen so viele Bewegung in „ meiner Seele empfunden , daß es meine Thränen auch wid . r meinen „ Willen bezeuget . Er stellte das Elend dieses Königreichs mit so vielem „ Mitleiden vor : er gab seinen Verdruß darüber mir solcher Lebhaftigkeit
der W .
„ zu erkennen , er verglich die Glückseligkeit it . f . w . „ Märcell . Hift . d« France , Tom . IV , pag . 602 . Es würde vergeblich seyn , wenn man mir einwenden wollte , daß er seine Reden nicht selber gemacht hat : denn die - ses würde noch nicht hindern , daß er nicht in Ansehung des Vortrages beredt gewesen wäre . Diejenigen , welche die obersten Stellen in den Parlementern bekleiden , verdienen dennoch das Lob guter Redner , ob sie sich , gleich die Reden von andern aufsetzen lassen , die sie bey Eröffnung der Gerichtstage halten ; und wie viele vortreffliche Prediger giebt es nicht , die dasjenige nicht selbst aufsetzen , was sie vortragen . Allein wir wollen hierbey nicht stehen bleiben , wir wollen noch eine Stelle des Me - zerai , Hift . de France , Tom . III , pag . 799 . anführen , welche bezeugen wird , daß dieser Monarch auch aus dem Stegereife sehr wohl gereder hat : „ Er hat sich durch seine natürliche Geschicklichkeit so beredt gemacht , daß , „ wenn es bey dieser schönen Sache eine Ausschweifung geben könnte , „ man mit Recht sagen könnte , daß er allzuberedt gewesen . Er hat auch „ ungemein gern gewollt , daß seine Rede bey großen Versammlungen und „ ansehnlichen Verrichtungen , dabey er sich befunden , allezeit dir schönste „ wäre , und daß auch die Antworten , die er den Abgeordneten und Abge - „ sandten ohne Vorbereitung gegeben , ihre mir vieler Kunst und Muhe „ ausgearbeiteten Stücke übertreffen sollten . , , Ich weis nicht , ob dieser große Geschichtschreiber jemals zu erkennen gegeben bat , daß dle Reden dieses Prinzen eine ftemde Arbeit gewesen wären . Ich weis wohl , was Thuanus im LXIII B . p . 179 - anführet , daß Morvilliir für den Urhe - ber derjenigen Rede angegeben worden , die der König 1576 an die Stän - de zu Blois gehalten hat ; allein ich bin auch versichert , daß dieser Prinz , wenn er diese Stücke gleich nicht selbst verfertiget hat , zum wenigsten seine Untersuchung , sein Gutachren und seine Verbesserungen dazu gesü« ger haben wird . Was ich jetzt davon sagen will , überzeuget mich dessen .
Er hat die französische Sprache gern vollkommen verstehen , und sie zierlich und ohne Tadel reden wollen . Die Mühe , die er sich deswegen genommen , hat allen erwünschten Erfolg gehabt . Nofter Galliae Rex H'nricus III , elegantiae fermonis fni ftudiofii» ( aliquot praefertim ante obittim annis , quo tempore plura regia quam multi credunt , habebat ) haud infeiiei et inutili ftudio , firit . In eo enim tandem excelluit : et ita quidem , vt non minus caftigatum quam ornatum effe cuperet . Henric . Stephanus , Epift . Dedic . Traöatus de Lipfii Latini - tate , p . 11 . Er hat aus der Schreibart sogleich den Urheber eines Bu - ches errathen : daher hat er geglaubt , daß Heinrich Stephan ein gewisse» Werk gemacht hätte , welches ohne den Namen des Urhebers erschienen war : und er hat sich auch nicht betrogen . Er hat sich seiner Sprach« angenommen , und den Heinrich Stephan , nachdem er ihm anbesohlen , die Vortheile und Vortrefflichkeit derselben zu zeigen , so eifrig gedrungen , diesen Tractat zu verfertigen , daß er ihm mit dem ehesten ein Exemplar davon bringen müssen . Ita ergodiodtes fuerit , vt intra breue tempo - ris fpatium non folum compolitum fed excufum etiam afferre ad il - lum oportuerit . Ebend . Ich habe in der Anmerkung ( A ) bey dem Artikel Bünel ( Peter ) gesager , daß er gewünscht , daß dieser gelehrteMann eine Ver - gleichung zwischen den italienischen und französischen Ciceronianern machen möchte . Ich habe auch in der Anmerkung ( I ) de« Artikels Bodinus im andern Absätze gesaget , daß er den Bodin wegen der gelehrten Ge - spräche geliebt , die er von ihm hörte . Er ist auch noch mir viel andern gelehrten Männern gern umgegangen . Man merke , daß er 1579 dem Heinrich Stephan zooo Pfunde und ein jährliches Gehalt vonzooPfuw den gegeben hat . La Caille , Hiftoire de 1'Imprimerie , p . 135 .
Ich muß noch beweisen , daß man geurthcilet hat , er habe ein« Zeit zu diesen Sacken angewendet , die er wohl zu nöthigern Geschäfften hätte anwenden sollen . „ Wenn jemals ein Prinz der Furcht unterworfen „ gewesen , so ist es damals geschehen ( * ) : jedoch hat sich dieser neue Kö - „ nig , gleich als wenn er die Ruhe eines tiefen Friedens genossen hätte , „ an statt , das ; er den Harnisch anziehen sollen , theils in der Grammatik „ und lateinischen Sprache vom Doron ( der nachdem ein Rath bey dem „ großen Rathe gewesen ) unterweisen lassen ; theils hat er mit den Her - „ ren von Pibrac , Ronsard , und andern aufgeweckten Köpfen , an gewis - „ sen Tagen , eine Gattung von einer Zusammenkunft und Akademie ge - „ halten , bev welcher ein jeder über eine Materie geredet , die zuvor bestim - „ met und ausgemacht worden war . Dieß war nun zwar etwas gutes und „ eine edle und rühmliche Uebung , die sich aber zu denen Geschäfften nicht „ geschickt , welche diesem Prinzen damals auf dem Halse lagen . Diese „ neuen Lehren der Sprachlehrer gaben mir Anlas , vor Zorn , in folgende „ sechs lateinische Verse auszubrechen .
„ Gallia dum paffim ciuilibus occidit armis ,
„ Et cinere obruitur femifepulta fuo ,
„ Granimaticam exercet media Rex nofter in aula ,
„ Dicere iamque poteft vir generofus , Arno .
„ Declinare cupit , vere declinat et ille ,
„ Rex bis qui fuerat , fit modo Grammaticus .
Pafquier , Lettres , Livr . XIX , Tom . II , p . 482 .
Da Pibrac eines Tages zum Pafquier gesaget , ( ebendas . 48z S . ) er be gehört , daß tNarillac . der Jüngere , ein Sachwalter von großer Hoff - nung , dieses Sinngedichte gemacht hätte , so hat er dazu geletzt , daß , wenn cr dieses gewiß wußte , er dieses Vergehen schon büßen soll» te ; denn es kömmt keinem Unterthanen zu , die Sitten und N'eigun - gen seines Prinzen auf solche Art auszuhohmn . Ebendas . 484 S - Diese Worte , hat Pasquier versetzt , schickten sich zwar wohl für einen an - dern , aber nicht für euch ; „ da ihr bedenken sollet , daß ein König , der den „ Augen aller selner Unterthanen auegesetzet ist , wenn er seine Vcrrich - „ tungen nicht etwas im Zaume hält , sehr schwerlich dem Misvergnügen „ selbst derjenigen , Einhalt thun kann , die ihn am meisten verehren : und „ daß dergleichen Verse nicht von einer Sr . Majestät feindseligen Hand „ kommen , angesehen er ihn vielmehr vergötterte , aber nur böse ist , daß „ er sich hierdurch die Verachtung des Volkes zuzieht ; angesehen wir alle „ bey diesem damaligen Falle vielmehr hätten wünschen sollen , daß dieses „ Sinngedicht in die Hände unsers Königes fiele , damit es - ! , . n zu einer „ Lehre , nicht in der lateinischen Grammatik , sondern in dem , was seine „ Pflicht war , dienen möge» .
( * ) Das heißt , zur Zeit des innerlichen Krieges , den der Herzog von Alenzon und der König von Navarra zu Anfange seiner Regierung der ihn erreget haben . ,
( Q_ ) tNan hat ihn bewegen wollen , den ältesten Sohn de« - Herzogs von Lothringen für seinen Nachfolger zu erkennen . 1 Schömberg hat diesen Streich abgewendet : ich habe die Abschrift ( * '

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