Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-11782

Heinrich der III .
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fccit , als ein Zuschauer davon . Das Mistrauen hat in seinem Herzen mehr Platz genommen , alszuvor , wie man so gleich ver - nehmen wird . Nach diesen Worten erzählet Pasquier vier oder fünf Sachen , welche die entsetzliche Unruhe klärlich bezeugen , darinnen sich die - ftr Prinz befunden hat . Er hat die Personen auf das Schloß Amboise brin - gen lassen wollen , die er nach dem Tode der Herren vonGuise hatte gefan - gen nehmen lassen , und er hat niemand geftmden , dem er trauen nen , als sich selbst . Ich will offenherzig sagen , setzet Pasquier dazu , daß die meisten von uns , die yu Blois waren , fast vor Verdruß in unser» Seelen geborsten sind , die Sachen des Roniges so er - niedriger zu fthen , daß er auch gezwungen gewesen , sich zum Führer seiner Gefangenenzu machen . Raum war er abgese - gelt , so bekamen wir Zeitung , daß der Marschall von Aumont , der wegen der Ankunft des - Herrn von Majennc , die Citavelle ver - laßen , und die Belagerung vor Orleans aufgehoben , sich mir sei - nen Leuten nach Raugency zurück gezogen hatte . Viele von sei - nen verwunderen Soldaten kamen zu Blois an . - Hierauf bilde - re sich jeder unter uns ein , daß die Ueberbringung dieser Gefan - gcne» , ein von dem Ronige erdachter und gestickter Vorwand wesen , die Stadt mir desto weniger Aergerniß zu verlassen . Und ich kann sagen , daß der - Herr von Majenne , wenn er damals bis zu uns forrgerücket wäre , ( so groß und allgemein war dasSchre , cken , ) keinen Widerstand gefunden , und sich zum Meister von 2>lois gemacht haben würde . Die ganze Loire war sein ; zumal da alle Städte wankten : und der Ronig hatte durch ein U ? un - verwerk einen Ort zu seiner Sicherheit finden müssen . Gott aber hat uns vor diesem Unglücke bewahren wollen . Ebendas . «4 S . Der Verfasser setzet auf der 65 S dazu , daß^ongnac , der den Ronig am ersten dazu verführet , diesen Mord zu befehlen , der so unglücklich für ihn ausgeschlagen , alle seine Gnade verlohren hat . Einige Geschichtschreiber erzählen , daß dieser brave Edelmann , der sich am Hofe nicht sicher gehalten , bey dem Könige um einen Platz gebethen , wo er sich hin begeben könnte , um vor der Rache der Liguisten in Sicherheit zu feyn . Man fthe den Artikel Lognac in der Anmerkung ( F ) . Dieß hat dem Prinzen den schlechten Zustand zu erkennen gegeben , darinnen man seine Sachen zn seyn geglaubet : die Antwort , die er demLognacge , geben haben soll , ist einem großen Könige nicht unanständig . Ich rede in dem Artikel Lognac davon .
( Ii ) Er hat , bey der Ausführung des Anschlags , den - Herzog von Guise ermorden zu laßen , sich selbst übertroffen . ] Es hatte ihm am Tage der Versperrung an Herze gesehlet : er harte seinem Neben - bubler diePartey überlassen ; er hatte sich von Paris gerettet , und daselbst dem Herzoge von Guise den ganzen Ruhm des Sieges überlassen . Zu SMois hat er das Herze wieder bekommen , und daselbst diesen hochmüthi , gen Feind niedermachen lassen . Hierauf kann man diese Worte der Ae , »eis , im II B . 367 33 . deuten : Qnondarn etiam vidtis redit in praecor - dia virtus , Vi & oresque cadunt . Damals hat man die Wahrheit eines Spruches Homers , Iliad . Lib . I , v . go , gesehen , ich will sagen , von der Vorstellung , die Kalchas dem Achilles gemacht , daß ein König , der wider seinen Untern erzürnet ist , über lang oder kurz die Oberhand behält :
Kfiisttiv yic ? ßzaiteit st« aviql xfyl't
yitg ri jgeAov yt xjtf äurtfuag ,
'AMSc yt vjfj fierixiobev ! %h kötcv elpf« reMrtif
'ek tQittt .
Potentior enimRex , quando irafcifur viro inferiori ,
Quamuis enim iram vel codem die decoxerit ,
Tarnen et poftea retinet fimultatem , donec perfecerit
In pe & oribus Alis .
Man sehe auch Nestors Vorstellung an denselben Achilles , in dem »75 V . ebendaselbst . Ich habe in verschiedenen Schriftstellern die lung von dieser Verrichtung Heinriche des III gelesen : allein ich habe fei * ne umständlichere und besserzusammenhangende gelesen , als diejenige , welche Marcel dem I V Bande seiner Historie von Frankreich auf der 626» . f . S . eingeschaltet hat . Daselbst kann man die Richtigkeit aller Anstalten sehen , welche zur glücklichen Außsührunq dieses großen Streichs gemacht wor - den : der König har dabey viel Wachsamkeit und Standhaftigkeit und eine Seele gezeiget , die ihrer sehr mächtig ist , um die geringsten Dinge in 21 cht zu nehmen , die schaden konnten . Diesem ist dasjenige nicht zuwi - der , was der Urheber des Berichts von der Unruhe gesaget , darinnen sich der Köniq befunden hat ; denn diese ist weder seinem Fleiße , noch sei - mr Wachsamkeit hinderlich gewesen . Man betrachte die Aufmunterung iv ? l - , ! , die er gegen einen Staatssecretär gebraucht , der dem Herzoge von Guise zu wissen thun sollen , daß ihn der König verlangete . „ Da Se . „ Majestät hierauf erfahren , daß der Herzog von Guise im Rathe wäre , so „ hat er dem Herrn von Revol , StaatSsecretär , besohlen : Revol , saget „ dem - Herrn von Guise , daß ich in meinem alten Cabinette mit ihm „ zu sprechen , verlange . Da ihm der Herr von Nambu den Ausgang „ versagt hatte , so kam er mit einem erschrockenen Gesichte in das Cabinet „ zurück : er ist ein großer Mann , aber furchtsam gewesen ; Mein Gott , „ sagte der König zu ihm , Revol , was fehlet euch , was ist vorgefal - „ Im ? was ist euch begegnet ? ihr werdet mir alles verderben , er - „ hohler euch , Revol , erhohlet euch ! es ist nichts Böses . Sire , hat' er „ geantwortet , der - Herr von Nambu hat mich nicht hinaus laßen „ wollen , wenn es ihm Eu . Maj . nicht befohlen . Der König hat es an , . der Thüre seines Cabinets gethan , und befohlen , ihn nebst dem Herrn „ von Guise wieder herein zu lassen . „ Marcel Hiftoire de France Tom . IV , p . 6zi . Bey Gelegenheit werde ich eine Sache sagen , die ich in dem Ta - qebuche der Gelehrten , vom »5Jenneri666 , auf der 8z und 84 S in dem Auszüge der Memoiren des Herzogs von Nevers , gelesen habe Dasjenige , was zu BloiS in Ansehung de« gethanen Vertrags , daß künftig in Frankreich keine andre Religion , als die katholische , geduldet wer ? den sollte , vorgegangen ist , - - - zeiget zur Gnüge , daß - H ? inrickder III viel feiner gewesen , als sich das gemeine Volk eingebilder hat .
CL ) Ar bat sich auf eine solche Arr aufgeführer , die ihm die 'Verachtung despabstes zugezogen . ) Man »ehe die allgemeine Cri - tik de« CalvunsmuS MaimburgS : man wird darinnen lm IIIBr . Num . * ' pag . 38 der dritten Ausgabe , zwo Ausrufungen Sixtus de« V finden - die eine betrifft die Verwegenheit , die er dem Herzoge von Guise beyge , messen hat , und die andre , die Einfalt , die er Heinrichen dem III zugeeig , net . Er hat sich hierüber ganz freymüthig erkläret . Einige ler erzählen , ( man sehe denNaud» im i Cap . der Staatsstreiche xsx . - » )
daß er eines Tages bey ^Betrachtung der Aufführung dieses Monarchen gesagt : Ich habe alles gethan , was ich gekonnt , mich aus dem Monchsstande zu reißen , und er thur alles , was er kann , oarcin zu fallen .
( M ) Die allgemeinen Stände haben nicht in die Veräußerung der Rrongüter willigen wollen . ] Außer demjenigen , was ich oben bey dem Artikel Vodin in der 'Anmerkung ( l ) gesager habe , will ich hi . - r noch eine Stelle de« Mezerai , Hift . de France , Tom . III , pag . 433 , ren . „ Wegen des Punets von der Veräußerung der Krongüter - - - h«t „ Emar ( Präsident zu Bourdeaux , und einer von denAbqeordnetenan die „ Stände zuBlois im 1576 Jahre ) auf Befehl der Versammlung dem Bel - > „ lievre geantwortet , den der König dahin geschickt hatte ; daß das gemei - „ ne Recht und das Grundgesetze des Staats diese Vermisimmg ausdrück , „ ( ich verböthe ; daß die Krongüter des Königes dem Heirathsgute einer „ Frau gleich wann das von ihrem Ehmanne weder veräußert noch ver» „ than werden könnte ; daß dieselben noch heiliger , als die Kirchengüter , „ wären , weil sie wegen keiner Ursache , sie möchte Namen haben , wie sie „ wolle , auch nicht einmal mit Feyerlichkeir veräußert , verde» könnten . „ ES sey auch eine unerhörte Sache , daß man jemals zu diesem Mittel , „ auch bey den äußersten Notwendigkeiten Frankreichs , und wenn es in „ größerer Gefahr gewesen , als itzo , gegriffen hätte ; wiez . E . zur Reit des „ Königes Johann , zu dessen Befreynng so viel Geld von den Städten „ und Provinzen hergegeben worden ; daß dieses mit einem Worte die al - „ lerstarksten Pfeiler wären , welcke die Krone unterstükten , und auf wel - „ che sich die Brautschätze , die Witthumgelder und Abfindungen aründeten , „ und man müsse dieselben mehr verstärken , als schwächen , mehr erheben , „ als erniedrigen ; und wenn übrigens der dritte Stand die Folgerungen „ dieser Veräußerung so nachdrücklich vorgestellt : so wäre es darum qe * „ schehen , daß , wenn man etwas von den Krongütern entzöge , er die Un» „ kosten ersetzen , und der ganze Verlust auf ihn allein , und nicht auf die „ andern zween fallen müsse , weswegen diese um so viel leichter darein „ willigten . , . Will man die Einschränkungen der königlichen Gewalt in diesem Stucke sehen , so lese man folgendes . „ Durch den Befehl , der „ 1565 zu Moulins gemacht worden , wo alle Prinzen und große Herren , „ nebst einer Menge von Präsidenten und Nöthen der Parlementer sammlet waren , wird ausdrucklich gebothen , daß alle vorigen und kunf - „ tiqen Veräußerungen der Krongüter nichtig seyn sollen , außer in zween „ Fällen , nämlich zur Abfindung der jüngern Brüder unserer Könige , und „ zur nothwendigen Verkausuug für baar Geld zu Kriegsnothwcndiqkei - „ ten ; und daß in diesm zweenen Fällen offene Briefe von den Parle - „ mentShöfen abgefasset und kund gemachet werden sollen : wobey ihnen „ ausdrücklich verkochen ist , nicht die geringste Acht auf dergleichen fe wegen irgends einer andern Ursache oder Zeit zu haben , und wenn eS „ auch nur auf ein Jahr wäre . „ pasquier Lettres , Liv . VI , Toni . [ , p . 341 .
( dl ) Heinrich der III , der in Ansehung seiner Lieblinge - - , nicht nach der Unabhanglichkeit gestreber , har die komglickeGe , walk zu erweitern begierigst gervünscker . ) Hier sind zween Punete : ich beweise den ersten durch eine Anmerkung , welche über das große An - sehen des Herzogs von Epernon , und über die silberne vergoldete Fortuna gemacht worden , die ihm die Stadt Rouen , da er seinen Einzug , als Stadthalter der Normandie , daselbst gehalten , zum Geschenke gegeben hat . Diese Fortuna hielt ihn'genau umarmer , und darunter waren diese üa» lieniscken Xvorte : F per non lafeiar ti : ( Sin Wahlspruch , der von dem Rlang und der Zweydeutigkeit seines Namens hergenommen war ; um zu zeigen , daß diese - Hoheit niemals gestürzet werden konn , te ; wie dieses auch die Wahrheit ist , daß ihm der Ronig , der ihn übermäßig begnadiget , ehmals betheuert hat : Saß er ihn so groß unter allen seinen - Hofleuten machen wolle , d . - . ß er selbst nicht das Mittel haben wolle , ihn zu erniedrigen , wenn er solches nach diesem thun wollte . T»'efi ist eine Sacke , die wir seit dem von dem - Herrn von Lspernon Snrck einen wohl , gesetzten Ärieferfahren haben , den er unrer stiner Ungnade * n den Röntg geschrieben Hat . Pafqiiier , Lettres , Livr . XIII , Tom . II , p . 72 . Diejenigen , welche sagen , daß die Könige niemand lieben , und dieses als einen großen Mangel ansehen , bekriegen sich auf zweyerley Art ; denn die meisten Monarchen sind den Ausschweisungen der Freundschaft unter - worfen ; die mehr Unordnungen verursachen , als die Gleichgültigkeit und Unempfindlichkeit in ihrem Herzen errege» könnten . Man sehe hier oben die Begleichung , welche Bodin unter den letzten Jahren der Regierung Franeiseus des I , und der Regierung Heinrichs des II , gemacht hat . Man sehe auch die Anmerkung ( » ) dieses Artikels . Es wäre vielleicht zu wünschen , daß die Könige dem Weisen der Stoiker , der ohne Haß , und ohne Liebe ist , ähnlich seyn möchten . So viel ist zum wenigsten gewiß , daß die allzugütige , allznzärtliche , allzuwohlthätige und all , usrcygebig« Seele unsers Heinrichs unzähliges Uebel verursachet hat . Wir wollen zum andern Puncte schreiten .
Die Stände des Königreichs hatten 1576 beschlossen , zwölf Abgeordnete zu ernennen , die dem Rathe des Königes beywohnen sollten , wenn man daselbst die Schriften untersuchen würde , welche die drey Ordnungen Sr . Majestät überreichet hatten . Dieser Beschluß ist Heinrichen dem III , un , angenehm gewesen , weil er befürchtet , es möchten ihn diese Abgeordnete der Stände verhindern , die Sachen zum Vorcheile seiner Gewalt einzu , richten : allein da man ihm zu erkennen gegeben , daß er dadurch viel - mehr Herr über die Sachen seyn würde , so ist er vergnügt gewesen , daß die Stände dergleichen Verordnungen gemacht hatten ; und er war ver - drießlich über die Veränderung ihrer Meyming , und war deswegen übel aus den Bodin zu sprechen , der die Ursache dieser Veränderung gewesen war . Siehe die Annierkung ( I ) des Artikels Sodin . Es ist gut . den ThuanuS im LXIII B . pag . >87 , darüber zu hören . Cum Bodinns'ter - tiutn ordinem , fi vltenus pergerent , interceflurum diceret , facer ordo ac mox nobilitas acquietiif , ac commune fuffragiorum votum fiiit , ne vlli dcleeati , qui cum regiis confiliariis de poftulatis decernerent , ab OrdinibT eligerentur , contrarium cum initio placuifTet , caque rc non niedioeriter Rex animo commotus eilet , vt fupra oftendinms , poftea mutauerat , a Lugdunenfi Archiepifcopo , vt putatur , indufhis , qui prineipi POTENTIAE SVAE amplificandae SVPRA MODVM' . CVPIDO , « quo Maieftati regiae decrenientum metiie - bat , ex eo increnientum acceflurum artificiofe perfuaferat . Der Erz - bischof von Lion hat sich hierbey eines verschmitzten Stteiches bedient .
( 0 ) Ich werde etwas von seine» Andacktsübungen sagen . 1 Ich will mich der Werte des Du Verdier Vau PrivaS , i^rotop . Tom . Iii ,
FffffZ

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